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Mittwoch, den 12. September.

1888

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Zweites Blatt.

Die Schier des JUtuomtnliihugs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(17. Fortsetzung.)

VII.

Der Einzug Gratians.

Er ist kühn vor Allen, wie so edler Degen soll, weise und kühn; deren haben sie wohl genug. Waltet er freundlich über manches Volk, auch erziehet er sie gut, gerade wie seine daheime. Nicht sind, die ihm auch schaden, so lange als ihn Franken wehren, die kühn seiner warten, daß sie ihn umreiten.

Aus Otfrieds „Lob der Franken."

Elf Jahre seit Beginn unserer Erzählung find verflossen. Es war dies eine Zett unablässiger Kämpfe Roms gegen die von allen Seiten an­dringenden Horden der Barbaren. Viele Triumphe hatten die Römer erfochten; doch waren die Siege gleich allen vorhergegangenen de« Jahrhunderts nur mehr im Stande, die römische Herrschaft auf­recht zu halten, nicht aber zu erweitern. Valen- tinian war im Jahre 375 während eines Feld­zuges gegen die Quaden und Sarmaten im kräf­tigsten Mannesalter plötzlich vom Tode ereilt wor­den. Ihm folgte als Beherrscher des Abendlandes fein herrlicher, tugendreicher Sohn Gratian. Der liebenswürdige Kaiser zeichnete sich trotz seiner großen Jugend sowohl durch weise und milde Re­gierung, wie durch hervorragende Tapferkeit im Felde aus. Bei Argentaria* *) hatte er im ver- floffenen Jahre einen glänzenden Sieg über die Alamannen erfochten, welcher die Ruhe von Gal­lien sicherte und den römischen Waffen hohe Ehre eintrug. Im Orient dagegen hatte sich die Lage de» Reiches minder günstig gestaltet. Des Kaisers Oheim, Valens, wurde von den Gothen bedrängt, und als der jugendliche Held ihm mit bewaffneter Macht zu Hilfe eilte, ward ihm schon auf dem Marsche die Kunde überbracht, daß Valen» besiegt und im Kampfe gefallen sei. Der muthige und bescheidene Jüngling fühlte, daß seine Kräfte zur Aufrechthaltung einer finkenden Welt nicht hinreich­ten, daß die Verwaltung de» Orient» und die Führung de» gothischen Krieges die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Staatsmannes und Helden erfordere; rasch entschloffen rief er den großen Theodosius aus Spanien und ernannte ihn an Palens Stelle zum Imperator und Augustus. In ihm hatte er den geeigneten Herrscher gefunden, der im Stande war, das morgenländifche Reich zu retten und wieder herzustellen. Roch in Sir- ntiunt rief Gratian alle von seinem arianisch ge­sinnten Oheim verbannten Priester zurück und er­ließ auch in Mailand, woselbst er seinen jungen Bruder Valentinian besuchte, ein Verdikt gegen alle nichtnicänischen Christen. Bald aber drängte es ihn, zurück in seine geliebte Moselresidenz zu eilen, wo er sehnsüchtig erwartet wurde.

In Treverir hatte sich seit dem Tode Valen- tinians gar manches zum Bafferen gestaltet. Eine der ersten Regierungsh andlungen Gratians war die Absetzung und Hinrichtung jene» Unmenschen, des Präfektu» Prätorio Maximin. An deffen Stelle lenkte jetzt mit Umsicht und Milde AusoniuS^ Sohn, der liebenswürdige junge HesperuS, das Schicksal der Untertanen. Seinen hochgeschätzten Erzieher, Ausoniu« selbst, der seit der Absetzung Maximin»

*) Horburg bei Eolmar.

im Jahre 376 bi» zum Jahre 379 da» Amt de» Präfekten bekleidet, hatte Gratian von Sirmium au» zum Konsul ernannt; e» war diese» die edelste Belohnung der Tugend und de» Diensteifer». Der dankbare junge Kaiser hatte seinem Lehrer bei Er- theilung de» Konsulat« geschrieben:

„Als ich wegen der Konsularwahl mit mir selbst nicht einig war, habe ich, wie er meine Pflicht, und wie er, das wußte ich, Dein Wille war, mei­nen Entschluß Gott anheim gestellt, und so auf sein Geheiß Dich zum Konsul ernannt. So zahle ich Dir, was ich Dir schuldig bin, und dennoch bleibe ich Dir schuldig, was ich Dir bezahlt habe. ')

Der Ehren-Titel der konsularischen Würde war auch in der Kaiserzeit stets noch da« höchste Ziel de» Ehrgeize«; die Kaiser selbst betrachteten es al« einen Zuwachs an Glanz und Majestät, wenn sie diesen Namen auf ein Jahr annahmen.

Im Anfänge des Monat» August im Jahre 379 gelang es Gratian endlich, nach Gallien zu eilen, wohin fein Herz ihn zog. Beispielloser Jubel durch­hallte die treverische Augusta, als ein Bote die überraschende Kunde brachte, daß der Cäsar nahe, ja daß er nach wenigen Stunden schon in feine Residenz einziehen werde. Die Zeit war zu kurz, um dem mit Begeisterung verehrten jungen Hel- denkaiser einen glänzenden Empfang zu bereiten, um die Stadt festlich zu schmücken ; doch die Stra­ßen uno Plätze belebten sich sogleich mit hoch er­regten Völkerschaaren, die all von der freudigen Hoffnung beseelt waren, ihrem geliebten Fürsten ein herzliches „Willkommen" entgegen rufen zu dürfen. Den weitgedehnten Platz des Forum hielt eine dichtgedrängte Menge besetzt, ebete Damen hatten die umliegenden Säulenhallen eingenommen; von den Dächern schauten viele Hunderte erwar­tungsvoll herab.

Vor dem Portale de» Kaiserpalaster stand Auso­niu». Ec trug da» reichgestickte mit kostbaren Eoelsteinen besetzte Purpurgewand, in welche» die Figur de« Kaiser» Konstantin eingewirkt war, ein Staatskleid, da» Gratian ihm zum Antritt seine» konsularischen Amte» verehrt hatte. Die vornehme Haltung de» Greise» war immer noch ungebeugt; au» seinen Augen leuchtete die reinste Freude.

„Sie kommen, sie kommen I" so tönte e». Weich' ein Getümmel! Jubelrufe au» tausend Kehlen 1 Unter dem Triumphbogen durch bewegte sich ein langer, glänzender Zug von Reitern. Die präto- rianische Leibgarde in prächtiger Rüstung bahnte den Weg; dann erschien auf stolzem Rosse der jugendliche Imperator, ein Bild von Kraft und Schönheit. Die anschließende kurze Tunika ließ Gratian» herrlichen Wuchs voll und ganz zur Geltung kommen; der leuchtende Helm krönte sein von dunkelem Lockenhaar umrahmte» Haupt mit den edeln, anmuthreichen Gesichtszügen und den großen strahlenden Augen. Mehr aber als fein Aeußere« war es fein ganzes Wesen, seine gewin­nende Freundlichkeit, welche Alle bezauberte, Aller Herzen eroberte.

„Ave Cäsar, ave Gratiane, felicitas, laetitia nostral“ so klang es stürmisch. Mit Händen und Tüchern drängte man sich hinzu, um einen Blick, einen Gruß von ihm zu erhaschen. Mit liebens­würdigem Lächeln dankte Gratian; der glückliche Ausdruck seiner Züge gab kund, wie sehr auch er sich freute, seine Moselstadt wieder zu sehen. An seiner Linken ritt HesperuS, der Präfekt; er war auf die erste Kunde von des Kaisers Nähe ihm frohbewegt vor die Thore der Stadt geeilt. Der hochsinnige junge Mann war jedem Treuerer wohl­bekannt.

1) Auson. Grat. Act.

„Doch sprecht," so fragt man einander, „wer ist der stolze Held zur Rechten des Kaisers? Er sitzt zu Pferde, wie ein Gott; fein kühn blickendes blaues Auge leuchtet in gebieterischer Gluth; nur wenn es dem Blicke des Cäsar» begegnet, so mil­dert sich sein Ausdruck zu sanfter Zärtlichkeit."

Der hochgewachsene kriegerische Retter war wirk­lich eine h-rvorragende Erscheinung, welche die Aufmerksamkeit Aller ftffeln mußte. Die einfache enganliegende Tracht der Franken von feinem Hirsch­leder zeigte seine prachtvolle Gestalt in vortheil- Hafter Weise.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* In der deutschen Feuerwehr-Zeitung wird daraus aufmerksam gemacht, daß Hängelam­pen, auch die an der Decke angebrachten sogen, explosionssicheren Universal-Hängelampen, vielfach Brandschaden verursachen, indem der eiserne Haken, in welchem die Lampe hängt, glühend wird, in Folge davon das Holzwerk, in welches derselbe eingetrieben ist, verkohlt und die Lampe plötzlich herabstürzt. Es wird daran folgende Bemerkung geknüpft:

„Dir durch die Glascylinder der Petroleumlampen auf­steigende Luft hat eine sehr hohe Temperatur, namentlich bei den neueren lichtstarken Lampen mit Luftzuführung von unten (sogen. Monstre- und HelioSlampen), aber auch bei den gewöhnlichen, wenn die Flamme überhoch aufge­schraubt wird. Wenn daher solche Lampen von hölzernen oder nur mit einfachem Kalkanwurf versehenen Zimmer­decken nicht weit entfernt hängen, wie es zumeist in den Bauern- und Wirthsstuben der Fall ist, so muß eine dop­pelte Gefahr sehr riskirt werden: erstens, es kann und muß der die Lampe tragende Nagel herabfallen, weil das ihn umgebende Brett verkohlt; zweitens, es kann sogar die Decke selbst in Brand gerathen. (Beide Fälle sind schon mehrfach vorgekommen.) Diesem vorzubeugen ist nun kürzlich die Anbringung eines einfachen Weißbleches em­pfohlen worden. Allein eine einfache Ueberlegung genügt, zu begreifen, daß diese Maßregel durchaus ungenügend ist. Das einfache Blech hält nämlich die Wärme keineswegs auf, sondern leitet sie ebenso gut auf die Wand über, so daß die vorhin erwähnte Gefahr in gleicher Weise fort­besteht. Zum Belege hierfür darf man nur mit der Hand solche Deckenbleche anrühren oder in die Nähe des Lam­pennagels ein Stück Blei bringen; die Bleche sind uner­träglich heiß und das Blei schmilzt sogar bei größeren Lampen ab. Das einzig richtige und einfachste Mittel zur Verhütung jener Gefahr ist nur die Anbringung einer blechernen oder porzellanenen Glocke von doppeltem Durch­messer des Lampencylinders, über dem letzteren 10—20 Zentimeter aufgehängt. Diese Glocken sind zwar bei neuen Lampen gewöhnlich schon angebracht, aber sie werden häufig beim Putzen abgerissen und nicht mehr befestigt. Eine solche Glocke hält alle Wärme resp. Hitze so vollstän­dig ab, daß die betreffenden Decken oder Nägel nie warm werden können."

* Vielerseits hört man über schlechte Kartoffeln klagen, da ja naturgemäß die lange Regenzeit äußerst un­günstig auf die Knollen eingewirkt hat. Bezüglich der Ernte resp. möglichst gute Erhaltung für Winter und Frühling beachte man Folgendes: Die Ernte selbst nehme man nicht zu spät vor, und roenn nur einigermaßen mög­lich, so wähle man zum Ausnehmen möglichst sonnige Tage, damit die Kartoffeln schon auf dem Felde gehörig abtrocknen. Das sofortige Einsacken ist nicht räthlich. Auf'S Sorgsamste müssen kranke, anbrüchige und sehr kleine Knol­len schon auf dem Felde ausgeschieden werden. Man bringe außerdem, sollte es nur einigermaßen möglich sein, und auf dem Lande ist dies unbedingt durchzuführen, die Kartoffeln nicht sofort in den Keller, sondern auf trocken« Plätze, die vor Regen geschützt sind, z. B. Scheunenten­nen K. Man lasse hier dieselben noch einige Zeit liegen und nehme nochmals eine recht strenge Aussuchung vor. Die Keller selbst lüste man ja recht gut und sollte es sich ermöglichen, so schütte man die Kartoffeln, besonder» an­fänglich, nicht zu hoch. Während des Winters müssen die Borräthe streng im Auge behalten werden; ein zwei- bi» dreimaliges Um- und Auslesen darf nicht versäumt wer­den, indem die große Ansteckungsfähigkeit kranker Knollen hinlänglich bekannt ist.

* Teresina Tua unternimmt im nächsten Winter eine größere Concertreise nach Rußland und dem Orient. Die Künstlerin soll die Absicht haben, nach Beendigung dieser Reise nicht mehr öffentlich aufzutreten.