1888
Montag, den 22. Oktober.
JV 244.
I Bfiliin?.
F«li>«er
Die Fulda« Zeitung' erscheint täglich, Sonn, und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., ' mit der belletristtschen Wochenbeilage ,Stern« und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.
Inserate: Di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Oberhirtlicher Erlaß, die Wahlen zum preußischen Landtage betreffend.
Geliebte Diözesanen I Wiederum ist der Ruf an uns ergangen, Bertreter für das Haus der Abgeordneten zu wählen. Am 30. d. M. sollen die Wahlmänner gewählt werden und am 6. November durch diese Wahlmänner die Abgeordneten.
Obwohl nun für Jeden, welcher den öffentlichen Ver- hältniffen und ihrer Entwickelung nur einige Aufmerksamkeit zuwendet, die hohe Bedeutung und Wichtigkeit der Wahlen einleuchtet und besonders der bevorstehenden, die zum ersten Male für eine längere und zwar fünfjährige Periode Geltung haben sollen, — so erachte ich es doch als eine besondere Obliegenheit meines oberhirtlichen Amtes, euch, wie in frühern Jahren, so auch jetzt zu ermahnen und mit allem Nachdrucke dazu aufzufordern, daß ihr bei dieser Gelegenheit euerer Gewissenspflicht als Staatsbürger und als treue Katholiken eingedenk seid und demgemäß handelt.
Der Einfluß, den die Abgeordneten auf die Gesetzgebung und die Gestaltung der wichtigsten Verhältniffe üben, ist ein tiefgreifender. Staat und Familie, Kirche und Schule werden davon betroffen. Und eben deshalb liegt überaus viel daran, daß recht einsichtige und wahrhaft gutgesinnte Abgordnete in möglichst großer Zahl aus der Wahl hervorgehen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn Alle, die es wohl meinen mit Staat und Kirche, von ihrem Wahlrechte mit gewissenhafter Treue Gebrauch machen. Saffet euch daher, geliebte Diözesanen, durch keine Rück- ficht und durch keinerlei Beschwerden und Opfer von der Theilnahme an der Wahl abhalten. Kommet ohne Ausnahme und lasset Keinen von euch die 'schwere Verantwortung treffen, daß durch seine Theilnahmslosigkeit den verderbenbringenden Bestrebungen anti-christlicher Parteien Vorschub geleistet werde.
Und dann richtet bei der Wahl der Abgeordneten euer Augenmerk auf Männer, die von Religion und Gottesfurcht durchdrungen sind, die mit klarem Blick erkennen, was uns Noth thut, und die ohne Menschensurcht offen und entschieden eintreten für die Aufrechterhaltung und Durchführung der christlichen Grundsätze und insbesondere auch für den christlichen Charakter der Schule. Nur wenn wir unsere Schuldigk.it thun und solche Männer als unsere Vertreter in den Landtag senden, können wir mit zuversichtlichem Gottvertrauen den vielfachen, das wahre
Air Sechter in Almamendmigs.
Historischer Roman von Antonie Haupi.
(52. Fortsetzung.)
Sie erwachte unter feiner liebkosenden Bc- rührung und richtete sich verwirrt aus seinen Armen empor.
„Ach, wie ist mir?" fragte sie leise. „Sagtest Du mir nicht, meine Mutter lebte und sei hier?"
Er lächelte ihr freundlich zu.
„Gewiß, ich sagte so, mein Kind. Morgen werden wir zu ihr gehen und ihr die volle Freiheit wiedergeben," entgegnete er mit Wärme.
„Morgen schon I"
Sie faltete die Hände und blicke in seliger Verklärung vor sich hin. Einem unbefangenem Beobachter als Merodaudes wäre vielleicht auch der leichte Schimmer vor Wehmuth nicht entgangen, der sich gar bald mit dem Ausdrucke der Freude auf ihren holden Zügen paarte. Beide besprachen nun die nächsten Schritte, welche noch einzuschlagen waren; Keines aber verricth fern Andern, wie viel Leid und Trennungsschmerz sich in der Tiefe seiner Seele barg.
Am folgenden Morgen brachte ein prächtiger Wagen die junge Dame und ihren königlichen Beschützer zu dem Paiaste des Pomponiu» Clc-
Wohl des Staates und unsere heiligsten Jntereffen bedrohenden Gefahren der Zukunft entgegensehen.
Von den Herren Geistlichen darf ich erwarten, daß sie mit Eifer und in angemessener Weise für gute Wahlen eintreten und ihren Mitbürgern darin ein Vorbild sein werden.
Und damit die Gnade Gottes, ohne dessen Hilfe wir nichts vermögen, die Wähler erleuchte und zu guten Entschließungen führe, dazu wollen wir in den kommenden Tagen mit aller Inbrunst unsere Gebete zum Himmel emporsenden. In derselben Absicht soll am letzten Sonntage des laufenden Monats im Anschlüsse an das Hochamt oder die Predigt die Litanei, vom h. Geiste in der Kirche vorgebetet werden.
Der gegenwärtige Erlaß ist am 28. d. im preußischen Theile des Bisthums Münster in allen Kirchen von der Kanzel zu verlesen.
Münster, den 15. Okt. 1888.
Der Bischof von Münster, f Johann Bernard.
Wie der intereflanten Schrift „Der Erzbischof von Köln Johannes Kardinal von Geissel und seins Zeit" von Dr. Vaudri, Weihbischof, zu entnehmen ist, haben im Jahre 1848 die sämmt- lichen Bischöfe des preußischen Landes aus Anlaß der ersten Volksvertreter-Wahlen Ansprachen an ihre Diözesanen gerichtet. Weihbischof De. Baudri fügt dieser Mittheilung hinzu: „Die Regierung wünschte und gab dies auch zu erkennen, daß von Seiten der Geistlichkeit nicht müßig zugeschaut, sondern der berechtigte Ein- fluß benutzt werde, um Männer für die Landesvertretung zu gewinnen, die mit klarem Blick und gewissenhaft für die gesellschaftliche Ordnung und Wohlfahrt aufträten und wirkten." Das Resultat war ein solches, daß Fürst Bismarck im Jahre 1873 am 10. März im Herrenhause die speziell durch diese Wahlen von Seiten der Katholiken betätigte dynastische Treue und Loyalität anerkennen mußte mit den Worten: „In der National- Versammlung von 1848 haben alle Kreise mit überwiegend katholischer Bevölkerung Freunde der Ordnung gewählt, was in den evangelischen Kreisen nickt der Fall gewesen war."_____________________
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Oktober.
* Bei der Münchener Nuntiatur ist, wie das
mens. Der Hausherr, welcher ihre Ankunft erwartet hatte, trat ihnen bereits im Vestibulum entgegen. Mit ehrerbietigem Gruße neigte er sich vor Bissula.
„Mir ist schon bekannt, hochedle Domina, welche Fügung der Götter mir die Ehre Deines Besuches zu Theil werden läßt. Du glaubst in unserer Hausgenossin Swana die durch schreckliches Geschick Dir entrissene Mutter, die Königin Swana- hild wiederzufinden. Möge Deine Hoffnung sich verwirklichen I"
Mit diesen Worten geleitete er sie in dar Atrium, woselbst auch seine junge Gattin die Gäste willkommen hieß.
„Ich liebe und verehre Swana wie meine eigene Mutter," erklärte diese, „und so sehr ich mich über ihr Glück freuen würde, fo tiefschmerz- lich müßte mich eine Trennung von ihr berühren. Ich habe ihr noch nichts von Eurer Ankunft zu sagen vermocht. Und Dn, edle Domina," wandte ste sich an Bssula, „sollst, ehe Du mit ihr speichst, von geheimer Stelle aus sie beobachten und sehen, ob Du in Swana Deine Mutter wiedererkennst. Folget mir."
Indem sie durch das in jetziger Winterszeit bedecke, angenehm erwärmte Peristylum vorausschritt, führte sie die Fremden zu einer Reihe von
.Fremdcnblatt' zu konstatiren ermächtigt ist, ein Telegramm aus Rom eingetroffen, inhaltlich dessen der Besuch des deutschen Kaisers in Rom die römische Frage offen läßt. „Jede gegen» theilige Zeitungsnachricht ist vollständig unbegründet und soll kategorisch dementirt werden" — sagt die Depesche. Es ist damit dem Schwindel, daß dem heiligen Vattr durch den Kaiser, oder, wie andere sagten, durch den Grafen Bismarck erklärt worden fei, die römische Frage könne nicht mehr diskutirt werden, sie sei als that'äch- lich gelöst zu erachten ein Ende gemacht. Der Besuch Kaiser Wilhelms in Rom hat dem Papste ebenso wie dem König Humbert gegolten; jener istalsSouverainbehandeltwordenwie dieser.
* Französische und belgische Blätter melden aus Madrid, daß die deutsche Regierung die Absicht bcs Kaisers Wilhelm, auch den spanischen und portugiesischen Hof zu besuchen, kund gegeben habe. Neber den Zeitpunkt der Reise würden noch nähere Mittheilungen erfolgen.
*DieKosten derReise unseres Kaisers nach Wien und Rom sollen, wie ein Londoner Blatt meldet — welches Verbindungen mit Persönlichkeiten unterhält, die dem hiesigen Hofe nahe- stehen — etwa 40,000 Psd. Sterl. (800 000 vM) betragen. Die Geldsummen, welche an die Dienerschaft der besuchten Souveräne vertheilt worden sind, erreichen eine bedeutende Höhe, und auch die sonstigen Geschenke repräsentiren einen außerordentlich hohen Werth. Der Kaiser nahm von Berlin mit: 80 Diamantringe, 150 silberne Orden, 50 Busennadeln, 30 mit Diamanten besetzte Halsbänder, 6 herrliche Ehrensäbel, 3 große Photo- graphieen von sich und seiner Familie in Goldrahmen, 30 goldene Uhren mit Ketten, 100 Cigarrendosen und 20 mit Diamanten besetzte Rothe und Schwarze Adler-Orden.
• Eine Aktion deutscher Schiffe an der ost- afrikanischen Küste gilt für wahrscheinlich.
* Der Afrikareisende Dr. Schweinfnrth tritt am 29. Oktober eine Reise nach dem indischen Ozean an und begibt sich zunächst nach Aden. Das Ziel der Reife ist Ceylon, woselbst botanische Studien gemacht werden sollen.
* Pots d am, 21 Okt. Der Kaiser ist heul«
Gemächern, welche dasselbe umgab. Vor einem herabwallenden Vorhang blieb sie stehen und sagte leise zu Bissula:
„Blicke vorsichtig hindurch, hier wirst Du Swana sehen." —
Mit klopfendem Herzen folgte Bissula ihrer Weisung, und ein heiterer, schön ausgestatteter Raum erschloß sich ihren Blicken. Auf einer Cathedra inmitten desselben saß, den Spinnrocken im Gürtel, ein hehre« Frauenbild. Ihr Antlitz konnte B.ssula nicht sehen — sie neigte sich eben tief zu einem sich an sie schmiegenden Kinde und sprach zu ihm mit einer melodssch weichen, überaus sympathischen Stimme — ihr Haupt war diadem- artig mit ein-r reichen Fülle goldener Flechten umwunden. Als sie j tzt die Spindel wieder in Bewegung setzte und emporschaute, konnte Bissula einen leisen Schrei nicht ünterdrücken. Ja, da» war dar edle, schöne Antlitz Swanahild's I Freilich batte das jahrelange Leid tiefe Spuren in dasselbe gegraben, und der zehrende Kummer die blendende Juzendfrische verwischt; dennoch erkannte B ssula sofort die geliebten Züge wieder.
„Sre ist es, ich muß zu ihr!"
Mit diesen Worten wollte fie in höchster Erregung den Vorhang zertheilen, doch Merobaude» hielt sie gewaltsam zurück.