Einzelbild herunterladen
 

JV 206. Freitag, den 7. September. 1888

fxliitr K Jtilng.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint t »glich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf-, auswärts 1 M 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

35. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

* Freiburg, 4. September.

IV.

Die zweite öffentliche Generalver­sammlung, welche heute Nachmittag halb 6 Uhr begann, war noch zahlreicher besucht al« gestern. Der Untere Theil de« Saale« war bi« zum Er­drücken voll, die geräumigen Galerien von Damen besetzt. Auch die Anzahl der anwesenden Damen zählt nach Hunderten.

Der erste Redner, der hochw. AbtDr. Sauter von Emau« spricht über da« Ordenswesen. Die Klosterfrage sei durch Entfernung der Ordensleute nicht aus der Welt geschafft, Gott laste den inte- grirenden Theil seiner Kirche nicht untergehen. Die Orden seien nicht nur die Erfüllung des Evangeliums, sondern auch eine Quelle höchsten Segen« für die Gesellschaft. In ihnen werde gegen die Macht de« verheerenden Laster« ein Gegen­gewicht gebildet. In einer Zeit, in wacher der Hochmuth in den Masten sich aufbäume und die Vernichtung jeder legitimen Autorität drohe, sei e« nicht übei flüssig, heroische Vorbilder de« Ge­horsam« zu geben. Redner verbreitet sich dann in von Begeisterung durchglühten Worten über die segensreiche Thätigkeit der Orden für Staat und Kirche und sagt, daß sie alle ihre Aufgaben nicht um eine» Lohnes oder Ruhmes willen, sondern au« Liebe zu Gott und dem Nächsten erfüllen. Gebe man der Kirche die religiösen Orden zur Seite, und man wird eine Armee der Ruhe und de« Frieden« haben, viel mächtiger al« Gesetz und Bajonette. Die vermeintlichen Gefahren für den Staat würden ganz anderswo aurgebreitet als in den Klöstern. Die Orden feien schon deßhalb nicht staats gefährlich, weil das Volk sie liebt. Redner schließt: Aber wozu werfe ich mich zum Anwalt der religiösen Orden aus? Tretet ihr hervor, ihr Helden der evangelischen Vollkommen­heit, die ihr eure Spuren in der Laufbahn der Jahrhunderte zurückgelasten habt. Du heiliger Augustinus, Thomas, Vincenz und Benediktus. Wer hat mehr für die Christiamsirung Europa« gethan als er? Auch in Baden lagen zahlreiche Abteien feines Ordens. Atzt sind sie ihrem Zwecke entzogen, zum Theil in Trümmer verfallen. Es ist mir aber, al« hörte ich die Stimme Gottes^.

Dir Tochter des Atamnmoköoigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(13. Fortsetzung.)

Mehr und mehr belebten sich die langgestreckten Reihen der oberen Sitze, bis in dem ganzen Innern der gewaltigen Raumes sich Kopf an Kopf zu drängen schien. Welch' ein Getümmel, welches Lärmen und Toben! Mit welcher Ungeduld er­wartete das schaulustige Volk die Ankunft des Kaisers! Endlich erschallte von den Zinnen der Galerie der jubelnde Ruf: „Sie kommen!" Zu­gleich ertönte kriegerische Musik von ferne her. Die Fanfarenklänge gingen unter in dem tobenden Jauchzen der seit Tagesanbruch harrenden Menge, das erst verstummte, als die Horn- und Tuba­bläser ihren Einzug hielten. Unmittelbar nach dem Mufikchor folgte die kaiserliche Leibgarde in gold- schimmernder Rüstung, ihnen nach schritten, ihres hohen Ranges wohl bewußt, die Ritter und Sena- toren in weißen purpurgeränderten Togen, dann erschien der Hof mit glänzendem G.p.änge. Den ersten Würdenträgern des Staates wurden die Abzeichen ihres Amtes von den Lektoren feierlich vorangetragen, und die Pracht ihrer Gewänder, die vornehme Gemesienheit ihrer Haltung und

„Glaubst Du, daß diese Gebeine leben werden?" Schon scheint e« in der That, al« ob mildere Lüfte uns umspielen, gebe Gott daß die religiösen Orden wiederkehren, sie sind ein Segen für das Land, die Gott und die Menschen in Liebe umfassen. Der Eindruck dieser zündenden Reoe war groß­artig.

Nächster Redner ist der schweizerische National­rath Dr. Decurtins aus Trous in Graubünden. Derselbe, von lebhaftem Beifall begrüßt, spricht über die internationale Fabrikgesetzgebung. Wenn ich einige Worte über die Frage des Arbeiter­schutzes — führt Redner aus — spreche, so spreche ich als Christ zu Christen. Im vorigen Jahrhun­dert hat eine atomisirende Philosophie auf die wirthschaftlichen Verhältnisse den Grundsatz des freien Geschehenlassens angewandt, aber diese Theorie, der die Liebe und jegliches ethische Mo­ment fthlt, hat nur zum brutalen Kampfe um’« Dasein geführt, in welchem der Schwächere von dem Stärkeren zu Boden getreten wird. Die trü­gerischen Hoffnungen der Apostel der Freiheit haben sich in keiner Weise erfüllt. Im Jahre 1848 hat Frhr. v. Ketteler, der fälschlich ein Nachbar Lassalle« genannt worden ist, an der blutigen Leiche Lichnowrky's die Grundsätze aus­gesprochen, die später Gemeingut der katholischen Sozialpolitiker geworden find, und in seinen Pre­digten über Eigenthum und Arbeit hat er seine Grundsätze noch näher ausgeführt, bis er dann fein soziales Programm in der herrlichen Rede auf der Liebfrauenkanzel darlegte. Er verlangte: Verbot der Kinderarbeit, Beschränk­ung der Frauenarbeit, einen Maximal« arbettstag, Heiligung des Sonntags, sowie Versorgung der Invaliden und Arbeitslosen. Er bezeichnete es als eine wuche­rische Staatswirthschaft, wenn man Kinder an die Maschine kette und ihnen so die Jugend nehme, die jugendlichen Spiele, die für das Kind so noth- wendig find, wie das Licht für die Knospen, wenn sie sich zur Blume entfalten soll. (Lebhafter Bei­fall.) Er wünschte ferner, daß die verheirathete Frau nicht aus dem Hause herausgeriffen und zur Fabrikarbeit verwendet werde. Es ist ein Zeichen einer sinkenden Kultur, wenn Mann und Frau dieselbe Arbeit verrichten. Man klagt über den Verfall de« Familienlebens und entzieht den Kindern die Mutter, dem Heerd die Frau. Die

jede ihrer Bewegungen war darauf berechnet, tiefe Ehrfurcht für die Vertreter der obersten Gewalt einzuflößen.

„Heil Valentinian, unserem Beglücker!" so brauste es vieltausendstimmig mit unendlichem Jubel durch da« gewaltige Rundgebäude, denn die hohe Gestalt des Kaiser« betrat eben da« Podium, ihm zur Seite schritten seine ersten Minister: der Präfektu« Prätorio und der Quästor — sein finsterer Dämon und sein guter Geniu«. Da« Amt de« Quästors, des eigentlichen Reichskanzler«, bekleidete feit einigen Tagen unser edler Freund Ausontur. Die Pflichten dieser neuen Würde gestatteten es ihm, zugleich auch gewissenhafter Erzieher des kaiserlichen Prinzen und Professor der Beredtsam- keit zu sein. Valentinian hatte seinem hochge­schätzten Freunde diese Ehrenstelle verliehen, weil er unter dem Drucke eines nicht ganz unbewußten Unrechtes fühlte, daß er demselben Ersitz schulde für die Versagung seines heißen Wunsches. Wenn er jedoch glaubte, durch die hohe Beförderung einen solchen Eirflaß auf die Empfindungen des edel- mülhigen Manne» ausgeübt zu haben, daß dieser sich mit guter Miene in da« Unabänderliche füge, ja sogar zum Zeichen de« Einverständnisse« ihn zu den Festspielen begleite, so täuschte er sich. Was

Frau darf keine Fabriksklavin werden. Herr v. Ketteler verlangt ferner, daß mit der Arbeits­kraft nicht gewuchert, sondern dieselbe durch einen Maximalarbeitstag geschützt werde. Bereits haben drei Staaten diese Arbeitsgrenze eingeführt, u. A. auch die Schweiz, und wir stehen auf dem Welt­markts noch ebenso da wie früher, vielleichtbesser. Die Forderung der Sonntagsheiligung ist einfach ein Gebot Gotter. Wenn nun auch in verschiedenen Staaten schon Manche« für den Arbeiterschutz ge­schehen ist, so gibt e« leider noch katholische Län­der, wo Kinder, Frauen und Männer bi« zu 14 Stunden täglich und selbst an Sonntagen in den Bergwerken arbeiten. (Pfui-Rufe.) Freilich, an dem Tage, wo wir wieder wahre Katholiken find, wird dem Herrgott der Tag nicht mehr gestohlen werden, den er fich vorbehalten hat. (Lebhafter Beifall.) Der schweizerische Bundesrath hat an alle europäischen Mächte die Anfrage gestellt, ob ste geneigt wären, ein internationales Arbeiterrecht zu schaffen. Dieser Forderung kann man nur beistim­men. Wenn es im Mittelalter der Kirche gelun­gen, einen Goltesfrieden zu schaffen, so wird e» in der heutigen Zeit wohl auch gelingen, den sozialen Frieden wieder herzustellen. (Lebhafter Beifall.)

Herr Pfarrer von Och, bischöflicher Kommissar von Karns in Unterwalden in der Schweiz, spricht über die Presse. Er schildert zunächst unser papierenes Zeitalter in launiger Weise. Millionen von Centnern Papier würden jährlich verbraucht, für Zeitungen und Bücher, für Papierwäsche, Papiergeld und Cigaretten. Papierwäsche brauchten wir, um unsere Blöße zu bedecken, Papiergeld sei nur der Schein eines Werths und die Cigaretten deuteten an, wie schnell der ganze Schwindel zu Staub und Asche werde. (Große Heiterkeit.) Wie soll man für das katholische Volk schreiben? Wie Alban Stolz, man soll nicht für da» Volk schrei­ben, sondern aus dem Herzen des Volkes heraus. Die Schriftsteller müssen den lehrhaften, hoch- müthigen, einfältigen Philosophenmantel und den Luxus der Fremdwörter ablegen. (Lebhafter Bei­fall.) Redner verbreitet sich des Weiteren über die schlechte Presse und wünscht, daß die katholische Presse sich dem gegenüber durch Ruhe, Sachlich- teitfUnb Korrektheit auszeichnen möge. (Lebhafter

Professor Dr. Keppler aus Tübingen ver-

Aufonius an die Seite feines Imperator» zu diesem Schreckenrorte führte, war nicht demüthige, kriechende Unterwürfigkeit, viel weniger aber war e» grausame Schaulust; nur warme, innige Theil- nahme für da» Schicksal der armen Opfer, der verzehrende Wunsch, noch heute vielleicht im ent­scheidenden Momente etwa» zu ihrem Heile thun zu können, hatte den Dichter auf den schaurigen Kampfplatz getrieben. Mit fieberhafter Ungeduld hatten er und feine Angehörigen von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde auf die Rückkehr de» Bischof« gewartet, vergeben»! — Wie lange hatten ste heute, nicht müde zu hoffen, Mmute um Mi­nute gezählt! Al» aber der Zug nach der Arena stch in Bewegung fetzte, da legte Ausoniu» eiligst seine Festgewänder an; e» litt ihn nicht müssig zu Hause mit den folternden Qualen der Unge­wißheit. War e» ihm doch, al« ob seine bloße Gegenwart einen günstigen Einfluß auf da« Ge­schick der Verurtheilten ausüben könne; denn was das Menschenherz mit glühender Sehnsucht wünscht, vas hofft es auch. Da er selbst das Vertrauen noch nicht ganz aufgegeben hatte, die kleine Biffula und die übrigen edeln Alamannen zu retten, fo hätte er, selbst wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, mit Swanahild zu reden, es nicht vermocht,