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JMI 259.

Freitag, den 9. November.

1888

fuliiiitr W Jfilan.

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könnte Euch Allen nützlich sein, wenn ich Euch diese

„Erzählen Sie!" riefen Vater und Sohn nie Dinge mittheilte, da Ihr doch nicht« als da» au» Einem Munde. "" — . -

I Bartels den Freikonservativen Huyflen ersetzt. Ein Sieg ist in Breslau zu verzeichnen, wo der Konser­vative v. Jtzenplitz nach heißem Wahlkampfe aus der Wahl hervorgegangcn ist. Auch der bisher als „wild" bezeichnete Abg. Schnatzmeier dürfte nunmehr zu den Konservativen zu zählen sein. Die Konservativen haben also zehn Mandate verloren und fünf gewonnen, fie haben darnach 127 Sitze inne.

Die Nationalliberalen zählten seither 72 Mann. Sie gewinnen 15 Mandate. Die National- liberalen haben von den Freisinnigen je ein Man­dat in Altona, wo Herr Hänel unterlegen ist, Frankfurt a. M., Unterlahi.kreis, Obertaunuskreis, Samtcr-Birnbaum, Königsberg i. Pr., Süderdith- marfchen, Breslau, Kulm, Oberwesterwald und Wiesbadener Landkreis, zwei Mandate in Hamm- I Soest; ferner von den Konservativen je ein Mandat ’ in Gardelegen, Genthin, Gummersbach, von den Welfen eines in Linden. Sie haben verloren je ein Mandat in Liegnitz und Könitz. Die National- liberalen besitzen j'tzt d7 Mandate.

Die Freikonservativen haben, wie die Nationalliberalen ein Mandat in Könitz und eins in Liegnitz verloren, ferner das von Nordhausen. Dagegen haben fie von den Konservativen Pots­dam, Ostbavelland, ein Mandat in Oels, von den Freisinnigen eines in Glogau und das wildliberale in Halle gewonnen. Sie werden von 62 auf 64 Mandate steigen.

Die Deutsch fr ei sinnig en verloren drei Mardate in Breslau, zwei Mandate in Hamm- Soest, je eines in Königsberg, Thorn, Altona, Süder-Dithmarschen, Untertaunurkreis, Unterlahn­kreis, Wiesbaden-Land und Frankfurt a. M. Sie gewannen Liegnitz mit zwei Mandaten, Nordhausen und Könitz mit je einem Mandat. Neu gewählt find: Lerche (Nordhausen), Goldschmidt (Liegnitz), Lange (Liegnitz), Neukirch (Könitz). Nicht wieder gewählt find u. A.: Dr. Haenel (Altona), Jensch, Körner, Maager, Pfiueg, v. Saucken-Julienfeld, Worzewrki, Münch, Traeger, Al. x. Mayer, Fried­länder. Demnach wird die freistnnige Partei 29 Mandate b, sitzen statt bisher 40.

Die genannten Parteien verfügen zusammen über 421 Mandate von den 433 des Abgeord­netenhauses. Zwei Dänen und 10 Abgeordnete sind bei keiner Fraktion. (,®etm'.)

schrecklichste Elend hier zu erwarten hebet."

* Das Gesarnrrrtlvahlresultat

ergibt zunächst, daß das Centrum seine sämmt- lichcN Sitze behauptet und zwei S.tze hinzugewon­nen Hot. Das Centrum zählte am Schluß der abgelaufenen Wahlperiode 95 Mandate, dazu kommen 2 neue S.tze, macht 97. Drei Deutsch­hannoveraner hospitiren beim Centrum, von denen der Abg. Ct.phanus nicht gleich zu Beginn der letzten Legislatur-Periode, sondern erst im Verlauf derselben dem Centrum beigetreten war. Herr Stephanus verlor sein Mandat an die National- liberalen, so daß dos Centrum jetzt mit Hospi­tanten 99 Mann stark ist.

Die Polen kehren in alter Stärke wieder, sie besitzen 15 Mandate.

Die Deutschkonservativen zählten 132 Mandate. Als Verluste bei den diesmaligen Wahlen find für die Konservativen zu verzeichnen: Ost­havelland — bisher Gardemin, j tzt der freikonser­vative Frhr. v. SebLfc —, Potsdam — bisher v. Rauchhaupt, j tzt der freikonfervatioe Dr. Kelch, Oels-Wartenberg — bisher Graf Iorck, jetzt der freikonservative v. Kardorf —, Samter — bisher v. Kalkreuth, jetzt der freikonservative v. Nathustus- Obornik —, Jerichow — bisher Franz, j tzt der nationalliberale Konsul a. D. Weber: fünf konser­vative Mandate, welche ohne irgendwie zwingende Gründe an das „Kartell" ausgeliefert worden sind. Ein fernerer Verlust ist Lingen-Bentheim, wo der konservative Hopp- durch den sreikonlrr- 1 vativen Siüve verdrängt ist. Weitere Verluste I find : Konitz-Tuchel — bisher der konservative Dr. Sch.ffcr und der nationalliberale Wehr, jetzt ein Freifinniger und ein Centrumsmann. Hierzu ge­sellt sich Salzwedel-Gardelegen, woselbst v. Gerlach gegen Sombarth (nationalliberal) unterlegen ist. Hünfeld-Gersfeld ist an das Centrum zurück­gefallen, ko der Konservative Krekeler seiner Znt in einer Nachwahl gesiegt hatte. Endlich ist Steg» n tz — bisher der gegen Schluß der vergangenen LegislatuiPeriode verstorbene Konservative Hoff­mann-Scholz — an den „Freisinn" zurückgkfallen. — Diesen Verlusten stehen folgende Gewinne ge- I genüber: Glogau, wo der bisherige Freistnnige Maager durch den Konservaiiven Sonneck ge­schlagen ist; ferner Quer für th, wo der Konservative v. Helldoiff-Zingst an Stelle des Freikonservativen I Weidlich kommt; Mansfeld, wo der Gch. Rath

Deutsches Reich.

Berlin, 8. November.

* „Das Centrum kehrt, nach unserer Schä­tzung, um ein Mandat ärmer in den Landtag zurück", sagt die Kreuzzeitung. Diese Schätzung ist irrig. DasCentrum hat kein einziges Mandat verloren und gewann noch zwei Mandate hinzu, so daß:S jetzt 97 Mandate besitzt, statt der bisherigen 95. Rechnet man die deutschhannov.richen Hospitanten hinzu, so zählt das Centrum 99 Mandate. Selbst w?nn man dm Verlust des einen Mandats der Deutschhan­noveraner dem Centrum abrechnet, hat es immer noch ein Mandat melr gegen früher.

* Freiherr von Roggenbach ist in Berlin eingetroffen. Derselbe soll in der Angelegenheit G.ffcken als Zeuge vernommen worden sein.

* Der Anschluß Portugals ar. das deutsch- englische Abkommen gegen den Sklavenhandel an der ost-fcikanischen Küste wird binnen eimr Woche erwartet. Sobald die Verständigung der Mächte erreicht ist, soll von Mozamb'que bis Sua- kil ein Kordon von Kanonenbooten hergestellt wer­den und jede der betheiligten Mächte befugt sein, verdächtige Schiffe, welche unter der Flagge eine« der dem Abkommen l eigetretenen Länder segeln, anzuh lten und-zu durchsuchen.

* Senator Karl Schurz, der bekanntlich in Hamburg weilt, hat seine Ruckr ise rach Amerika auf Sonntag verschoben.

M« m Mn.

Roman von Gabriele d'Aroor.

(12. Fortsetzung.)

Podgey und sein Sohn hörten dem Fremden aufmerksam zu. Dieser sprach im Tone derUebe:- zeugung; er fuhr fort:

„Jenseits de» Meeres gibt es wundervoll frucht­bare Länder, begünstigt durch reizende« Klima. Dort gibt es prächtige Kolonien, zu deren Au«, beutung nichts fehlt, als eine genügende Zahl An­siedler. Sie strecken gleichsam die Arme au« nach der alten Welt und rufen: Kommet zu uns, Ihr Alle, die das Elend erdrückt. Ihr, die das Un­glück unter ein eisernes Joch gebeugt; kommt, Verfolgte, Ruinirle, Hungernde! Wir bieten Euch Arbeit und reichliches Auskommen für Euch und Reichthum für Eure Kinder. Ihr seufzet unter schwerem Drucke, dort findet Ihr Freiheit, Unab­hängigkeit und Glück. Erwarten Euch auch harte Anstrengungen und Prüfungen, so genießet Ihr doch der gleichen Rechte für Alle, die kein demü- thigender Despotismus einschränkt. Kinder deffel- ben neuen Vaterlandes, hängt Euer Fortkommen ganz von Eurer Intelligenz und Eurer Strebsam­keit ab. arbeitet, die Belohnung ist Euch sicher;

betrachtet die Reichen unter uns, die Millionäre — mancher von ihnen war ein armer Hirte oder Tagelöhner, wie Ihr; aus eigener Kraft sind fie geworden, was fie heute sind."

Tomy, der ganz Ohr war bei diesen vielver­sprechenden Schilderungen,- fragte den Fremden:

„Von welchen Ländern reden Sie denn, Mister ?"

„Da« schönste von allen ist Australien."

„Kennen Sie es von Ansehen?" fragte Podgey. „Ich traue diesen schönen Dingen in radier Ferne nicht viel."

„Ihr habt Recht, Mister," erwiderte eifrig der Fremde, „daß Ihr vor trügerischen Vorspiegelun­gen auf der Hut seid. Ich meineStheil» spreche aus Erfahrung und kann die Wahrheit meiner Angaben leicht beweisen; ich habe in Australien gelebt."

„Wirklich?" stieß Tony heraus.

„Was ich Euch sage, habe ich selbst gesehen und erlebt," betheuerte der Fremde. „Ich binJ- länder wie Ihr. Wollet Ihr meine Geschichte er­fahren? Sie wird die b.ste Empfehlung für da» schöne und fruchtbare Australien bilden."

Ausland.

* Wien, 7. Nov. Auf eine Adresse der Ver­anstalter de» Katholikentages ist von Seiten des hl. Vaters folgende Antwort erfolgt:

Leo XIII,, Papst. Geliebteste Söhne, Gruß und apo­stolischen Segen! Einen sehr guten Entschluß haben für- wahr, geliebter Sohn, jene ausgezeichneten Männer Oester­reichs gefaßt, welche, von kindlicher Liebe gegen die Kirche gleich wie gegen den erlauchten Herrscher entbrannt, den zweiten allgemeinen österreichischen Katholikentag in der | Hauptstadt des Reiches nach vorher eingeholter Zustim­mung der kirchlichen Obrigkeit zu versammeln beschlossen. Denn je heftiger in diesen unseren Zeiten der Kampf gegen die Religion und die Gesellschaft ist, desto mehr drängt die Nothwendigkeit, daß die treu ergebenen Katho­liken keine Mühe sparen, um die feindlichen Angriffe zu vereiteln und unschädlich zu machen. Darum haben Wir euer ergebenstes Schreiben, womit ihr Uns das diesfällige Unternehmen ankündiget, und die wichtigen und sehr zeit­gemäßen Gegenstände, welche am Katholikentage zur Ver-

Der Fremde, in dem der Leser längst den Aus­wanderungs-Agenten erkannt hat, ließ sich nicht lange bitten und gab eine überschwengliche Schil­derung der Schönheiten und Vorzüge Australiens.

„Aber warum find Sie denn nicht in jenem Lande geblieben?" unterbrach Wtll'am Podgey endlich den Redestrom der Agenten.

„MeineAbsicht 'st, bald dorthinzurückzukehren; ich reife augenblicklich, um die Handelsverbindun­gen meines Hause», da« hauptsächlich Wolle x- portirt, aurzudehnen. In England wie in Irland hat man mich gebeten, in einigen öffentlichen Vor­trägen die noch wenig bekannten Vortheile der Auswanderung nach Australien bekannt zu geben. Ich habe mich der Aufgabe gern unterzogen, über­zeugt, daß ich damit mekNen Landsleuten h:er wie meinem neuen Vaterlande einen Dienst leist'. Näch­stens kehre ich nach Melbourne zurück und würde glücklich sein, wenn ich zahlreiche Kolonisten mit hinüber nehmen könnte.

„Gestern erfuhr ich nun, daß der Landlord dieser Gegend mehrere seiner Pächter vertreiben lassen werde. Da habe ich denn geglaubt, ich