1888
Samstag, den 15. September.
Fuldaer
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perus aber schaute den Sänften nach, bis sie hinter dem Kaiserpalaste verschwunden waren.
Viktoria hatte richtig geahnt: An der Schwelle des väterlichen Hauses trat der heimgekehrte Bräutigam, ein ernst und geistvoll blickender junger Pcätorianeroffizier, ihr entgegen. Stumm breitete er die Arme nach ihr au», und sie schmiegte sich mit stürmischer Zärtlichkeit an seine Brust.
Wenn Metellus die stolze Viktoria jetzt beobachtet, wenn er die innige Liebe aus ihrem Auge hätte leuchten sehen, so hätte er geschworen, der echte Pygmalion sei in Semproniu» erschienen und habe da» kalte Marmorbild belebt.
VIII.
Cirkusspiele.
Sr sah die Minnigliche nun gar herrlich vor sich steh'n Wohl leuchtet ihr vom Kleid« gar mancher edle Stein. Ihr rosenroth« Färb« gab minniglichen Schein.
Wer da auch Andres wünschte, ec mußt- doch g-steh'n, Daß er aus dieser Erden nimmer Schönere« geseh'n.
Nibelungenlied.
Ja dem Tablinum seines Palastes stand Ausowu» in Betrachtung eines Gemälde» versunken. Da» H iligthum des Dichters hatte eine ähnliche Ausstattung wie die seine» Studirzimmer« im früher« Wohnhause: Repositorien mit Schrifttafeln und
Schlußrede des Abgeordneteu Dr. Windthorst,
gehalten in der Sitzung der fünfunddreißizsten General-Versammlung der deutschen Katholiken in
Freiburg am 6. September 1888. (Schluß).
Meine Herren, wir haben nun auch gesehen, wie die Bischöfe, die diese Angelegenheit studiren, sich Überzeugt haben, daß sie nicht schweigen dürfen, daß sie gegenüber der betrübenden Lage des heiligen Vaters das Wort zu ergreifen haben. Sie sind in Fulda zusammengekommen und haben ein mannhaftes Wort gesprochen, welches den Bischöfen, die es sprachen, für immer zur größten Ehre gereichen wird (Bravo!), und welches, wie ich hoffe, unferm bedrängten heiligen Vater im Vatikan ein großer Trost gewesen sein wird. Meine Herren, es ist nicht nothwendig, daß ich weitere Ausführungen mache; die würden eben eine große, juristische Darlegung erfordern, und dafür haben wir weder Zeit, noch könnten wir alle einer solchen juristischen Deduktion folgen. Ich bitte aber den katholischen Juristenverein, daß er sehr bald diese Sache zum Gegenstand eines ernsten Studiums macht und in einer populären nnb faßlich geschriebenen Broschüre die hier vorliegenden Tendenzen, welche ein Stoß ins Herz der Kirche fein sollen, darlegt (Bravo l), damit alle Welt sich ein volles und ganzes Urtheil über diese Angelegenheit bilden kann. Für jetzt beschränke ich mich darauf, }u veranlassen, daß das Schreiben der Bischöfe verlesen wird, und nachdem es verlesen, werde ich Sie fragen, ob Sie es billigen, und wenn Sie es billigen, dann werde ich Sie bitten, dies in meiner Resolution auszusprechen und dabei dann gleichzeitig unseren hochwürdigsten Bischöfen den Dank auszusprechen, welchen wir empfinden für diese rühmliche That. (Bravo!) Denn darüber habe ich keinen Zweifel: die Einigkeit der Bischöfe, die in Fulda versammelt waren, wird überall einen tiefen, entscheidenden Eindruck machen; nnb wenn dieser Gegenstanb genügenb in bet Oeffentlichkeit erörtert ist, unb wenn dieses Schreiben nach allen ©eiten erwogen wird, unb wenn auch di- übrigen Bischöfe in Deutschland und die Bischöfe aller Länder beitreten — (Bravo!), es muß die communis opinio der ganzen katholischen Welt sich um diesen Akt des deutschen Episkopats schaaren, — (Bravo!) dann wollen wir sehen, welche Wirkung es hat.
Meine Herren, man kann auch hier behaupten, das wäre eine leere Demonstration, die hier von den Bischöfen unternommen worden ist. Meine Herren, sehen Sie sich doch diese alten ehrwürdigen Männer an, die ihre Zustimmung geben und die mitten im öffentlichen Leben gewandelt haben unb grau geworben sinb, — würben Sie wohl glauben, baß bie sich entschließen könnten, eine leere Demonstration zu machen? Die Herren, welche so etwa« glauben — ich muß es wieberholen — sinb wieberum politische Kinber; sie haben auch keinen Begriff davon, waS es heißt, wenn ein Mann im Gottvertrauen handelt. Und unsere Bischöfe haben gehandett im Vertrauen auf
Gott, und der ist gottlob noch stärker, als alle die Scn- bmten der Deutschen und der ganzen Welt (Bravo!), ruch noch stärker als die Regierungen, welche auf diesem Sebiet uns nicht helfen wollen. (Bravo!)
Meine Herren! Man hat gesagt, ein solches Vorgehen töte den Friedensvertrag, der zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien besteht. SDletne Herren! Wer kann uns eine solche Thorh-it zumuthen! Zch bin der Meinung, daß es ,u den ruhmwürdigsten khaten des Fürsten Bismarck gehört, daß er zunächst den Bunb mit bem alten Oesterreich geschlossen hat. 'Bravo!) Ich habe eine Helle Freude in mir empfunden, Ns die hier anwesenden Oesterreicher ihre Sympathien Ar Deutschland aussprachen, ja sogar sagten, sie würden ruch ohne Vertrag das geleistet haben, wozu der Vertrag sie verpflichtet. (Bravo!) Denn mögen Ereigniffe durch sie Welt gehen, wie sie wollen, Deutschland und Oesterreich können in der Sache nicht getrennt werden, wenn ruch die politischen Verhältnisse eine getrennte Verwaltung nothwmdig gemacht haben sollten, wie es ja in der That der Fall ist. Früher sind wir in Gemeinschaft nut Den Oesterreichern auf das Schlachtfeld gerückt; jetzt mar- schiren sie der eine und der andere n e b e n einander, aber wenn's darauf ankommt, werden sie miteinander schlagen. 'Bravo!)
Es kann uns ja im Interesse des Friedens nur tm höchsten Grade erwünscht fein, daß dieser Bund, der nach meiner Ansicht stark genug ist, um den Feinden der ganzen Welt Stand zu halten, sich auch mit Italien verbunden hat, und ich habe deßhalb meinestheils dieses Bündniß von Herzen begrüßt. Aber ich habe auch gar nicht entfernt geglaubt unb glaube es auch heute nicht, baß ein solches Bündniß hindere, daß wir aussprechen, es sei die territoriale Sou- veränetät nothwendig für den heiligen Vater; denn auch bei dieser schon vorhandenen Souveränetät würde die Allianz vorkommen bestehen können unb vielleicht sicherer sein als heute. (Bravo!) Wir wollen wahrlich nicht rrgenb welche Lockerung bieses Vertrages; im Gegentheil eine möglichste Stärkung, und zwar, wie gesagt, ,m Interesse bes Friedens. Wir wollen ja auch Niemanden auffordern, etwas Weiteres gegen Italien zu unternehmen. Aber, meine Herren, sollte denn ein kräftiges, ermahnendes, freundliches Wort unseres mächtigen «Kanzlers im Bunde mit der österreichischen Staatskanzlei nicht ausreichen, den Italienern klar zu machen, daß, wenn sie recht feste, gute Bundesgenoffen fein wollen, sie den heiligen Vater so stellen müffen, daß er in Rom seines Amtes walten kann? (Lebhaftes Bravo.) Man wird in Wien, man wird m Beilin doch sicher nicht unterschätzen, welch' stärkere Kraft es gibt, wenn die Katholiken in den vitalsten Interessen geschützt sind, wenn sie nicht verletzt find, wenn sie nicht stets mit Trauer nach Rom sehen. (Bravo!) Und verständige Staatsmänner Italiens werden das ganz bestimmt auch einsehen unb werben um so sicherer bet gewonnenen Einsicht folgen können, wenn sie des Schutzes von Oesterreich und Deutschland sicher bleiben. Denn gewiß ist m den destruktiven Elementen Italiens vieles enthalten, waS die italienische Regierung hindert, so zu handeln, wie sie handeln müßte. Der Vorwurf, daß wir dieses große Friedensbündniß irgendwie stören wollten, ist em absolut verkehrter. Rein, wir wollen eS stärker machen! (Bravo!)
Erstes Blatt
Jetzt bitte ich den Herrn Präsidenten, zu erlauben, daß der Herr Konsistorialrath Dr. Poisch das Schreiben der deutschen Bischöfe hier wörtlich verlese und bie Resolutton bazu, welche von bem Ausschuß aufgestellt worben ist. Wir müssen bieses freilich längere Schreiben hier vor- lesen, damit Jeder, der zustimmt, weiß wozu er zugestimmt hat.
Präsident: Ich ersuche den Herrn Konsistorialrath Dr. Porsch, die erbetene Vorlesung vorzunehmen.
Konsistorialrath Dr. Porsch (Breslau) verliest das Schreiben.
Staatsminister Dr. W i n d t h o r st: Nun, meine Herren, bitte ich auch die Resolution zu verlesen, welche in dem Ausschuß gefaßt ist.
Konsistorialrath Dr. Porsch verliest sie:
Die General-Versammlung beklagt insbesondere die neuesten Maßnahmen der italienischen Regierung gegen den hl. Stuhl, vor allem die Bestimmungen des Entwurfs zu einem neuen italienischen Strafgesetzbuchs, welche unmittelbar die Rechte des italienischen Klerus, mittelbar aber die Rechte des apostolischen Stuhles angreifen, und schließt sich voll und ganz dem Schreiben der in Fulda vereinigt gewesenen hochwürdigsten Bischöfe an den hl. Vater vom 29. August 1888 an, indem sie gleichzeitig dem hoch- würdigsten Episkopate für die mächtige Initiative zum Schutz des hl. Stuhles den wärmsten und innigsten Dank ausspricht. (Lebhafter Beifall.)
Präsident: Ich konstatire, daß die ganze Versammlung auch dieser Resolution mit Begeisterung zugestimmt hat (Lebhafter Beisall) unb schließe daran bie Mittheilung, daß der Vorstand beschlossen hat, die beiden Resolutionen sofott telegraphisch an Seine Eminenz Kardinal-Staatssekretär Rampolla zu übermitteln. (Lebhafter Beifall.) Ich bitte den Herrn Redner, fortzufahren:
Staatsminister Dr. Windthorst: Meine Herren! Ich wünschte, daß der hl. Vater hätte Zeuge sein können von der Begeisterung, mit der Sie diese Erklärung ange» nommen haben und bie beweist, daß Ihrer,Ueberzeugung nach selbst bas vielgerühmte Garantigesetz nicht mehr gehalten wirb; benn Alles, was bie Herren Bischöfe ba vortragen, belaubet einen Gegensatz gegen bies Gesetz. Und, m. H., welcher Hohn auf.das stolze Wort: „Die freie Kirche im freien Staate", — wenn dieses Gesetz ver- wirklicht wird, bann heißt es: „bie Sklaverei im freimaurerischen Staate" (Heiterkeit unb Beifall). Ich bedauere, daß ich jetzt zum Schluffe kommen muß; denn wenn man so aufmerksame Zuhörer hat, wie ich st- heute habe, bann hat man eine starke Versuchung, so lange die Stimme reicht, seinen Gedanken Ausdruck zu geben — und ich weiß nicht, wie oft es mir noch beschieden fein tarnt, meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Es will eben Abend werden in meinem Alter, und dann kann man nicht wiffen, wann die Nacht kommt. Ich nehme darum heute Abschied von Ihnen mit der Bitte, mir ein freundliches Andenken zu bewahren, wie Sie mir ein freundliches Entgegenkommen gezeigt haben und vergeflen Sie nicht, auch dann und wann meiner im Gebete zu gedenken. Jetzt aber bitte ich noch, meiner Aufforderung zu folgen und mit mir einzustimmen in ein kräftiges donnerndes Hoch auf unfern hl. Vater: Seine Heiligkeit Papst Leo XHI. lebe Hoch!
Offiziere« zu Ehre« wird er ritterliche Kampf- unb Waffempiele halten lassen, in denen jeder Held stch durch Kraft und Geschicklichkett aurzeichnen und den Preis erringen kann. Da die Kaiserin noch nicht hier ist, so hat Gratia« Dich, mein holdes Schwesterchen, dazu erwählt, dem Siegeshelden die Palme zu reichen."
Rofige Gluth überflog der Kleinen liebliche» Gestcht.
„Wie schrecklich ist mir die«, mein Hespern» l" flüsterte sie verlegen. „Dann werden ja Aller Augen auf mich blicken."
Die Subern lachten über ihre Zaghaftigkeit. „O, daß ich an ihrer Stelle wäre!" dachte die stolze Viktoria, Lydia aber klatschte entzückt in die Hände.
„Wie ich mich auf die F:stlichkeiten freue I" rief fie. Dann warf sie mit Anmuth die rosen- farbige Palla Über die linke Schulter, küßte B s- sula zum Abschied, reichte dem dunkeläugige« Römer die Fingerspitzen, und die jungen Damen huschte« bte Stufen hinunter, um stch den reichgeschmückten Sänften anzuoertrauen.
Lydia» braune Augen sandten noch einen warmen Gruß hinauf zu den jungen Leuten, bte21 an in Arm unter den Myrthenbäumen standen. Hes-
Du Sichter des Alammendöchs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
(20. Fortsetzung.)
Vcktoria seufzte. „Ich sehe es nicht gerne, daß mein Bräutigam so viel mit jenem Schwärmer verkehrt. Seinem Einfluß schreibe ich e» zu, daß Semproniu» den Christenglauben annahm, wenn auch der Entschluß in Mailand erst zur Reife ge- dich. Dort erst nahm der Bischof Ambrostu» den feierlichen Akt mit ihm vor, den Ihr „„die Taufe"" nennt. Im Herzen war er längst den Göttern fremd geworden; die« merkte ich an feinem Wesen. Ich tadle ihn auch darum nicht; denn ich weiß, daß Ihr Christen idle Menschen seid, und er ist wohl der Besten einer. Doch Semproniu« war mir ohnedies schon viel zu ernst und wird als Christ wohl kaum ei« Lächeln mehr für seine Freundin übrig haben."
Der junge Römer lachte. „Sei unbesorgt; die Taufe wird dem ernsten Denker wohl die alte Heiterkeit zurückgegeben haben; wenn nicht, so wollen wir ihm bte Grillen schon vertreiben. — Und nun noch eine Kunde, die Euch alle gewiß erfreuen wird: Der Kaiser beabsichtigt, am Hofe große Festlichsten zu veranstalten. Seinen tapfer«