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Mittwoch, den 7. November.

1888

JM 257

Mm

Die »Fuldaer Zeitun«' erscheint täglich, Sonn, und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. SO Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Psennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

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Deutsches Reich,

Berlin, 6. November.

* Heber das Wahlresultat meldet das Wolff-Bureau: Von 433 Wahlen sind 429 be­kannt; davon Centrum 100, Konservative 133, Freikonservative 64, Nationalliberale 87, Freisin­nige 29, Polen 13, Dänen 2, fraktionslos 1. Die .Germania' schreibt: Die Wahlresultate, die bis jetzt vorliegen, gestatten noch keinen allgemei­nen Heberblick, nur soviel ist gewiß, daß das Gentrum in verstärkter Anzahl wieder kehren wird. Kreuzburg-Rosenberg ist behauptet und vonBeuthen- Tarnowitz ist das ebenfalls anzunehmen. Sonst haben wir nur noch sichere Wahlkreise, aus denen nur günstige Wahlberichte kommen werden. Da­neben ist aber Hünfeld-Gersfeld gewonnen und ein Mandat in Könitz-Tuche!«Schlochau er­obert, wo die polnischen und deutschen Katholiken, sowie die Deutschfreifinnigen durch Kompromiß den Nationalliberalen und Konservativen je ein Man­dat abgenommen haben.

* Die liberale .Crefelder Zeitung' druckte kürz­lich eine Erklärung ab, welche ihr angeblich von „30 katholischen Lehrern hiesiger Volks­schulen" „mit der Bitte um Veröffentlichung" zu­gestellt worden fein sollte. Diese Erklärung lautet:

Bor den Wahlen ist in ultramontanen Blättern viel­fach die Meinung zu verbreiten gesucht worden, als ob wir katholischen Lehrer auf dem Boden des Windt- horst'schen Schulantrages ständen und auch in diesem Sinne, also für das Centrum, unsere Stimme ab­geben würden. Die Haltung der weitaus größten Mehr­zahl der katholischen Lehrer bei der stattgehabten Wahl dürfte wohl deutlich den gegenteiligen Beweis erbracht haben. Sehr viele katholische Lehrer, die bis jetzt stets für das Centrum gewählt hatten, sind dies Mal durch die ungeheuerlichen Forderungen jenes Antrages zurückge­schreckt worden. Trotz allen künstlichen Abwehrungsver- suchen von Seiten der Klerikalen sprechen wir es offen aus, daß die katholischen L hrer gegenüber dem Windt- horst'schen Schulantrag rückhaltslos den Absichten zu­stimmen, wie sie in dem Artikel „Der Windthorst'sche Schulantrag und der Lehrerstand" in Nr. 296 der Cre- felder Zeitung zum Ausdruck gebracht sind. Die Lehrer­schaft erkennt nämlich sehr richtig, daß es sich bei dem in Rede stehenden Antrag noch um etwas ganz anders handelt als um die Leitung des Religions-Unterrichts — dieser liegt ja in der That überall in der Hand der Kirche — es ist vielmehr die gesammte Herrschaft über die Schule und den Lehrerstand, welche die Geistlichkeit in die Hand zu bekommen sucht. Wem das Streben der preußischen und deutschen Lehrer aller Confeffionen nach Fachaufsicht nicht gänzlich unbekannt ist, der wird niemals glauben können, daß der Lehrerstand hülfreiche Hand

3«im «m Mn

Roman von Gabriele d'Arvor.

(10. Fortsetzung.)

3.

Ein Hoffnungsstrahl.

Tomy, düster und schweigsam, berührte kaum da» ärmliche Nachtessen, das man ihm vorsetzte. Die Ereignisse des Tages, die bittere Enttäusch­ung, die ihm das Horchen eingebracht, besonders aber die Gewissensbisse über den Tod Kitty'», den er ln feinem so ganz ungerechten Zorne unadficht- lich herbeigeführt, quälten seine Seelen und raub­ten ihm allen Appetit.

Die Eltern bemerkten wohl seine Verstimmung, indeß roagten sie nicht, ihn um den Grund zu fragen, da sie annahmen, fein gezwungene« Fern­bleiben von der Hochzeit, auf die er sich so sehr gefreut, habe ihn schmerzlich gestellt. So verharrte Alle» in peinlicher Stille; selbst von den Kindern wagte keine», den Mund zu öffnen; bald ruhten ihre Blicke auf dem ernsten G-sichte de» Vater», bald auf -em von Dornen zeriffenen de« Bruders.

Plötzlich ließ stch ein Klopfen an der Thür vernehmen.

leisten werde, wenn man ihn und die Schule der Herr­schaft der Geistlichkeit ausliefern will. Ueberdies steht es noch manchem Lehrer in lebhafter Erinnerung, wie ange­nehm es stch unter der vielgepriesenen Herrschaft des Krummstabes leben läßt.

„Wtr wollen nicht untersuchen", fügt die .Niederrh. Volksztg.' bei, „welchen Mißbrauch hier die ,Gref. Zlg.' mit dem Namen „katholischer Lehrer" ge­trieben hat; diese namenlose „Erklärung" mag Jeder toxiren, wie er will. Sollten indeß in der That „30 (von etwa 190) katholische Lehrer hiesiger Volksschulen" zu einer solchen, wie der vorstehenden „Erklärung" fähig sein, so würde eine solche den besten und zwingendsten Beweis für die dringende Nothwendigkeit des Antrages Windihorst liefern. Ein Lehrer, der feinen Kate­chismus schon so weit verlernt hat, daß er nicht ein Mal mehr weiß, daß die Kirche und nur die Kirche allein, ohne jegliche Einmischung von anderer Seile, das Recht hat, den Auftrag zur Ertheilung des Religions-Hnterrichtes zu geben, ein solcher Lehrer kann sich doch nicht mehr „katholisch" nennen; einem solchen Lehrer kann doch die Kirche den Religion«-Hnterricht nicht mehr belassen; ein solcher Lehrer ist geradezu eine Gefahr für die katholischen Kinder. Aber das nicht bloß; die „30 Katholischen" höhnen Über die „vielgepriesene Herrschaft des Krummstabes" und stellen fich aus­drücklich auf den Standpunkt eines Artikels der ,Gref. Zlg.', in welchem es u. a. heißt: „Wir National-Liberalen haben oft genug hervorgehoben, daß Kirche und Religion nicht dasselbe sind." Diesen Satz machen sich die „30 Katholischen" zu eigen, toben dann Über „willenlose Puppe in der Hand der Geistlichkeit" über die „Willkür der Geistlichkeit" und raisonniren mit einem „öster­reichischen Schulmann": „Der Volksschullehrer wird nicht wanken und nicht weichen, er wird den Herren sagen: Wir sind nicht etwa ein feiles Volk von Landsknechten, die in hellen Haufen herbei- eilen, wenn die schwarze Coalition die Tromm-l rührt, die Volksschule ist nicht eine feile Dirne, die sich Jedem an den Hals wirft, sondern eine heilige Bildungsanstalt, von der alle eigennützigen Interessen fernbleiben müssen. Unb wenn auch Einige aus Ihrer Mitte fich schon seitwärts drücken und davon laufen, so lassen Sie sie laufen und sagen Sie ihnen nur: Kommt nicht wieder! Der Lehrerstand wird das Feld nicht räumen, bis der Kampf entschieden ist, wenn nicht in der Hoff­nung auf Sieg, so doch wegen der Ehre der

„Was ist denn das?" rief die Mutter erstaunt.

„So spät noch Besuch?" meinte der Paddy; „das bedeutet nichts Gute». Tomy, geh' einmal nachsehen I"

Der Angeredete, gepackt von eirent unbestimmten G-fühle der Furcht, sprang nach der Mauer und riß da» Gewehr seine» Vaters vom Nagel. War ein Verbrechen bereits entdeckt, unb standen schon >ie Eonstabler vor der Thürs, ihn ins Gefängniß zu führen?

„Hollah, macht offen!" ließ fich eine Stimme löten.

„Was wollt Ihr?"

„Ich bringe Euch etwas Verlorene» wieder," tönte e» spottend zurück.

„Wir haben nicht» verloren," antwortete Frau Podgey.

„Jawohl, öffnet nur, dann werdet Ihr schon ehen."

Der Paddy, der wohl merkte, daß er es nur mit Einem Besucher zu thun habe, schob den Riegel zurück.

„Nimm Dich in Acht," warnte seine Frau; „es ft vielleicht eine L st."

„Er ist ja allein."

Fahne. Wenn Alle untreu werden, so bleiben wir doch treu." Wenn so wirklich Lehrer denken, welche an hiefigen katholischen Schulen wirken, bann roirb’s in der That hohe Zeit, daß nicht bloß die katholischen Geistlichen, sondern daß auch die ganze katholische Laienwelt genau zusieht, wie es denn eigentlich mit der Katholicität dieser Lehrer bestellt ist, unb ob biefelben ferner noch als Erzieher katholischer Kinder gebulbet werden können. In dieser Beziehung verstehen wir wahr­lich keinen Spaß; bas hat der ver stoffene Kampf gegen bie confessionslosen Schulen bewiesen. E» war bie höchste Zeit, daß ber Antrag Windihorst gestellt wurde; die Dircusfion Über benfilben be­weist seine Nothwendigkeit, und die Erklärung der „30 ^Katholiken" zeigt uns, wie weit wir auf dieser schiefen Ebene schon herabgerutscht find."

Dieser traurigen Erklärung der „dreißig katholische Lehrer" hat stch nun nachträglich noch der „e i n u n d d r e i ß i g st e" zugesellt unb zwar durch folgende am letzten Samstag in der .Grefelder Zeitung' veröffentlichte Erklärung:

Sehr geehrter Herr Redakteur! Theile Ihnen mit, daß die Mehrzahl der hiesigen katholischen Lehrer nicht mit der Absicht einer Zuschrift an Ihre Zeitung bekannt ge­macht worden ist; die Unterschriften würden sonst eine bedeutendere, mehr als doppelte Höhe erreicht haben, da eben die Mehrzahl der hiesigen Lehrer im Herzm und aus Ueberzeugung königStreu und liberal sind und mit dem ParticularismuS und Kosmopolitismus der Ultra- montane« nichts -gemetir Haben. Wirklich ultramontane Kollegen sind hier wenige, so daß die Behauptung der .Niederrh. Volkszeitung' von mehr als einem Dutzend Zu­schriften klerikaler Kollegen etwas eigenthümlich klingt.

Daß Kulturkampfsblätter stch bar über freuen, ist erklärlich; aber daß Lehrer stch katholisch zu nennen fich nicht schämen, während ste solche Grund­sätze bekennen, bas ist, so bemerkt bie .Niederrh. Volksztg.' dazu, tief betrübend. Wir haben bie Pflicht, bie Aufmerksamkeit ber katholischen Eltern auf biete traurige Erscheinung hinzulenken, unb wir werden dieser Pflicht unablässig nachkommen. Die Eltern find in allererster Linie für die reli­giöse Erziehung ihrer Kinder verantwortlich; wenn sie daher wissen, daß unter denjenigen Lehrern, welchen sie in Folge des Schulzwanges ihre Kinder anvertrauen müssen, Elemente existiren, wie sie stch in ber Erklärung der „30 katholischen Lehrer" bekunden, bann heißt es: bie Augen aufgemacht und Obacht gegeben! Derr katholischen Eltern er­wächst die zwingende Pflicht, im treuesten Verein mit der Geistlichkeit, sich bie Lehrpersonen etwa«

„Wer weiß? Die Anberen sinb vielleicht ver­steckt; wenn Du auf mich hörst, so machst Du nicht auf; es läuft viel schlechte« Volk im Sanbe umher."

„Wollt Ihr mich hier draußen bie Nacht zu- bringen lassen? Es ist kalt unb ich bin eilig!" rief ber Klopfer.

„Wie heißt Ihr?"

„James Book — zu bienen; so macht doch zum Henker einmal auf!"

Pobgey zog den letzten Riegel fort, und die Thür bewegte stch knirschend in den verrosteten Angeln.

„Kommt herein, Jäme» Book; wir wußten nicht, daß Ihr es wäret."

„Es hat lange gedauert, bi« Ihr mich erkanntet. Ich denke, wer nicht mehr Geld im Hause hat, al» Ihr, braucht keine Räuber zu fürchten."

Der neue Ankömmling war ein Junge von etwa 16 Jahren, von hagerer Statur und listigem Buck. Ec ging geraden Wege» auf Mutter Jenny zu und sagte:

„Ihr behauptet, Ihr hättet nicht» verloren, Mutter Podgey. Ach, da» ist ja drollig! Zählet