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223. Donnerstag, den 27. September. 1888

Die »Fuldaer Zeitung" erscheint tLglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

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8W* Ke-klmge« 'M für das am 1. Oktober beginnende

IV. Quartal 1888

wolle man möglichst bis zum 28. September dem Landbriefträger oder dem nächsten Postamte'zustellen, damit uns die Bestellungen rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zusendung des Blattes ermöglicht wird.

Der Post-Abonnementspreis beträgt für die »Fuldaer Bettung' pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pf., mit »Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).

□ Kaiser Friedrich s Tagebuch eine Fälschung?

Die Veröffentlichungen der „Deutschen Rund­schau" aus „Kaiser Friedrich'- Tagebuch" haben, wie dies nicht anders zu erwarten war, in ge- wiffen Kreisen, namentlich in tun dem Reichs­kanzler nahestehenden, das peinlichste Aufsehen er­regt. Man hält die Veröffentlichung für einen Wahlkoup der Deutsch-freisinnigen und behandelt sie deshalb auch mit der den Freisinnigen gegen­über üblichen Kampfesweise. Der Versuch, das ganze Tagebuch als eine „Fälschung", oder wie der schlecht verhüllte „nationale" Aerger sich ausdrückt, eine „schamlose Fälschung" zu er­klären, erscheint uns von vornherein aussichtlos. Ein augenscheinlich direkt inspirirter Artikel der ,Rordd. Allg. Zeitung' drückt sich auch weit vor­sichtiger aus.

Daß die Veröffentlichung ohne Vorwiffen der Kaisers Wilhelm und, wie die ,Post' versichert, auch der Kaiserin Friedrich erfolgt ist, glauben wir gerne. Anders steht es mit der „An- zweiflung der Echtheit". Immerhin klingt diese Version der „Nordo." schon etwas reseroirter, al» die Nachricht des Wolff'schen Bureau's, wonach „der Reichskanzler auf Befragen erklärt habe, er halte das angebliche Tagebuch nach Einsicht des Textes für „apokryph". Niemand kann es uns verargen, wenn wir auch diese angebliche Aeußerung Bismarck's vorläufig für „apokryph" halten, namentlich in dem Sinne, den ein Theil der Presse derselben unterlegt, indem sie das sub­jektive Dafürhalten des Kanzlers ganz bei Seite läßt und ihn einfach eine positive Erklärung ab­geben läßt, wonach dar Tagebuch „gefälscht" sei. Die Preffe will schon einen Entrüstungs«

Die Tochter ta AlamnnenkimM

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(31. Fortsetzung.)

Es war ein wundervoller Abend; die sinkende Sonne goß Purpurschein über die Berge und feu­rige Wolken spiegelten sich in den Wellen des Stromes, auf dem der zierliche Kahn leicht bewegt dahinglitt. Rechts erhob das Rebengedirge im röthlichem Abendduft fein felsiges Haupt, links breitete das Ufer sich weiter aus, die Berge blie­ben zurück und Biffula» Auge ruhte mit Wohl­gefallen auf der lieblichen vom Saravu» und der Mosella zugleich umschlungenen Au. Der Anblick so herrlicher Naturschönheit erweckt in der Man­schen Brust ein unbestimmtes Sehnen nach Glück, ein leises Verlangen nach theilnehmender Liebe, und in süßer Beklommenheit wagte das Mägdlein einen schüchternen Blick auf seinen heldischen Be­schützer. Auf diesen aber schien die sanfte Schön­heit der Umgebung keinen Einfluß aurzuüben; es dünkte Biffula, als ob eine finstere, dämonische Gewalt, vor der jede andere Empfindung ersterben müsse, sich seiner bemächtigt habe. Zu rudern hatte er aufgehört, und seine Auge ruhten auf ihr mit einem räthselhasten, leidenschaftlichen Ausdruck, der

sturm gegen den Urheber des gefälschten Tage­buches infzeniren und wettert über die „schmäh­liche Wahltäuschung" der freisinnigen Partei. Man achte wohl darauf, daß die „Nordd." in dem Schlußsätze sich darauf beschränkt, die Echt­heit des ganzen Inhaltes anzuzweifeln, und zwar auch nur soweit, als ihrer Ansicht nach nicht der ganze Inhalt von persönlichen und täglichen Aufzeichnungen des Kronprinzen her­rühren können.

Wir gestehen offen, daß wir, so lange nicht der strikte Beweis des Gegentheils vorltegt, das Tagebuch für echt halten. Da übrigens mehrere Abdrücke derselben an Vertrauenrpersonen des Kaisers Friedrich verthetlt worden sein sollen, so muß es ja ein Leichtcs sein, durch Vergleichung mit jenen Abdrücken die Echtheit oder Unechtheit festzustellen. Ja, wir gehören zu den Ersten, welche dringend verlangen, daß mit allen gesetzlichen Mitteln über diese Angelegenheit volle Klarheit verbreitet werde. Anzweifelungen und Dementirungen nach bloßem subjektiven Dafür­halten können in diesem Falle unmöglich au»- reichen; im Gegentheil wird, fall» es dabei bleiben sollte, im Volke nur der Eindruck ver­stärkt werden, daß die Tagebuch-Auszüge durch­aus echt und nur einigen Personen und Par­teien unbequem find.

Charakteristisch ist übrigens die pietätlose Art und Weise, wie die „nationale" Preffe jetzt wieder mit dem Andenken de» edlen, hochherzigen Kaisers Friedrich umspringt. Einem Theile dieser Pnsse scheint sogar die Anzweifelung der Echtheit eine willkommene Gelegenheit zu bieten, um an dem angeblich gefälschten Inhalt de» Tagebuches eine rücksichtslose Kritik zu üben. Daß diejenigen, welche nicht einmal den lebenden Kaiser geschont haben, jetzt den tobten verlästern, kann nicht Wunder nehmen. Der allgemeine Respekt vor den Thronen und ihren Inhabern wird aber von diesem „national"-sozialistischen Treiben kaum profitiren.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. September.

* Der ,Allg. Ztg.' wird aus Berlin telegra- phirt: „Die Veröffentlichung der Tagebücher des Kaisers Friedrich aus dem Jahre 1866 in

ste erschaudern machte. Das junge Wesen, das bisher nur in eine Welt voll Sonnenschein und Freude geblickt, hatte keine Ahnung von dem Sturme, der in dieses Mannes Innern tobte, von den Kämpfen, die feine Brust zerriffen. Der unbe- fchreidlich leidenschaftliche Blick des jungen Fürsten milderte sich allmählich zu sanfterem, fast traurigem Ausdruck, seine Hand fuhr langsam über die hohe Stirn, als wolle sie alle die finstern, feindlichen Gedanken dort verbannen. Es schien auch wirk­lich zu gelingen, denn nach einer Weile erfaßte er wiederum das Steuerruder und mit trübem Lä­cheln zu der geängstigten Biffula hinüberblickend, sagte er milde'

„Fürchte nichts, edle Jungfrau, ich werde Dich sicher zum Palaste hingeteiten."

Als nach kurzer Frist der Schwan an die Gär­ten der Kaiservilla stieß und das junge Mädchen aufathmend mit scheuem Dank davon eilen wollte, trat Merobaudes noch einmal vor sie hin. Er beugte sich zu ihr nieder, und ihr voll und fest in die blauen Augensterne sehend, flüsterte er:

„Fliehe mich, Kind. Fliehe von mir, so weit Du kannst! Siehst Du denn nicht auf meiner Stirn geschrieben, daß ich Dich bekämpfen muß?"

So ward der Kleinen denn die schreckt nrvolle

einem nationalliberalen Blatte steht unmittelbar bevor." — Es wird der,Nak.-Ztg.' bestätigt, daß die Kaiserin Friedrich mit großer Schärfe sich gegen die ohne ihr Vorwiffen erfolgte Veröffent­lichung der .Deutschen Rundschau' ausgesprochen habe. — Seit einigen Tagen geht durch verschie­dene Zeitungen eine Meldung aus der Riviera, wonach nach der Abreise Kaiser Friedrichs in einer Schublade in der Villa Zirio einExemplar des Tagebuch» de» Kaiser» gefunden worden sei. An gut unterrichteten Stellen ist von einem solchen Vorkommniß nicht» bekannt. — Die Regierung will betreffs der Veröffentlichung des Tagebuches de» Kaisers Friedrich die umfaffendste Untersuchung einleiten. Fürst Bismarck scheint um dieses Zweckes willen nach Berlin gekommen zu fein, denn die Magdeb. Ztg.' berichtet, daß der Kanzler in Folge dec „ohne Vorwiffen" des Kaisers veröffentlichten „Tagesbuchauszüge" sich veranlaßt sah, Audienz bei Sr. Majestät zu suchen bezw. vom Kaiser selbst nach Potsdam befohlen ward, da bezüglich der für „apokryph" erklärten „Tagebuch-Auszüge" ober im Hinblick auf etwaige weitere Veröffentlichungen biefer Art vielleicht Schritte geschehen müßten, für welche Einverständniß unb Genehmigung be« Mo­narchen (vor dessen längerer Abwesenheit) sich mündlich zu holen der Kanzler für angezeigt hal­ten konr te, ober worüber bet Kaiser seinerseits ben Kanzler zu hören wünschte. — Der Einsender des Tagebuch» will dem »Kleinen Journal' zufolge zu einer ihm geeignet erscheinenden Zeit den Nach­weis führen, daß Kaiser Friedrich kurz vor seinem Tode ihm die Ermächtigung ertheilte, drei Monate nach dem Tode des Kaisers das Tagebuch zu veröffentlichen.

* Graf Herbert Bismarck gilt für den Nachfolger des Vaters feit geraumer Zeit, feit gestern aber, wo Fürst Bismarck beim Kaiser Audienz hatte, als der künftige Leiter der aus­wärtigen Politik be» Reiche» unbedingt. Dieser Uebergang dürfte sich nahezu unbemerkt vollziehen — so meldet der .Börsen-Courier', was wir ledig­lich registriren.

• Die Consccration de» Hochw. Herrn Armee­bischofs Aßmann findet am Montag 15. Okto­ber Morgens 9 Uhr in der Hedwigskirche statt. Die Hochwürdigsten Herrn Fürstbischof Dr. Kopp, Bischof Dr. Redner und Weihbischof Dr. Gleich werden bei der Consecration zugegen sei,. Die

Ahnung bestätigt; doch al» da» offene Wort der Feind­schaft gesprochen war, fürchtete sie den seltsamen Gegner weniger al» vordem.

„Was habe ich geihan, um solchen Haß zu ver­dienen?" rief sie au».

Er trat zurück und betrachtete sie mit einem Blicke, au» dem alle Leidenschaften sprachen.

„Du bist das Kind Deines Vater» 1" stieß er hervor. „Frage nicht mehr. O, frage nicht und fliehe."

Sie that, wie er sagte, fragte nicht mehr und wandte sich mit wirrem Kopfe und wild durch einander wogenden Empfindungen zum Gehen.

Der hohe Mann stand, lange unbeweglich und schaute ihr nach.

„Thor, der ich bin!" rief er mit bitterem Auf­lachen. „Ich warnte fie. — Läge ihr Körper nicht entseelt in der Tiefe de» Flusse», wenn ich fie tübten könnte. Unb bennoch.....unter

der heiligen Eiche Wodan» habe ich gelobt, diese Brut zu vernichten. Ich habe geschworen, nicht da» Kind auf den Armen zu schonen. O, daß der letzte Sproß dieses Slamme» ein Mann, ein kriegs- gew^ndter Mann wäre! Aber ein schwaches, un­schuldiges Mägdlein — ein holdes liebliches Ge­schöpf . - . . . ." Ec vergrub das Gesicht in