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1888

Dienstag, den 11. September.

J\£ 209.

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□ Die Freiburger Katholiken- Versammlung

ist vorüber 1 Wenn wir Rückschau halten über das, wa» sie geleistet und der Welt vor Augen geführt hat, so können wir mit voller, freudiger Bestie- digung konstatiren, daß unsere Hoffnungen und Erwartuugen nicht bloß nach jeder Richtung hin erfüllt, sondem weit übertroffen worden find. So- wohl unsere Gegner, als auch viele allzu ängst­liche Freunde hatten der General-Versammlung offen und im Geheimen ein Fiasko prophezeit; namentlich daß sie unter der Aegide des vielge- haßten Centrumsführer» Windthorst tagen würde, hatte man für die badischen Lande als eine un­glückliche Idee bezeichnet. Und heute? Heute müs. feit Alle, welche die Dinge oljektiv und ohneVor- urtheile zu betrachten fähig sind, einsehen und an­erkennen, daß eine geradezu imposante Kund­gebung katholischen Lebens in der Breisgauperle, der Metropole des badischen Katholizismus und der oberrheinischen Kirchenprovinz zu Stande ge­kommen ist.

Und dieser großartigen Manifestation echt ka­tholischer Gesinnung kann man wahrlich nicht nach­sagen, daß sie „gemacht", daß sie eine künstliche Hineintragung fremder Agitation in das badische Land gewesen sei. Denn der allerwichtigste Fak- tor, ja, der springende Punkt war bei dieser Ver­anstaltung da» katholische Volk selbst, e» waren der Klerus und die katholischen Männer, die Theil- nehmer an der General-Versammlung, die Zu­hörer und Beifallspender bei den gehaltenen Reden und den gefaßten Beschlüssen. Diese Tausende und Abertausende, deren Menge selbst eingefleisch- ten kirchenfeindlichen Blättern gewaltig imponirt hat, lassen sich nicht künstlich herbeischaffen, sie find dem Zuge ihre» Herzen» gefolgt, sie haben durch ihr maffenhafte» Erscheinen bewiesen, daß die Beschwerden der katholischen Kirchenbehörden und der katholischen Volksvertretung und Puffs ihnen nahe gehen, daß sie nicht mehr länger saum­selig und gleichgittig bleiben, sondern von nun an kräftig und nachdrücklich für die Freiheit und die Rechte der Kirche, vor Allem aber für dieWteder- zulaffung der Mönche und Orden in dem badischen Rechts- und Musterstaate eintreten wollen.

Wenn außer diesem eigenen Herzenrbedürfniß und inneren Jugend irgend etwas die katholischen Schaaren nach Freiburg gezogen hat, so war es der bi« dahin noch nicht dagewesene direkte päpst-

Die Sichter des AiammAiikmigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(16. Fortsetzung.)

„Brav, Bärin" nur drauf !" ruft man von allen Seiten. Und wahrlich, die scheinbar Schwächere wird Siegerin, ihr gewaltiger schwarzer Gegner liegt endlich schwer verletzt, verröchelnd auf der Erde. Der kühnen Siegerin fliegen Kränze und bunte Schleifen zu. Doch leider kann das treue Thier die Herrin nicht zum Leben mehr erwecken. Der Haken des riesigen Illyrier« schleift den ent­seelten Körper der Königin au« der Arena, hinweg au« den Augen der Zuschauer.

„Gnade, Gnade für Äiffula!" so donnert es vieltausendstimmig durch das gewaltige Rundgc- bäude, und der Kaiser willfahrt dem stürmischen Wunsch der erregten M-nge; er gibt Befehl, die holde Kleine, sammt der treuen Inna nach dem Palast zu bringen. Von jauchzendem Sieger- und Beifallsgeschrei begleitet, verlaffen die Beiden im Triumph den Kampfplatz. Noch aber ist die grau­same Schaulust der Menge nicht befriedigt. Ein

liche Mahnruf und in Verbindung hiermit die un­haltbare Lage de- päpstlichen Stuhles, welche in jüngster Zeit allen kirchentreuen Katholiken wieder so recht zum Bewußtsein gekommen ist, und die denn auch den vornehmsten und wichtigsten Gegen­stand der Berathungen und Beschlüffe gebildet hat. Aber auch noch eine andere Triebkraft hat mitge­wirkt, allerdings sehr gegen ihren eigenen Willen, ein Theil von jener Kraft, die stet» da» Böse will und nur das Gute schafft: die ortsfeindliche libe­rale badische Kammermehrheit nämlich. Ihr ist in der Schlußversammlung kein Dank abgestattet worden, wir wollen ihn an dieser Stelle in dem paffenden Sinne nachholen.

In der letzten öffentlichen Generalversammlung welche von etwa 5000 Männern und fast 100Ö Damen besucht wurde, war die Haupt- und Schluß­rede, der Rückblick, Cxcellenz Windthorst selbst übertragen worden, der sich auch mit bekanntem Geschick und altbewährter Schlagfertigkeit seines Auftrage» entledigte. Windthorst hat in diesen Tagen — man darf das kühn behaupten — die Herzen Vieler neugewonnen, er hat aber auch bei Vielen die lange bestandenen Sympathien gesteigert. Diejenigen, welche den badischen Katholiken mit dem Namen Windthorst einen Wauwau vormachen wollten, haben sich als schlechte Propheten erwiesen; wenn er e» bisher noch nie gewesen sein sollte, so ist Windthorst jetzt im wahren Sinne de» Worte» der Liebling de» echtkatholischen badischen Volke» geworden; er hat es meisterhaft verstanden, alle die von gegnerischer Seite gegen ihn erhobenen Beschuldigungen und Anstände auf'S Gründlichste durch die That zu widerlegen.

Wir sind überzeugt, daß kein gutgesinnter ka­tholischer Mann der „kleinen Cxcellenz" und eben- sowenig auch dem gefeierten Präsidenten der Ge­neralversammlung, Rechtsanwalt Müller (Koblenz), die kleine Strafpredigt und die ernsten Ermah­nungen zu tatkräftiger Arbeit, zur Ausdauer und zur Einigkeit übelgenommen hat. Die Ereigniffe der jüngsten Vergangenheit haben ja ohnehin schon für alle, die guten Willens sind, eine so laute und mahnende Sprache geredet. Möge der in Freiburg ausgestreute, reichliche und vielverspre­chende Same allenthalben auf guten Boden fallen, möge weder die Dürre der Gleichgiltigkeit und Läf- sigkeit, noch auch der eisige Hauch des gegnerischen Höffes und Uebelwollens seine Lebenskraft schwä­chen oder gar ertödten; möge das Feuer der Be­geisterung nicht wie ein Strohfeuer verglühen, neuer Hochgenuß steht ja bevor, es gilt zu sehen, wie die edlen Alamannen, mit den Raubthieren ihrer Wälder kämpfend, unterliegen.

Ein Wink des Imperators, ein Stoß in die Posaune, und eine Schaar hochragender Männer betritt in stolzer Haltung die Arena. Voll unver­hehlter Bewunderung schaut das Volk auf diese reckenhaften Gestalten mit dem kühnen Blick und den blonden über Schultern und Nacken flatternden Locken. Mit festem Muth erwarten die Gefangenen den nahen Tod. Kcinr Wimper zuckt, als jetzt der Kaiser dir Hand emporhebt zum verhängniß- vollen Zeichen.

Was ist das? Die Wächter am Eingänge werben von kräftiger Hand zur Seite geschleudert, und hochaufgerichtet mit zürnendem Feuer im Blick dringt ein Jüngling vor im dunkeln Philosophen­mantel. Ihm folgt in die Arena ein hoher, erfurchtgebietender Greis. Die Mitra krönt sein priesterliches Haupt, und in der Linken trägt er den bisch öfl.chen Htrtenstab; eine gcheimnißvolle Majestät, ein allgewaltig' hehres Wesen umgibt seine Erscheinung. So schreitet er ungehemmt bis vor den Kaiser, denn keiner wagt c«, den Erhabenen

sondern, von den rechten Händen gepflegt, al« heilige Flamme alle Herzen ergreifen und die ka­tholische Sache in Baden, wenn auch erst nach langem, mühsamen Kampfe, endlich zum Siege führen!

Wir blicken heute mit größerer Zuversicht in die Zukunft; möchten wir uns nicht getäuscht ha­ben I Ewigkeit und Charakterfestigkeit, Prinzipien­treue und Abwendung von jeder Halbheit und Leisetreterei, endlich absolute Unterordnung aller perfönlicher Rücksichten unter die Jatereffen der gemeinsamen heiligen Sache, da« find die nothwendigen Voraussetzungen eines nachhaltigen Erfolge» der badischen Katholiken. Die erfie und wichtigste Aufgabe aber wird die Wiederaufrichtung und Neubefestigung der fast gänzlich zerbrochenen Parteiorganisation sein.

Es ist nicht der Zweck dieser Zeilen, die in der letzten Generalversammlung gehaltenen zahlreichen Reven und Ansprachen zu erörtern oder auch nur kurz zu skizziren; jedoch seien zum Schluffe noch zwei unserer Ansicht nach bedeutungsvolle Momente hervorgehoben. Da» ist zunächst die nachdrückliche Empfehlung der katholischen Pceffe in Baden, von deren Verbreitung allerdings, wie Windthorst mit Recht betonte, in erster Linie die Erfolge bei den Wahlen abhängig sind. Möge man dieses ernste Wort aus solchem Munde voll beherzigen I Der Vorwurf, daß bisher für die katholische Preffe zu wenig gethan worden sei, darf die, fo e» angeht, nicht verstimmen, er muß sie vielmehr anspornen, in elfter Stunde noch an die Erfüllung ihrer Pflicht heranzuzehen. Ein wie groß-s Gewicht der kampf­geübte und als Taktiker von Freund und Feind anerkannte Centrumsführer auf die katholische Preffe legt, beweist der Ehrenrang, den er ihr in seinen Dankesbezengungen einräumte.

Das Zweite, was noch kurz hier berührt sei, ist die inhaltlich und auch rhetorisch glänzend schöne Rede de» Mainzer Abgeoidneten Racke für die katholischen Orden. Wer den Enthusiasmus, mit dem diese zündenden Worte ausgenommen wurden, mitempfunden, wer auch die Thränen gesehen hat, die sich bei der großartigen Schlußapostrophe über die Wangen selbst gehärteter Männer stahlen, der weiß jeßt, daß es eine große Unwahrheit ist, wenn Jemand behauptet, das katholische Volk in Baden wolle keine Mönche. Das Volk sehnt sich nach den Orden. Es liegt in seiner Macht, sie sich zu erkämpfen.

zurückzuhalten. Er richtet das unergründliche, seelenvolle Auge auf den Imperator und hebt die Hand mit feierlichem Ernst empor; dann ruft er:

„Im Namen des allmächtigen Gottes, der Him­mel und Erde erschaffen bat, halt' ein, o Kaiser! Schone diese Männer. Das Blut der Unschuldigen wird um Rache schreien am Trone des Allerhöchsten l Rette, o rette Deine eigene Seele!"

Grabesstille folgt. Mit Staunen, ja mit ehrfurchtsvollem Grauen vernimmt das Volk die beschwörende Mahnung des Kirchenfürsten. War wird der Kaiser thun? Wird er den frevelnden Uebermuth bestrafen? Aller Augen sind erwartungs­voll auf Valentinian gerichtet.

Dieser aber steigt von seinem Thron hinab in die Arena und neigt das Haupt demüthig vor dem Priestergreis. '

„Ich folge Dir, mein Vater," so spricht er leise. „Dir sei das Leben dieser Männer geschenkt. Du magst von nun an über sie bestimmen, magst ihr Geschick zum Guten lenken."

Eine gebieterische Handbewegung und das Volk weiß, daß die grausamen Spiele für heute abge­schlossen find; mit gemischten Empfindungen, theil«