JV 218.
Freitag, den 21. September.
1888
Mimr
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Adresse der Bischöfe der Schweiz
an.
Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. in ihrer Versammlung in Schwyz, den 28. August 1888.
Den Bischöfen der Schweiz liegt bei ihrer jähr» lichen Versammlung nichts so sehr am Herzen, als Ihrer Heiligkeit den Ausdruck der Gefühle ihres kindlichen Gehorsams gegen Ihre Lehren und Weisungen, wie ihrer unverletzlichen Anhänglich, kett an Ihre geheiligte Person darzubringen.
Dieses Jahr Ihres Priesterjubiläums hat den Glanz des Stuhles des h. Petrus gesehen, und vielleicht nie in der Geschichte der Kirche hat der Statthalter Jesu Christi eine solche Erscheinung seines Ruhmes und seiner Macht gesehen, wie diese wunderbare Menge von Geschenken, Ehr. furchtsbezeigungen und Wallfahrten von Fürsten und Völkern ihm dargedoten haben; denn man kann mit Wahrheit sagen, daß „alle Könige der Erde Sie verehrt, alle Völker der Erde sich Ihnen zu Füßen geworfen haben". Diese glänzenden Manifestationen offenbaren den Ungläubigen und Irrgläubigen klar die göttliche Einsetzung der Kirche, ihre Einheit und Allgemeinheit, so daß ste mit Bewunderung und Neid ausrufen müffen: „Wie schön sind deine Zelte, o Jakob!" Möchte dieses Jubiläum ein Vorzeichen neuer Triumphe der h. Kirche sein!
Unser schweizerisches Vaterland hat schon die kostbaren Erfolge dieses Emfluff-s erfahren, welchen Ihre Heiligkeit überall gewonnen hat; die Vorurtheile verschwinden, die Feindseligkeiten hören auf, das Volk und die Behörden sehen endlich ein, daß dieser Einfluß des h. Stuhles, die Absichten des Oberhauptes der Kirche nicht nur für das Heil der Seelen nützlich find, sondern auch zum Glücks, zur Freiheit und zur Ruhe der Völker beitragen. Da» neue Ueberein- kommen des h. Stuhles und der Schweiz in Be- zug auf die geistliche Administration des Tessin« ist ein öffentliches und unwiderlegbares Zeugniß hiervon. _ t c ,
Warum mußte die allgemeine Freude der katholischen Welt durch feindliche Pläne getrübt werden, die ausgegangen von jenem Italien, dar Sie sehr lieben, und von Mitbürgern, die Ihre Liebe bevorzugt? Ach, Ihre Heiligkeit hat es mit
Die Sichler des AlEMtMch».
Historischer Roman von Antonie Haupt.
[(25. Fortsetzung.)
Im Frigidarium kam ihm der junge Präto- rianerosfijier M-tellus, der Sieger im gestrigen Wagenrennen, entgegen. Ein freudiger Ausdruck belebte bei diesem Anblicks da» Auge de» Franken- königs. Mit den Worten:
„Sei mir gegrüßt, M-.tellu»! Deine Erscheinung ist mir hochwillkommen," trat er auf diesen zu und lud ihn ein, ihm in der angrenzen, den Exedra eine Viertelstunde den Genuß seiner Gegenwart zu gönnen.
Erstaunt und geschmeichelt folgte der Offizier dem Fürsten in da» üppig ausgestattete Gemach, dessen kühle, von Aromen durchzogene Luft die Emtretenden schmeichelnd umfing. MerobaudeS befahl, Cyperwein und Früchts zu bringen, und von Rixen und Nymphen umgeben, die au« Riesen- muschein feine Wafferschleter mit ttaumhaftem Rauschen in filberne B cken gossen oder in die Höhe sendeten und mit krystallener Schale wieder auf» fingen, ließ man stch auf die Polster nieder. Ein leichte« Lächeln umspielte die 8 ppm de« jungen Helden, und fast schien er, als wolle er gedankenvoll sich angenehmen Träumereien hingeben. Al»
einem Gefühle von Traurigkeit, w lches der ganze Episkopat getheilt hat, gesagt: „Was Uns aber bitter betrübt", sagten Sie in Ihrem Schmerze, „ist das, zu sehen, daß die Kirche und da» Papst- thum mehr als je in Italien angegriffen werden, während dis Italiener in großer Mehrheit mit bewunderungswürdiger Treue ergeben sind der Kirchs und dem Papstthum, welchen ihr Vater- land unzählige Wohlthaten zu verdanken hat. Desgleichen schmerzt uns der Gedanke, daß man sich nach den Wünschen der gottlosen Sekten mit allen Mitteln bemüht, dieser Volk, das, an der mütterlichen Brust der Kirche genährt, groß geworden ist, aus den Armen der Kirche zu reißen. Wir sind nicht weniger betrübt, zu sehen, wie man absichtlich darauf hinarbeitet, den Streit mit der Kirche zu verlängern, den Wir im Interesse der Kirche selbst und aus Liede zum Vater» lande, wie Wir es oft gesagt, wünschten, der Gerechtigkeit und den Rechten de» h. Stuhles gemäß verschwinden zu sehen. . . ."
Die Bischöfe der Schweiz, welche ein Vaterland besitzen, dar in seiner Neutralität im Schooße der großen Staaten Europa'« garantirt ist, begreifen, wie wichtig es sein muß für das Overhaupt der Kirche, für den Statthalter Jssu Christi, für den unfehlbaren Lehrer der Völker, den Schiedsrichter der Könige und Nationen, für den Vater und das Oberhaupt aller Christen geschützt zu sein und zu scheinen gegen jede Gefahr, jede Beschränkung, jede Schwierigkeit, in nichts von irgend einer weltlichen Macht abhängig zu sein und wieder zu erlangen den Besitz der weltlichen Herrschaft von Rom, wel« chss die göttliche Vorsehung seit vielen Jahrhun- derten der römischen Kirche als die beste undnoth- wendige Garantie ihrer Freiheit und Würde gegeben, nnd welches gottlose Hände aus Haß g»gen die Religion ungerechter Weise zerstört haben. Allein da diese Freiheit in den gegenwärtigen Zeit- umständen mehr und mehr gehemmt wird, so daß Ihre Lage als Oberhaupt der Kirche wirklich sehr schwierig und aus vielen Gründen ganz und gar unerträglich ist, und deswegen mehr al« zweihundert Millionen Katholiken in der ganzen Welt in ihrer Gewissensfreiheit verletzt werden, so protestiren die Schweizer Bischöfe mit Ihnen gegen Alles, was man seit langer Zeit zum Nachtheile des apostolischen Stuhles thut, und sie verlangen, daß die
aber Metellus durch den feurigen Cyperwein lebhaft angeregt von dem Cirkusfeste zu reden begann, lauschte er mit sichtlichem Vergnügen.
„Ja, mein Freund," sagte er sinnend, „Er- innerung und Hoffnung find holde Künstlerinnen, ste malen oft mit lichten Farben, wo die Wirk- lichkeit dunkle Schatten zeichnet."
„Die Götter mögen verhüten, daß jemals ein dunkler Schatten auf Deinen Lebensweg falle!" rief Metellus mit Wärme und begann dann in begeisterten Lobeserhebungen fich über die Waffrngewandtheit be« lorbeergekrönten Sieger» zu ergehen.
„Laß da«, ich Sitte Dich," fiel Merobaude» ungeduldig ein; „die Spielerei von gestern ist nicht der Rede werth. Sage mir lieber, au» welchem Lande stammt die blauäugige Jungfrau, welche uns die Palme überreichte? Ich weiß, ste nennt Ausoniu«, den vornehmsten Römer der Augusta „„Vater"" ; doch mir dünkt, ihre blonden Locken kennzeichnen ste al» eine Tochter unsere» Volke«."
„Du hast Dich nicht getäuscht, mein Fürst," entgegnete Metellu«, „die reizende Biflula ist keine Römerin. Ihre Wiege stand an der Quelle der Danubia."
„Ha, so wäre ste ein Alamannenkind?" fuhr
Rechte de« hl. Stuhle« garantirt und unverletzt bleiben, wie die Gerechtigkeit und die Religion e« ebenso verlangen, wie das allgemeine Interesse und da» Wohl de» ganzen Menschengeschlechts.
Heiliger Vater, bevor wir in unserer brüderlichen Versammlung unsere Arbeit beginnen, welche zum Zweck haben die Verbreitung der Tugend und der Wissenschaft unter dem Klerus, die Heiligung der Seelen und im Allgemeinen das Glück Aller, wiederholen wir die Verficherung, daß die Freuden Ihrer Heiligkeit unsere Freuden, Ihre Leiden unsere Leiden find.
Indem wir immer der Regel unserer Gedanken und unserer Handlungen, welche Sie uns vor- schreiben, unterwerfen, werden wir nie aufhören zu sein die treuen Ausleger und unermüdlichen Verkünder Ihrer heiligen Rechte als Papst, als König und al» Vater.
In dieser Gesinnung zu den Füßen Ihrer Heiligkeit liegend, flehen wir demürhig um den apostolischen Segen für uns, für die unserer Obsorge anvertraute Kirche und für unser ganzes Land.
Ihrer Päpstlichen Heiligkeit demüthigsten, ergebensten und gehorsamsten Diener und Söhne in Christo.
Collegium in Schwyz, am Feste de» h. Augustin, den 28. August 1888.
Folgen die Unterschriften de» schweizer. Epiflopat».
Deutsches Reich.
Berlin, 20. September.
* In den letzten Wochen tauchte das Gerücht von Veränderungen in den höchsten Beamtenspitzen des Reichs auf. E» hieß, Fürst Bismarck wolle sich auf die auswärtige Politik beschränken, andere Funktionen des Reichskanzlers aber anderen Kräften übertragen. Eme andere Meldung wieder ging dahin, Fürst Bi-marck wolle seinem Sohn, dem Grafen Herbert, die auswärtigen Angelegenheiten abgeben, nicht aber da» Innere. Daran knüpfte fich dann da« Gerede von der Schaffung verschiedener R e i ch » ä m t e r. Diese« Gerede wurde dann von der .Nordd.', dem Organ de« Reichskanzler», kurzweg für unbegründet erklärt. In der That hätte auch der Plan, verschiedene Reichsämter mit Reichs Ministern zu schaffen, weder beim Bundesrath noch beim Reichstage Ausficht auf
Merodaudes von dem Polster, auf welchem er in Halbliegender Stellung geruht, empor.
„Du sagst es," lautete die Antwort. „Als elternloses Königskind fand sie hier in freundloser Fremde an Ausoniu» den treuesten Beschützer. Ihr Vater fiel im Zweikampfe gegen Valentinian, die Mutter wurde auf dessen Befehl im treverischen Amphitheater von den Bären zerrissen."
Todteubläfle überzog in jähem Wechsel da« Gesicht de» Fcankenfürsten.
„Und der Name ihre« Vater«?" fragte er tonlos.
„War König Rando."
„Rando!" kam es wie ein Aufschrei der Verzweiflung von Merobaude»' Lippen. „Ihr Götter! Sagtest Du Rando?" '
Bestürzt sah der Pcätorianerosfizier auf den jungen Heldenköntg, der bleich wie Marmor, müh- sam athmend, mit allen Zeichen der furchtbarsten Erregung vor ihm stand.
„Ich sagte so, mein Fürst," erwiderte er zögernd; doch was erregt Dich hierbei so sehr?"
„Frage nicht," gab Merovaude» heftig zur Antwort, „denn meine Lippen werden schweigen, schweigen bi» . . . ."
Er unterbrach sich, und mit festem Willen