Montag, den 10. September.
1888
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35. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.
* Freiburg, 6. September.
VII.
Die letzte öffentliche Generalversammlung war außerordentlich stark besucht. Etwa um V,l l Uhr eröffnete der Vorsitzende die Versammlung mit dem katholischen Gruße und ertheilte zunächst das Wort dem Reichstagsabg. Rack« aus Mainz. Derselbe spricht vom Standpunkte des Laien über die Orden und kritistrt zunächst in scharfer und saiyrischer Weise eine Schrift, welche der protestantische Domprediger Schramm in Bremen über das Ordenswesen geschrieben hat. Wir Katholiken — fährt Redner fort, haben ein Recht auf die Existenz unserer Orden, denn sie sind göttlichen Ursprungs. Deßhalb haben die deutschen Bischöfe bei Ausbruch des Kulturkampfes auch sofort erklärt, daß das Ordenswesen auf das Innigste mit der Kirche verknüpft sei. Die Gegner erklären, die Kirche könne auch ohne Orden bestehen. Sie seien entbehrliches Beiwerk. Nun haben wir es allerdings in der Chirurgie weit gebracht. Es werden Glieder des Körpers amputirt und der Mensch lebt doch weiter, aber wie. So eine Kirche ohne Arm- und Beine, ohne alle Attribute der Schönheit, den Schleier von der königl. Braut hinweg- geriffen, das wäre die Kirche nach dem Ideal unserer Gegner. (Lebh. Beifall.) Oder ist e« etwa nicht möglich, daß Baden ohne Freimaurer, ohne liberale Zeitungs. redakteure, ja sogar ohne eine „liberale" Kammermehrheit existiren kann? (Große Heiterkeit und stürmischer Beifall.) Wer soll entscheiden über das, was zur L-bensbethätigung der Kirche gehört, Papst und Bischöfe oder Herr Gneist, oder Herr Kiefer und Konsorten? (Lebh. Zust.) Solange mir nicht nachgewiesen ist, daß zu einem oder dem anderen badischen Minister gesagt worden ist: „Du bist PeiruS, weide meine Lämmer! —" Solana« hin ick fn fr»; zunehmen, vag nur Ote Kirche Uder diese Dinge zu entscheiden hat. (Lebhafter Beifall.) Wenn nun die' Orden seit mehr als zehn Jahrhunderten das festeste Bollwerk der Kirche sind, wenn aus ihnen eine glorreiche Schaar von Päpsten und Bischöfen hervorgegangen ist, Heilige und Gelehrte, dann müßten wir das Gefühl für Dankbarkeit verloren haben, wenn wir nicht ins Land hinausrufen wollten, daß wir Katholiken nicht rasten und ruhen werden, bis die letzte barmherzige Schwester, der letzte Kapuziner und der letzte Jesuit wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist. Wir haben nicht nur ein göttliches Recht auf die Erfüllung dieser Forderung, sondern auch ein ve rfassungs m äßiges. Uns ist die freie Ausübung der Religion zug standen, dazu gehört zweifellos die Befolgung der evangelischen Räthe. Denken wir uns, ein junger Badenser, träte heute an Christus mit der Frage $*ä«: „Herr, was muß ich thun, um selig zu werden?" Christus antwortet: „Willst Du vollkommen sein, so verkaufe Alles, was Du hast, gib es den Armen und folge mir nach!" Müßte unser Badenser nicht sagen: „Ja, Herr, das sagst Du, was aber sagt die Polizei dazu?" (Große Heiterkeit.) Man hat den Kranken den Pfleger, den Elenden den Tröster, man hat denen, die Nichts auf der Welt haben, ihren letzten Freund genommen. Hoffen wir, daß sie wiederkommen auch in das badische Land. Sie werden kommen, wenn das Volk sich
Die Tochter des Alamamroköoigs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
(15. Fortsetzung.)
Ein schneeweiß seidenflimmerndes Kleid mit filler- schleppendem Saum umschließt brillantenumgürtet ihre prachtvollen Formen, und blitzende Sterne krönen da» Haupt der fürstlichen Frau. Wie leuchtender Sonnenglanz fluthet da» freie Haar- gewoge ihr über die marmorgleichen Schultern hin. Zarter Röthe Wiederfchein liegt auf dem blüthenhaften Weiß de» herrlichen Antlitzes, und milder Saphirschimmer glüht au» ihren Augen. Wie von überirdischem Licht und Glanz umflossen steht da» vollendete schöne Heldenweib auf dem Purpur de» Rasenteppich«. Geblendet, überwältigt von dem Anblick schweigt da» Volk in athemioser Stille.
„Penthesilea I" klingt e» von den Lippen de» Prätor».
„Venu» Anadyomene!" flüstert Valentinian wie träumend, und dennoch entreißt er sich dem Zauber, dennoch — ist er möglich? — erhebt er den Arm zum Beginn de» grausamen Spiele.
rührt, wenn das Leben zuerst wieder in das katholische Volk kommt. Nur ein bischen Feuer, ein bischen Begeisterung. Kämpfen wir, wenn nicht für uns, so doch für unsere Kinder, damit sie uns einst im Gebete danken, daß wir ihnen Freiheit und Recht erkämpft. (Stürmischer Beifall und Hochrufe.) — Abgeordneter Racke: „Die katholischen Orden und die unter uns weilenden Ordensleute hoch!" (Die Versammlung stimmt lebhaft in das Hoch ein.)
Pastor Schlösser auS Bremen empfiehlt der Versammlung eines der geistigen Kinder derselben, den Raphaelsverein, zum Schutze katholischer Auswanderer. Auf der Trierer Versammlung des Jahres 1865 habe der jetzige Generalsekretär des Vereins, Cahensly, zum ersten Male mit tiefster Entrüstung die Zustände auf den Auswandererschiffen beleuchtet und auf einen sittlichen Abgrund hingewiesen, wie man ihn sich kaum vorzustellen gewagt. Die Anregung habe die Gründung des Vereins vor 20 Jahren veranlaßt. Derselbe sorge zunächst für die geistigen Jn- tereffen der Auswanderer, indem er dem Auswanderer in den letzten Stunden, die er im Hafenort zubringe, Trost und geistige Stärkung spendet. In einer besonderen Predigt wird ihnen gesagt, die Art wie, der Ort wo und die Zeit wann die Versuchung an sie herantrete und der Weg gezeigt, wie sie diesen Gefahren entgehen können. Der Verein sorgt auch für die materiellen Interessen der Auswanderer in ausgezeichneter Weise, die ihm Anerkennung in der ganzen Welt eingetragen hat. Es ist deßhalb noth- wendig, daß wir den Verein unterstützen durch Beitritt und namentlich die Geistlichen für ihre Pfarreingesessenen, die zur Auswanderung entschlossen sind, die Vermittelung des Vereins in Anspruch zu nehmen. Dann wird diese Reise eine glückliche sein für Zeit und Ewigkeit. (Beifall.)
Dr. Windthorst dankt in seiner Inständigen, glänzenden Schlußrede zunächst herzlich der katholffchen Presse, die sehr opferwillig sei und tüchtige Männn: unter den Ihrigen zähle. Sie werde niemals abweichen von d»x krolz"etwaiger Aitze Ueä Kampfes. Auch manche Organe anderer Parteien verbinden uns zu Dank. Die geborene Minorität muß stets Aliirte suchen. Unsere Presse verdient die wärmste Unterstützung. Die tägliche Zeitungslesung ist von überaus großer Wirkung, unter Umständen sogar gefährlich, wenn nicht beispielsweise der .Kölnischen Zeitung' die .Kölnische Volkszeitung' ein Gegengewicht böte. Baden hat nicht genug katholische Blätter. Die Geistlichen predigen täglich, aber alle Wochentage ausgenommen. Diese Lücke muß die Zeitung ausfüllen. Meine Thätig» keit ist auch ein Stück Pastoration; ich sollte nämlich einmal selbst Pastor werden. (Heiterkeit.) Lebhafter Dank gebührt der Geistlichkeit, voran dem hochwürdigen Episkopat, wegen des leuchtenden Beispiels und der seltenen Entsagung und Aufopferung in schweren Tagen. Dank auch den Lehrern, welche auf unserer Seite standen. Wir wollen uns ihrer Jntereffm warm annehmen und mit ihnen wirken zur Erziehung unserer Kinder. Dank ferner dem deutschen Adel mit wenigen Ausnahmen, ferner der katholischen Bürgerschaft, und besonders dem katholischen Bauernstände, dem gesundesten Elemente des Volkes. Die katholischen Vereine schreiten fort, find aber defekt am Geldbeutel; das bedarf der Abhülfe. Am wichtigsten ist der Bonifatius-Verein wegen seiner verdoppelten Thätig« keit. Redner empfiehlt angelegentlich den Vereins-Borfitzenden, Propst Racke in Paderborn, den liebenswürdigsten
Die Riegel eine» mächtigen Zwinger» knarren und mit gewaltigen Sätzen springt heulend ein zottiger schwarzer Bär in die Arena. Mit Grauen und mit bebender Lust sieht die Menge, wie da« furchtbare Thier sich der Königin nähert. Ohne jede» Zeichen von Erregung, in hoheitsvoller Ruhe steht Swanahild. Ihr Blick fliegt suchend durch die Reihen der Zuschauer und bleibt dann grüßend auf Ausoniu» haften. Welch eine Sprache liegt in dieftm Scheidegrnß! Rührende Bitte um Srutz de» dem Freunde anvertrauten Kinde», heiße, innige Dankbarkeit, ein letzte« Lebewohl! Da« dumpfe Gebrüll in unmittelbarer Nähe zwingt ste, ihre Aufmerksamkeit der wüthenden Bestie vor ihr zuzuwenden. Doch stehe da! Sowie der Strahl ihre» glänzenden Auge« da» furchtbare Waldthier trifft, so duckt e» sich und schleicht zur ©e>te. M-t vor sichtiger Scheu umkreist e» dann in weiten Bogen die Königin, die ruhig sein verlurbenbruigendk» Rahen erwartet. Den Tod, der allem, war Hassenswerth auf Erden ist, ein Ende machen, der sie au» der Gefangenschaft befreien und zum Heldensaale der Väter, in die Arme ihre» Galten führen soll, den fürchtet
deutschen Bettler. Unverständlich ist der Ausschluß der katholischen Missionen aus gewissen deutschen Schutzgebieten in Afrika. Dies widerspricht der Kongo-Akte. Gegenwärtig haben wir nicht genug Missionare und zn wenig Mittel. Windthorst empfiehlt dann die Bestrebungen des St. Raphaels-Vereins. Dieser Verein sei auch in ökonomischer Hinsicht für di« Auswanderer wichtig. Ergriffen haben mich die ernsten Betrachtungen des Paters Weiß angesichts des bevorstehenden Centenariums der französischen Revolution. Ein wirksames Gegenmittel liegt in den Bestrebungen des Verbandes Arbeiterwohl, dessen Schriften auch Damen dringend zu empfehlen sind. Ueber das Ordensleben haben die Herren Abt Sauter und Racke das Nöthige gesagt. Beide Reden verdienen die weiteste Verbreitung, nicht blos in Baden. Abdrücke müssen der badischen Kammer-Mehrheit geschickt werden. Die Ordensfrage ist auch in Preußen noch lange nicht gelöst. Mehrere Orden sind noch ausgeschlossen und sie unterstehen der diskretionären Regierungsgewalt. Alle müssen wiederkommen, Frauen und Männer, auch die Jesuiten! Unsere Gegner werden jetzt wieder vom „Jesuiten Windthorst" reden. (Heiterkett.) Wir haben ein Vereinsrecht; aber für di- Ordens-Vereine versagt es. Schlimmsten Falls wird die Furcht vor den Sozial-Demokcaten die Jesuiten zurückführen. Windthorst nennt dann das General- facit der Versammlung vortrefflich. Dieselbe sei die großartigste Kundgebung der letzten Jahre, trotz aller skeptischen P.ophezeihungen. Unsere badischen Freunde gehören zum alten katholischen Körper; sie sind nicht isolirt. Sie brauchen nicht muthlos zu sein. Nur Kourage und nie verzagen! Immer sind die Freunde da. Warmes Lob spendet Redner den Schwarzwälder Bauern; er rühmt ihren Menschenverstand und Rechtssinn, als hätten sie zehn Jahre Jura studirt. Ich bitte diese meine Standes- genoffen, die Geschichte des Kulturkampfes zu studiren, vielleicht komme ich dann vor den nächsten Wahlen hochherzige Absichten durch die liberale Kammer-Mehr» heit durchkreuzt wurden. Das katholische Volk ist die festeste Basis einer freiheitlichen Entw ckclung; jeder Volksvertreter muß unbedingt die Volks - Jntereffen vertreten. Das Centrum vertrat wahrlich nicht blos kirchliche Jntereffen. Die Freiheit der Kirche aber ist die Vorbedingung jeder andern Freiheit. Das Centrum hat edele Protestanten mit großen Verdiensten zu Mitgliedern gehabt. Jeder darf zu uns kommen. Redner erwähnt seine tägliche Verbindung mit zahlreichen Protestanten, welche darin übereinstimmen, daß die Parität die Vorbedingung der gesunden Entwickelung des Reiches ist. Das Centrum ist nicht reichsfeindlich; es macht sich freilich der fortgesetzten Uebertretung der national-liberalen Grundsätze schuldig. Auf den katholischen General-Versammlungen ist niemals ein verletzendes Wort gegen Andersgläubige gefallen. Die »Badische Landeszeitung' vermuthet Aengstlichkeit in unseren Reihen. Ich bin gar nicht ängstlich, weder vor der Landeszeitung noch ihren Hintermännern. Ich treffe Letztere in Berlin; es sind dort liebenswürdige Leute, viel zahmer und weniger schlimm als in Karlsruhe, und sie bewilligen alles. Der Antrag auf Schimpffrerhert beweist, daß kein Stoff außer dem Schimpfen vorhanden ist. Unter unfern Zuhöhrern befinden sich Viele, welche nicht zu uns gehören; überall kommen uns Augen und Hände entgegen. Ich möchte am liebsten in Freiburg
fie ja nicht. De» theuern Kinde» Leben weiß fie geborgen und in ficherer Hut; so schaut fie ohne Furcht dem entsetzlichsten Kampf entgegen. Ha, was ist da» ? Täuscht hier ein grauenvolle» Trugbild ?...........„Ihr Götter habt Erbarmen ! Dort.......dort kommt ja Bissula."
Mit verwundert großblickenden Kinderaugen betritt fie den gräßlichen Kampfplatz, schaut fie umher. „Nein, nein, dieß kann nicht Wahrheit, dieß muß ein Schreckzebilde der vom nahen Tod erregten Phantasie sein. Bissula ist gerettet, weilt vor Gefahr gesichert im Hause de» edlen Freunde»; er gab sein Ritterwort I Ein Blick auf ihn wird süßen Trost bestätigen, wird die Vision in ein Nicht« zerrinnen lassen." Ste schaut empor, fie sucht de« Freundes Auge. Wehe, Ausoniu« hat sein Angesicht verhüllt! So ist'da» Schreckliche doch wahr! Sie schwantt. Die Sinne wollen ihr entschwinden. Da öffnet sich auf» Neue ein eiserner Behälter, und seine furchtbare Gefangene, eine braune Bärin, stürzt ihrem Kmd entgegen. Der Anblick gibt ihr neue Kraft, die eigene Gefahr vergessend, will sie zu ihrem Liebling hin. Sie eilt........Entsetzen! Im nächsten Augen«