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Freitag, den 19. Oktober.

242.

1888

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(Bravo!); denn der Heiland hat nicht die Regierungs- räthe, sondern die Bischöfe und Priester für den Reli­gionsunterricht bestimmt. (Lebh. Beifall.) W'r wollen, raß die Lehrer, welche hülfsweise den Religionsunterricht ertheilen, solche sind, denen die Bischöfe das mit Vertrauen in die Hand legen dürfen, und darum verlangen wir, daß bei der Ausbildung und Anstellung der Lehrer die Bischöfe ein bescheidenes Wort mitzusprechen haben, und daß sie Lehrer, welche von der richtigen Lehre abweichen — wir haben ja Beispiele davon erlebt — von der Ertheilung des Religionsunterrichtes ausschließen können. Wir ver­langen nicht, daß sie auch von den andern Fächern der Schule ausgeschlossen werden, nein, nur in Beziehung auf den Religionsunterricht. Ist das etwas so Ungeheuerliches? Ist das eine Forderung, die man nicht ertragen kann? Heißt das, die Schule in die Hände der K.rche bringen?

Wir können ruhig diesen Angriff erwarten; denn wir haben einen Bundesgenoffen, den sie uns nicht beseitigen werden. Der Minister v. Ladenberg, der zur Zeit der Schaffung der Verfassung Kultusminister war, hat uns eine Auslegung des § 24 der Verfassung gegeben, in welchem die Leitung des Religionsunterrichtes den Reli- gions-Genoffenschaften überlassen ist. Dieselbe entspricht durchaus dem, was unser Antrag enthält. Dieser Minister hat außerdem ein Unterrichtsgesetz entwerfen laffen und dieses unseren Bischöfen zur Erklärung mitgetheilt. In diesem Unterrichtsgesetz sind fast alle diejenigen Punkte enthalten, die in unfern Anträge liegen.

Wenn nun der preußische Kultusminister selbst zu der Zeit, als die Berfaffung entstand, den § 24 der Verfassung so auslegte und das erwähnte Ausführungsgesetz formu- lirte und an die Bischöfe sandte — ist es dann »er« messen, wenn wir sagen, die Bestimmungen des Gesetzes wol­len wir zu unserm Schutzs angewendet haben ? Ich begreife es nicht, wie es gegenüber diesen Thatsachen möglich ist, so vorzugehen, wie es in den Versammlungen und in der Presse unserer Gegner geschieht. Ich erkläre, daß alle Leute, welche deßhalb einen Vorwurf erheben, Ignoranten sind und von der Sache nichts verstehen! (Sehr richtig!)

Ich würde Ihnen, m. H., namentlich meine letzte Behauptung, daß jener preußische Kultusminister das er­wähnte Gesetz selbst sormulirt hat, durch Verlesung der betr. Stellen beweisen, wenn dies bei meiner Kurzsichtig­keit, und da der Abend so weit vorgeschritten ist, möglich wäre. Ich werde aber dasür Sorge tragen, daß eine Zu­sammenstellung dieser Aeußerungen gleichzeitig mit den Worten abgedruckt wird, die hier zu sprechen ich die Ehre habe. Wir werden dann sehen, was die Herren, die sich so breit gemacht haben, darauf zu antworten haben. Wenn sie etwas antworten, komme ich vielleicht nochmals hier­her auf den Gürzenich, um darauf zu erwidern. (Stür­misches Bravo!)

Wir wollen keineswegs das ganze Schulsystem um- werfen. Wir wollen in demselben nur den Religionsunter, richt so gesichert und gestellt wissen, daß wir ruhig fern können. Anders können wir uns nicht befriedigt erklären. Wir sind diese Forderungen zu stellen verpflichtet in unserm Gewissen und vor Gott, der uns unsere Kinder geschenkt hat, dem wir sie zurückgeben müssen. (Bravo!) Jeder muß dazu Mitwirken, er wü de sonst zum Verräther an seinen Kindern! (Bravo I) .

Ich will mich für jetzt hierauf beschränken; aber das

sein wird, als der, den wir durchgemacht haben. Wir haben seit Jahren gesehen, wie die Kirche aus der Schule ystematisch mehr und mehr hinausgedrängt wird, und da wir dies im Jntereffe unserer Kinder Nicht länger zu­geben können, so haben wir zunächst im vorigen >-ahre ein Mal die Anforderungen, die wir stellen, zu einem Anträge sormulirt. Als wir diesen Antrag einbrachten, erregte das einen gewaltigen Sturm. Es ist unmöglich, ganz unmöglich! Die Sache ist gar nicht zu diskutiren. Ich höre das auch noch alle Tage, daß sie gar nicht bis- kutirt werden könne, aber die Diskussion geht so vor­trefflich von Statten, daß ich meine Helle Freude daran habe. (Bravo!) Sie wissen, wenn man nur erst em Mal in's Gerede kommt, dann geht's schon werter. (Heiterkeit.) Ich lasse mir täglich eine ganze Reihe gegnerischer Zeitungen vorlesen, und da bin ich immer ganz unglücklich, wenn ich nicht einen Schulartikel bann finde. In der gegenwärtigen Zeit aber ist ein großer Ueberfluß an solchen Artikeln, und ich habe sie sehr wohl studirt. —

Was sagen nun die Herren! Man will die preußische Schule zerstören — die preußische Schule, welche Preußen groß gemacht hat. Diese Herren, welche immer von einem preußischen Schulwesen sprechen, scheinen ihr eigenes Schulwesen nicht zu kennen. Mein Freund, der Freiherr von Huene, hat auf dem schlesischen Katholikentag zu Beuthen unter Anführung der betreffenden Gesetze bereits bewiesen, daß seit den siebenziger Jahren alles eine andere Anwendung findet, und daß seit dieser Zeit eine kühne Auslegung der Berfaffung zu Stande gekommen ist. Daß es nun außer dem preußischen Landrechte auch noch andere Landesrechte gab, daran scheinen diese Herren gar nicht zu denken. Da ist zunächst meine Heimath- Provinz Hannover. Dort hatte die Kirche unendlich mehr Rechte als in dem Anträge, den wir gestellt haben, ver­langt ist. In Hessen waren die Verhältniffe auch beff r. Aber alles dieses ist nicht vorhanden für die Herren. Selbst Westfalen ist nicht für sie vorhanden, wo bis zum Jahre 1874 ausgedehntere Rechte bestanden, als jetzt von uns verlangt werden. Rach den Verordnungen des Ml- nisters Falk, insbesondere nach dem Ministerial-Erlasse vom 18. Februar 1876 ist die Kirche aus der Volks- schule vollkommen herausgedrängt. Selbst der Religions-Unterricht wird unter Aussicht des Staates und unter dessen Leitung ertheilt. Vom Staate hängt es ab, ob er den Pfarrer ober seine Gehilfen, bie Kaplane, für geeignet hält, ben Religions-Unterricht so zu geben, rote er es für nöthig findet. Er will die Entscheidung über die Lehrbücher haben und bei Konflikten zwischen Geist­lichen und Lehrern über die Art und Weise der Er­theilung des Religions-Unterrichtes entscheiden. Die Ab- theilung für Schulwesen bei jeder König!. Regierung foU entscheiden, was gelehrt werden soll und darf ü. er Re­ligion. (Hört, Hört!) Diese Verordnung, welche wir za respektiren müssen, so lange sie best-ht, halte ich für etwas Ungeheuerliches, und ich meine daraus, daß es recht und begründet ist, daß wir alle Kräfte em. setzen, auf dem Wege der Gesetzgebung diese Verordnung a6,U®aS ist im Wesentlichen die Aufgabe des Antrages, den wir gestellt haben. Wir wollen, daß der Religions­unterricht von der Kirche und ihren Organen ertheilt wird

Rede des Abg. Dr. Windthorst auf dem Parteitag der rheinischen Centrumspartei in Köln am 15. d. Mt».

(Schluß.)

Ich thue das um so mehr, als der Herr Graf sich m seiner Rede mehrmals die Miene gab, als ob er die An­sichten unseres allergnädigsten Kaisers zu offenbaren be­auftragt sei. Daß er dies nicht ist, davon habe ich gerade aus dieser Sache die vollständigste Ueberzeugung gewonnen. Aber wenn wir dieses Beispiel vor uns sehen, so wird dies eine Mahnung für uns fern, auf bie öffentlichen Reden wohl Acht zu geben. Es könnten noch mehrere kommen, welche die Maske der Osfiziösität anzuwenden beliebten. So viel über bie Parität für heute. Das Kapitel ist ein Mal angeschnitten, unb wir werben es jetzt gründlich zu Ende führen; darauf mögen sich die Herren gefaßt halten. (Bravo!)

Dann hat mein verehrter Freund, der Herr Abg. Lieber, in einer unübertrefflichen Weise den Aufruf der Centrums. Fraktion in seinen einzelnen Theilen Ihnen erklärt. Ich habe seinen Aussührungen nichts Erhebliches hinzuzusügen und möchte nur hervorheben, daß ganz besonders die Ge- setzgebung über das Ordenswesen und die Gesetzgebung über die kirchliche Vermögensverwaltung noch einer gründlichen Revision bedürfen, und daß namentlich auch die Frage der Anzeigepflicht und des Einspruchs­rechts nicht aus dem Auge verloren werden darf. Man scheint im Auge gehabt zu haben, diese Fragen zu einem Abschlüsse zu bringen; bis jetzt ist jedoch dieser Abschluß wenigstens nicht verkündigt worden. Man hat auch früher gesagt, daß von Seiten der Regierung eine Er­klärung abgegeben worden sei, wonach bei der Anstellung der Geistlichen kein Einspruch erhoben werden könne ober solle wegen Ausübung bürgerlicher ober staatsbürgerlicher Rechte zum Beispiel bei ben Wahlen. Ich glaube, baß eine solche Erklärung vorhanden ist, aber sie ist noch nicht publizirt, unb ich meine, wir müssen alles baransetzen, baß biks geschieht. Ich weiß wohl, baß, wenn rott btefe Forberung nachträglich weiter verfolgen, man uns einst­weilen abweisen wirb. Wer bie Formulirung btefer Abweisung sehen will, ber lese bie Rede des Herrn Abg. Miquel. Der gehört zu ben Kunbigen! (Heiterkeit.) Aber bas darf uns nicht abhalten. Eine Forderung, die gerecht ist, wird schließlich zur Anerkennung kommen, wenn sie mit Beharrlichkeit und Geschick immer wiederholt wird, und so wird es auch hier wohl gehen. Wenn wir uns an den Kultusminister wiederholt in dieser Sache wenden, z. B. bei bet Berathung des Kultusetats, wird dieser sich endlich veranlaßt sehen, uns einmal klaren Wein darüber einzuschenken. .

Aber auf die kirchlichen Streitverhaltnisse lasse ich mich augenblicklich nicht wieder ein. Es blieben sehr wichtige Sachen zurück und die müssen nachgeholt werden. Was ich noch mit einigen Worten näher erwägen will, ist die Schul-Frage. (Bravo!) Diese Frage und ihre Er­örterung habe ich schon lange entstehen sehen und auf den frühem Katholikentagen in Frankfurt und Düffel- botf bereits aufmerksam darauf gemacht, daß diese Seite des Kulturkampfes noch besonders behandelt werden müsse und wahrscheinlich einen Kampf herbeiführen werde, der akuter, nachhaltiger und vielleicht auch länger andauernd

Die Sochter des AimMendömgo.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(51. Fortsetzung.)

„Todt!" rief er in leidenschaftlichem Schmerz?. „Bisfula, Du darft mir nicht sterben, erwache I Sache mir, daß Du mir verzeihest, Dich so grau­sam gequält zu haben. I des Wort, womit ich Dich verwundete, drang wie ein Schwert in meine eigene Brust. Niemals mehr, da» gelobe ich, werde ich Dich von meiner Seite losten!" So flehte und gelobte er. Er hob ihr Haupt an seine Brust, rieb ihre Stirne, ihre Handgelenke mit Schnee und flüsterte zärtliche Schmeichelworle. Nach einiger Zeit war e» ihm, al» ob er matter Schlagen der Pulses an ihrer feingcäderten Schläfe bemerke. Mit unaussprechlichem Glücksgesühl neigte er fich zu ihrem Munde; fast war es, al« wolle er ihr Lebensathem von dem seinen eirflößen, doch stehe, ein leiser Hauch wehte ihm schon entgegen. Da schlugen sich auch zwei Augen auf, zwei Augen groß und blau; sie leuchteten ihm eine W-ile ent­gegen wie verklärt au« einer besseren W.lt und schlossen fich dann wieder, aber um die holden Lippen spielte ein selige» Lächeln.

„Bistula, Du lebst I Du bist uns wiedergeschenkt!" rief er vor Freude außer sich und preßte die zarte Gestalt wie ein schwergewonnenes Eigenthum fest in die Arme.

Wie in beseligendem Traume lag Bistula an dem Herzen de« Frankenkönig»; sie sann nicht nach, sie fragte nicht», sie fühlte nur ein träum- hafte» Glück, wie sie e» nie zuvor empfunden. Seine Augen hatten ja mit dem Ausdrucke zärl- lichster Besorgniß auf ihr geruht, in feinen Armen wußte sie fich nun geborgen und gesichert vor aller ^,Gott, mein Gott, ich danke Dir!" jubelte Merobaude»; dann nrte er mit seiner leichten Bürde zu dem Kratergipfel und stieß in sein Horn. Sogleich antwortete e» mit Freudenschall von der entfernten Warte, und deutlich gewahrte er das Banner sich erheben.

„Und nun zurück zu den Andern!

Er hob das roch immer wie von einem Traume befangene, bleiche Mädchen zu sich auf seinRoß und schloß es fest und innig an sich. Willen­los legte Bistula da« müde Köpfchen an seine erzumpanzerte Brust, und behutsam ging e« dann bergab. In scoher Erregung stürmten die Andern

dem Paare schon entgegen; auch sie brachten gute Nachricht:

„Wir brauchen die hohe Wirte nicht zu be­steigen," theilten sie freudig dem Feldherrn mit. „Einige der Unfern entdeckten in nur meilenweiter Entfernung einen großen, rings von Bergen ein- geschlossenen See, an besten Ufer sich eine Anzahl von Gebäuden ausdehnt; dort werden wir Alle sichere« Unterkommen finden."

„Wohlan, nur zu!" sagte der König. „Die Dämmerung bricht herein, und ich glaube, e» wird die höchste Zeit, daß wir unserer Domina ein warmes Lager bereiten."

Ja dem Tone seiner Stimme lag so viel Weichheit, in dem Blicke, mit dem er sich zu ihr niederbeugte, so viel theilnehmende Sorgfalt, daß B-stula gerührt, mit innigem, dankbarem Lächeln zu ihm aufschaute.

Noch vor Einbruch der Nacht hatte man In gastlichen Tabernen am See erreicht. Die Wirthin, welche bereit« von der Ankunft der Gäste inKennwiß ges.tzt war, hatte durchwärmte Stuben in Bereits» aft und nahm die fast er­starrte junge Dame in sorgsame, wahrhaft mutter» liche Pflege. Sie wachte an ihrem Lager; und