JM 250
Montag, den 29. Oktober.
1888
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Wähler! Das Oberhaupt der Kirche selbst, der b. Vater in Rom, sagt euch das Nämliche. Der h. Vater befahl im vorigen Jahre seinem Kardinal-Staatssekretär, er möge den Chef des Centrums versichern, daß der h. Stuhl die Verdienste unverändert anerkennt, welche das Centrum und feine Leiter bei der Vertheidigung der Sache der Katholiken sich erworben haben. Im Namen des h. Vaters soll er ihm mtttheilen:
„Die Aufgabe der Katholiken, ihre religiösen Jntereffen zu beschützen, kann noch nicht als abgeschloffen betrachtet werden; man muß dabei die absolute und andauernde, sowie anderntheils die hypothetische und zeitliche Seite in's Auge fassen. Auf eine gänzliche Beseitigung der Kampfgesetze hinzuwirken, die legitime Auslegung der neuen Gesetze zu vertheidigen, deren Ausführung zu überwachen, das bedingt jetzt die Aktion der Katholiken im Reichstage. Es ist ferner zu bedenken, daß in einer Nation, bei der die religiösen Verhältnisse gemischt sind und der Protestantismus als Staatsreligion betrachtet wird, sich Veranlassungen zu religiösen Reizungen finden können, bei denen die Katholiken berufen sind, ihre Ansichten in gesetzlicher Weise zu vertheidigen oder ihren Einfluß zur Besserung der Lage geltend zu machen. Auch wollen Sie nicht verfehlen, hervorzuheben, daß die katholische parlamentarische Partei, welche für die unhaltbare Lage des erhabenen Hauptes der Kirche Mitgefühl hat, paffende Gelegenheiten benutzen kann, um die Wünsche ihrer katholischen Landsleute zu Gunsten des Papstes auszusprechen und zur Geltung zu bringen."
So heißt es im römischen Erlasse vom 24. Januar 1887, welcher kurz vor der letzten Reichs- tagrwahl an die O.ffentlichkeit gelangte. Die Erklärung des h. Vaters, daß das Certrum fort» bestehen müsse, gilt natürlich auch für die gegenwärtigen Landtagswahlen; man könnte sogar sagen, daß sie dafür in verstärktem Maße gilt, denn die drei Aufgaben, welche der h. Vater dem Centrum zumeist, haben jetzt eine erhöhte Bedeutung gewonnen. Seit jener Zeit hat der h. Vater denn auch nicht aufgehörl, dem Centrum und seinen Führern seine Sympathien zu bezeigen.
Wohlan denn, katholische Wähler, merket anf die Zeichen der Zeit, auf die Stimme enrer Führer, berücksichtigt eure eigenen Interessen und haltet fest an der kraftvollen parlamentarischen Vertretung der Katholiken. Tretet ein- müthig und unerschrocken am Wahltage für's Centrum ein. Vorwärts für Wahrheit, Freiheit und Recht, vorwärts durch Kampf znm Sieg!
Als!«r Wahl!
Ei« letzter Mahnruf an die katholischen Urwähler, insbesondere an diejenigen des Landtags-Wahlkreises Hünfeld-
Gersfeld!
Noch einmal erheben wir vor den Urwahlen, die morgen, am 30. Oktober, statt finden, den Mahnruf: Auf zur Wahl! Möge kein Katholik verabsäumen, sein Wahlrecht auszuüben. Selbst die dringendsten Geschäfte entschuldigen nicht, denn mehr als je ist es nothwendig, einzutreten für die glorreiche parlamentarische Vertretung der Katholiken, für das Centrum!
Wähler! Auf fünf Jahre werden dieses Mal die Volksvertreter gewählt, auf eine lange Frist, in der sich nach menschlicher Voraussicht die inner- politischen Verhältnisie gänzlich umgestalten werden. Ein junger Monarch hat mit kraftvoller Hand das Steuer des Staatsschiffes ergriffen, in einem Lebensalter, wo der Mensch noch mcht unumstößlich seine Zukunftrpläne festgefitzt hat. Noch stehe dem Monarchen Fürst Bismarck zur Seite, dcffen historische Persönlichkeit zweifellos den bestimmendsten Einfluß auf den Willen unseres Souveräns übt, denn das Gewicht feines Rathes, das unter Kaiser Wilhelm unbegrenzt war, wiegt auch unter den neuen Verhältniffen schwer. Aber Fürst Bismarck ist nahezu 74 Jahre alt und wird im Laufe der nächsten, nunmehr fünfjährigen Wahlperiode fast bis an die Schwelle des Achtzigers treten. In diesem Alter kann man nicht mehr so umfassend der Staatsleitung vorstehen, als es Fürst Bismarck thut. Er ist deshalb naturgemäß, daß sich die Parteien für den Rücktritt des Fürsten Bismarck rüsten. Hoch erheben die National- liberalen da» Haupt zum Ansturm gegen d,e konservativen Parteien. Sie wollen möglichst viele Mandate gewinnen, um ausschlaggebende Partei zu werden, mit der gerechnet werden muß, wenn Fürst Bismarck zurücktritt. Leider thun sie das unter Zuloffung der Regierung und die Deutsch-
J.'nny gehorchte, nicht ohne zuvor von dem Inhalte Kenntniß genommen zu haben. Außer der schuldigen Pacht befand sich noch eine größere Summe darin.
Die gute Frau faltete ihre Hände und mur- melte: „Der Himmel segnet uns in diesem Kinde; es wird unser Ruhm und unsere Stütze sein!"
„He, mein Junge, Du darfst Deine Arme in Bewegung setzen, um etwas für Mylady zu thun," wandte sich einer der Diener an Tomy.
„Recht gern; war verlangt Ihr denn ?"
„Reinige gründlich den Hof; man wird Sand herbeischaffen, denn Mylady kann durch d'esen Schmutz nicht waten."
„Seid sicher," erwiderte Podgcy, „daß wir nichts versäumen werden, um My'ady aus'» Beste zu empfangen."
Und nun ging'S an die Arbert. Vater und Sohn schafften den ganzen Tag, und als der Abend kam, hätte man die Hütte Podzey's mit ihrem btkiestem Hofe nicht wieder erkannt; den Gänsen wurde der Zugang vcr'perrt, Thüren und Fenster sorgfältig gewaschen, al« gälte es mindestens eine Hochzeit. Im Innern hatte die Mutter gründliche Säuberung gehalten, Wände und Fußboden er-
Zahn n» Zahn.
Roman von Gabriele d'Arvor.
(3. Fortsetzung.)
Mylady warf einen Blick auf da» armselige und schmucklose Lokal. Dann erhob sie sich rasch.
„Es ist gut. Ich komme wieder. James, meinen Pelz!"
Der Lakai legte das warme Kleidungsstück um die Schulter seiner Herrin, und Mylady ging, ohne auf die Ausdrücke de« Respekte» und der Dankbarkeit der armen Leute zu achten. Sie wußte ja, daß sie den armen Irländern Alle» bieten durfte.
Diese fühlten da» Verletzende nicht, wa» in dem Betragen der Lady lag, sie waren gewöhnt, von den reichen Besitzern Grobheiten und Geringschätzung hinzunehmen. Aber selbst wenn ein Gefühl der Bitterkeit h erüber in ihrem Herzen Platz gehabt hätte, die Aussicht, welche die Versprechungen der reichen Dame ihnen eröffneten, war so verlockend, daß alles Andere davor verschwand. Jetzt hatten sie keine Austreibung mehr zu fürchten, vielleicht morgen schon konnten sie ihre Pachtschuld bezahlen.
„Willy, das ist ein großes Glück!" sagte die Mutter de» zukünftigen Herrn von Walwich.
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konservativen sind gutmüthig genug, die Nationalliberalen zu unterstützen. Die Konservativen hoffen, durch Anlehnung an die Nationalliberalen diese an der Herrschaft zu verhindern und mit ihnen im Wettlaufe gleichen Schritt zu halten. Die Thoren sehen nicht, daß sie dabei ihre konservativen Grundsätze einbüßen mußten, während die Nationalliberalen daraus bedacht sind, ein liberales Parteiregiment zu präpariren. Ist das nicht politischer Selbstmord?
Wähler! Aus dieser Verwässerung und Schwächung der konservativen Ideen, aus dem sicher eintretenden Wachsthum der Nationalliberalen leitet sür euch her die feste Entschlossenheit, diesen Gefahren mannhaft zu begegnen. Was dis Nationalliberalen uns in den Jahren ihrer Herrschaft gebracht, wie verhängnißvoll ihre parlamentarische Wirksamkeit für das Vaterland gewesen, habt ihr alle schwer erfahren. Ihr katholischen Wähler seid es gewesen, welche die Nationalliberalen herabgeworfen haben aus der Höhe ihres Einflüsse». Wohlan denn, noch einmal ergeht der Ruf in der Stunde der Gefahr an euch: Vorwärts in den Wahlkampf gegen den unheilbringenden Nationalliberalismus!
Wähler! Euere beste Waffe in diesem Kampfe ist das Centrum, das Muster für die ganze katholische Welt. In der Parteien Gewirr erhaltet Euch da» Centrum stark, damit ihr in die Wagschale der kommenden Entscheidungen ein schweres Gewicht zu legen habt, da» die nationalliberalen Hoffnungen emporschnellen läßt, wie Schreck, erhaltet euch da» Centrum, damit ihr ein Fundament habt für eine wirklich konservative Partei, an welche sich auch die protestantischen Konservativen anlehnen müssen.
Wähler I Euere bürgerlichen und religiösen Jntereffen erheischen dringend, daß ihr muthvoll für das Centrum eintretet. Habt ihr nicht auch die mahnenden Worte des Erzbischofs von Köln vernommen, die wir berichtet? Für christliche Männer sollt ihr eintreten, für Männer, welche ein Herz haben für da» nothlcidende Volk, welche einstehen für die Kirche und bitt christlichen Charakter der Schule. Und dasselbe sagt der Bischof von Münster, ruft euch der Bischof von Trier zu, diese Anschauung theilt auch der hochwürdige Herr Bischof von Fulda, ja der ganze Episkopat. ________________________
„Ja, es ist ein großes Glück," antwortete mechanisch ihr Mann, der noch gar nicht an die Wirklichkeit des eben Erlebten glauben konnte. Alle» erschien ihm wie ein Traum.
Die Kinder verfolgten mit den Augen die elegante Kalesche mit den goldverbrämten Dienern.
„Mutter," fragte die kleine Susy, „wird unser Brüderchen solch' einen schönen Wagen haben?"
„Ja, mein Herz."
„Er wird sehr reich sein," bemerkte Georgy wichtig.
„Und wir auch," fügte Tomy bei.
„Nun werden un» die Kartoffeln nicht mehr fehlen," sagte die kl« ine Maiy.
„O, wir werden noch viel Bessere» bekommen," meinte William.
„Wa» denn, Weißbrod?" fragte das Kind, da» wohl schon Weißbrod gesehen, aber noch nie gekostet hatte.
„Gewiß, und noch Meles, was nur reiche Leute essen." — —
Am andern Morgen erschienen zwei Dienstboten der Lady; der Eine übergab Podgey eine Börse.
Der Paddy öffnete sie eiligst. „Da, Frau, verwahre da« einmal gut."