Einzelbild herunterladen
 

JV 237.

Samstag, den 13. Oktober.

1888

Altar

I

SÄ.® ' . 5

: 1 ”■60 *

”u ”" ""L?L".?L"LL« ÄL °L! » g. * ■*».*»« ->--«.

Erstes Blatt.

* Die Bedeutung der bevorstehen­den Landtagswahlen für die katho­lischen Wähler.

In einer zn Trier abgehaltenen Versammlung der Wähler der Centrumrpartei erörterte der bis­herige Abgeordnete Seminarproftssor Dr. Morler die Bedeutung der nächsten Wahlen. Unter den Gründen, weßhalb dieselben von ganz besonderer Wichtigkeit sind, nannte der Redner vor Allem die Vorlagen, welche dem neuen Abgeordnetenhause in Bezug auf die kirchenpolitische und die Schul- ftage zugehen werden, und führte hierüber Folgen­der aus:

Es bleibt dem Abgeordnetenhause noch die Auf­gabe, den Rest der Kulturkampfgesetz- gebuvg zu beseitigen und die Rechte der Kirche auf die Schule sicher zu stellen; der Antrag Windthorst, welcher letztere» zu erreichen beab­sichtigt, wird zweifelsohne im Vordergrund der Debatten stehen, welche wir in dieser Wintersitzung haben werden. Um Ihnen über die jetzige k-.rchen- politische Lage zu referiren, darf ich das Wort des hl. Vaters gebrauchen, nach welchem der „Zu- gang zum Frieden" eröffnet, aber der ganze Frieden noch nicht hergestellt ist. Wir wollen aber einen vollständigen Frieden, einen solchen Frieden, wie er vor dem unseligen Kulturkämpfe bestand. So lange der Staat die Gesetze aufrecht erhält, welche ihm gestatten, einen neuen Kulturkampf in» Weik zu setzen, so lange er die 16 Millionen Mark behält, die er vom Klerus besitzt, so lange ist der Friede noch kein vollständiger. Denn wo Friede herrscht, legt man die Waffen nieder und gibt das Eigenthum zurück, das man genommen. Doch was fehlt denn noch an einem vollständigen Frieden? Roch recht vieles fehlt. Lasten Sie mich zuerst erwähnen etwas, was recht drückend ist: ich meine den Militärdienst der Theologen. Es verbieten die Kirchengesetze dem Priester, sich im Gebrauche der Waffen zu üben, und der Staat verlangt es. Paßt solches zur Vorbereitung?zum Priesterstand, welcher sich der Theologe unter­ziehen soll. Ist dieses die Art, wie der junge Geistliche zu seinem Berufe kommen soll? Wozu nützt übrigens der Militärdienst, wenn der Geist­liche später doch nicht im Kriege verwendet werden kann? Weiter ist zu erwähnen das Gesetz über

Die Tochter res Atmumkudöilij».

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(46. Fortsetzung.)

„Verzeihe, daß ich es so spät noch wage, Dich aufzusuchen", redete erste an. „Ich kehre soeben von einer Jagdstreiferei zurück und wollte mich nicht zur Ruhe begeben, ohne mich nach Deinem Wohlergehen erkunoigt zu haben."

„Dank Dir, mein König, daß Du kommst! Wie könnte e» mir ander« al» wohl ergehen; da Deine Güte mich mit einem Luxus umgeben hat, der mich die Anmuth de« eigenen Heim« nicht ver- missen läßt", sagte Biffulo innig und ging ihm freudenstrahlend entgegen. „Ich freue mich", fügte sie unter holdem En öthen hinzu, daß ich Dich heute noch wiedersehe.......ich ängstigte mich so

sehr Deinetwegen.

Tiefaufathmend schaute der Franke eine Weile schweigend auf sie nieder, dann fragte er:

„Kmd, Du hättest Dich geängstigt meinetwegen?" Au« dem unfichern Klange seiner Stimme merkte man recht wohl die innere Bewegung. Ec beugte sich zu ihr und sah ihr forschend in die blauen Augensterne, an denen die Spuren der Thränen

die Vorbereitung und Anstellung der Geistlichen. Durch dieses scheint ja der Frieden begründet zu sein. Der hl. Vater hat in dreser Hinsicht Zugeständniffe gemacht, und wir werden abwarten müssen, wie das Einspruchsrecht gehandhabt wird. Erklärt doch jetzt auch noch der Staat jegliche Anstellung eines Priesters, welche ohne Befragen de« Oberprästdenten geschieht, für null und nichtig. Dadurch greift er aber in kirch­liches Gebiet hinein, er maßt sich ein geistliches Recht an, das ihm nicht gebührt. Der Staat hält ferner noch aufrecht das scharfe Priesteraus­weisungsgesetz. Rach demselben ist der Ober­präsident berechtigt, den Priestern, welche sich gegen ein Maigesctz verfehlt haben, einen bestimmten Aufenthalt anzuweisen; es kann dies sogar ge- schehen, wenn bloß die Untersuchung eingeleitet ist. Viele von Ihnen kennen, da sie in den Kirchen­vorstand oder die Gemeindevertretung gewählt sind, das recht komplizirte Kirchenvermögens­gesetz. Dasselbe ist keine glückliche Erfindung de» Kulturkampfes. Täglich bietet es neue Schwierig­keiten, täglich bringt es immer mehr an'« Licht, wie dem Klerus dadurch die Hände gebunden worden find. Das allerwichtigste noch bestehende Kulturkampfgesetz betrifft die O r d e n. Heute noch gilt das Reichsgefctz, welches die Jesuiten und die ihnen verwandten Orden von uns ferne hält. Ich brauche Ihnen nicht auseinanderzusetzen, wie em- pfindsam dieses Gesetz gewirkt hat. Wir alle hegen den innigsten Wunsch, daß fie recht bald in ihre frühere Wirksamkeit zurückkehren möchten. Die zu- gelassenen Orden find nur unter großen Beschrärk- ungcn geduldet. Jeder einzelne Pater bedarf der Genehmigung seitens der Regierung. Thatsachen aus der jüngsten Zeit zeigen, wie die Bestimmun­gen über die Zulassung der Orden gehandhabt werden. In Hohenzollern, wo ein großer Priester­mangel herrscht, hatten die Kapuziner ein Haus angekaust, welches früher den Jesuiten gehörte; sie wurden aber nicht zugelassen. Sie durften ihre segensreiche Thätigteit nicht ausüben in einem priesterarmen Lande, welches umgeben ist von Baden und Württemberg, von Ländern, welche bekanntlich keine Orden dulden. Die lehrenden Orden sind nur zugelassen, soweit es sich um den Unterricht in den höheren Schulen handelt. Auch diese Orden find nur unter den drückendsten Bestimmungen geduldet. Stellen Sie sich mal in der Praxi» e» vor, wie jedes einzelne Ordens­

mitglied angemeldet werden muß. In den meisten Fällen wird der Oberpräsident absolut keine Kenntniß von dem Angemeldeten haben. Man hat uns oft gesagt, daß ja die Orden in manchen katholischen Ländern nicht zuzelassen seien. Doch was soll dies? Wir wissen es, was die Orden in Deutschland für Verbreitung unseres heiligen katholischen Glaubens gethan haben, und daß bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in Deutsch­land Klöster vorhanden waren. Allerdings mußten später die Orden weichen. Doch stelle man uns nicht die letztere Zeit der Bureaukratrie, der Jesuiten- und Demagogenriecherei al« Muster hin! Will man uns darauf aufmerksam machen, daß in jenen Staaten und Stäätchen die Orden ausgeschlossen find, so kommt mir dies Verfahren vor, wie man es bet der Vivisektion macht. Da zerschneidet man die Sehnen und zertrümmert da» Gehirn der armen Thiere und will prüfen, wie fie leben. Wir wollen nicht erst uns das religiöse Leben unterbinden lassen, um seine Ausdauer zu erforschen. Rein, wir wollen leben, wie es uns die Gesetze unserer Kirche vorschreiben, und nicht so, daß man un» das kirchliche Leben vom grünen Tische aus zu- meflen darf. Die Klöster find eine uralte katho­lische Einrichtung, so alt gewissermaßen, wie die Kirche selbst ist. Auch wir wollen, daß man uns gestatte, nach dem Worte des alten Fritz nach un­serer Foson selig zu werden, daß wir uns der segensreichen Einrichtungen erfreuen, welche die Kirche in solcher Anzahl besitzt. Auf allen großen Versammlungen, auch noch auf der letzten Frei­burger und auf der vorigjährigen Trierer Katho­liken Versammlung, wurde immer betont, daß die Ord<n wieder in's Vaterland zurückgerufen werden möchten; das katholische Volk liebt die Ordknr- leute und wird daher auch nicht ruhen, bis der letzte Jesuit und die ützte Nonne zurückgerufen ist.

Noch eine Forderung auf kirchenpolitffchem Ge­biete hat da» Centrum in der nächsten Periode zu stellen: die Forderung der Wiederherstellung der aufgehobenen Verfassung»-Artikel, die einer jeden Konfession garantiren, daß sie ihre kirchlichen Angelegenheiten selbstständig ordnen kann. Man hat diese Artikel au» der Verfassung besei- tigt, um den Kulturkampf in'» Werk zu setzen. Diese Verfassungs-Artikel haben unserem Staate, der in konfessioneller Hinsicht so sehr gemischt ist, die Wohlthaten eine» mehr al» 50jährigen Frie­den» gegeben, eine» Zustandes, auf den andere

noch sichtbar waren. Sie neigte das Köpfchen unter seinen leuchtenden Blicken und nickte stumm in reizender Verwirrung. Schweigend blickte er mit seltsamen Ausdrucke auf da» süße von gol- denem Lockenhaar umrahmte Gesicht, und fast schien, al» ob sein Arm ihr entgegenzucke, um da» holde, so schutzbedürftige Wesen an seine Brust zu ziehen. Aber er that e» nicht, seine Hand fuhr langsam über die hohe Stirn, al» wolle er einen verlockenden Traum verscheuchen; dann richtete er sich auf und in völlig veränderten, fast hartem Tone sagte er:

„Deine Angst, edele Domina, war grundlos, dern wenn ich auch im Kampfe mit den Bären unterlegen wäre, so hätte ein Anderer Dich in seinen Schutz genommen und Dich ebenso sicher, wie ich es thun werde, zu Deiner Mutter hinge­leitet. Wahrlich, meine Abenteuer da draußen waren nicht ganz ungefährlich, doch", er lächelte, „steareich ging >ch daraus hervor mit dem Bewußt­sein, daß ich nicht umsonst gekämpft habe." Rasch das Thema wechselnd, fragte er heiter:

„Gestattest Du, daß ich Dir eine Weile Gesell- schäft leiste?"

Al» die junge Dame ihm erfreut die Erlauk-

niß hierzu ertheilte, zog er eine Sella herbei und nahm ihr gegenüber Platz. Seine Blicke schweiften über den mit Eßgeräthschaften bedeckten Tisch.

„Wie ich sehe, hast Du die Speisen kalt werden lassen, ohne sie zu berühren," bemerkte er. „Dürste ich vielleicht, edle Domina, da» für mich bestimmte Mahl mir in Deinem Zelte auftragen lassen? Das gute Beispiel meine» Jägerappetits wird alsdann, so hoffe ich, auch Deine Eßlust ein wenig anregen."

Biflula gab lächelnd ihre Zustimmung. Bald dampfte ein höchst einladend duftender Wildbraten vor ihnen auf dem Tische, und das alamannische Königskind, welche« in der beglückenden Gegen- wart des Frankenfürsten»seine jugendliche Heller- leit, seinen natürlichen, liebreizenden Frohsinn wiedererlangt hatte, machte die zierlichste Wrrthm. Sie verstand es, so geschickt auf dem Kohlenbecken die Calda x) zu bereiten und so anmath'g ihn zu bedienen, alle ihre Bewegungen waren so ge­schmeidig und voller Grazie, dabei wußte ite so entzückend zu plaudern und zu lachen, daß e» ein Hochgenuß war, fie zu sehen und ihr zu lauschen.

i) Ein aus Wasser, Wein und Honig zusammengesetztes warmes Getränke.