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1888

Montag, den 5. November.

JV 255

Münz.

Mitt

Di- »llldaer Keitum' erscheint tLglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., ,S ö mit d^r b^eEschen Wochenbeilage ,Ete?ned Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

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Deutsches Reich.

Berlin, 3. November.

* Der .Reichsanzeiger' enthält folgende Mit« theilung:

„Die allerhöchste Erwiderung auf die Adresse des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin hat ttotz ihrer unzweideutigen Klarheit zu gleichzeitig wider­sinnigen und böswilligen Entstellungen in einem Theile der Berliner Presse, namentlich in Organen der sogen, freisinnigen und ulttamontanen Parteien, Veranlassung gegeben. Da es den Anschein hat, daß die bezeichneten Blätter nach einem verabredeten Plane den Versuch ge­macht haben, die Tragweite der kaiserlichen Aeußerung zu entstellen, so haben Majestät ausdrücklich zu erklären befohlen, daß es der Inhalt und die Tonart der freisinni­gen Berliner Blätter sei, welche Allerhöchstseine Gefühle verletzt haben. Bei den Beziehungen, in denen die Ber­liner Stavtbehörden gerade zu dieser Seite der Presse stehen, haben Majestät angenommen, daß dieselben zu einer Mitwirkung bei der Abstellung des gerügten Uebel- standes in der Lage und nach Maßgabe der von ihnen ausgesprochenen Gesinnungen auch geneigt sein würden."

Diese auf Befehl de» Kaisers erfolgte Erklärung befindet sich in dem nichtamtlichen Theile des .Reichsanzeiger»." Sie trägt keine Usberfchrift und keine Unterschrift, auch keine Gegenzeichnung. Die Thatsache, daß der Kaiser persönlich eine Erklärung gegen die Berliner freisinnigen Blätter veröffentlicht, ist so überraschend, daß He Ver- umthung aufgetaucht ist, es könnte sich um eine Mystifikation de» amtlichen Blattes handeln. Der Sachlage nach ist die» aber für ausgeschlossen zu halten. Die .Freis. Ztg.' bemerkt dazu, es habe zwischen Berliner freisinnige« SStaitov« i» auf die Stellungnahme zu der Ansprache de» König» keine Verabredung stattgefunden, und die freisinnige Presse habe zu den städtischen Behörden keine Beziehungen. „Wir wissen nicht — so fährt da» Organ Eugen Richter'» fort — war und wie Seiner Majestät über die Haltung freisinniger Blätter berichtet worden ist. Die Ansprache de» Monarchen hat uns Veranlassung gegeben, alle seit der Thronbesteigung desselben erschienenen Nummern unserer Zeitung in ge­wissenhafter Weise einer nochmaligen Durchsicht zu unterziehen. Wir haben aber keine Stelle ge­funden, welche in der von dem Monachen gerügten Weise die Angelegenheiten der kaiserlichen Familie bespricht oder überhaupt den Vater de» Kaiser» argen die Person de» Letzteren citirt. Dem- gemäß haben wir un» in keiner Weise

Mu m Mu.

Roman von Gabriele d'Arvor.

(8. Fortsetzung.)

Die Landstraße leerte sich; die letzten Hochzeits­gäste trennten sich eben, um ihre Heimstätten aus« zusuchen; die Einen mit lustigen Gesängen, denen man ohne Mühe anhörte, wie sehr sie auf dem Feste dem edlen Naß zugesprochen, die Anderen, besonders die jüngeren Leute, plaudernd oder träu­mend, denn Mancher von ihnen trug im Herzen eine süße Hoffnung oder Erinnerung mit sich.

Tomy allein blieb zurück; er achtete nicht dar­auf, daß bereits die Nacht hereinbrach und die am Wege stehenden Pappeln mächtige, unheimliche Schatten warfen. In seinem Herzen tobte e» von unsäglicher Wuth; fast hätte er sich auf seinen Rivalen gestürzt und ihn sein Glück bereuen lassen. Aber nein l Nelly würde ihn wegen einer solchen That verabscheut haben. Gnen Augenblick wollte er ihr nacheilen, aber ein Blick auf seine Kleidung hielt ihn zurück. Wa» konnte er ihr auch sagen? Armselig und elend gekleidet, würde er nur Mtt- leid und Spott zu erwarten haben.

„Dieser Bettler von Tomy I" So hatte ihn William genannt I Und er hatte gelacht zu seinem

von einem Unrecht überzeugen können und werden iiesel.be loyale Haltung, welche wir bisher gegen« 16er Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm II. eben­so rote gegenüber seinen beiden Vorgängern ein­genommen haben, auch fernerhin unverändert be- ibachten." Wenn Aktenstücke veröffentlicht werden, o pflegt die Situation bedenklich zu sein; da­her erregt er ein gewiffes Aufsehen, daß die ,Nordd. Allg. Ztg.' eine Darstellung über die Haltung der rreußsschen Regierung au» Anlaß de» sogenannten Moabiter Klostersturms im Sommer 1869 veröffentlicht hat, zu deren aktenmäßigem Beweise re sich bereit erklärt. Es soll au» dieser Dar- iellung hervorgehen, daß damals da» preußische Ministerium und speziell Fürst Bismarck — in einem gewissen Gegensatz zum König — strengeren Maßregeln gegen die geistlichen Genossenschaften widerrathen habe. Wozu aber soll, so fragt man, gerade jetzt dieser Nachweis dienen? Liberale Blät­ter wollen bereits wissen, die Beziehungen zwischen rem päpstlichen Stuhle und Deutschland seien seit )em Kaiserbesuche in Rom unfreundlich geworden und ein neuer Kulturkampf sei im Entstehen be­griffen. Von katholischer Seite wird dies ernst­lich bestritten.

* Die Nachricht, daß die Abberufung des preußischen Gesandten beim Vatikan Herrn von Schlözer in Erwägung gezogen sei, wird offiziös dementirt.

* Von einem bevorstehenden Besuche Sr. Maje- iät des Kaisers in Meiningen ist in dortigen yejtttqeii tuU/ia vtiuiuu.

• Kaiserin Friedrich trifft am 17. d. M. in London ein. Der Prinz von Wales empfängt seine erlauchte Schwester in Queenborough und geleitet sie nach Windsor, wohin die Königin Viktoria von England am 17. November von Balmoral zurückkehrt.

• Der Pfarrer bei St. Mauritius in Breslau, Erzpriester Dr. phil. Joseph Jaknel, ist unter dem 25. Oktober zum Propste bei St. Hedwig in Berlin und zum fürstbischöflichen Delegaten er­nannt worden.

* Zur Limburger Koadjutorfrage schreibt die .Germania' in ihrer neuesten Nummer:

lieber b:e Limburger Koadjutorfrage setzt die.Kölnische Zeitung' ihre Radomontanden fort, konstrmrt andauernd Beleidigungen des Fuldaer (soll hießen Limburger) Ober­hirten durch die Centrumspresse und zieht rote em zweiter

Unglück, hatte ihn behandelt wie einen Landstreicher, wie einen Barfußläufer! Bei diesem Gedanken er­hob sich in der Seele de» jungen Manne» ein un­bändiger Zorn. Er stürzte fort in der Richtung, wo Jener verschwunden war.

Doch plötzlich hielt er in seinem tollen Laufe inne. „Was habe ich vor?" fragte er sich. „Ich bin wohl stärker als William; aber er ist Nicht allein. Greife ich ihn an, so kommt meine Eifer­sucht vor allen Leuten an den Tag und ich brauche für Spott nicht zu sorgen. Ich kann warten. William Pody, wir treffen uns!"

Ach!" murmelte der arme Bursch, als er sich seiner Hütte näherte; „ein Bischen Geld genügt, des Menschen Schicksal zu ändern; hätte edstge Pfund Sterling, so könnte ich auch glücklich sem; aber so — niemals! niemals!"

Tomy erreichte so mit seinen trüben Gedanken eine Allee von Pappeln und Eschen, die sich am Ufer eines tiefen Teiches hinzog; es war völlig Nacht geworden, der Mond warf fein filbnhelles Licht auf den still daliegenden Teich; nachlässig senkten die Trauerweiden am Ufer die Spitzen ihrer Zweige in die Fluthen; in der Ferne zeichneten sich die Gipfel der Gebirgskette wie eine düstere Spitzen-Verbrämung am blauen Himmel ab; nichts

Donquixote gegen den selbstgeschaffenen Popanz zu Felde. Namentlich soll die Germania die erheblichsten Schlechtig- leiten begangen haben. Was haben wir denn gethan? Wir haben Aeußerungen aus Limburg ausgenommen, die owohl für als gegen die Existenz einer Koadjutorfrage prachen. Fühlt sich dadurch die Kölnische Zeitung in geheimen Wünschen gestört? Es scheint fast so, sonst würde sie nicht einen solchen Lärm erheben und wieder einmal die bischöfliche Würde so befliffen zu wahren suchen, wo Niemand sie anzutasten gewagt hat. Würde sich die Kölnische Zeitung mit ihrer Kirchenpolitik nicht in einem Kreis von Absurdidäten bewegen, so müßte sie längst ein­gesehen haben, wie ihr angebliches Eintreten für katholische Sachen gegen katholische Personen und Blätter in den katholschen Kreisen stets Gefühle des Widerwillens weckt, weil man weiß, daß sie damit Zwecke verfolgt, die nichts weniger als katholisch sind. Aber nicht einmal das, was te jetzt bei den Kölner Wahlen am eigenen Leibe erfahren hat, scheint auf das Blatt Eindruck zu machen, weil es eben schon zu weit fortgeschritten ist auf dem kultur- kämpferischen Holzwege. Im vorliegenden Falle kann man ich in Folge des Auftretens der .Kölnischen Zeitung'kaum des Eindrucks erwehren, daß eine regierungsseitige Aktion in Frage gestanden habe. Wo Rauch ist, da pflegt auch Feuer zu fein, sagte die .National-Zeitung'. Und so lesen wir denn auch in der .Deutschen Reichs­zeitung': „K. Berlin, 1. November. Trotz aller De­mentis halte ich meine frühere Mittheilung, daß wieder­holte Versuche gemacht worden sind, den Domherrn H i l- pisch in Limburg dem dortigen Herrn Bischof Klein als Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge beizuord­nen, vollkommen aufrecht. In Rom war allerdings, wie es in einem Dementi heißt, „keine Rede davon", selbigen Koadjutor in Uebereinkunft mit der Regierung zu ernennen. Man hat vielmehr solchen Be­mühungen gegenüber in Rom die feste Erklärung jab- gegeben: es würde niemals ein Coadjutor hinter dem Rücken eines Capitels ernannt werden, sondern jedesmal xtitUqfnivr.. Erk^-o-w, Diese Erklärung wird man schwerlich, sei es hier oder m Limburg, ableugnen wollen." Wenn man daneben das gespreizte Auftreten der Köln. Ztg. und ihre so offen zur Schau getragene Jnteressirtheit noch tn Betracht zieht, so muß man allerdings fragen: Ist hier eine regierungs­seitige Aktion nicht zu dem erwünschten Ziele gelangt?

Ausland.

• Die österreichischen Sozialdemokraten halten in den Tagen vom 30. Dez. bis 1. Januar einen Parteitag ab. Der Ort soll noch bestimmt werden. t.

» Pariser Blättern wird aus Wt en telegraphtrt, Prinz Heinrich von Preußen habe einen Zusatz- vertrag zu dem Dreibundsvertrage mit nach Wien gebracht, um denselben durch Kaiser FranzJoseph unterzeichnen zu lassen. Der von Kaiser Wilhelm und König Humbert bereits unterzeichnete Zusatz-

siörte die Ruhe der Natur, als da» Quaken der Frösche und hin und wieder das Geräusch eine» au» dem Wasser aufschnellenden Fische». Leise und zaghaft stimmte im benachbarten Gebüsch eine einsame Nachtigal das Präludium zu ihrem melo­dischen Concert an.

Der junge Mann machte am Ufer des Teiches Halt — Nicht» gleicht mehr der Menschenseele, als diese durchsichtige Obe, fläche, die unter einem ruhigen Aeußern unergründliche Tiefen verbirgt. Anscheinend harmlos und unerregbar liegt sie da. Aber man schleudere mtt verwegener Hand einen mächttgen Felsblock in diese stille Masse, und so- fort wird sie zornig mit brausendem Gischt sich aufbäumen und Alles mit sich sortreißen, was chr zu nahe kommt. So ähnlich war der Vorgang im Herzen des armen Tomy.

Während er noch in finsteren Betrachtungen da­stand und unverwandt in die Fluthen schaute, regte es sich plötzlich wenige Schritte von ihm ent- ^Was ist das?" fragte er sich halblaut. Die Dunkelhett hinderte ihn, den Gegenstand zu et- ^Derselbe tam näher; nun konnte Tomy unter­scheiden: es war ein Kind.