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Dienstag, den 23. Oktober.

1888

Mimr

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* Die Versöhnung der Häuser Hohenzollern nnd Naffan-Oranien hat sich Ende September in der Nähe der Insel Mainau, dem Sommerfitze de» Großherzog» von Baden, vollzogen. Nun brachte die .Pol. Äon.' jüngst eine hochrffiziöse Berliner Zuschrift über diese Aussöhnung und sagte dab« • Die Be­gegnung, welche Herzog Adolf mit Kaiser Wilhelm auf Schloß Mainau hatte, sei für die ehrwürdige Kaiserin Augusta eine tiefempfundene Weihe ihres Geburtstages gewesen, und sicher sei die Freude dieser Stunde auch von den Schwestern des Her­zogs, der Königin von Schweden, der Fürstin von Waldeck und der verwtttweten Fürstin zu Wied, welch« seit Jahren zu diesem Ausgange mitgc- wirkt, vollauf getheilt worden. Die Frucht dieses Entschlußes der Herzogs werde ein entschiedenes Eintreten der deutschen Politik für das Luxem- burg'sche Thronrecht de» Hause» Naffau- Oranien sein. Schon zu Anfang diese» Sommers hätte Deutschland Gelegenheit genommen, sich zu Gunsten dieses Erbrechtes mit voller Bestimmtheit auszusprechen. Man konnte den Fürsten, die im Jahre 1866 an Preußen Land und Krone ver­loren, nicht zumuthen, daß sie sich so bald in ihr Schicksal fügten. Am ehesten noch hat dies der Herzog von Nasiau gethan. Er schloß Frieden, nahm eine Jahrcsrente an und hat somit that- sächlich die Vorgänge jenes Jahres anerkannt. Umtriebe zur Wiederherstellung seiner Macht hat er niemals begonnen. Eine Annäherung fand dann allmählig statt und erhielt ihren Ausdruck in der Vermählung seiner Tochter Hilda mit dem Erbgroßherzog von Baden, — eine Verbindung, welcher der alte Kaiser Wilhelm fteudigen Herzens seinen großväterlichen Segen gab. Den Be­mühungen des Großherzog» von Baden ist es ge­lungen, auch noch die letzte Scheidewand nieder­zureißen, und in Konstanz war es, wo unlängst Herzog Adolf von Naffau den Enkel Kaiser Wil­helm« in preußischer Generalsuniform begrüßte.

Diese Begegnung ist offenbar erfolgt im Hin- blicke auf die Kränklichkeit des König» von Hol­land, Wilhelm III. D«rselbe steht im 72. Lebens­jahre. Nach seinem Tode erlischt die Personal­verbindung zwischen Holland und dem Großherzog- thum Luxemburg. Die holländische Krone wird olrdann auf die einzige Tochter des Königs

Pie Tochter des MmmeMchs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(53. Fortsetzung.)

Eie beachteten es nicht, daß leise sich die Thüre öffnete und Swanahild auf der Schwelle erschien; sie wollte sehen, wo die Beiden so lange verweil­ten, und stand nun in stummer Ueberraschung vor dem Anblick der Glücklichen. Biffula gewahrte die Königin zuerst; sie flog auf dieselbe zu und rief jubelnd:

„Mutter, er bleibt, bei uns, er wird uns nie verlaßen I"

Merobaudes aber trat vor die edele Frau hin und sprach:

„Hehre Fürstin, Deine Tochter B.flula hat ein- gewilligt, meine Gemahlin zu werden. Unsere Siebe, die usis nun beseligt, reifte unter schwerem Leid. Mache unser Glück vollkommen, gib Deinen mütterlichen Segen zu unfern Bunde."

Em Strahl der Freude verklärte das Angesicht der Königin.

„Wie könnte ich Dir, dem Edelmüthigsten, dem Besten die Hand meines Kindes versagen! Ich preise mich glücklich, ihr Geschick Deiner Führung

übergehen, während das Großherzogthum Luxem­burg nach dem Salr'schen Gesetze an die Wal- ram'sche Linie de» Hauses Nassau fallen muß. Herzog Adolf von Nassau wird alsdann souveräner Großherzog von Luxemburg. Der Erbprinz Wil­helm von Naffau, welcher gegenwärtig im 37. Lebensjahre steht, aber unvermählt ist, wird Erb- prinz von Luxemburg. Bekanntlich gehörte früher da» Großherzogthum Luxemburg zum Deutschen Bunds. Al» Preußen unmittelbar vor Ausbruch des Krieges 1866 denselben für aufgelöst erklärte, gewann da» Großherzogthum seine völlige Selbst- ständtgkeit wieder. Die Hauptstadt des Landes war bi» dahin Buude»festung mit preußischer Be­satzung gewesen. Die luxemburgische.Regierung verlangte den Abzug der preußischen Besatzung, ohne mit dieser Forderung durchdringen zu können. Im Frühjahre 1867 mischte sich alsdann Louis Napoleon in die Angelegenheit, und es fädelte sich zwischen dem Könige von Holland und Louis Napoleon ein Verkauf der Großherzogthum» an Frankreich ein, welcher durch eine Volksabstim­mung nach Napoleonischem Muster bestätigt werden sollte. Jndeß der König von Holland plauderte die Sache zu stütz im Haag gegenüber dem preu­ßischen Gesandten aus, während Napoleon sich selbst die erste Eröffnung darüber an den Fürsten Bismarck vorbehalten hatte. Verhandlungen über die luxemburgische Frage unter den Großmächten hatten alsdann zur Folge, daß am 13. Mai zu London auf einer Konferenz der europäischen Mächte ein Vertrag betr. das Großherzogthum Luxemburg beschlossen wurde. In diesem Ver­trage wird unter ausdrücklicher Wahrung aller Erbfolgerechte des Haufe» Nassau das Großherzog­thum Luxemburg für einen unabhängigen Staat erklärt. Dasselbe soll für ewige Zeiten einen neu­tralen Staat bilden (perpetuellement neutre). Diese Neutralität wurde unter die Kollektiv-Garantie der Unterzeichner de» Vertrages gestellt mit Aus­nahme von Belgien, welche« selbst ein neutraler Staat ist. Die englische Regierung hat diese Neu­tralitäts-Akte ebenfalls unterzeichnet, aber im Par­lamente bald darauf erklärt: in einen Krieg, der zur Wahrung der Neutralität Luxemburgs entstehe, werde sie sich nicht einmischen. Irren wir nicht, so hat damals der englische Premierminister (Glad­stone) da« Wort von „einem werthlosen Blatte Papier" gebraucht. Luxemburg ist verpflichtet, die

anvertrauen zu dürfen. Längst gewahrte mein mütterliches Auge Biffulas tiefe und, wie ich glaubte, hoffnungslose Neigung zu Dir. Möget Ihr glück­lich werden, meins theuren Kinder! Mögen die Götter Euer Bündniß segnen!" Mit diesen Worten legte sie frohbewegt die Hände Beider in einander.

Als der Feldherr bald darauf seinem harrenden Reitertrupp zurief: „Wir begleiten die Frauen nach der Augusta!" da gab lauter Jubel sich kund. Das Schiff lichtete die Anker, und langsam fuhr man den Rhenus hinauf. Draußen tobten die Winterstürme, doch in dem Herzen der drei glück­lich vereinten Menschen war lauter Sonnenschein. In dem seligen Bewußtsein, einander anzugehören für immer, schwand selbst das Herbe der Ver­gangenheit, hatte die Erinnerung an die varher- gegangenen Kämpfe und Leiden eine eigene Süßig­keit. Das nicht geringste Glück empfand die Königin. Wenn der Cäsar ihr auch die volle unumschränkte Freiheit verheißen, so hatte der Gedanke, daß sie und Biffula Unterthanen des verhaßten Römerreichr bleiben sollten, etwas unendlich Peinigendes für sie umschlossen; doch nun war die Morgenröthe einer schönen Zukunft strahlend angebrochen, denn ihre unter römischem Einflüsse erzogene Tochter wurde ja Königin eines germanischen Vo.ksstammer.

Festung Luxemburg zu schleifen und in dieser Stadt nur so viele Gruppen zu halten, wie nöthig find zur Aufrechthaltung der Ordnung. Preußen ver­pflichtet fich, seine Besatzung aus Luxemburg zu- rückzuziehen. In den Bestimmungen dieses Ver­trages liegt ein Hinderniß gegen einen demnäch- stigen Anschluß Luxemburg» an das deutsche Reich; denn die Vereinigung würde den neutralen Cha­rakter Luxemburg» aufheben. Unbeschadet der Neutralität Luxemburg aber bildet dasselbe nach wie vor einen Theil des Zollverein»; auch ist die Wilhelm-Luxemburgische Eisenbahn (113 Kilom.) von der Verwaltung der Reichsbahnen im Elsaß gepachtet und wird von derselben verwaltet. S» würde nicht» im Wege stehen, in ähnlicher Weise auch Post, Telegraphie und andere Verwaltungs­zweige auf das Reich zu übertragen, wenn solche» im beiderseitigen Interesse liegend erachtet wird. Die Bevölkerung von Luxemburg (213,283) ist bis auf etwa 3000 bis 4000 Personen, die sich der ftanzöfischen Sprache als Umgangssprache be­dienen, ausschließlich deutsch; auch wohnen in dem Großherzogthum 12,000 Angehörige de» deutschen Reiche». Luxemburg ist ein deutscher Wachtposten gegen Frankreich. Regiert dort einst ein deutscher Fürst, so ist damit eine erhöhte Garantie be» Frie­dens gegeben. Luxemburg ist durch die Ungunst der Verhältnisse von Deutschland politisch loSge- riffen worden. Durch Die Agitation französischer Agenten ist auch das Volk dem Deutschthum ent» fremdet. Leicht könnte sich dort das wiederholen, was wir im deutschen Elsaß und in Deutsch-Lothrin­gen beklagen: daß das Volk seines nationalen Zu­sammenhanges mit dem großen gemeinsamen Vater­lande nicht eingedenk bleibt und verwälscht. Davor dürfte es die Regierung des mit Preußen völlig ausgesöhnten Hauses Naffau bewahren.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Oktober.

* Das Kartell kracht an allen Ecken und Enden; dasHaus scheint baufällig, so jung e» noch ist, und der Blick, den die klaffenden Risse in'» Innere gestatten, zeigt das häßliche Bild einer Wirtschaft, in der Leute ohne innere Neigung zu kurzem, wilden Zusammenleben fich vereinigt und durch lärmenden Uebermuth den Nachbarn Aerger- niß gegeben haben. Schon liegen fich nicht mehr

In freubiger Stimmung erreichte man nach wenigen Tagen Confluentes *).

„Sei mir Mosella gegrüßt, durch Boden und Pflanzung gepriesen,

Längs dem Felsengestad' umblüht von duftendem Weinlaub!' citirte Biffula bie berühmten Verse ihres Pflege­vaters Ausonius, als man in bie Mündung be» lieblichen Flusses einfuhr. Die golbhaarigen Nixen des Stromes waren unfern Reisenden gewogen; nach nicht gar zu langer Zeit tauchten die Riesen­bauten der abendländischen Hauptstadt vor deren Blicken auf. Noch aber hatten sie dieselbe nicht erreicht, als eine reichgezierte Gondel nahte, und der jugendliche Cäsar, sowie der edle Ausonius das Verdeck betraten. Beide hatten durch den vor- ausgefandten Reitertrupp die baldige Ankunft der Freunde erfahren und waben ihnen entgegengeeilt. In tiefer Rührung begrüßten ste die von den Todten erstandene Alamannenkönigin, und voll stürmischer H-rzlichkeit umarmte Gratian seinen ihm auf's Neue geschenkten Edelfalken. Dieser sprach lächelnd zu ihm:

„Habe Dank, mein Kaiser, daß Du mich gleich­sam mit Gewalt oazu nöthigtest, die Begleitung

i) Coblmz.