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Zweites Blatt

gefeiert werde, „an dem von Uns, und ebenso von jedem einzelnen Unserer Brüder, der Patriar­chen , Erzbischöfe, Bischöfe. . . eine besondere Mefle für die Verstorbenen fo feierlich als mög­lich gelesen werde, nach dem Ritus wie am Ge- dächtnißtage aller armen Seelen. Dasselbe heißen Wir gut in den Pfarr- und Kollegiatkirchen so­wohl der Welt- als der Ordensgeistlichen, und von allen Priestern . . . Die übrigen Gläubigen aber ermahnen Wir dringend, daß fie die sakra- mentale Beichte verrichten und mit] dem Brode der Engel zum Tröste der armen Seelen sich andächtig stärken. Denen aber verleihen Wir einen vollkommenen Ablaß für die Verstorbenen; den einzelnen (Priestern), welche in der oben an­gegebenen Weise celebriren, verleihen Wir das privilegium Altaris (einen vollkommenen Ablaß) kraft Unserer apostolischen Vollmacht."

So gestaltet fich denn in der That das goldene Priesterjubiläum des gemeinsamen Vaters aller Gläubigen zu einem Jubel- oder Erlaßjahre selbst für die verlassensten Kinder — im Fegfeuer, und zwar in dem Maße, als wir diese Gnadenschätze ihnen fürbittend zuwenden. Erfüllen wir also den heißen Wunsch seines großen, liebenden Vaterherzens, damit Gott sie von „der furchtbaren Größe ihrer Peinen" befr.ie und zum „Orte der Erquickung, des Lichtes und ewigen Friedens ge­langen lasse."

* Zum 30» September.

(Jubiläums-Sonntag der Verstorbenen.)

Am hohen Osterfeste d. I. hat unser h. Vater Leo XIII. eine Anordnung getroffen, welche in der ganzen Kirche freudig begrüßt wird. Das goldene Priesterjubiläum des H.Vaters soll nämlich auch den armen Seelen zu gute kommen, ein Tag der Auferstehung aus ihrem Flammengrabe soll für recht viele derselben in diesem Jubeljahre noch anbrechen. In seinem Rundschreiben an alle Bischöfe des Erdkreises ent­faltet Leo XIII. die herrliche Idee, sein Priester­jubiläum sei ein großes Freudenfest gewesen für die streitende Kirche auf Erden, dank „der so großen Uebereinstimmung aller Herzen in Hul­digungen, in freigebiger Liebe, in öffentlichen Kundgebungen der Freude", wie nur Gottes Gnade fie in den Herzen der Gläubigen hervor­bringen konnte, ein lebendiger Beweis „des gött­lichen Lebens und der angeborenen immerfrischen Lebenskraft", dem auch die Feinde der Kirche ihr Auge nicht verschließen können. „Damit aber so­wohl das Andenken als der Segen dieser gött­lichen Mohlthat soweit als möglich sich ausdehne, haben Wir die Schätze der himmlischen Gnade der ganzen Uns anvertrauten Herde erschlossen, und auch nicht unterlassen, die Gaben der gött­lichen Güte selbst auf jene herabzuflehen, die noch außerhalb der einzigen Arche des Heiles sich befinden; dies haben Wir gethan in der Absicht, damit alle Völker und Rationen im Glauben durch das Band der Liebe geeint um so eher der Einen Herde unter dem Einem Hirten bei» gesellt werden: so haben Wir in der That unfern Herrn Jesum Christum mit Seufzern ge­beten ..."

Es sollte aber diese Jubelfeier auch in der triumphirenden Kirche ihr Echo her­vorbringen. „Denn Wir haben auch zur triumphirenden Kirche Unsere Augen erhoben, und christlichen Heldengestalten theils die höchsten Ehren der Heiligen, theils die Verehrung der Seligen feierlich zuerkannt und zu Theil werden lassen, damit das himmlische Jerusalem mit dem, welches fern noch vom Herrn auf Erden wandelt, in gemeinsamer Freude fich verbinde." Endlich sollte auch die leidende Kirche im Feg- feuer von dieser gemeinsamen Freude nicht aus­geschlossen sein. „Aber Wir wünschen — und das ist die Vollendung dieser erhabenen Jubel­feier — die Beweise unserer apostolischen Liebe nach der Fülle des unendlichen geistlichen Schatzes auch jenen geliebten Kindern der Kirche so reich­lich, als es nur geschehen kann, zu eröffnen, die durch den Tod der Gerechten vom Kriegsdienste dieses Lebens mit dem Zeichen des Glaubens ge­schieden und als lebendige Rebzweige dem ge- hämnißvollen Weinstocke einverleiot find, jedoch so, daß sie noch zurückgehalten werden vom Ein­tritte in die ewige Ruhe, bis sie der strafenden göttlichen Gerechtigkeit für die zugezogenen Schul­den bis auf den letzten Heller genug gethan haben." Angesichts der durch die heilige Schrift und die beständige Ueberlieferung bezeugten und durch das unfehlbare Lehramt der Kirche ausge­sprochenen katholischen Lehre nun, „daß die armen Seelen im Fegfeuer durch die Fürbitten der Gläu­bigen, ganz besonders aber durch das so wohl­gefällige Opfer des Altares erquickt werden" (Trident, sesa. XXV. de purg.), bestimmt der Vater der Christenheit, daß am letzten Sonntage des Monats September ein allgemeiner großerSühnetag für die armen Seelen

Die Tochter des Almmmtöiiigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(33. Fortsetzung.)

„So ist dieß ein Schwur, den der Allerhöchste mir verzeihen wird, wenn er aus Mangel an besserer Erkenntniß im Jrrthum geleistet ward," entgegnete Hieronymus ohne Besinnen, „dessen Ausführung mir aber zum schweren Vergehen wird, wenn mein Wahn gewichen ist, wenn ich die Gebote des einen wahren Gottes kenne. Ich darf den Schwur beim Heile meiner Seele nicht erfüllen."

„Mann, Deine Worte klängen meinem Ohr wie Himmelsbotschaft.......wenn ich Dir glau­

ben könnte, wirklich glauben!" rief der Franken- könig und seine Finger gruben sich tief in das blonde Gelocke des auf die Hand gestützten Hauptes.

„Ich werde für Dich beten, daß das Licht der Wahrheit die Fmsterniß Deiner Zweifel zerstreue, wie es auch in meiner Seele hell geworden ist," sagte jetzt Lydia, und ihr sinniges Auge richtete sich mit warmer Teilnahme auf den Gefolterten.

Hesperus hatte genug gehört; tief ergriffen chämte er sich nun feines Argwohns und schalt ich selbst, daß er des jungen Helden heißes Sehnen nach Wahrheit nicht sogleich als den Be­weggrund zu dessen häusigem Besuche des Land' fauses erkannt habe. Leiser, wie er gekommen war, stahl er sich hinweg, denn um Alles nicht lätte er die segenbringende Wirksamkeit des Freun- )eS stören mögen. Seinem geraden Sinn wider» irebte es indessen, zurück nach Contionacum zu ehren, ohne seine Anwesenheit, sein Lauschen ver- rathen zu haben. Ec wartete daher im Parke, bis er die beiden Männer aus dem Zelte kommen und ich der Ausgangspforte nähern sah. Der Franken» ürst bemerkte ihn kaum, er schien in ernste Ge­danken vertieft und neigte nur flüchtig das Haupt zum Gruße, als er an ihm vorüberschritt; Hiero- nymns jedoch kam auf ihn zu und botZihm die Hand.

„Verzeihe, mein edler Freund," hob der Prätor an, „daß ich, meinem Versprechen zuwiderhandelnd, jeute schon . . . ."

„Rechtfertige Dich nicht," unterblach der junge

Philosoph ihn lächelnd. „Die Sehnsucht ließ 2 nicht länger in Contionacum wellen. UebrigH fügte er ernster hinzu, „hast Du Dir heute * erlaubt, was ich Dir selbst gestattet hätte. M. Aufgabe bei Lydia ist ganz und schön erfüllt,^« wenig Tagen wird sie die hellige Taufe empfan» gen. Viktoria dagegen zürnt immer noch dem Christengotte und seinen Anhängern; fie sträubt sich mit aller Macht gegen die Lehre Jesu, doch wie mir dünkt, zum Scheine nur. Im Herzen ist sie längst von der göttlichen Wahrheit durchdrv gen. Ich hoffe, daß die Stunde nicht mehr fei in der auch sie die stolze Stirn demüthig vor bü Kreuze beugt; ebenso wie ich zuversichtlich glaube, daß des jungen Frankenfürsten ernstes Streben nach dem ewig Wahren und Guten mit Erfolg gekrönt werde. Roch ringt der Aermste in schwere» Kämpfen, schwankt zwischen Walhalla's Göttern und dem Gott der Christen, während das Morgen- roth der Wahrheit bereits beginnt, die wildver­worrene Nacht seiner Zweifel siegend zu erhellen. Bete für ihn! Doch, ich sehe," fuhr er fort, „manJ hat Dich im Sommerzelte bemerkt, und ich baif“ Dich Nicht länger fesseln. Lebe wohl.... und zerstreue heute meine fromme Schülerin nicht all­zusehr," warnte er im Weggehen ihm heiter mit dem Finger drohend.

Die Wahrnehmung des Hieronymus erwies sich nicht als trügerisch, denn freudestrahlenden Ant­litzes kam Lydia dem jungen Staatsmanne ent» gegengeeilt.

„Endlich sehe ich Dich wieder!" rief sie glück- * lich. „Du hattest uns ganz vergessen, während ich \ von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde Deine Wiederkehr ersehnte."

Hesperus' Auge ruhte entzückt auf der lieblich blühenden Mädchengestalt, die ihm nie so hold er» schienen war als heute.

„Lydia, Du hättest Dich wirklich nach mir ge­sehnt?" fragte er in warmem, bewegtem Ton und seine Blicke tauchten tief in die lieben Sterne, die mit dem Ausdruck so reiner Herzensgüte zu ihm emporschauten.

„Wie hätte ich cs anders vermocht?" entgegnete sie innig. „Danke ich Dir dochs mein seliges, mein unaussprechliches Glück. O Hesperus, ich glaube an Deinen Gott, an seine Allmacht, an seine Liebe! Licht ist es um mich geworden, und allen Menschen möchte ich es künden, alle glücklich machen. Wer gibt mir Worte, mein Freund, um meine Daukesempfindungen Dir würdig auszu­sprechen? Womit kann ich Dir je den Dienst ver­gelten?"

Armer Hieronymus! Deine Warnung hatte keine Kraft mehr gegenüber den tiefen und mächtigen Gefühlen, welche in diesem Augenblicke des jungen Mannes Herz bestürmten. Als das schöne Mädchen in edler Glaubensbegeisterung vor ihm stand und mit überwallender Dankbarkeit zu ihm sprach, fühlte er sich hingerissen wie mit Zaubergewalt.

„Du sprichst von Vergeltung!" rief er aus. „Wie könnte ich Vergeltung fordern für das, was Menschenpflicht gebot! Doch," fügte er leiser hin- zu, „sagtest Du nicht, Du möchtest alle Menschen glücklich sehen? Wolltest Du wirklich alle glücklich machen, Lydia, auch mich?" Ec beugte fich zu ihr nieder und sah ihr forschend in das heiß- erröthende Antlitz.

„Wie kannst Du nur so eigenthümlich fragen?" erwiderte sie in seltsamer Befangenheit.

„Lydia, — auch mich?" drängte der junge Mann.

„Dich vor allen," kam es leise wie ein Hauch von ihren Lippen.

(Fortsetzun -

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Samstag, den 29. September.

188t

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