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JV 216. E Mittwoch, den 19. September.

1888

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Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn» und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletriMchen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

AM-Auf seine gestrige confuse „Klarstellung", welche sich al» Eczeugniß listiger Verdrehung»- kunst darstellt, richten wir an da» .Fuldaer Tageblatt' noch folgendes

Schlußwort:

Daß Centrum gleichbedeutend wäre mit Katholizismus, einen solchen oder ähnlichen Unsinn zu behaupten, ift uns niemals eingefallen. Diesen Unsinn unterschiebt uns aber das ,Fuld. Tagebl.' Es gehört wahrlich ein trauriger Muth dazu, vor aller Welt die Wahrheit auf so krasse Weise zu entstellen und die politischen Be­griffe mit den dogmatischen absichtlich zu ver­wechseln, um in der Verwirrung einen Ausweg zu finden.

Jedermann weiß, daß gegenwärtig in Preußen die Begriffe „katholische Tages presse" und „C-n- trum« presse" ein und dasselbe bedeuten; oder mit anderen Worten, daß ein täglich oder wöchent­lich mehrmals erscheinendes politisches Blatt, welches zur „katholischen Presse" gerechnet werden will, absolut nur ein Centrumsblatt sein kann. Zweierlei katholische Tagespresse gibt es in Preußen nicht.

Wo sich aber dennoch reptili en artige Neben­blätter unter „katholischer" Maske hervorwagten, um die Centrumsblätter lahm zu legen, da wurden sie von letzteren überall in derselben Weise g e- brandmarkt, wie es unsererseits dem ,Fuld. Tagebl.' gegenüber geschehen ist.

Man will unsere Beweisführung nur deßhalb nicht gelten lassen,''weil man davor zurückschreckt, die fich mit Nothwendigkett daraus ergebenden praktischen Schlüsse zu ziehen.

In welchem Renommse der .Fuldaer Tage­blatt-Katholizismus' steht, dafür liefert uns der nachstehende Artikel des nationallibe­ralen .Frankfurter Journal»' (Nr. 695 vom 18. Sept. 1888, Morgenbl.) wiederum einen neuen allerliebsten Beweis:

„Fulda, 16. Sept. (Zu den Landtagswah­len.) Friedhofstille lagert über dem Wahlkreise Fulda zur größten Freude der Ultramontanen, welche diese Ruhe um keinen Preis unterbrochen sehen wollen, um desto besser im Trüben fischen zu können. Und wirklich wollen auch in diesem Jahre di« Liberalen wieder, wie eS bis jetzt bett Anschiin hat, muthlos den früheren Fehler be­gehen und den rührigen Ultramontanen den Wahlkreis gleich wie im Jahre 1885 ohne Schwertstreich von vorn

Mit Tochter des Xatnannrnitänig».

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(23. Fortsetzung.)

Eine mehrere Minuten dauernde Todtenstille folgte. Kein Kämpfer erschien. Die Zuschauer murrten unter einander; denn Arbogast war wegen seine» herrischen, ehrgeizigen Charakters unbeliebt. Man gönnte ihm am wenigsten den Siegerpreis, den Gratian ihm ohne Zweifel zuerkennen mußte.

„Beim Gott der Unterwelt! e« würde mich sehr verdrießen, wenn dieser Cerberu«, dieser rauhe nordische Brummbär die Palme davon trogen sollte," flüsterte Lydia erregt ihrer Freundin Bis« sula in'S Ohr.

Biffula nickte beistimmend. „Auch ich hege wenig Sympathie für diesen unfreundlichen Krieger. Jedem Andern lieber al» gerade ihm würde ich da» Haupt mit dem goldenen Lorbeer schmücken," entgegnete sie.

Zum dritten und letzten Male ertönte die Fan­fare der trotzigen Herausforderer», und horch — ein Horn antwortete mit kriegerischem Klang. Aller Augen wandten fich freudig der Richtung zu, von welcher die Töne herkamen.

^Lauter Jubelruf begrüßte den Ritter, der gleich

herein überlassen. Mühelos ist dieses Thun allerdings — richtig aber keinesfalls; denn, wenn es auch im ersten An­sturm nicht gelingt, dem Centrum diese alte Domäne zu nehmen, es könnte kaum schwer sein, eine recht stattliche, den Kreis charakteristrende Minorität auf einen geeigneten Gegenkandidaten zu vereinigen. Ein Rückblick auf frühere Wahlperioden erweist zur Evidenz, daß die Bevölkerung der Stadt und des Landkreise» Fulda zum guten Theil liberal gesinnt ist, diese Gesinnung jedoch zumeist vom Jndifferentismus erdrückt wurde. Es ist eine Thatsache' daß der Uliramontanismus besonders auf dem platten Lande im Rückgang begriffen ist. Für diese Behauptung spricht u. A. die Jeremiade, welche die hiesige „katholische" Zeitung angesichts des bevorstehenden Quartalwechsels er­tönen läßt. Hoffentlich wird das hiesige.Tageblatt' im Verein mit dem .Kreisblatt' den Kamps gegen den Ultramontanismns kräftig unterstützen. Das letzte Resultat im Wahlkreise Hünfeld - Gersfeld, der be­kanntlich dem Eentrum verloren ging, ist ein deutlicher Beleg dafür, daß es nur eines ernstlichen Zusammengehens aller anti-klerikalen Elemente bedürfte, um auch in un­serem Kreise diese schwarze Herrschaft zu verdrängen."

Wenn wir trotz alledem auch j-tzt noch nicht daran glauben, daß da» .Fuldaer Tagebl.' nun­mehr kapitulirt und seine VerdrehungSkünste aufgibt, so dürfen wir doch von sämmtlichen un­bk fangenen, vorurtheilsfreien Lesern erwarten, daß fie nunmehr gegen alle List und Kunst der Be- griffrverdrehung hinlänglich gefeit sind.

Deutsche- Reich.

Berlin, 18. September.

• Zu den Gegenständen, welche in der vorigen Reichstagssession unerledigt geblieben sind, gehörte der Gesetzentwurf betreffend den Verkehr mit Wein. Die Angelegenheit ist inzwischen in den zuständigen Reichsbehördeu mit Benutzung der im Reichstag zu Tage getretenen Anschauungen weiter verfolgt worden und e» ist wahrscheinlich, daß dem­nächst ein neuer Gesetzentwutf vorgelegt werden wird. Der dem Reichstag in der letzten Session zugegangene Entwurf beschränkte sich auf die Re­gelung nach der gesundheitspolizeilichen Seite; er zählte eine Anzahl Stoffe, welche von der Wein­bereitung wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung unter allen Umständen ausgeschlossen sein sollen und verbot da» Feilhalten und den Verkauf von Weinen, denen jene Stoffe zugesetzt find. Für eine Feststellung de« Begriffe» der Weinverfälschung und

darauf vom Kopf bi» zum Fuß in goldenem Schup- penpanzer, da» stolze Haupt mit dem von weißen Falken flügeln beschatteten Helm bedeckt, die Schul­tern von langem blondgelocktem Haar wie von einer Wolke umflogen, auf dem Wahlplatze er­schien. Es war der junge Frankenkönig, welcher auf feurig schnaubendem Goldfuchs in die Schran­ken flog, selber wie ein Edelfalke, dessen Bild sein prachtvoller Schild zeigte. An der Seite seine- kaiserlichen Freunde» hatte er anfang« voll Inter­esse den trojanischen Spielen zugeschaut, die seine Woffenlust erregten. Al« aber der riesenhafte Ar­bogast so übermülhig auf seine Unbkfieglichkeit pochte, da konnte er nicht länger widerstehen; e» reizte ihn, zu erproben, ob auch seine Krieg-ge- wandthett der Kraft de« Recken unterliegen werde. Mühsam zwang er jetzt seinen feurigen Renner zu langsamem Schritt, wobei fich die Schule de« Thiere» und die Kunstfertigkeit de« Reiter» herr­lich entfaltete. Sein Bl,ck war kühn und zuver- sichtlich, al« er den Lanzenschaft gegen den Schild de« Germanen senkte, während ein spöttisches Lächeln auf den vom wilden bis auf den Erzgurt herab» wogenden Rauschebart umrahmten Zügen des Riesen fichtbar wurde. Man wagte kaum zu athmen, als

Weinverbcsserung ohne gesundheitliche Nachtheile und für Vorschläge über die gesetzgeberische Behand­lung dieser Seite der Frage schien dem Bundes­rath noch zu viel Unklarheit und Widerstreit der Mei­nungen zu herrschen. Im Reichstag und in der zur Berathung des Gegenstandes eingesetzten Com­mission überwog die Ansicht, daß eine gesetzliche Regelung de» Weinverkehr« über die Bestimmun­gen des Nahrungsmittelgesitze« hinaus auch nach der verkehr-polizeilichen Richtung erwünscht sei, da auch nach dieser Seite da« genannte Gesetz nicht au-reiche, in der Rechtsprechung und der polizei­lichen Handhabung verschiedene Auslegungen erfah­ren und dadurch Unsicherheit im Verkehr hervor­gerufen habe. Man hielt es für eine Aufgabe des Gesetzes, der Ungewißheit darüber ein Ende zu machen, wie weit und unter welchen Voraussetz­ungen eine künstliche Verbesserung de» Weine» ge­stattet sei. E» gaben fich aber dabei entschiedene Gegensätze kund, hauptsächlich in der Frage der Verzuckerung und de» Deklarationrzwange». Daß die Verzuckerung an fich weder schädlich noch un­solid sei und zu einem Verbot derselben kein An­laß vorliege, wurde zwar allseitig anerkannt, e» wurde aber von verschiedenen Seiten gefordert, daß der Verkäufer dem Käufer einen Zuckerzusatz erkennbar machen müsse, indem er gezuckerten Wein nur unter einer entsprechenden, die Täuschung aus­schließenden Bezeichnung feilbiete. Die Bezeichnung „Wein" sollte nur dem reinen Traubensaft Vor­behalten beiden. In der Commission des Reich«* tage« siegte nach harten Kämpfen der Deklarations­zwang. Mit 11 gegen 10 Stimmen wurde, ein Gesetzentwurf angenommen, welcher die gesundheils­polizeilichen Bestimmungen der Regierungsvorlage im Wesentlichen wiederholte, aber auch folgende Vorschrift enthielt:

Werdm Zucker, Wasser, Alkohol, Rosinen und andere nicht unter Verbot gestellte Stoffe zugesetzt, so darf, der Wein nur unter einer Bezeichnung, welche das Vorhanden­densein eines Zuckers erkennbar macht, z. B. verbesserter Wein, Schaumwein, Faxonwein und dergleichen gewerbs- mätzig feilgehalten oder verkauft werden.

Ob sich der Bunderrath bei Wiederaufnahme der Angelegenheit auf diesen Standpunkt stellen wird, muß vorläufig dahingestellt bleiben.

* Der preußische Gesandte beim Vatikan, Herr von Schlözer hat fich heute früh zum Reichs­kanzler nach Friedrichsruh begeben. Derselbe ver­bleibt dortselbst bis Ende dieser Woche und kehrt bann auf feinen Posten nach Rom zurück. Herr

nun die Gegner ihre Stellung einnahmen. Aller Augen waren gespannt auf sie gerichtet, die wie Bildsäulen von Bronce, Mann und Roß au« einem Guß, fich gegenüber standen. Als aber die Tuba das Zeichen zum Angriff gab, da stürmten fie auf­einander los, daß der Boden erzitterte. Die Rüstun­gen dröhnten von den gewaltigen Stößen, die Pferde bäumten sich hoch auf; doch die Kämpfer blieben sattelfest, die Lanzen glitten erfolglos ab. Keiner noch konnte fich einer Vortheils über den Andern rühmen; beide führten wohlberitten Speer und Schild mit großer Geschicklichkeit, beide wuß­ten mit Anmuth den Köper gegen Wurf und Stoß nach allen Seiten zu decken, so daß die Zuschauer fortwährend Freudenrufe und Bewunderung laut werden ließen. Wenn dec ernste Kampf von Gra­tian gestaltet worden wäre, so hätten die Tapferen sich vielleicht vom Pferde geschwungen und die Schärfe ihrer Schwerter erprobt; doch die Gesetze der gegenwärtigen Waffenspiele verboten eine solche Art de« Kampfe«. Das finstere Antlitz Arbogast'» ward dunkelroth, als Merobaude» jetzt mit unnach­ahmlicher Schnelligkeit fich zur Linken wandte und zweimal um ihn Herumritt; er drehte fich sofort ohne seinen Platz zu verändern, und indem er so