Einzelbild herunterladen
 

JV 237

Samstag, den 13. Oktober.

1888

Fullmer

Zeitung.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

□ „Dichterstimmett".

„Dichtersttmmen! Ei was I" ruft der Philister, „bleibt mir mit dem Geflenne vom Leibe, unsere Zeit will andere Töne, die Dampfmaschine hat das Wort. Schiller und Goethe sind noch gerade zur rechten Zeit geboren, um gehört zu werden; mit denen, die nach ihm kamen, haben wir mehr Poeten, als wir brauchen können; aber um des Himmel- Willen jetzt keine neuen Reime mehr, es fei denn, daß sie als Besteuerungsobjekt in Betracht kommen könnten!"

Das ist die Ansicht des Durchschnittsmenschen, der von seinem Geschäfte oder seinem Amte lebt, am Feierabend seinen Skat spielt und sein Bier trinkt, der hin und wieder einmal ins Theater geht, um zu lachen oder seiner Frau einen Ge­fallen zu thun, aber der an geistiger Nahrung weiter kein Bedürfniß hat.

So laufen ihrer Tausende und Abertausende in den Straßen herum; man begegnet kaum einer anderen Spezies in den Wirthshäusern und im sogenannten öffentlichen Leben, und im häuslichen Kreis wird es schwerlich besser bestellt sein.

Was liest man heutzutage? Die Zeitung und Romane — aber wer kümmert sich um die Poesie? Einige Gedichte haben das Glück, auf den Altar der Mode erhoben zu werden; sie dürfen in keinem Hause mehr fehlen, ebensowenig, als das Makart- bouquet oder sonst eine Spielerei, aber ob sie ge­lesen, studirt, gewürdigt werden, das ist eine andere Frage.

Ach, wo find die glücklichen Zeiten hin, als das deutsche Volk von Poefie so zu sagen ganz durch­drungen war, al» die Barden, die Minnesänger in hohen Ehren standen, als die Fürsten selbst nach dem Lorbeer des Apoll gerungen haben? Hin auf immerdar I Mag auch unser Jahrhundert Poeten unter den Königen aufzuweisen haben, mögen auch einige unserer zeitgenössischen Dichter stch großer Erfolge rühmen können, es bleibt dennoch wahr, die große Menge steht der Dicht­kunst gletchgiltig, wenn nicht widerwillig gegenüber. Die Reformation hat der Poesie die erste schwere

Wunde beigebracht, der Dampf ist für sie gerade­zu Gift geworden.

Dennoch gibt es Stätten, wo man der Ver- fehmten ein trauliches Heim bereit hält, wo man auch der wahren Poefie noch mit liebendem Herzen gedenkt.

Denn es gibt auch eine falsche Poefie, die sich ausschließlich an die Sinne wendet, die stch dem Materialismus verdungen hat, die der Bestie im Menschen schmeichelt, die der Macht huldigt und dem Erfolg, und der es wohl geht aus Erden.

Von dieser ist hier nicht die Rede; sie ist wohl­gelitten bei den Großen und Reichen der Welt, sie feiert Triumphe und läßt sich als Königin hul­digen, ihr geht nichts ab, selbst der Philister muß ihr Tribut bezahlen, wenn er nicht als Barbar gelten will.

Aber die wahre, die christliche Poeste, wo hul­digt man ihr? Wo durchdringt sie das Leben, wo verklärt sie den Staub, wo vergeistigt sie die grobe Körperlichkeit, wo hebt sie den Menschen über stch selbst hinaus?

Es gibt solche Stätten: das stille Pfarrhaus des Landgeistlichen, Die bescheidene Wohnung des Lehrers, die Zelle des Klosters, das Tachkämmer- lein des Studenten, vielleicht auch die Werkstätte des schlichten Künstlers oder das einsame Gehöfte des Landmanns — aber wo findet man ste?

Wohin soll man sich wenden, um den Ort zu entdecken, wo die Himmelssaat der Poeste empfäng­lichen Boden findet und hundertfältige Frucht her­vorbringt ?

Wie soll man es anfangen, um die christliche Poeste wieder zum Gemeingut der deutschen Ration zu machen?

Die Dichter wollen gerne ihre Stimmen ver­nehmen lassen und in tausend Herzen ein süßes Echo wecken, aber wer schafft ihnen Raum und Gehör?

Ein Anfang ist gemacht. In Ueberlingen am Bodensee erscheint ein Blättchen, *) das ron Monat zu Monat die Stimmen der katholischen Dichter

*) Dichterstimmen der Gegenwart. Poetisches Organ für das katholische Deutschland. Herausgegeben von L. v. Heemstede. Verlag von A. Feyel in Ueberlingen. Abon­nement bei der Post und im Buchhandel halbjährlich 1 Mk. 50 Pf.

Deutschlands sammelt, um sie von Haus zu H u» zu tragen. Es sind fromme, frische, fröhliche Stim­men, die sich vernehmen lassen. Man lausche ihnen und sie werden lauter und lauter, liebliche» und voller, hehrer und höher klingen. Sie wollen anregen und belehren, predigen und erheitern. — „Es ist wunderbar," sagt der heil. Franz von Sales, „wie viel leichter die Lehren in die Herzen eindringen und in dem Gedächtniß haften, wenn sie in gebundener Rede dargeboten werden." Solche guten Lehren wollen die „Dichterstimmen" ver­breiten, sie wollen der Erde ein Stücklein vom Paradiese wiedergeben, durch da» Schnauben der Dampfmaschine hindurch dem Menschen in Engel­tönen seine ewige Bestimmung in's Gedächtniß rufen. Man überhöre sie nicht!

Vermischtes.

* DiePreißelbeere als H aus mittel. Das Prei- ßelbeer-Kompot, Preißelbcerwein, Likör rc. gar gute Dinge für den Haushalt und die Speisekammer sind, weiß ja jede Hausfrau, — ste weiß deshalb die bescheidene rothe, herbe Gebirgsbeere auch wohl zu schätzen. Aber diese be­sitzt noch weit mehr gute Eigenschaften, als unsere Koch­bücher uns träumen lasten, ste vereint nämlich das Nütz­liche mit dem Angenehmen, indem sie ein treffliches Haus­mittel bietet. Soll doch die unscheinbare Beere und ihr Saft durch die innewohnende zusammenziehende Wirkung belebend und den Appetit vermehrend auf den Menschen einwirken und in Folge dessen mit Erfolg als Schutzmittel gegm Schleim- und Wechselfieber, sowie gegen epidemische Brechruhr angewendet worden sein, durch den täglichen, mehrmaligen Genuß kleiner Portionen Preißelbeeren und des Genusses von Preißelbeermuß, an Stelle des grünen Salats, bei der Mahlzeit. Auch auf Nervenleidende oder wegen geistiger Ueberanstrengung oder Magen-Ueberlad- ungen, über Verdauungs-Störungen Klagende hat die ge­kochte oder eingemachte Preißelbeere, wenn seuchenartige Krankheiten grassiren, guten Einfluß, — Preißelbeerwaffer aber (zerquetschte Beeren mit Wasser übergossen) bietet bei fieberhaften Krankheiten ein empfehlenswerthes küh­lendes Getränk, und der Saft der eingemachten Beere mit Wasser vermischt, ein heilsames Trinkwasser. — Keine Hausfrau sollte es versäumen, die wohlfeile Preißelbeere einzukochen, solange es jetzt Zeit ist, denn sie ist so nütz­lich und gesund, daß sie eine Volksfreundin im wahrsten Sinne des Wortes ist. Darum: Preis der Preißelbeere!

* Feldwebel: Was ist denn Ihnen eingefallen, das wichtige Dienstschreiben gegen meinen ausdrücklichen Befehl nicht dem Herrn Hauptmann selbst, sondern dessen Köchin zu übergeben? Ordonnanz: Herr Feldwebel haben doch ausdrücklich befohlen, ich solle das Schreiben an „die Person" des Herrn Hauptmann abgeben.

Zur Saat

empfehle:

Zeelänier Cbampaw HjW

sowie

Kk-khom Mm-Roggen, Shireff square head und

Kolossal Hybrid-Weizen

in vorzüglichster Qualität. [1774

Suntheim,

Domäne Ziehers. DieOÄOmTRöffllfi v. Ernst Lüttich, Vdermstl a. J. empfiehlt in groß r Auswahl kräftige, gut bewurzelte Obsthochstämme, Zwergobstbäume in den besten Formen, sowie Roseuhochstämme. Verschiedene erste Preise in Frankfurt a. M. 1884 und Berlin 1885. Preisverzeichniß umsonst und postfrei.

Das Eintreffen sämmtlicher Neuheiten in

Herren - Garderobe - Stoffen für die Herbst- u. Winter-Saison

beehrt sich ergebens! anzuzeigen [1952

Will). Steinhauer, HkttkWldkrobkgWft,

Fulda, Königstrasse 965Vz

vorzüglicher Qualität, von 2 Mark an per Pfund.

D. Müller’s Wwe, Friedrichsstrasse.

Grabkränze

und

Decoralions-Pflam

aus Metall u. Porzellan

empfiehlt zu billigen Preisen [319

Alunnder Ammer.

Fir Wmtfalriiaaten i. Metzger.

Ich empfehle hiermit mein reich­haltige» Lgger in alle« Sorte» ge­salzene und getrocknete Därme sowie Ochsen-, Schweine- nnd Kalbsblasen in nur Prima Waare unter Garantie zu noch »ie dagewesenem billigen Preisen u. promp­ter Bedienung, auch Wieg- und Hack­stöcke, sowie in diese» Fach einschlagende Artikel. [1959

Ad. Gregori, Frankfurt a. M.

Darm- u. Blasenhandlung.