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Dienstag, den 25. September.
1888
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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.
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für das am 1. Oktober beginnende
IV. Quartal 1888
wolle man möglichst bis zum 28. September dem Landbriefträger oder dem nächsten Postamte'zustellen, damit uns die Bestellungen rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zusendung des Blattes ermöglicht wird.
Der Post-Abonnementspreis beträgt für die »Fuldaer Zeitung' pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pf., mit .Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).
* Kaiser Friedrichs Tagebuch.
In dem Oktoberheft der „Deutschen Rundschau" werden, wie bereits erwähnt, Auszüge aus dem Tagebuch Kaiser Friedrichs mitgetheilt, welche in mehrfacher Beziehung auch für uns Katholiken in hohem Grade interessant sind. Die Auszüge reichen vom 11. Juli 1870 bis zum 8. März 1871, datiren also aus der Zeit des französischen Krieges und der Gründung des deutschen Reichs. Der „Rundschau" sind sie, laut Erklärung der Redaktion, von einer Person eingesendet worden, der Kaiser Friedrich selbst das Tagebuch mitgetheilt hat. Man denkt dabei unwillkürlich an den früheren badischen Minister Herrn v. Roggenbach, indesien kann cs auch Jemand anders fein.
Mitgetheilt wird aber nicht das ganze Tagebuch, sondern leider nur Auszüge, bei deren Auswahl „Gründe der Diskretion" entscheidend waren. Trotzdem bieten diese Auszüge eine reiche Fundgrube ton Mittheilungen über die in jenen weltgeschichtlichen Tagen thätigen Personen, die damaligen Vorgänge und tie später aurgeführten Pläne. Erfreulich ist es auch, daß mehr als eine besonders das katholische Deutschland intereflirende Aeußer- ung, allerdings nur in knapper Kürze mitgetheilt wird. Die uns Katholiken intereffirenden Aeußer- ungen betreffen 1. die Stellung Bismarcks zur Unfehlbarkeit; 2. die Ansicht Bismarcks über die Papstfrage auf Anlaß desErzbifchofes Le- dochowski in Versailles; 3. die Auffassung des englischen Staatsmannes Odo Rüssel über die Okkupation Roms und den Nachfolger Pius IX.; 4. Steuerungen des Kardinal-Erzbischofs Bonnechose von Ronen (Frankreich) über die Lage des Papstes vor dem Verfaffer des Tagebuches und endlich 5. Graf Harry Arnims Ansicht über den Vatikan oder vielmehr die päpstliche Diplomatie.
Nie Tochter des Alaumnenkönigs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
(29. Fortsetzung.)
XI.
Auf Waldes-Pfaden.
Wie sehnsuchtsvoll fühlt sich mein Herz gezogen, Dem frischen grünen Walde zugelenketl Von Bächen wird das neue Gras getränket. Die Blumen schauen sich in klaren Wogen.
L. Tieck.
Die schönen Septembertage hatten Gratian unwiderstehlich nach seinem herrlichen SommerpalastJ) gelockt, der sich eine Stunde stromaufwärts von Treveris dort erhob, wo der Saravus in sechsfacher Mündung zwischen den Pfeilern der mächtigen Brücke sich rauschend in die Mosella ergoß. Ein großer Theil des Hofes war dem jagdbegeisterten Kaiser auf diesen Landsitz gefolgt, wo der junge Imperator sich ungehemmt seinen Lieblingsbeschäftigungen, dem Bogenspannen und Speerwerfen, hingeben konnte. Berg und Wald hallte wieder von dem fröhlichen Treiben der Jäger.
0 Bei dem tönt. Contionacum, dem heutigen Conz. Im Anfänge dieses Jahrhunderts standen noch Ruinen des Palastes auf dem Hügel südlich der Kirche, es waren einige Thurmreste mit Schwibbogen.
Die auf die kirchenpolitischen Pläne des Fürsten Bismarck» bezügliche Stelle lautet auf S. 16 unter dem 24. Okt. 1870 wörtlich: „Bismarck erzählte meinem Schwager (dem Prinzen von Wale»), daß er nach Beendigung des Krieges gegen die Unfehlbarkeit vorgehen wolle." Run wissen wir schon aus Poschingers Aktenstücken, welchen Einfluß Fürst Bismarck auf den badischen Kulturkampf der fünfziger Jahre ausgeübt hat; wir kennen auch feine Bemühungen beim Conci um Auflösung der kirchenpolitischens Kommission, sowie Arnims Einmischungsvorschläge bezüglich des Dogmas der Unfehlbarkeit. Aber Fürst Bismarck wollte, int Gegensatz zu Arnim, nicht Präventivmaßregeln gegen die Unfehlbarkeit ergreifen, sondern, wie es in seinem Schreiben vom 5. Im . 1870 heißt: „die Beschlüsse des Concils vor das Forum unserer Gesetze ziehen." Er hofft eben noch, daß die „Aktion (gegen die Unfehlbarkeit) von den deutschen Elementen auf dem Concil selbst ausgehe." Die Hoffnung Bismarcks schlug bekanntlich fehl und da hatte er als zweites Eisen das nachherige Auftreten gegen das Dogma, wie er dem Prinzen von Wales erklärt hat, im Feuer. Wie nun die „Nordd." noch im Vorjahre int Gegensatz zu dieser Mittheilung des Kaisers Friedrich bestreiten konnte, die Unfehlbarkeit sei an dem Kulturkampf gar nicht schuld, so überlassen wir ihr, das zu erklären. Fürst Bismarck wollte „nach Beendigung des Krieges", wie es im Tagebuch heißt, „gegen die Unfehlbarkeit vorgehen." Also der Plan bestand schon damals, als die katholischen Soldaten, besonders die Bayern, mit der vom Kronprinzen selbst so gerühmten Tapferkeit gegen den Erbfeind aufgetreten waren. Unwillkürlich denkt man dabei an die Aeußerung des redseligen Lasker am 25. Nov. 1873: „Sollte der (kirchenpolitische) Kampf einmal geführt werden, dann, nachdem das Dach gewölbt ist über das gemeinsame Reich", also wie Fürst Bismarck sich geäußert, erst „nach dem Kriege." Wie er dann gegen die Unfehlbarkeit vorgegangen ist, das wissen wir aus der Geschichte des Kulturkampfes.
Sehr interessant ist (auf S. 18) die Aeußerung Bismarcks über die römifcheFrage. Im Tagebuch heißt es darüber wörtlich: „Ledochowski erkundigt sich, ob der Papst Aufnahme in Preußen finden werde? Bismarck würde da» Verlassen Roms für einen ungeheueren Fehler Pio Nonos
Valentinian, der einst selbst den Plan zu der burgähnlich gestalteten, mit mächtigen Thoren und Thürmen versehenen Villa entworfen, hätte kein schöneres Fleckchen Erde zu ihrer Erbauung wählen können. Von dem Hügel seines Palastes schaute er hinab aus die beiden Ströme mit ihren lieblichen Thälern, aus die wald- und rebenum- kränzten Höhen und auf eine große Zahl von Villen, die bald dicht am Flusse, bald weiter zurück in die grünende Ebene eingebettet, die Ufer bi» zur Augusta zierten. Aus der Ferne grüßte die tolze Hauptstadt mit ihren Palästen, und gerade gegenüber am linken Ufer beider Flüsse erhob sich las alte Denkmal der Sekundiner2) während ein weiter Kreis von blühenden Gärten mit springenden Wassern, kunstvollen Marmorbildern nach langen schattigen Baumgängen den kaiserlichen Landsitz umgab.
Biflula, welche ihren geliebten Pflegevater nach >er Kaiservilla zu Contionacum begleitet hatte, onnte hier so recht nach Herzenslust in der freien Natur umherschwärmen. Vollkommen glücklich hätte
2) Dieses großartige, reich mit Reliefbildern geschmückte Grabmonument — die weltbekannte Jgeler Säule — ragt heute noch unzerstört über die Dächer des umgebenden Dorfes empor.
halten, aber sein Aufenthalt in Deutschland könne gut wirken,' weil die Anschauung der römischen Priesterwirthschaft die Deutschen kuriren werde. Der König und ich bin entschieden dagegen." Bisher war man der Meinung, Kardinal Ledochow»ki habe zu Gunsten des Papstes zu interveniren gesucht; jetzt erfahren wir aus dem "Tagebuch, daß es sich um Ueberfiedelung uachPreußen handelte. Bei dem Plane des Fürsten Bismarck, nach dem Kriege gegen die Unfehlbarkeit vorzugehen, wäre die Ueberfiedelung des Papstes nach Preußen in der That ein „ungeheuerer Fehler" gewesen. Wir sehen aber aus dem Anträge, welches Vertrauen Fürst Bismarck damals in Rom genoß, und wissen gleichzeitig aus dem schon da- mal» geplanten Vorgehen gegen die Unfehlbarkeit, wie der Fürst dieses Vertrauen» würdig war. Man täuschte sich eben zu Rom im Fürsten Bismarck, weil man seine Absichten und Ziele nicht kannte. Höchst bezeichnend aber für des Fürsten Urtheil über Rom ist die Folge, welche er sich nach dem Tagebuch von dem päpstlichen Aufenthalt in Deutschland versprach. „Die Anschauung der römischen Priesterwirthschaft werde die Deutschen kuriren". Wir glauben, Fürst Bismarck würde das Gegentheil erlebt haben, denn jeder gute Katholik ist durch eine Pilgerfahrt nach Rom noch stets in seinem Glauben und in der Anhänglichkeit an den hl. Stuhl befestigt worden. Aber jetzt nach dem Kulturkampf danken wir Gott, daß König Wilhelm und der Kronprinz entschieden gegen „bie Aufnahme des Papstes in Preußen" waren. Wir wissen ja, wie die Offiziösen den Papst Piu« besonders nach der bekannten Protestbulle gegen den Kulturkampf behandelten, zu welchen Drohungen sie sich verstiegen und wie man den Kulturkampf international zu machen versucht hat, freilich ohne Erfolg. Aber was wäre geschehen, wenn der Kulturkampf den heiligen Vater in Preußen resi- direud gefunden hätte?
Auf Seite 21 folgt dann ein höchst interessantes Urtheil des bekannten Odo Russell, zumal der Kronprinz kurz vorher sagt: „Langes Gespräch mit Odo Russell läßt von Neuem die Fähigkeiten dieses begabten Diplomaten erkennen." „In der römischen Frage", heißt er nun über dieses Gespräch Russells in dem Tagebuch, „fürchtet er einst großen Schaden für die Dynastie Savoyen als Folge der Okkupation Roms, er erwartet
das holde Alamannenkind sich in dieser reizvollen Umgebung gefühlt, wenn der stolze Franke ihr nicht jede Freude mit Bitterkeit gemischt hätte. Nicht allein, daß er sie mit Geringschätzung behandelte, es schien Biflula sogar, als ob er ge- fliflentlich ihren Weg zu kreuzen suche, als ob seine Augen dann starr und düster auf ihrem Antlitz ruhten. Dieser seltsame Blick, der zuweilen unheimlich aufblitzte, flößte ihr eine unbezwingliche Angst ein. Waren das dieselben Augen, die einen kurzen Moment mit so feuriger Bewunderung zu ihr aufgeschaut? Was mochte es fein, das diese Umwandlung hervorgerufen? Hatte sie ihn ohne hr Wissen beleidigt, oder hatte irgend etwas Ge- heimnißvolle» sie ihm Hassenswerth, verabscheuungswürdig gemacht? Die arme Kleine grübelte und änn, und ihr sonst so heiterer Sinn schien darüber bedenklich in'» Schwanken zu gerathen.
„Wonniges Kind, herzige Lust, heiterer Scherz und Frohsinn,
Römerin nicht, Siegerin doch unser Mädchen bist Du. Bäuerlich klingt, liebliches Kind, Bissula uns Dein Name Rauher in's Ohr, wer ihn nicht kennt; aber mir klingt er lieblich."
So hatte der Vater sie heute noch besungen. Bissula hatte zu den Versen gelacht, doch nachträglich erweckten dieselben einen Gedanken bei ihr,