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Montag, den 24. September.

1888

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Rede des Abg. Dr. Lieber auf der deutsch amerikanischen Katholiken-

Bersammluug tu Ciueiuuati.

Die in der zweiten öffentlichen Versammlung am 4. Septrmber d. Js. in Cincinnati von dem Abg. Dr. Lieber gehaltene Rede hat dem .CincinnatierBolksbl.' zu­folge folgenden Wortlaut:

„Hochwürdige Herren Bischöfe und Herr Abt, hochan­sehnliche Versammlung! Als ich vor etwa vier Wochen meine Heimath verließ, um in dieser Stunde vor Ihnen zu stehen, that ich es in der Meinung, Ihnen meine per­sönliche und meines Freundes seit 18 Jahren, des Staats­ministers Dr. Windthorst's Theilnahme auszusprechen. Diese Aufgabe erachte ich werth des Verlassens einer blühenden Familie, der Fahrt über den Ocean, einer sechswöchigen Abwesenheit von der Heimath in einer Zeit des mir bevorstehenden Wahlkampfes für den preu­ßischen Landtag.

Das Telegramm der 35. Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands stattet mich mit einer noch bedeu­tenderen Aufgabe auS. Ich stehe vor Ihnen als der Be­auftragte aller in Freiburg versammelten Katholiken, aller Derjenigen, die in schwerer Arbeit gewohnt sind, ihre Anführer zu ehren und das zu befolgen, was sie sagen.

Mein Auftrag, den die Katholiken Deutschlands mir zu ertheilen Gelegenheit genommen, besteht darin: den deutsch­amerikanischen Katholiken den innigsten Brudergruß über den Ocean zu bringen, ihnen die treueste Bruderhand ir. einem echt amerikanischen „Handshaking" zu reichen und Ihnen Aller Theilnahme auszudrücken für die herrlichen Bemühungen, die Sie schon zweimal auf die Generalver­sammlung zusammengeführt und dem Erhalten und Mehren des katholischen Glaubens und deutschen Wesens in Nord­amerika gewidmet ist.

Indem ich mich dieses weit über meine Verdienste hin- ausgehenden Auftrages entledige, weiß ich, dap oie stür­mische Begeisterung, welche mich empfangen, ja mich nahe­zu erdrückte, nicht mir, sondern Denen galt, welchen ich verdanke, als ihr erster Vertreter vor den deutsch-ameri­kanischen Katholiken zu erscheinen. Ich sage, ihr erster, ich hoffe zu Gott, nicht der letzte. Würdigere werden nach mir den Ocean durchschiffen, um das Band, welches wir heute Abend geknüpft, dauernder und fester zu machen. Und auch Sie werden Ihre Delegaten hinüber­schicken, wie wir schon bei früheren Anläffen Gelegenheit gehabt hatten, Vertreter der Katholiken von Nordamerika auf unfern Generalversammlungen zu begrüßen. In meinem ganzen Leben wird mir die Erinnerung unver­geßlich sein, wie auf der 32. Generalversammlung zu Münster, deren Vorsitzender zu fein ich die Ehre hatte, der ehrwürdige Bischof Marty, welcher auch diese Versammlung mit seiner Gegenwart beehrt hat, als Ihr Vertreter und Wortführer in der alten Heimath erschien.

Gestatten Sie mir, daß ich mit der Erfüllung deS Auf­trages der Generalversammlung in Freiburg einen andern verbinde. Sie stehen am Schluffe Ihrer Generalver­sammlung. Als Fremder, der aber in Ihrem Herzen lein Fremder ist, als auswärtiger Beobachter fei mir ge­stattet, einen kurzen Rückblick auf die Versammlung zu werfen, um im Einzelnen den mir ertheilten Auftrag zu erfüllen. Durch alle Ihre Verhandlungen, die offenen

sowohl als die geschloffenen, ist ein Grundton ohne Trübung hindurchgegangen, der dem Nichtamerikaner aufs Wärmste und Nachdrücklichste imponirte. Es war der feste Entschluß, was immer sonst Sie sind, vor allen Dingen treue Amerikaner zu sein. Wir Katholiken im alten Vaterlande verstehen den Stolz zu würdigen, und billigen von ganzem Herzen diesen Entschluß. Sie haben Ursache, den Mitbürgern aller Nationen und Bekenntnisse und aller politischen Parteien unter dem Sternenbanner die Versicherung zu geben, daß Sie sowohl Katholiken als Deutsche sind, daß Sie, was Sie sind und thun, thun wollen und thun werden zum Wohle Ihres Vaterlandes und in voller Achtung der Rechte derjenigen Mitbürger, die auch Ihre Rechte achten. Wir würden draußen solches vergeblich suchen.

Dieses oorausgeschickt, wende ich mich jetzt mit dem Hauptworte an Sie, das Ihre Versammlung kennzeichnet. Es ist eine Generalversammlung von Katholiken. Sie wollc.. in allen Beziehungen als Katholiken gelten. Alle Ihre Beschlüffe bezeugen das.

Wenden Sie nun Ihren Blick, wie die Katholiken aller Welttheile, nach Rom, nach dem Oberhaupte unserer Kirche. Zweifellos werden Sie, nachdem ich meine Worte beendet, eine Resolution abfassen, die einem begeisterten Zujubeln Ihrer kindlichen Liebe zum h. Vater warmen Ausdruck gibt. Sie wird mehr fein, als eine Ver­sicherung Ihrer kindlichen Anhänglichkeit, Ihres unbe- dingten Gehorsams. Sie wird eine Stimme sein freier nordamerikanischer Katholiken, die sie einsetzen für die volle Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Stell­vertreters Jesu Christi in der Wahrnehmung seines er­habenen Amtes.

Wie den deutschen Katholiken in Freiburg, so ist den nordamerikanischen Katholiken in Cincinnati die weltliche Selbstständigkeit des Papstes unerläßliche Vorbedingung, die nicht anders gewährleistet werden kann, als durch seine territoriale Souveränetät.

Ich spreche kein Wort über die bestbegründete älteste ue«. zdwi. «... ..... —-

ger der Vereinigten Staaten verlangen, geschieht in un- rem Interesse. Es ist die territoriale Souveränetät und weltliche Selbstständigkeit.

Wir fordern dieses im gegenwärtigen Augenblicke mit größerer Entschiedenheit und rücksichtsloserem Nachdruck, je entschiedener und rücksichtsloser die Feinde des Papstthums, des Statthalters Jesu Christi und seiner Gehilfen im Re- gimente der Kirche und des göttlichen Lehramtes ihnen den Mund verschließen wollen. Es ist kein Zweifel: je heftiger ihn die Feinde drängen, desto tapferer werden sich feine Söhne um ihn schaaren.

Wie unserem erhabenen Oberhaupte, so sind sie in kindlicher Verehrung, treuem Gehorsam, vollständigem Ver­trauen dem hochwürdigen Episkopat dieser Union ergeben. Keine Einflüsterungen der Welt werden jemals im Stande sein, das Band, welches uns mit dem Nachfolger des Apostels verbindet, auch nur im Allerentferntesten zu lockern. Wenn wir als treue Söhne unserer Kirche Wünsche haben, vertrauen wir sie unseren Vätern in Christo an und hegen das feste Vertrauen, daß kein Mensch es bester mit uns meint, als diese."

Redner weist sodann darauf hin, daß 5 Bischöfe unter der Versammlung sind. Trotz 40jähriger Arbeit hätten es die Katholiken der alten Heimath nicht soweit gebracht, daß 5 Bischöfe in der Sitzung zugegen sind.

Pu Sachter des Alamaaeakämga.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(28. Fortsetzung.)

Ein eigenthümliches Gefühl durchschauerts den fangen Römer. War diese Empfindung Mitleid oder Liebe? Ec umschloß die feine Hand Lydia- fest in der seinen und sprach:

„Bei dem reichen uno tiefen Gemüth Deiner Schwester, bei ihrem umfassenden Geist und ihrem, wenn auch stolzen, doch so edlen Charakter gibt ti für sie keine Rettung, keinen Trost hinieden al- in der R.ligion. R.cht in dem von Menschen geschaffenen Götterglauben mit seinen Fabeln, nein, in der Religion der Liebe und Ecbarmung, welche Jesu- Christus uns gelehrt hat. Wa- frisches Quellwasser dem Verschmachtenden in heißer Mit­tagsstunde, dar ist die Lehre Jesu allen Tcostde- dürftigen. Bet dieser unerschöpflichen Quelle der Wahrheit unb Seligkeit findet der M-nsch den wahren Frieden, findet er Heilung in aller Trüb­sal. Jesus, der liebreichste, mitleidsvollste Helfer der göttliche Hohüt und menschliche Müde in sich vereint, rief ja allen Leibtragenden zu: „Kommt

her zu Mir Alle, die ihr mühselig uno beladen seid, Ich will euch erquicken. Nehmt Mein Joch auf Euch und lernet von M:r, denn Ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. So wer­det Ihr Ruhe finden für eure Seele; denn Mein Joch ist sanft und Meine Bürde ist leicht."

Ec machte eine Pause und schaute nachdenklich vor stch nieder. Rach einer Weile sagte er:

„In Hieronymus, dem Manns mit der hin­reißenden Usberzsugungskcaft wäre der Himmels- bote gefunden, welcher das Licht der Wahrheit in Viktorias Seele entzünden könnte."

Lydia machte eins unwillkürliche Bewegung des Schreckens.

„Hieronymus, wie dürfte er, dessen Einfluß meine Schwester Sempronius Treulosigkeit zu­schreibt, den sie als finstern Schwärmer haßt, ihr gerade jetzt zu nahen wagen!"

Hrsperus seufzte. „Wie beklage ich dar Miß- verständniß! Welch' herrlicher Seelenführsr könnte der feurige willenskcäftige Mann Duner edlen Schwester werden! Wie könnte er versöhnend, mil­dernd auf sie einwirken, sts zu hohen Tugenden begeistern!"

„Dem hochwürdigen Episkopat sind die deutsch-ameri­kanischen Katholiken auch in kindlicher Liebe, dankbarer Treue und im pflichtschuldigen Gehorsam ergeben: einem Klerus, dessen Werke vor der Welt Zeugniß oblegen, wie die Missionen in diesem großen Londe geübt und getrieben werden.

Wenn irgend ein Klerus der Welt den Dank und die Mitwirkung der katholischen Laien gefunden, dann ist es der Klerus dieses Londes, der unter Leitung und Beispiel feines Episkopates etwas geschaffen hat, was Jedem, der daS Land zum ersten Male betritt, Erstaunen und Be­wunderung aufzwingt.

, Sie wollen Katholiken in Ihren Kirchen, Katholiken tn Ihren Familien, in Ihren Schulen, Sie sind und wol­len Katholiken auch im öffentlichen Leben sein. In diesem Allem vom Papste herab bis zur Bethätigung Ihres Katho­lizismus im öffentlichen Leben bin ich beauftragt, Ihnen die Theilnahme der Katholiken der alten Heimath auszu­drücken, die stch innig freuen, solche Gesinnungs-, Bundes- und Kampfgenoffen gefunden zu haben. Sie wollen Deusche sein und Deutsche bleiben, wie es Ihr gutes Recht in die­sem Lande der Freiheit ist. Sie wollen die deutsche Sprache erhalten, deutsche Sitte und vor allen Dingen deutsches Familienleben und deutsches Wesen in Allem, was es Gutes in sich birgt.

Sie und Ihre Kinder müssen die Sprache dieses Lan­des, die gerade die englische ist, lernen und gebrauchen. Aber schließt das aus, die deutsche Muttersprache weiter zu pflegen und zu erhalten? Wirft man einen Edelstein in's Wasser, wenn man einen andern bekommt? Wer bei­der Sprachen mächtig ist, kommt in der Union besser weg, als Andere. Und wir brauchen in der Sprache nicht erst zu lernen; es ist unsere Muttersprache. Die Sprache, die aus dem Herzen kommt und zum Herzen geht. , Mothe r“, sagt man, käme nicht vom Herzen, wohl aber „Mutter". Und darum wollen Sie Ihre Kinder lehren, „Mutter" zu sagen, damit dieses Wort „Mutter" das ganze Her, des Kindes an die Mutter, den Vater und das ganze Eltern-

Das ist aber weitaus nicht Alles. Auch das Gebiet, welches, wie uns der katholische Katechismus lehrt, für die Erhebung des Herzens zu Gott dient, sollen wir in unserer Muttersprache sagen. Wenn die Muttersprache also die Königin des Herzens ist, wie kann der Verband zwischen dem Herzen und Gott anders hergestellt werden, als durch die Muttersprache? Reden Sie mit dem Dollar englisch, aber mit unserem Herrgott das gute alte Deutsch.

Unsere Gegner drüben sagen: Die Katholiken vernich­ten die Nationalität und spielen sich als die Räder des nationalen Deutschthums auf. Die Geschichte straft sie Lügen. Hat die katholische Kirche die Deutschen in Ruß­land russisch, die Polen in Preußen deutsch gemacht? Ha­ste es den Lothringern, die gern französisch sprechen, unt möglich gemacht, französisch zu sprechen und zu beten? Die katholische Kirche, wenn sie ihre Missionäre hinausschickte, hat nicht gesagt: Laßt Jene, welche Euere Sprache nicht verstehen, in die Hölle fahren. Umgekehrt, ihre Missionäre haßen die Sprache Derer erlernt, zu denen sie geschickt wur­den. Wenn es die Aufgabe ist, die Völker zu lehren, dann ist es Pflicht, die Sprache Derer zu lernen, die zum Hören berufen sind.

Es gießt keine deutschen Katholiken, keine englischen rc., sondern es gießt nur römische Katholiken, und damit der Herr Minister Crispi nicht irre wird, möchte ich ihm zu

Eine lange Pause entstand nach seinen Worten ; Beide schienen tief in Gedanken versunken und man hörte eine Weile nichts als da» sanfte Plätschern de- Springquslls im Jmpluvium. Lydia war es, welche zuerst daß Schweigen brach:

„Hefperus, ich will Deinen Gott kennen lernen", sagte ste leise. „Längst habe ich es schmerzlich empfunden, daß der Glaube unserer Väter Herz und Geist nicht zu befriedigen vermag. Die Reli­gion aber, welche für alle Leiden Trost und Heilung jat, welche ihre Anhänger zu den herrlichsten Tha- en der Selbstverleugnung begeistert und sie freu­dig da» Liebste auf Ecden opfern läßt, muß eine erhabene, muß die einzig wahre sein. Bitte Deinen Freund Hieronymus, daß er komme und mich unterrichte."

Leuchtenden Auges ruhte der Blick des Präfek­ten auf dem gesenkten Haupt des schönen Mäochens.

„Lydia, was wolltest Du? Du wolltest Chri- lin werden?" fragte er, und feine Stimme bebte vor tiefinnerer Freude.

Als Lydia, unter Thränen lächelnd, bejrhsnd zu ihm aufsah, da rief er in überströmendem Glück aus: