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Jtf 224.

Freitag, den 28. September.

1888

Maer

Die .Fuldaer Zeitung- «scheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletriMchen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- m Fulda 1 Mark 70 Pfenmg, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

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für das am 1. Oktober beginnende

IV. Quartal 1888

wolle man schleunigst dem Landbriefträger oder dem Nächsten Postamte zustellen, damit uns die Bestellungen rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zu­sendung des Blattes ermöglicht wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. September.

* Der Reichtkanzler hat von Kaiser Wilhelm die Ermächtigung erhalten, daß der Justizminister aufgefordert werde, die Staatsanwaltschaft zur Einleitung de« Strafverfahren« gegen die Publi­kation der .Deutschen Rundschau' (Tagebuch des Kaisers Friedrich) und deren Urheber anzuweisen. Die Ermächtigung wurde mittelst Jmmediatbericht« de« Reichtkanzler«, der heute vom.Reichsanzeiger' veröffentlicht wird, eingeholt. Der Bericht sagt u. A., das Tagebuch in der vorliegenden Form sei unecht. Wäre e« echt, so fiele es unter den Artikel 92 des Strafgesetzbuches über die vorsätzliche und absichtliche Bekanntmachung von Staatsgeheimniffen. Dieser Bericht wird jedoch so wenig, wie die vorhergegangenen offiziösen Er- klärungen den Eindruck erwecken, daß man e« mit einer Fälschung zu thun habe. Wenn auch der Reichskanzler sagt, daß er da« Tagebuch in der Form, wie es vorliegt, nicht für echt halte,: so tragen doch die sich anschließenden Versuche, die Unechtheit an einigen einzelnen Punkten zu be­weisen, fast nur den Charakter einer Krckik gegen den Inhalt der Veröffentlichung, in welcher sich die ganze Schärfe und Unerbittlichkeit der Denk­weise und de« Stil« de» Herrn Reichskanzlers offenbart. Zugleich geht aber auch daraus hervor, daß die mchtkritisirten und angefochtenen Theile der Veröffentlichung — und es sind darunter sehr wichtige — vom Reichskanzler selbst für echt ge­halten werden. Man hat den Eindruck, daß durch das schwere Geschütz, welches jetzt gegen die Tage­buchveröffentlichung angefahren wird, nicht nur das bereits Veröffentlichte getroffen werden fall, sondern daß noch mehr die Verhinderung weiterer zu befürchtenden Veröffentlichungen beabsichtigt wird.

Me Schier »es AlmmciikSmss.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(32. Fortsetzung.)

XII.

Hieronymus.

Und die Seele? — Ohne Antwort Muß ich fragen, immer fragen: Müßt' ich Raum für ste, das Andre, O das Andre wollt' ich tragen! Kann sie flieh'n zu Walhall's Göttern? Sind sie denn? — Zum Gott der Christen? Ist er denn? — Der müde Kämpfer Ringt in Zweifeln und in Zwisten.

F. W. Weber.

Mehrere Wochen waren vergangen. Der Prä­fektur Prätorio war während dieser Zeit jeden Abend nach Erledigung der Berufsarbeiten in der Hauptstadt nach der Kaiservilla gefahren, um dem Imperator Bericht abzustatten und ihm Gesellschaft zu leisten. Den Frankenkönig hatte er dabei nie angetroffen; er wunderte sich indessen nicht darüber, da dieser mehr noch als Gratian der Jagd zuge- than war, und glaubte, daß Merobaudes dem ed­len Waidwerk obliege. Als man ihm aber auf die zufällig hingeworfene Frage nach dem Franken die Mittheilung machte, derselbe sei nach der nahen

• Die weitere Ausgabe der Tagebuchs des Kaiser» Friedrich ist, nach einer Erklärung der Verlagsbuchhandlung k der .Deutschen Rundschau' an die ,Freis. Ztg.' sistirt. Von welcher Stelle die Sistirung ausgeht, ob eine Konfiskation oder sonstige behördliche Maßregel vorliegt, hat noch nicht festgestellt werden können. Auf die Begrün­dung eine», Verbotes oder einer Beschlagnahme, wenn sie wirklich erfolgt sein sollte, darf man ge­spannt sein. Jedenfalls würde eine solche Maß­regel nur ein Schlag ins Wasser sein, nachdem der Inhalt des Tagebuchs bereits aller Welt be­kannt ist. Von einer richterlichen Beschlagnahme der .Deutschen Rundschau' ist nichts bekannt. — Ein Gerücht wollte gestern wissen, daß der Redak­teur der ,D. Rundschau', Dr. Julius Roden- 6erg, auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft zum Behufs des Zsugenzwangsverfahrens sistirt worden fei, da er sich trotz wiederholter Anfragen gewei­gert habe, den Namen feines Gewährsmannes zu nennen. Das Gerücht ist um so haltloser, als Dr. Rodenberg zur Zeit gar nicht in Berlin ver­weilt!

* Die dritte Partei, welche durch einen Wahl- aufruf in die Wahlbewegung eingetreten, ist die freikonservative. Was sie in demselben aus- spricht, hält so ziemlich die Mitte zwischen den Forderungen der Konservativen und Nationallibe­ralen, nähert sich selbstredend einmal dieser, ein­mal jener Partei mehr, wie es der echten „Mit­telpartei" geziemt. Die Volksschule soll in der Regel konfessionell eingerichtet werden, ihren Cha­rakter als Veranstaltung des Staates aber erhal­ten; der Grundsatz, wonach die Unterhaltung der Schule Kommunalsache ist, soll weiter durchgeführt werden. Bezüglich der Kirchenfragen sagt der Aufruf:

„Richt eine dem Verhältniß der katholischen Kirche nach­gebildete Stellung zum Staate, sondern die Aufrechterhal­tung der historisch entwickelten innigen Verbindung mit dem Staate der Hohenzollern liegt im wohlverstandenen Interesse der evangelischen Landeskirche wie d-s Staates. Bereit, berechtigten Wünschen der Landeskirche, welche dieser Grundanschauung entsprechen und die Stellung und Freiheit der Gemeinden nicht beeinträchtigen, entgegen zu kommen, halten wir die Sicherstellung reichlicherer Staats- zuschüffe für evangelische kirchliche Zwecke, sowie für die ausreichende Besoldung der Geistlichen der evangelischen Landeskirche, wie der aller Konfessionen für das im evan­gelisch-kirchlichen Interesse zunächst zu erstrebende Ziel.

Nachdem der Friede zwischen dem Staate und der katholischen Kirche wieder hergestellt ist, werden wir allen

Villa des Viktorinus gegangen, ward er aufmerk­sam. Mehr und mehr befremdete es ihn, als ihm diese Auskunft von nun an täglich zu Theil wurde. Es mußte eine mächtige Anziehungskraft fein, die den freien fluggewohnten Edelfalken Tag für Tag nach Mem Landhaus lockte. Worin mochte der Magnet bestehen, in Viktorias dunklen Augen, oder in Lydia» mädchenhaft finnigem Wesen ? Und wie mochte Letztere die Huldigung des Fürsten auf­nehmen? — Hieronymus hatte, um jede Störung und Zerstreuung während des Unterrichtes zu ver- meiden, das Versprechen von Hesperus verlangt, daß er die Familie des Tribunen nicht besuche, bis er selbst ihm die Erlaubniß ertheile; und die­ser Fremdling durste täglich Lydia sehen und spre­chen I Eine quälende, sich immer steigernde Unruhe bemächtigte sich des jungen Römers. Weder Hiero­nymus, noch Merobaudes waren für ihn sichtbar, und der Kaiser nach Letzterem befragt, äußerte lächelnd die Vermuthung, die liebenswürdige, sanfte Lydia halte den Edelfalken gefesselt; er spreche gerne und mit größter Ehrerbietung von ihr, wäh­rend er im Allgemeinen über seine Besuche dort drüben wenig mittheilsam sei. Nun hielt es un­fern Hesperus nicht mehr länger zurück; trotz sei­nes Versprechens eilte er noch in derselben Stunde

Bestrebungen, welche eine erneute Störung des staatskirch­lichen Friedens herbeiführen könnten, mit der größten Ent­schiedenheit entgegentreten."

Die Fretkonservativen, zu denen auch der katho­lische Graf Frankenberg zählt, finden also, ent­gegen der ausdrücklichen Erklärung de» Papstes, daß der Friede mit der katholischen Kirche herge­stellt ist, wonach also weitere Forderungen der Katholiken und de» hl.Stuhles als „Friedens­störungen" anzusehen sind. Am Schluffe de» Wahlaufrufs wird, und das scheint uns die Haupt­sache in demselben, für das Kartell eine Lanze gebrochen, indem der Zusammenschluß der drei Msttelparteien für die Landtagswahlen durch da» Reich empfohlen wird.

* DerBundesrath nahm in seiner gestrigen Plenarfitzung die Anträge Preußens, betreffend die Verlängerung des kleinen Belagerungs­zustände« auf ein Jahr über Berlin, Potsdam und Umgebung, Stettin und Umgebung, Frank­furt a. M. und Umgebung und Hamburg-Altona, an. Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht bereits in feiner heutigen Nummer die diesbezügliche Be- schlußfaffung.

* Der Kaiser ist heute früh von Detmold nach Stuttgart abgereist. Der Fürst von Lippe- Detmold gab dem Kaiser bis Bergheim das Ge­leit. Die Reise geht über Wilhelmshöhe und Frankfurt a. M., Heidelberg und Bruchsal. Die Ankunft in Stuttgart erfolgte Abends 8 Uhr. Der Kaiser wird bei der Ankunft am Bahnhof von dem König und den sämmtlichen königlichen Prin­zen nebst dem Gefolge und dem Hofstaate empfan­gen, ferner werden die Staatsminister, die Präsi­denten beider Kammern, die preußische Gesandtschaft, sämmtliche Generäle und Regiments-Kommandeure, der Ehrendienst, sowie die Stadtbehörden anwesend sein. Morgen Nachmittag reist der Kaiser von dort nach der Mainau weiter.

* Der Generalvorstand des Bonifatius- Vereins in Paderborn hat die Einrichtung ge­troffen, daß aus den Bibliotheken der verstorbenen Geistlichen eine Einnahmequelle für den so hoch­wichtigen Verein geschaffen werde. Es ist eine alte Erfahrung, daß die oft mit vielem Fleiße und unter Aufwendung erheblicher Geldopfer von den Geistlichen angeschafften Bücher für die Erben me'st ziemlich werthlos find, wohl aber, wenn fie in unberufene Hände kommen, mehr Schaden als über die Saravus-Brücke nach der Landspitze, auf welcher die reizende Villah des Tribunen sich in der Mofella spiegelte.

Es war ein schöner Oktobernachmittag. Die mit mannigfarbigem Laub bedeckten nahen Berge, die von feinem Dust überschleterten Thäler mit ihren freundlich blinkenden Flüffen, die rothen Fel­sen und die heiteren Bogen der Augusta gewähr­ten dem Auge eine entzückende Abwechselung; doch Hesperus hatte heute keine empfänglichen Sinne für die Schönheit der Herbstlandschaft. Mit be­flügelten Schütten eilte er dem Ziele zu und bald stand er vor dem Broncegitter, welches die Gär­ten der Villa begrenzte. Auf seine Frage nach der Herrschaft, theilte der wohlbekannte Thorhüter ihm mit, daß der Herr und seine Gattin heute noch nicht aus der Hauptstadt gekommen seien, die jungen Damen dagegen hätten sich mit den beiden ernsten Fremdlingen, die jetzt jeden Tag hier ein­kehrten. mit Büchern und Schriftrollen in das Sommerzelt am Ende des Parkes begeben; er wolle den Prätor in das Atrium geleiten und ihn den jungen Herrinnen melden. Hesperus bat ihn, die Meldung zu unterlaffsn, da er die Gesellschaft

i) Die Reste einer rörn. Villa wurden zu Wasserliesch aufgefunden und v. Wilrnowsky beschrieben.