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1888

Donnerstag, den 25. Oktober.

Die Fullmer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Merteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne unb Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Die attkonservativen Blätter

richten noch in letzter Stunde die beweglichsten Aufrufe an die Mitglieder ihrer Partei, sich zu ermannen und sich nicht von den National- Liberalen und „verblaßten Konserva­tiven" verdrängen zu lasten. So schreit t der .Reichsbote':

„Wenn die Konservativen aushören, wirklich konservativ zu sein und die konservative Weltanschauung zu ver­treten, dann werden die Liberalen sich erst recht sagen: wozu brauchen wir nun konservativ zu werden? Die libe­ralen Anschauungen vertreten die Liberalen immer noch besser, als solche verblaßten Konservativen thun könnten. Die konservative Bevölkerung aber würde sich erst recht von einer solchen konservativen Partei trennen, die nicht mehr in voller Klarheit und Wahrheit die konservative Fahne hoch hielte! Unsere von den zersetzenden natura­listischen, sozialistischen und demokratischen Ideen erfüllte Zeit braucht eine konservative Partei, welche mit fester Hand die christliche und konservative Weltanschauung hoch hält und mit einem Herzen voll opferfreudiger Hin­gabe an das Wohl des Volkes und das Gedeihen des Staates vor die Nation tritt — eine konservative Partei, die klar und bestimmt weiß, was sie will, aber auch eben so entschieden will, was sie weiß. Unsere Zeit erfordert Männer der That! Je mehr die konservative Partei ihre Reihen mit solchen Männern füllt, desto mehr wird sie sich auch die Herzen [unb mit ben Herzen auch bie vpfer- freubigen Hände der Nation erobern! Nur das kann.und wird ihr helfen!"

Sehr intereffant ist in gleicher Richtung auch ein „offenes Wort", welches die in Stadthagen erscheinende.Schaumburg-Lippische Landes-Z-itung' an die Deutsch - Konservativen richtet. Da liest man in einem Artikel mit der Uebrrschrist. „War ist zu thun?" u. A. Folgendes:

„Daß die Wahlpolitik der preußischen Regierung auf eine Schwächung der konservativen Partei, auf eine mög­lichst weitgehende Beseitigung der selbstständigen kon­servativen Abgeordneten hinausgeht, ist offenbar; Niemand wird sich darüber täuschen. Gelingt dieser Plan, so wird der Rest der konservativen Fraktion des preußischen Ab­geordnetenhauses die konservative Partei vor den Wählern noch mehr in Mißkredit bringen, als dies ohnehin schon geschehen ist. Man bemüht sich, nachzuweisen, daß die Differenzen in der konservativen Partei nicht so erheblich seien, wie in anderen Parteien. Das ist ganz richtig. Wenn man die Grundsätze erörtert, zu welchen man sich bekennt, so herrscht in der konservativen Partei die schönste Harmonie. Es ist nur eine Differenz da: der eine Theil will jene Grundsätze vertreten auch gegen die Regierung, der andere nicht. Und der letztere Theil hat leider in der konservativen Partei so viel Boden gewon­nen, daß bie Aktion ber Partei schon lange gelähmt ist. Eine Zeit lang haben sich bie besten Stützen ber konser­vativen Agitation an biefem Zustanbe geärgert, ohne sich die Unterstützung der Partei verdrießen zu lassen. Aber allgemach ist man der Sache doch überdrüssig und müde

Zahn nm Zahn.

Roman von Gabriele d'Arvor.

------- (Nachdruck verboten.) „Der Name eines irischen Pacht- Herrn ist Gegenstand des Abscheues der ganzen Christenheit." .Times'.

1.

Mylady.

In der Grafschaft Cork im Süden Irlands lag vor wenigen Jahren ein kleines bescheidenes Ge­höft einsam im Schutze einiger Pappelbäume. Nichts macht hier den wohlthuenden Eindruck jener bäuerlichen Behäbigkeit, an der das Herz sich er­freut, wenn man sich einmal aus dem Leben und Treiben der großen Städte losreißt und feine Schritte in die blühenden Gefilde der deutschen Heimath lenkt; im Gegentheile, Alles sagt uns hier, daß die Bewohner dieser strohgedeckten Hütte trotz der anscheinend nicht unfruchtbaren Gegend nur ein kümmerliches Dasein führen. Keine mäch­tige, wohlgefüllte Scheune, keine ausgedehnte Stal­lung, aus dem dis gehörnten Bewohner neugierig den Fremdling anstteren, kein muntere» Fohlen, das in unbändiger F öylichkeit noch feiner Freiheit

geworben: an ben jetzt bevorstehenben Landtagswahlen betheiligt sich ber Äem ber konservativen Agitation wenig­stens in ben konservativen Wahlkreisen des Westens fast gar nicht mehr. Man ist enttäuscht. Man will für eine solche Partei nicht weiter arbeiten. Hessen ist erobertes Gebiet für bie Konservativen. Mit welcher Mühe, mit welch' einmütiger Begeisterung ist btt gearbeitet worben ! Unb wie herzerhebenb war ber Siegeszug ber Konser­vativen. Unb wie schmählich ist ber Reichthum verthan! Wir haben noch neulich mit einer Reihe von Säulen ber konservativen Partei in Hessen lonferirt; überall heißt es: „fällt uns gar nicht mehr ein." In bem kon­servativen Verein für Hessen unb Walbeck haben in ben letzten Jahren zum großen Theil neue Männer bie Oberhanb gewonnen; bie alten Führer unb Vorstands­mitglieder sind in ben Hintergrund, in bie Minderheit gedrängt. Die Wahl ber neuen Männer ist nur möglich gewesen, weil zu ben General-Versammlungen des Vereins die Mitglieder vom Lande sich nur sehr vereinzelt einzu­finden pflegen. Das Vertrauen ber tüchtigsten unb besten Agitationskräfte ber konservativen Partei in Hessen genießt ber neue Vorstanb nicht. Angesichts ber Misere ber cvn- servativen Fraction bes Abgeorbnetenhauses unb ber un­erquicklichen Zustande in ber Partei-Organisation Hessens haben sich bie tüchtigsten unb besten Kräfte ber Partei, so weit sie nicht bie Antisemiten unterstützen, von bem politischen Leben überhaupt zurückgezogen. Wir füh­ren bie uns näher bekannte Sage in Hessen an als Para­digma. Aehnlich wie dort ist es auch ander­wärts. Aehnlich ist es auch in ben oberen Schichten ber Partei. Der Rücktritt bes Hrn. v. Minnigerode unb sogar bes Hrn. v. Rauchhaupt ist ja nichts anberei, als ein beutliches Symptom jenes unerquicklichen Zustanbes, welcher es ben besten Elementen ber Partei nicht erlaubt, sich behaglich zu fühlen, welcher biefen Elementen bie Lust an fernerer Mitarbeit nimmt. Was ist bei biefer Sach­lage eigentlich zu thun? Es wäre sehr viel zu thun ge- roefen. Di« Pa»t«il«itiing h-itt» es nicht fn weit, f nm men lassen dürfen, wie es jetzt gekommen ist. Aber rote konnte sie etwas thun, ba sie burchauS nicht gewillt ist, ben „rechten Flügel" ber Partei zu stärken, sich mit diesem unter allen Umständen solidarisch zu erklären. Die Par­teileitung ist längst nicht mehr getragen von bem Ver­trauen bes Kernes ber konservativen Partei. Wenn bte konservative Fraktion nie einen Zweifel barüber gelassen hätte, baß sie mit Männern wie Stöcker, Hammerstein, Minnigerobe stehe unb falle, so würde man diese Männer nicht an die Wand zu drücken gewagt haben. Die Sache ist jetzt verpfuscht. Die jetzt bevorstehenden Landtags­wahlen sollen dazu dienen, den Kern der konservativen Partei zu unterdrücken. Was ist zu thun? Haben Die­jenigen Recht, welche sich zurückziehen unb nichts mehr thun? Hat Hr. v. Rauchhaupt Recht, welcher sich aus bem parlarnentarsschen Leben zurückzieht unb für die ge­genwärtige konservative Fraktion, für die jetzt beabsich­tigten konservativen Landtagswahlen weiter wirkt? Beide scheinen uns nicht Recht zu haben. Im Interesse des deutschen Vaterlandes, auch im Interesse Preußens wün­schen ro:r jene konservative Richtung stark vertreten, welche selbständig und ohne überflüssige Rücksichten ihre Ge­sinnung bekundet. Aber man hilft dazu, diese Richtung zu unterdrücken, wenn man jetzt, sei es durch passives genießt — einige magere Gänse, die auf dem morastigen Hofe gierig nach Nahrung suchen, schei­nen so ziemlich den ganzen Viehstand zu bilden.

Es ist kalt, ein unfreundlicher Tag im Spät­herbste; durch die entlaubten Bäume pfeift der eistge Nordwind und die Gipfel der umliegenden Berge haben bereits ihren Winterschmuck angelegt. Eine beklemmende Trauer und todesähnliche Stills herrscht ringsumher. , ,

In der Hütte, die fast ganz von einem ernztgen, allen Bedürfniffen der Familie dienenden großen Raum eingenommen wird, geht ein Mann mit großen Schritten auf und ab. Die kurze Pfeife im Munde, die Hände auf dem Rücken, ist er offenbar mit ernsten Gedanken befchäst:gt, dis ihn seine Umgebung vergessen laffen. Neben dem Ka­min, in dem ein Torffeuer glüht, b'ffsrt eine Frau alte Kleider au«; eine ganze Schaar Kinder, sagen wir fieben, find theils mit kleinen Arbeiten beschäftigt, thcils umstehen sie fröstelnd das Feuer. Der Raum ist höchst einfach ausgestartet; ein roh gezimmerter Tisch und eben solche Bänke, sowie ein alter Schrank bi-den das Hauptmobiliar. Hinter einem Verschlage befinden sich, in Abthei- lungen getrennt, die Betten der Familie — Betten

Verhalten, sei es durch Mitwirkung ohne Vorbehalt, bie „konservativen" Wahlen unterstützt. Deshalb müssen wir gegen bie konservative Agitation in zahlreichen Wahlkreisen auftreten, weil biefe Agitation, sie mag übrigens gemeint fein wie sie will, nux dazu bient, bie Unterdrückung des Kernes der konservativen Partei zu vervollständigen. Man wirst ein: das würde den Freisinnigen nützen. Ja, aber diese ganze Politik der Offiziösen muß ohnehin schließ­lich nvthwenbigerweise dem Freisinn zu gute kommen. Wir sind nicht schuldig an diesem Nebel. Es ist den Offi­ziösen schon seit Jahren gesagt, daß sie die besten Ver­bündeten des Freisinns sind. Nach einigen Jahren wer­den sie ja wohl einsehen, daß es wirklich so gewesen ist. Aber dies Thema, bei welchem der Menschheit ganzer Jammer an uns herantritt, wollen wir nicht weiter erör­tern. Wir sind es dem Vaterlande wie uns selber schul­dig, daß wir uns losreißen von einer Partei-Organisation, welche, unfähig und ohne den Willen, die Unterdrückung des Kernes der Partei zu verhindern, diese Partei selbst in bieSage gebracht hat, baß sie nur aus ihrer Asch[e wieder zu neuem Seben erstehen kann. Aus dieser That- sache müffen die Eonsequenzen gezogen werden selbst wenn schwächliche Charaktere stch vor diesen fürchten!"

Aus diesen Ausführungen tritt Einem in der That „der Menschheit ganzer Jammer" entgegen. Der Rückgrat der konservativen Partei ist ge­brochen; man weiß, wer den Schlag geführt hat. Die Konservativen dürfen die großen Hoff­nungen, die sie anfangs auf den Thronwechsel ge­setzt hatten, begraben. Die Mittelpartei ist Trumpf, die Konservativen haben sich ihr blind anzuschließen und werden nur als willenlose Ver­stärkung derselben geduldet. Sie danken dies ih­rem guten Freunde, dem Reichskanzler, den sie nach Rauchhaupt auch dann noch verehren, wenn er ihnen dritte grvk.--

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Oktober.

• Der königliche Hof legt heute für den ver­storbenen Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen auf 8 Tage die Trauer an.

* Die nationalliberale .Nationalztg.' ist entsetzt und entrüstet darüber, daß die Reichsregierung ein Kapuzinerklösterchen inSigolsheim im Elsaß zugelassen hat! Da» Verhalten der badischen Na­tionalliberalen beweist, daß die .Nationalztg.' da­mit au» dem Herzen ihrer Partei spricht. Da» wird bei den preußischen Landtagswahlen manche Redner dieser Partei doch nicht abhalten, blöden Wählern stch als Gegner de» „Kulturkampfes" hinzustellen.

• Der Reichstagsabgeordnete Dr. Freiherr von

sage ich, doch nein, ärmliche Strohlager mit schlech­ten Decken, ein anderes Nachtlager ist den meisten irischen Pächterfamilien unbekannt. Fügen wir als Schmuck noch ein von Alter fast unkenntlich gewordenes Kruzifix, ein Madonnabild und ein Bild des heil. Patricius, des Patrons Irland», hinzu, welche drei Gegenstände in keiner irischen Hütte fehlen, so sind wir mit unserer Skizze zu Ende.

Plötzlich hält der Mann in seinem Marsche an. Beim Scheine des schwachen Herdfeuers können wir seine Gestalt genauer ins Auge faffen. Es ist eine robuste Figur, gut sechs Fuß hoch, mit breiten Schultern und starkknochigen Gliedern. Der volle blonde Haarwuchs, bei? wettergebräunte Teint, die energischen und regelmäßigen Züge, der große Mund und freie Blick machen auf den Fremden einen günstigen Eindruck. Willy P dgcy galt für einen der schönsten Leute der Grafschaft. Er trug eine Aermelweste von grober Leinwand und Bein­kleider von rauhem, kräftigen Stoffe, der anschei­nend schon Jahre überdauert; seine nackten Füße fleckten in Holzschuhen.

Jenny, seine Frau, rühmte man ebenfalls ehe­dem als ein schönes Mädchen; groß und,schlau