JV 251
Dienstag, den 30. Oktober.
1888
Altar W Iritiig.
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I sich ebenfalls große französische Ansiedelungen in St. Louis, Vincennes, Detroi. Die neueste und jetzt die fruchtbarste Quelle katholischer frar.- zöstscher Zunahme wird in der Einwanderung aus Kanada gefunden, welche ein kanadischer Bischof cuf 500,000 in den letzten 30 Jahren schätzt. Ein starkes spanisches Element wurde mit 18,000 Seelen zählenden Bevölkerung Florida'- im Jahre 1812 und den 160,000 Benohnern von Californien und New-Mxiko im Jahre 1848 gewonnen, beginnt al ec schneller seine Eigenlhüm- lichkeit zu verlieren als die übrigen Nationen. Das irische Element hat sich als das stärkste für die Kirche in den Vereinigten Staaten erwiesen.
i Die ersten irischen Ansiedeler waren, obwohl zahlreich, nicht hinreichend in Colonien concentrirt, um irgend welche locale Stärke zu entwickeln; aber sie gaben in den Carrolls, den Barrys, O'Briens, Syllivaus und Andern der Republik nie der Kirche viele ausgezeichnete Männer. Einen Begriff von der schnellen Zunahme der irischen Bevölkerung kann man sich aus der Thatsache bilden, daß während der letzten 40 Jahre die irische Einwanderung in den Vereinigten Staaten auf mehr als 3,000,000 sich beläuft. Ein anderes wichtiges Element, welches besonders in den letzten Jahrzehnten beinahe so stark als das irische durch Einwanderung zunahm, ist das deutsche. Die deutschen Katholken zählen über 2,000,000. Endlich darf die beständig zunehmende Bekehrung unter den eingeborenen Richtkatholiken nicht übersehen werden. Die Zahl der Convertirten unter den Gefirmten schwankt von fünf Prozent in einigen Diözesen, bis zu zwölf Prozent in anderen. Bei fo vielen und mächtigen Quellen des Zuwachses, bei der natürlichen Vermehrung durch Geburten, und bei dem Geiste des Glaubens, welcher im Stands war, alle nationalen Elemente zu freundschaftlicher Mitwirkung zu verschmelzen, verspricht das Wachsthum der katholischen Kirche in Zukunft noch bas des letzten halben Jahrhunderts zu über- treffen.
* Ueber die katholische Bevölkerung in Nord-Amerika
schreibt die .Catholic Review': Während alle Ströme der Einwanderung in unser Land münden, bemerken wir, wie große Theile von der katholischen Kirche absorbirt werden und in ihr jene Vereinigung zu finden scheinen, welche alle patriotischen Bürger aufs Sehnlichste für die bürgerlichen Verhältnisse des Landes wünschen. Keine andere Religion in Amerika hat ihre Stärke aus einer so großen Manchfaltigkeit von Quellen bezogen. Unter den ersten katholischen Einwanderern können die englischen Kolonisten genannt werden, welche Maryland unter Lord Baltimore besiedelten und das erste Beispiel wahrer religiöser Duldung im Lande gaben. Obwohl ihr Zuwachs nicht einen so großen Platz im ame- rikamschen Katholizismus einnahm wie die Franzosen, Irländer und die Deutschen, welche folgten, so haben sie doch ein dauerndes und ehrenhaftes Merkmal hinterlaffen. Da» nächste ist das französische Element — die katholischen Kinder der gallischen Race, welche au» verschiedenen Gegenden und aus sehr manchfaltigen Ursachen kamen. Zuerst kamen die 7000 Akadier, welche von den Engländern mit Gewalt von ihren Heimstätten in Neuschottland vertrieben wurden. Longfellow hat ihre Geschichte in dem anmuthigen Epos „Eoangeline" rührend geschrieben. Dann sandte zwischen den Jahren 1791 und 1799 die Revolution in Frankreich zahlreiche Priester an unsere Küsten, welche edele Verbreiter des Glaubens in ihrer Zeit wurden, und der Kirche die Bischöfe Cheverus, Marechal, Brüte, Flaget und Dubois gaben. Mehrere Tausende französischer Katholiken kamen aus Westindien in Folge der dortigen Unruhen im Jahre 1793. Eine weitere französische Bevölkerung, etwa 32,000 Seelen, beinahe sämmtlich Katholiken, wurde mit dem Staate Louisiana im Jahre 1803 der Union hinzugefügt, und es befanden
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Oktober.
* Der Kaiser ist heute Früh zur Th-ilnahme an den Zollanschlußfeierlichkeiten nach Hamburg gereist, woselbst die an der Feier theilnehmenden
antworten.
„Wie geht es?" fragte die Dame wieder.
„D, — gut, Mylady."
„Und Euer Bruder, mein Eduard?" Tomy schwieg.
Mylady, beunruhigt, drang in die Hütte Willy, düster und traurig, stand neben dem Herde; ein hübsches Baby, frisch und gesund, ruhte in der eleganten Wiege.
„Eduard! Ah, da ist er ja!" rief die Dame, ohne ein Wort zu verlieren, an das Batchen
eilend. —
„Mylady," nahm der Arzt, der die Hoffnungen der Dame kannte, das Wort, „Mylody . . ."
„Ei nun, was bedeuten denn all' die mürrischen Gesichter?"
„My'ady, es ist ein — Mädchen."
„Ein Mädchen! . . .
Und ohne auch nur mehr einen Blick auf das unschuldige Wesen zu werfen, da» so viele glänzende Träume zerstörte, stürzte sie nach der Thüre, und man sah sie nie wieder. —
So zerfloß das glückliche Zukunftsbild, das die Saure einer großen Dame den armen Leuten vor-
„Was ist denn passtet?" fragte Lady Walwich. Der junge Mann erhob den Kopf, ohne
Zeh» um Zehn.
Roman von Gabriele d'Arvor.
(4. Fortsetzung.)
Vierzehn Tags dauerte dieses Frcuden-Delirium in der armen Hütte; über den Luftschlössern der Zukunft hatte man fast schon die Vergangenheit vergtssen. Der Paddy bezahlte seine Pacht ganz und voll an den Verwalter, der, überrascht und vergnügt sich die Hände reibend, ihm sagte:
„Seht, mein lieber Willy, daß ich Recht hatte, Euch ein wenig zu drängen. Es geht nichts darüber, als wenn man sich fest zeigt; Ihr seid jetzt im Reinen mit mir, und in sechs Monaten hättet Ihr eine ganze Jahrespacht zu bezahlen gehabt."
Der Paddy zuckte leicht mit den Achseln, aber er fühlte sich so glücklich, daß er sich wenig au» den Bemerkungen des Verwalters machte. —
Es war in den ersten Dezembertagen, als die Dame, eiligst herbeigeruf.n, wieder zu der Hütte kam. Große Bewegung herrschte in derselben, wie sie sofort bemerkte.
Mylady stieg au» dem Wagen. Niemand empfing sie. Podgey kam ihr nicht, entgegen. Tony stand still weinend an der Thüre.
Mitglieder des Bundesraths bereits gestern Abend eingetroffen sind. Die Straßen Hamburgs, durch welche der Kaiser seinen Weg nahm, waren auf'» Reichste geschmückt. Bei seiner Ankunft wurde der Kaiser durch eine Senatsdeputation unter Führung der Bürgermeister Versmann und Peterhan begrüßt. Später unternahm Se. Maj. eine Fahrt auf der Alster. Der reichgsfchmückte Dampfer, welcher den Kaiser trug, wurde von 30 Alsterdampfern flankirt, wobei sämmtliche Ruderklub- Spalier bildeten. Um 1 Uhr traf der Kaiser am Jungfernstieg ein. In seinem Gefolge befanden sich Graf Moltke, Minister v. Bötticher und Graf Bismarck. Der Kaiser schritt die Front der aufgestellten Ehrenkompagnie des zweiten hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76 ab und unternahm alsdann die Fahrt durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze. Nach Verlauf ber; Festlichkeiten fand Kaisertafel in der Kunsthalle statt. Wiederholt wurden Blumen von Kindern dem Kaiser überreicht. Nachdem der Kaiser die Tribüne bestiegen, hielt der Bundesrathsbevollmächtigte Senator Dr. Versmann, folgende Ansprache: Se. Majestät wolle den Dank des Senats und der Einwohnerschaft Hamburgs dafür entgegennehmen, laß der Kaiser der Stadt die Ehre des Besuchs erwies, wodurch der Feier durch seine persönliche Theilnahme erst die rechte Weihe gegeben wurde. Hierauf v rlas Redner die Schlußsteinurkunde, worin dis Bedeutung der Entstehung und Vollendung des siebenjährigen Werkes des Zollanschluffis geschildert wird. Dr. Versmann schloß: Mit Ew. Majestät gnädiger Erlaubniß wird die Inschrift des Steines noch den spätesten Geschlechtern unserer Nachkommen Kunde geben, sodann wurde dem Kaiser Kelle und Hammer überreicht. Mit den Worten: Zur Ehre Gotte», zum Besten des Vaterlandes, zum Wohle Hamburgs, führte der Kaiser den Mörtelwurf und die Hammerschläge aus. Es folgten darauf Graf Moltke, Dr. Versmann, Senator Petersen und Minister von Bötticher. Nach Beendigung der Feier erfolgte eine Fahrt nach der Elbe.
* Generalfeldmarschall Graf von Moltke erläßt folgende öffentliche Danksagung: Für überaus zahlreich eingegangene freundliche Glückwünsche zu meinem 89. Geburtstag statte ich hierdurch herzlichen Dank ab.
* Die kaiserliche Verordnung für Einberufung
gespiegelt, und dessen Eindruck sie sich nur zu gern hingegeben hatten, in Nichts. Für den Moment waren sie gerettet, aber die Zukunft erschien ihnen nur um so trostloser. Das Kind erhielt den Namen Ketty; man sah nur Thränen an seinem Bette, uno die wahnsinnige Liebe, welche dem kleinen Eduard zugejubelt haben würde, verkehrte sich in Abneigung. Die unschuldige Kleine wurde al» Ursache alle» bevorstehenden Uebek» angesehen.
2.
Tomy Podgey.
Die ersten Jahre Ketty'H waren traurig und verlassen; der hingebenoen Sorge und jedem Kmde nothwendigen Zärtlichkeit entbehrend, sah n an nie auf ihren kleinen Wangen das frische Rosa der Jugend, noch tönte ihr Helles, muntere» Lachen durch die Hütte. Kaum beachtet von Eltern und Geschwistern, stet» unberücksichtigt, al» ob sie eine Fremde wäre, wuchs sie heran, tleich von Farbe und still verschloss n im Wesen.
Willy Podg- y konnte ihr nie verzeihen, daß sie so grausam seine brillanten Hoffnungen zerstört. Die Geschwister ließen oft genug ihren Unmu h an dem armen Wesen aus, und selbst im Herzen