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J\g 212.

Freitag, den 14. September.

1888

Onthn« Qeihina' ers-beint täali-b, Sonn, und Feiertage ausgenommen. WerteljLhrlicher Abonnementspreis ohne »ringerlohn und ««stellgelb: 1 M. 50 Pf. ®te .Mdaer Zeitung ’ge 4»eSneZb Blumen- in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, au-wättS 1 Wart 75 Pfennig.

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Schlußrede des Abgeordnete« Dr. Windthorft,

Sehalten in der Sitzung der fünfunddreißizsten leneral-Versammlung der deutschen Katholiken in Freiburg am 6. September 1888.

(Fortsetzung.)

Meine Herren, wir haben ein Vereinsrecht, und dar­nach darf man, wenn man di« Gesetze, welche nöthig sind, «m die Freiheit Aller zu bewahren, nicht verletzt, zu allen möglichen Zwecken sich versammeln! aber zum Beten, zum Wohlthun, zum Studiren, da soll man nicht in Gemein­schaft beisammen sein; — es hat das Herr Racke bereits sehr ausdrücklich dargelegt. Und haben denn die Herren uns aus den Statuten der verschiedenen Orden irgend «twaS nachweisen können, was irgendwie den Staat un­angenehm zu berühren im Stande wäre? Und nun die Jesuiten! — hat man ihnen wirklich mit Erfolg etwas nachgewiesen, was gegen den Staat isi? Das Verbrechen, was sie begangen haben, ist, daß sie besser studirt haben, als die meisten Anderen, daß sie ungeheuer fleißig sind, auf allen Gebieten bereit, und es ist ja eine ganz be­kannte Erfahrung, daß die Leute, welche nichts gelernt haben, diejenigen, welche mehr gelernt haben, fürchten. (Lebhaftes Bravo!) Meine Herren! Jndeß will ich Sie doch beruhigen, es handelt sich in diesem Augenblick noch nicht darum — aber kommen werden auch die Jesuiten! (Bravo!) Und ich habe schon an einer Stelle gesagt, wenn Niemand uns die Jesuiten wieder hereinbringt, die Sozial­demokraten werden dafür Sorge tragen! (Bravo!) Als ich das zu einer andern Zeit gesagt hatte, glaubten die sozialdemokratischen Blätter, ich hätte gemeint, sie würden dieselben bringen aus freien Stücken. (Heiterkeit.) Ja, wenn mir das beigekommen wäre, so wäre ich ziemlich unzurechn'ingssähig geworden. (Heiterkeit.) Aber wenn die Sbngen Gesellschaftsklaffen sehen, wohin uns die Sozial­demokratie führt, nämlich in den sozialen Abgrund, dann werden st« alle Hilfe in Anspruch nehmen, die sie bekom­men können, und ich sehe schon im Geiste viele Amt­männer, viele Ministerialräthe, die in den Zeiten der Noth umherreisen und sagen werden: Habt ihr keine Jesuiten? (Große Heiterkeit. Begeisterter Beifall.) Es geschieht das schon jetzt hier und da versteckt, man sagt es nicht, und ich werde mich hüten, es zu verrathen; aber die Jesuiten arbeiten bereits sehr tüchtig mit gegen die Sozialdemo­kratie. Ich spreche gern immer ganz deutlich, damit Jeder weiß, wohin wir wollen: wir wollen auch die Jesuiten wieder haben. (Bravo!) Also dafür bitte ich möglichst zu sorgen, daß die beiden vortrefflichen Reden möglichst bald abgedruckt werden, und zum Ausdruck gewiffer Gefühle möchte ich bitten, daß Prachtexemplare von diesem Büch­lein geschickt würden an die Majorität der badischen Kammer. (Große Heiterkeit, stürmisches Bravo.) Meine Herren, die Zeit drängt und ich muß deßhalb eine Reihe von dem, was ich noch sagen wollte, unterdrücken, weil mir noch ein sehr wichtiges Thema bleibt, nämlich das wichtigste, was wir diesmal auf der Katholikenversamm- lung zu behandeln haben. Dieses wichtigste ist nichts Ge­ringeres, als die Lage des Heiligen Vaters. Wir wären ungeratene Söhne, wenn wir so zahlreich versammelt wären und nicht des Heiligen Vaters gedacht hätten.

Die Tochter des AlmmNUKSmgs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(19. Fortsetzung.)

Unter dem Portikus von Ausoniu»' Hause — der Konsul bewohnte ein Prachtgebäude an östlicher Seite des Forums, welches eng mit dem Kaiser- palasts zusammenhing — tauschten inzwischen die jungen Damen ihre Anstchten über das, was sie sahen nnd hörten, aus:

„Nein, Kinder I Ich hätte nie geglaubt, daß der weise, heldenmüthige Frankenkönig, von dem der Vater uns so viel erzählt, ein so schöner Jüng­ling sei", sagte Biffula mit einem bewundernden Blicke auf dessen hochragende, vornehme Erschei­nung. „Ich dachte mir ihn so wie Nanienus, den großen Heerführer, den ich im vortgen Jahre sah."

„Bewahre uns der Himmel, wie den grimmigen verwitterten Graubart!" lachte Lydia.

„Warum denn aerave so?" fragte Viktoria.

„Je nun, weil NanicnuS mir als die Verkör­perung von Weisheit und Tapfelkeit erschien. Daß beide Eigenschaften diesem jugendlichen Franken­fürsten nicht fehlen, hat er bewiesen. War es nicht

(Bravo!) Wir wiffen alle, daß die That jener Besitznahme Roms, welche den Heiligen Vater auS der weltlichen Herrschaft entfernte, noch nicht gesühnt ist. Gesühnt wer­den wird sie; denn keine That des Unrechts wird unge­sühnt bleiben. (Bravo!) Nur hat Gott sich vorbehalten, den Zeitpunkt der Sühne zu bestimmen. Daß in diesem Augenblick es den Anschein haben könnte, als ob eine Hoffnung auf diese Sühne nicht vorhanden sei, gebe ich zu; aber solche Momente hat es viele in der Geschichte gegeben. Als das deutsche Volk unter dem Joche Napo- lons seufzte und nach Freiheit ausschaut;, und es aus eigener Kraft nicht mehr recht voran wollte, da schien Napoleon auf der Spitze einer unzerstörbaren Macht zu stehen und sein Uebermuth führte ihn nach Rußland, und was die Waffen nicht vermocht hatten, das vermochte ein­fach der Frost, und die große, stolze Armee kam erbärm­lich in Rußland um. Gott hatte sich all.'in di« Rache Vor­behalten für alle Unthaten, welche jener begangen hatte; das wollte er der Welt zeigen. Nicht die Waffen haben Napoleon niedergeworfen; nein, das hat Gott einfach durch ben Frost gethan, und wir wiffen nicht, welcher Frost noch einmal über diese oder jene jetzt anscheinend unüberwindliche Macht kommen könnte. Disoite justitiam moniti et non temnere divos. (Bravo!) „Lernet Gerech- keit und verachtet die Götter nicht." Das ist ein Satz, der für Hohe und Niedrige gilt. (Bravo I) M. H.! Wenn der Heilige Vater sein hohes Amt mit Erfolg ausführen soll, dann hat er volle Selbstständigkeit und absolute Unab­hängigkeit nothwendig; denn wie könnte er ohne Selbst­ständigkeit und Unabhängigkeit überallhin lehrend, warnend, strafend eintreten? Die, von denen er abhängig ist, die welche seine Selbstständigkeit beschränken, würden, wenn er sich gegen sie wenden wollte, jederzeit gegen ihn auf­treten. Darum ist eine territoriale Souveränität für ihn nothwendig. Der Minister Erispi, in dieser Materie wahr­scheinlich nach Ihrer Ansicht ein junverdächtiger Zeuge, hat noch im Jahre 1864, glaube ich, gesagt, daß der Heilige Vater, welcher jetzt auf dem Throne sitzt, mcht herabsteigen dürfe und könne unter die Zahl der gewöhn­lichen Bürger, daß er seine Souveränetät behalten müsse. Und ein anderer Italiener hat gesagt: ' Der Papst muß eine Stadt wenigstens für sich haben, und diese Stadt kann allein Rom sein. (Bravo!) Ich beziehe mich wesentlich auf Italiener, die gegen den Hei­ligen Vater sind, um nicht bezichtigt zu werden, daß wir ja die dortigen Berhältniffe hier nicht ganz übersehen können, obgleich ich glaube, daß nur ein gesunder Men- schenverstand dazu gehört, um dieses zu begreifen, daß ohne eine solche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Heilige Vater mit Erfolg fein Amt nicht erfüllen kann. Ob Herr Erispi das Wort von damals noch resxektirt, weiß ich nicht mit voller Sicherheit! ich will ihm auch das Gehör noch verschaffen, ehe ich ihn der Inkonsequenz be­zichtige. Aber ich fürchte sehr, daß er dies alles vergessen hat und möchte gerne, daß seine neuesten Alliirten ihn daran erinnern (Bravo!);das würde wirksamer fein, als wenn wir hier etwas sagen. Meine Herren! Alle Re­gierungen und alle Völker haben ein gleichmäßiges In­teresse daran, diese territoriale Souveränetät des Papstes unerschütterlich zu fordern, auch diejenigen Staaten, welche nicht zur katholischen Kirche gehören; denn darüber darf doch ein verständiger Staatsmann keinen Zweifel haben, seine Thatkraft und Klugheit allein, welche unte­rem geliebten Kaiser die Herrschaft erhielt? Der Vater erzählte mir, daß nach dem Tode Valenti- nians in Bregetio dis Truppen den Come» Seba­stian zum Kaiser hätten erheben wollen. Da sei Merobaude», der damals schon die Würden eines römischen Feldherr» und fränkischen Königs in sei­ner Person vereinigte, herbeigeeilt, habe zuerst den Sebastian, welcher von der Lage der Dinge keine Ahnung hatte, unter ehrenvollem Vorwande auf ein entferntes Kommando geschickt und habe dann, um seinem Freunde Grattan den Tyron zu retten, deffen kleinen Bruder Valentinian, der nicht viele Meilen entfernt int Palaste bei seiner Mutter wohnte, dem Heere al« Augustus vorgestellt. Seine Taktik siegte; denn aus die Ergebenheit der ita­lienischen, der illyrischen, sowie der fränkischen Kriegsschaaren konnte Merobaude« sich verlass n. Sechs Tage nach des Vaters Tods hi>ß Flaviu» Valentinianu», der vierjährige Knabe, Augustu»; Gratian aber war da» Haupt des R-icheS, wie auch sein Vater es war."

„Du hast Recht, Bissula, solche erfahrene Se­en» roet« beit hätte man in so jugendlichem K.'pfe nicht gesucht," versicherte Vcktoria nachdenklich.

daß, wenn bi« konservativste, wirksamste Macht, bi« gegen bie Revolution aufgestellt werben kann, bas ist bet Heilige Stuhl, wanken unb verschwinden sollte, ein Ehaos ent­stehen müßte. (Sehr wahr!) Im eigensten Jntereffe also haben Fürsten unb Völker bie Pflicht, für biefe territo­riale Souveränetät aufzutreten. Das erkennend, haben wir schon im vorigen Jahre eine biefen Gedanken ent­sprechende Resolution gefaßt, unb ich habe bamals mir erlaubt, zu sagen, baß wir biefe Resolution auf allen Versammlungen, überall, wo nur brei versammelt sind, laut ober doch im gewöhnlichen Zwiegespräche erneuern müßten, damit der Inhalt ein Gemeingut Aller werde. (Bravo!) Man hat uns in den Blättern höhnend zuge­rufen, was diese Resolutionen bedeuten sollen, sie würden ja doch nicht erfüllt, das wäre nur eine eitle Demonstra­tion. Meine Herren! Diejenigen, welche so sprechen, be­weisen, daß sie politische Kinder sind. Eine gesunde Idee, eine richtige Idee, eine nothwendige Idee wird niemals unerfüllt bleiben. Aber es ist wahr, daß eS oft eine lange Zeit dauert, bis auch die allergesundeste Idee in allen Köpfen zum Durchbruch kommt; denn die Hirn- schädel sind oft arg dick. — Und erst bann, wenn es in bent Gehirn Aller zum Durchbruch gekommen, wirb bie Idee sich verwirklichen. Wenn wir auf bie Engländer sehen, bie im öffentlichen Leben länger mitwirken als wir, unb welche schwere politische unb soziale Fragen gelöst haben, so kommt — wie man so leicht sagt — so ein verrückter Engländer unb macht einen Antrag, ben das ganze Parlament, wenn er eingebracht wird, belacht; bet läßt sich aber nicht irre machen unb kommt nach einem Jahre wieder, bringt ben Antrag von neuem ein, im nächsten Jahre wieder, unb schließlich siegt er. So ein verrückter Engländer bin ich auch! (Heiterkeit!) Ich bitte immer von neuem, daß wir solche Gedanken ausiprechen. Die Zahl derer, welche sie billigen, ist recht groß, hat sich alle Jahre vermehrt unb wirb sich noch mehr ver­mehren (Bravo!), unb ich möchte bitten, daß der Herr Präsident mir erlaubt, baß biefe Resolution, bie wir baS vorige Mal in Trier gefaßt, unb bie, wie ich höre, auch im Ausschuß, ben wir hier hatten, über bie An­gelegenheiten bes Heiligen Stuhles von neuem ge­billigt ist, vorgelesen werbe von bem Präsidenten des Ausschusses, bem Herrn Abgeordneten Dr. P o r s ch, unb batz wir bann, wenn sie vorgelesen worben ist, burch Abstimmung zu erkennen geben, daß wir dieser Re­solutton beitreten.

Konsistorialrath Dr. Porsch, BreSlau, verliest hier­auf die Resolution. Sie lautet:

Die 35. General - Versammlung der Katholiken Deutschlands spricht von Neu-m bie Ueberjeugung aus, daß die Wiederherstellung der territorialen Sou­veränetät des hl. Stuhles für bie Selbststänbigkeit besselben unb für seine volle Freiheit unb Unab­hängigkeit in ber Regierung der Kirche eine unab­weisbare Nothwenbigkeit ist, unb daß jede von Gott gesetzte weltliche Macht im wohlverstandenen eigenen Jntereffe und zur Wiederherstellung ber erschütterten Gesellschasts-Orbnung handelt, wenn sie bie vom hl. Vater besfalls erhobenen Rechtsansprüche erfolgreich unterstützt.

Staatsminister Dr. Windthorst: Die geschloffene Versammlung hat biefen Antrag bereits genehmigt; aber

„Das Auzs des Franken ist hell wie der Morgen- Himmel, und feine Wange gleicht der Frühlings- knofpe amPfirsifchbaum, während daskletne Flaum- bärtchen den feingeschnittenen Mund noch kaum be­deckt. Er wird nicht viele Sonnen mehr gesehen haben, als unser Imperator."

„Dennoch trägt er schwer an seinen Lorbeeren," fiel hier Lydia ein. „Ec hat so viele Heldenthaten schon verrichtet, daß man davon zu fingen und zu sagen kein Ende findet. Mit Bewunderung spricht der Vater oft davon, wie er im jüngsten Alamannen­kriege die Kühnsten an Muth und Tapferkeit über­traf. Der ausgezeichnete Sieg bei Argentaria ist seinem Löwenmuthe allein zu verdanken. Unsere Truppen waren gegen die Uebermacht der schwer bewaffneten Barbaren bereits im Wanken; da erschien der Kaiser mit Merobaude«. Der Franken­könig stellte sich an die Sp-tzs der Unsrigen; mit Ungestüm drang er vorwärts, und die Truppen» von dem Beispiele ihre« Anführers begeistert, folgten mit neu erwachtem, kriegerischem G iste. Der tapfice König Pctariu» fi:l von Merobaude»' Hand, und die Alamannen begannen vor den Wurfspießen und den Schwerthieben der Römer zu weichen. Von siebzigtausend Barbaren retteten