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239.

Dienstag, den 16 Oktober.

1888.

Antwort des heiligen Vaters auf das Schreiben der deutschen Bischöfe vom 28. August.

Ehrwürdige Brüder, Gruß und apost. Segen!

Als euch kürzlich die gleiche Frömmigkeit und der gleiche Eifer für die Religion nach Fulda zum Grabe des h. Bonifatius führte behufs Berathung über die Beförderung des katholischen Namens und der christlichen Sache, haben Unser Herz und Unsere Gedanken euch begleitet. Nun aber nach glücklichem Verlauf euerer Jahresver­sammlung, werden Wir aus's angenehmste berührt durch das Schreiben, welches ihr gemeinsam an Uns gerichtet habt, und einigermaßen gelindert und gemildert wird dadurch die schmerzliche Em- pfindung, mit welcher Uns die Bitternisse der Kirche, besonders in Italien, schon seit langer Zeit erfüllt. Ihr kennt und beklagt mit Rech» mit Uns die traurige und täglich bedrängter sich gestaltende Lage, zu welcher der Papst, namentlich seit Ero­berung der Stadt Rom, verurtheilt ist. Deßhalb ist jetzt wenn jemals zeitgemäß euere feste Absicht, mit täglich wachsendem Eifer danach zu streben, daß den römischen Päpsten jene volle und unver­sehrte Freiheit wiedergegeben werde, welche den­selben bet Ausübung ihres hocherhabenen Amtes ganz unentbehrlich ist. Wir wünschen euch Glück, ehrwürdige Brüder, zu euern Beschlüssen und Be- strebungen, und glauben Gutes von ihnen er­hoffen zu dürfen, um so mehr, roeim alle Christen des Erdkreises, durch euer Beispiel bewogen, mit gleichem Eifer und gleicher Ergebenheit die so heiligen Rechte der Kirche und des Apostolischen Stuhles zu vertheidigen sich bestreben. Als Unter­pfand der himmlischen Gaben und zum Zeugniß Unseres besonder« Wohlwollens ertheilen Wir euch gern, ehrwürdige Brüder, im Herrn den aposto­lischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 12. Sep­tember 1888, im elften Jahre Unseres Pontifikates.

Papst Leo XIII.

An die ehrwürdigen Brüder, Erzbischof Philippus von Köln und die übrigen deutschen Bischöfe, welche in Fulda zusammen gekommen find.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Oktober.

* Der Parteitag der rheinischen Cen- trumspartei war laut Privattelegramm der ,Fr. Z.' stark besucht. Die einleitende Rede des Abgeordneten Fuchs-Cöln fordert zur Vertheidigung des CentrumithurmeS auf. Dr. Lieber erläutert an der Hand des Centrumsaufrufes die nächsten Auf­gaben. Das Errungene entspreche nicht dem Er­strebten, sei aber mindestens zu behaupten; auch für das Centrum gelte dar Wort „hier bin ich, hier bleib' ich". Mit leisem Drängen sei von der Regierung nichts zu verlangen. Redner fürchtet neue Steuerüberraschungen. Unsere wichtigste Auf­gabe sei die Reform der direkten Steuern. Redner schließt mit der Aufforderung zur Eintracht und Standhaftigkeit. Abg. Bachem spricht über den Versuch der Störung des konfessionellen Friedens und über die Paritätsfrage. Windthorst er­klärt, wir stünden an einem Wendepunkt des inneren politischen -Lebens. Er erwähnt dankend des Erzbischofs von Cöln Appell an die Gläubigen, auch der Bischof von Trier habe eine ähnliche Aufforderung erlassen. Wir können nichl ruhen, die Kämpfe beginnen erst, den Marasmus haben wir zu fürchten. Moslers Forderungen eignen wir uns Alle an, obwohl man mich als Siörer.fried bezeichnet. Das Centrum müsse eine dauernde Institution bleiben. Redner beleuchtet das Vorgehen des evangelischen Bundes des Gustav- Adolfs-Vereins, und namentlich die Hallenser Ver­sammlung. J-tzt haben wir nicht nur eine offiziöse Presse, sondern auch offiziöse Redner (Douglas.) Redner vertheidigt die Centrumsforderungen in B.tr.ff der Ordensfrage, Anzeigepflicht und des Einspruchsrechts. Die Schulfrage sei alt wegen der systematischen Verdrängung der Kirche aus der Schule. Das Centrum wolle nicht die preußische Schule zerstören, sondern nur die früheren Zustände vor dem Schulaussichtsgesetz wiederherstellen. Falk habe die Kirche ganz aus der Schule verdrängt. Der Staat ertheile die Qualifikation zum Reli- gionrunterricht und verfüge über die Einführung der Religionslehrbücher. Diese Verordnung auf gesetz­mäßigem Wege zur Abschaffung zu bringen, ist unsere Aufgabe. Redner vertheidigt anschließend hieran die

bekannten Forderungen seines Schulantrages- Dieselben seien nicht nur solche des ganzen katho- lischen Volkes, sondern auch der gläubigen Prote­stanten. Es stehe nicht im Belieben der Regie­rung, seinen Antrag zu dirkutiren, sie müsse, weil er von einer großen Anzahl Abgeordneter gestellt werde. Der Kampf werde lange dauern, so lange er lebe, werde er dafür eintreten. Redner schließt mit einem Hoch auf Kaiser und Papst. Der Präsident schließt hierauf die Versammlung.

• Heute Vormittag 9 Uhr fand in der Heb- wigskirche die Konsekration des Armeebischofs A ß« mann durch den Fürstbischof Kopp unter Assistenz des Bischofs Redner von Kulm und des Weih­bischofs Gleich statt.

♦ Die Mackenzie'fche Broschüre ist gerichts- fettig mit Beschlag belegt und deren Verkauf in den hiesigen Buchhandlungen inhibirt worden. Da» Gericht zu Mülheim a. d. Ruhr hat die Beschlag­nahme wegen „Majestäts-Beleidigung" ausgesprochen und auf Grund dieses gerichtlichen Beschlusses der Erste Staatsanwalt in Duisburg die Beschlagnahme ausführen lassen.

• Professor Hinschius wurde an Stelle Beft- ler's in'r Herrenhaus berufen. — Heute fand die Uebernahme des Rektorats der hiesigen Universität durch Professor Gerhardt statt.

• In der Nacht zum Montag ist der Anschluß von Hamburg und Bremen an das Zollgebiet des Deutschen Reiches erfolgt.

Ausland.

* Rom, 15. Okt. Der ,Mon. de Rome' führt aus, die Reise des Kaisers beweise die Irregulari­tät der Lage des Papstes und die Unmöglichkeit der Coyabitation mit dem Quirinal. Die Toaste im Quirinal haben im Vatikan peinlich berührt, um so mehr, da die Presse dieselben gegen bie römische Frage ausbeutet. Offiziöse italienische Blätter wollen erfahren haben, daß der Kaiser während der Audienz auf die römische Frage, die vom Papste berührt wurde, nicht eingegangen sei, sich indessen dahin geäußert habe, daß das Straf­gesetzbuch abgeändert werden könne. Im Vatikan empfindet man es peinlich, daß verschiedene Vor­kommnisse gegen den Papst ausgebeutet werden.

• Rom, 15. Okt. Anhaltender Regen machte

Me Tochter des WuMarnkömgs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(-48. Fortsetzung.)

Merobaudes war zu Ende. Todtenstille herrschte im Gemache. B'ssula war von Ent­setzen gelähmt. Jetzt begriff sie, warum er ihr so drohend, so feindselig gegenüber getreten war, verstand sie nur zu gut, wie ein unbesiegbares Gefühl des Abscheues ihn auf ewig der Tochter König Rando's entfremdete. Doch die Theil- nähme, welche er ihr widmete, nach allem, was geschehen war, die Sorgfalt, mit der er bemüht war, sie vor jeglicher Gefahr zu schirmen, er­schien ihr nun als übermenschlicher Edelmuth, der hochherzige Mann stand von einem Glorien­schein umflossen vor ihr. Thränen entströmten ihren Augen, mit schwankenden Schritten ging sie auf ihn zu, kniete vor ihm nieder und flüsterte leidenschaftlich:

„O mein König, knieend nur kann ich Dir für Deine Güte, Dein Erbarmen danken! Du handelst übermenschlich groß an mir, an meiner armen Mutter."

Einen Moment war es, als ob bei dem Anblick des vor ihm niebergesunkenen Mägdleins die Rühr­ung auch den jungen Fürsten übermanne. Doch nicht umsonst hatte er sich in der Selbstbeherrschung

geübt; scheinbar unbewegt, wenn auch nicht gerade unfreundlich sagte er:

„Stehe auf mein Kind. Knieen soll man vor Gott. Danke dem Allerhöchsten, daß er unser beider Geschick zum B-ssern gewendet hat; ich ver- diene keinen Dank von Dir, denn ich thue nur, was Christenpflicht gebeut. Gute Nacht." Er wandte sich rasch zum Gehen; an dem Zeltvorhang schaute er zurück und sprach mit einer ihn plötzlich über fluchenden W ichheit:

„Vergib mir, daß ich mit meiner Erzählung Deinen Frieden gestört, das Andenken Deines Vaters vielleicht getrübt habe; glaube mir, mit unsäglichen Schmerzen that ich es. Begieb Dich nun zur Ruhe und versuche zu schlafen. Möge der Herr Dir freundliche Traumbilder schenken!"

Er ging, und mit einem Herzen voll brennendem Weh blieb Nssula allein. So hatte sie den Ab­grund geschaut, der sie von dem hohen Manne trennte, den sie trotz allem lieben würde bis in die Ewigkeit. War ihre wahre, ihre heiße Liebe denn nicht stark genug, die Kluft zu überbrücken? — Wie gerne hätte sie ihn mit zärtlicher Innig­keit für die Liebe der ihm so früh entrissenen Eltern zu entschädigen gesucht; doch er stieß chre Gefühle ja zurück I So weinte sie denn und betete unablässig für sein Glück und schlief gegen Morgen »Mich ein. —

XVI.

Im Schnee.

Hier dämmern schwarze Gründ« Wo nie ein Blümlein lacht. Dort bergen grause Schlünde Des Chaos alte Nacht;

Und wilder, immer wilder Schwingt sich der Pfad empor Bleich wallen Todesbilder Aus jeder Kluft hervor. Wo dräuend der Granit In kühngethürmten Blöcken Den Abgrund Übersicht.

Matthiffon.

Als Bissula beim Tagesdämmern den schweren Vorhang zurückschlug, welcher den Eingang de» Zeltes deckte, trieb der eisige Wind ihr ein Gewirbel von großen und kleinen Schne« flocken in'» Gesicht. Zu ihrer Ueberraschung war weder eine Spur von den Bergen, noch von der nähern Umgebung mehr zu sehen; nur die Umrisse der nächsten Zelte zeichneten sich noch schattenhaft im tollen Schneegestöber au», ein trostloser, wahrhaft entmuthigenver Anblick! Au» einer Gruppe von Männern, welche nur wenige Schritte entfernt in lebhaftem Gclpräch da standen, löste sich jetzt die rüsige Gestalt des Illyrier» los und kam auf die junge Dame zu.

„Gruß Dir, meine Gebieterin!" sprach er, sich ehrerbietig neigend. Mich dauer», daß Du zu so früher Stunde Dich den Armen des Schlafes ent-