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Samstag, den 6. Oktober.

JW 231.

1888

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Zweites Blatt.

* Kardinal Lavigerie und sein Wirken.

Der eminente Kirchenfürst und Menschenfreund, besten Namen heute in alten fünf Weltthetlen wie- derhallt, ist im Jahre 1825 in Bayonne geboren. In der heiligen Taufe erhielt er die Namen Karl Martial Allemand. Er ist der Sohn eines frü­heren Zolleinnehmers. Nach brillanten Studien trat er in das große Seminar von St. Sulpics in Paris und empfing dort die heiligen Weihen. Dann erhielt er eine Professur der Kirchengeschichte an der Universität der Sorbonne in Paris.

Nachdem 1860 blutige Konflikte zwischen Chri­sten und Muhamedanern in Syrien aurgebrochen, wurde Proflssor Lavigerie in besonderer Mission dorthin gesandt, wodurch er ins öffentliche Leben und in hohe Beziehungen zum kaiserlichen Hofe trat. 1862 verlieh ihm der Papst auf Vorschlag der Regierung dar Birthum Nancy, um ihn be­reits vier Jahre später zum Erzbischof von Algier zu ernennen. Gewiß war es eine höhere Eingeb­ung, welche den Marschall Mac Mahon, damals Gouverneur der Algerie, bewog, ihn dem Kaiser Napoleon für den erledigten erzbischöflichen Sitz vorzuschlagen. Sondirt von dem Marschall, hatte der damalige Bischof von Nancy geantwortet: „Sie schlagen mir eine Mission voller Mühe und Arbeit vor, einen Bischofssitz, der in jederBtzieh- ung unter dem steht, den ich inne habe, der mich ins Exil schickt und mich zwingt, alles zu verlas­sen, was mir theuer ist; Sie glauben, daß ich dort mehr Gutes wirken könnte, als ein anderer. Ein Bischof, Herr Marschall, kann auf einen sol­chen Vorschlag nur das Eine erwidern: ich bin bereit zu dem schmerzlichen Opfer, welches man von mir fordert, und wenn der Kaiser an meine Hingebung appellirt, so werde ich nicht zögern, wie viel es mir auch koste."

Es würde hier zu weit führen, all die großen Schöpfungen des überaus thätigen und feeleneifü- gen Oberhirten anzuführen. Sehr bald hatte er einen Kampf mit dem Marschall Mac Mahon zu bestehen, der übrigens nach höheren Instruktionen handelte. Es handelte sich um die Verteidigung des Rechtes, das jeder Bischof, jeder Priester, je­der Christ mit Recht geltend machen kann, das Evangelium denen zu predigen, die es nicht kennen, und das Werk Gottes auf der Erde auszubreiten; er wollte feine Thätigkeit über die Grenzen der ftanzösischen Kolonien hinaus erstrecken, wogegen die Regierung sich anfangs sträubte. Der Mar­schall wurde bestegt, und die katholische Welt spen­dete dem Bischof Beifall, der so stolz gezeigt hatte, was cs heißt, einen Bischof in der Ausübung sei­ner Gewiffenrpflichten hindern zu wollen.

Dank dem Elfer des neuen Oberhirten wurde die Diözese von Algier erneuert, Erziehungshäuser für den Klerus wie für die Jugend schossen aus der Erde auf, die religiösen Orden blühten auf, die Kongregationen der „weißen Väter" und der Mlssionsschwestem find seine eigenste Schöpfung. Neue Pfarreien wurden in großer Zahl gegründet, und auf den von Lavigerie berufenen Provinzial­konzilen ertönte das Echo der Traditionen der hl. Cyprian und des hl. Augustinus.

Aber das eigenste und fruchtbarste Werk diefes großen Mannes war die Begründung der Mis­stonen in den unter dem Aequator liegenden Thei- len Afrika». Es ist dies vor allen anderen ein Werk, das eine große Zukunst hat. Während die französischen Kolonisten der Algerie in ihrer Gott­losigkeit oder GleichgMgkeit verharrten, während

die Muhamedaner in ihrem Fanatismus verstockt I erheben und zur Mitarbeiterschaft alle anzurufen, , blieben, hörten die armen Schwarzen auf da» die noch ein fühlendes Herz in der Brust tragen

Wort der weißen Väter, welche den Weg durch und Sinn für Gerechtigkeit haben, die ungeheueren Wüsten nicht scheuten und allen

Gefahren trotzten, um ihnen das Reich Christi zu 1U» =1

verkündigen. Wer ist nicht gerührt von dem Schau- ClHYIkl vkS AlllMUUkUklllUgS. spiele jener feierlichen Audienz gelegentlich des Historischer Roman von Antonie Haupt.

Papst-Jubiläums, in welcher der Kardinal dem ,.n .

Jubilar auf St. Petri Stuhle feine ersten Neger ' «ortsetz g.)

aus dem Zentrum Afrikas vor stellte? Eben war I Die Weinlese mit ihrem lebensfrohen Getriebe die Encykl.ka des Papstes gegen den Sklavenhan- war in Nooiomagu« gerade beendet, und an dem del erschienen und der Kardinal machte sich zum letzten Tage der Lese war der Sonnenschein ge- Dolmetscher der Gefühle seiner Neger, um ihren schwunden, der die bunt gefärbten Waid- und Dank auszudrücken für die große Wohlthat, daß Rebenberge und die blauen Schieferfelsen so heiter sie durch Hilfe der Missionäre au» ihren Banden übergossen und der lieblichen Mosella einen so befreit wurden, während leider noch hundert Mil- unbeschreiblich schönen, grüngoldigen Glanz ver- lionen ihrer Stammesgenossen dieser Erlösung liehen hatte, er war dahingeschwunden, um stür- harren. Leo XIII. erwähnte seines Aufrufs an mischem Novemberwetter Platz zu machen. Die die Mächte und an alle, die imstande sind, etwas Einwohner von Noviomagus waren daher nicht zur Befreiung' der Neger zu thun; er empfahl wenig erstaunt, als sie mitten im Sturm und den Missionären, alle ihre Kräfte, ja ihr Leben Regen die Rheda des Konsuls vor der karserlichen dafür einzusetzen und so viel Sklaven loszukaufen, Burg anfahren, und Btffula am Arme ihres Vater» als nur eben möglich. „Aber ganz besonder»", den Wagen verlassen sahen. Was konnte die ver- fuhren Se. Heiligkeit fort, „zählen wir auf Sie, wöhnten Residenzbewohner in solchem Wetter, ohne Herr Kardinal. Wir kennen Ihren thätigen und da» übliche Gefolge, hierhin getrieben haben? verständigen Eifer; wir wissen, was Sie bis zu Geschäftig eilten die Diener herbei, um der Wünsche diesem Tage geleistet haben und haben das Ver- des Konsuls gewärtig zu sein. Dieser befahl hastig trauen, daß Sie nicht eher nachlassen werden, als einige Erfrischungen und erkundigte sich dann nach bis Sie Ihre großen Unternehmungen zum guten der Wohnung Aspers. Kaum nahm er sich Zeit Ende geführt haben." 8« einer Stärkung, als er sich schon in Begleit-

1800 wurde Tunis mit ben französischen Bc- »ng seiner Tochter zu der Besitzung Aspers begab, sitzungen vereinigt und der Metropolitansitz von während der Illyrier in einer kleinen Entfernung Karthago wieder hergestellt. Die Kirche hat von ihnen folgte.

neuem ihre Hand auf jenen Boden gelegt, der ihr »Die Götter begreifen das," sagte der alte gehörte und nur durch brutale Gewalt entrissen Hausmeister, ihnen nachsehend. „Warum läßt der ward. 1882 bereits begrüßte Afrika seinen er- Herr den menschenfeindlichen Aipec nicht zu sich sten Kardinal. 1886 boten die afrikanischen Mrs- in den Palast bescheiden?" Kopfschüttelnd ging er lionen dem Himmel die Erstlingsftüchte ihrer Ar- hinein, um Anordnung zu tr.ffen, daß alle Säle bett dar und die katholische Welt erfuhr mit Freude geheizt und zur Bequemlichkeit der hohen Gäste und Erstaunen, daß die Negerstämme von Uganda hergerichtet wurden.

Blutzeugen aufzuweisen hätten, welche durch die Unsere Freunde hatten indessen das Landhaus, Freudigkeit, mit welcher sie für ihren Glauben welches sich vor dem Konsul bereitwilligst öffnete,

Marter und Tod erduldeten, den Märtyrern der bald erreicht. In dem die Wohlhabenheit des Be-

ersten christlichen Epoche an die Seite gestellt wer- Ntzsrs v-rrathenden Atrium trat ihnen der Haus« den können. Herr,') ein ernster Mann in mittleren Jahren

Da« ist ein kurze» und nur sehr schwaches Bild entgegen. Der Schnitt seines Bartes, sowie feine

von dem Wirken dieses Mannes, der in Wahrheit Gewandung kennzeichnete den unter römischen Em­den Ehrentitel eines Apostels Afrikas verdient. fw erzogenen Gallier, sein nicht unschönes Ge«

Aber auch er hat es erfahren müssen, verkannt, an- W trug einen finstern, mißtrauischen Ausdruck

gefeindet und gehemmt zu werden, und gerade von iur Schau. Mit der tiefen Ehrerbietung, welche

jener Seite, auf welcher man allen Grund hätte, Ausonius hohe Stellung als erster Staatsmann

ihm zu danken und ihn zu unterstützen. In Frank- und Freund des Kaisers heischte, verneigte er sich

reich ist es sprüchwörtlich, daß dieser Bischof mehr und fragte:

zur Ehre und für den Einfluß feines Vaterlandes »Wie kommt es, daß meinem nieder» Hause so geleistet hat, al» ganze Armeecorp». Und was unerwartete Ehre zu Theil wird?" war der Lohn? Kürzung seines ohnehin mageren 3ene gewinnende Herzlichkeit, welche Ausonius Einkommens, Streichung und Reduzirung der bei Vornehmen und Geringen so überaus beliebt Staatszuschüffe für seine Pflanzschulen de» Kleru», machte, zeigte sich auch jetzt im Auftreten des wodurch er veranlaßt wurde, sich an die Mild- werfen Staatsmannes; er ging rasch auf Asper thätigkeit zu wenden, um da» begonnene Werk i“, bot ihm die Rechte und sprach in theilnehmen- fortsetzen zu können. Die herrschende ungläubige &em Ton: priesterhassende Partei gibt leichten Herzens un- »34 komme, mein Freund, um mich nach dem gezählte Millionen für den Bau des babylonischen Schicksal Deiner Tochter Secundina zu erkundigen." Thurmes auf der nächsten Weltaussteüuna; sie Ausdruck jähen Schreckens erschien einen verweigert einige hunderttausend Frank« dem Manne Moment auf dem Antlitze, des Mannes; nach dessen Name allein das Prestige feiner Nation auf kurzem Besinnen versetzte er: dem schwarzen Kontinent aufrecht erhält. , »34 staune, mein hoher Herr, daß man am

Bis heute hat Kardinal Lavigerie mit Ruhm Hofe sich meines unglücklichen, schwer heimgesuchten und Erfolg für unsere hl. Kirche und seine Nation «indes erinnert. Secundina hat selbst in Gedanken gearbeitet. Sein neuestes Werk bewegt sich in kein Unrecht gethan, und dennoch mußte sie fliehen einem weiteren Rahmen; es gilt der allgemeinen I 1) Sommer 1885 wurde bei den Ausgrabungen

Menschlichkeit, der Erhaltung von Nationen, die in Neumagen das Grabmal, welches C. Albinius Asper

noch keiner Macht unterthan sind, er arbeitet im seiner verstorbenen Gemahlin Gecundina Restituta er« aller iinilifirten NSlk-r die aus Afrika rl$tcn ließ, aufgefunden. Heftet der Inschrift sind Asper

Interesse euer zivmirrien xioirer, oie auf Afnra unb feine @emalj[in al8 lf82 Meter hohe Enface-Figuren

Anspruch machen; darum hat er ein Recht, Über in starkem Hochrelief dargestellt. Das ganze Denkmal ist die Grenzen Frankreich» hinaus seine Stimme zu 1 bunt bemalt.