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Donnerstag, den 6. September.

1888

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Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M 75 Pf.

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35. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

* Freiburg, 3. September.

III.

(Fortsetzung des Berichts über die erste öffentliche Generalversammlung.)

Erzbischof Dr. Roos (Freiburg) besteigt von lebhaftem Beifall begrüßt, sie Rednertribüne. Ich ertheile den erbetenen bischöflichen Segen um so freudiger, als der heilige Vater selbst im Geiste diese Versammlung gesegnet hat, als er die deutschen Katholiken aufs Dringendste ermahnte, an der Freiburger Generalversammlung sich zahlreich zu betheiligen. Ich muß anerkennen, daß diese Ein­ladung eine ungewöhnliche Form ist und meines Wissens der gegenwärtigen Generalversammlung l zum ersten Male zu theil geworden ist. Gewiß werden Sie dem h. Vater dafür Alle Dank wissen. Es ist ein herrliches Werk, wenn katholische Männer aus allen Gauen Deutschlands hier zusammen kommen, einig im Glauben, um sich gegenseitig zu erwärmen, zu beleben und zu kräftigen. Es zeigt sich hier wieder der universelle Charakter der katholischen Kirche, ein Pulsschlag der Geister, der ausgeht vom Herzen Gottes. Wir aber dürfen diesen einheitlichen Glauben nicht in unseres Herzens Kämmerlein verschließen, sondern müssen ihn hin- austragcn ins öffentliche Leben. Und so hoffe ich auch, daß ihre Berathungen und Beschlüsse die Wirkungen dieses Glaubens zeigen und der ge- । sammten Gesellschaft nutzen werden. Es läßt sich nicht leugnen, daß der religiöse Glaube, diese Grund­lage des Menschen- und Völkerglückes, vom Geiste der Unglaubens und des Materialismus, der Selbstsucht und der Auflehnung überall untergraben und zurückgedrängt wird. Da ist es ein wahres Glück für die Gesellschaft, daß katholische Männer das Licht des Glaubens in die O ffentlichkeit hinaus- tragen. So ist ihr Werk ein großes Ergebniß vor Gott und auch den Menschen, und damit Gott sie leite und alles zum Heile, der mensch­lichen Gesellschaft vor sich geht, ertheile ich Ihnen den bischöflichen Segen. Die Versammlung empfängt knieend den Segen des Erzbischofs.

Pfarrer Dr. Arenhold-Auheim spricht über die Secundizfeier des Papstes und ihre Bedeutung für die Kirch». Redner verbreitet sich zunächst über die Bedeutung des Papstthums. Die Sccundiz-

Die Tochter des AlonmnAnkMigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(12. Fortsetzung.)

Müde und hoffnungslos ging Aufonius nach Haufe. Hier traf er neben den ©einigen auch Hieronymus, feinen geistvollen Schüler, lieber den unglücklichen Verlauf Cer Tribunalsverhandlungen waren alle bereits unterrichtet, und da der Dichter den edlen liebenswürdigen Jüngling, der ihm vor kurzer Zeit zum ersten Male begegnet, schon wie ein Mitglied seiner eigenen Familie betrachtete, so machte er auch vor ihm kein Hehl seines Kum­mers und seiner Theilnadme für die Unglücklichen. Er erzählte von seinem Mißerfolg bei dem Kaiser, von dessen grausamem Beschluß, auch B ffula und einen Theil der Alamannen zu morden, und be­klagte schmerzlich, daß Bonosus, der einzige Mann, der hier noch helfen könne, von Treveris abwesend sei. Hieronymus war tief ergriffen.

„Wenn die Aermstm Bekenner unseres heiligen Glaubens wären und diesen in der Arena mit ihrem Blute besiegeln müßten, so würde ich sie selig preisen," tief er aus. „Als Knabe besuchte ich in Rom an jedem Sonntage die Gräber der R postel und der Märtyrer und stieg in die

feier war ein für die ganze katholische Welt höchst ruhmvolles und großartiges Ereigmß, eine außer­ordentliche Betätigung des Glaubens und Ver­trauens, ein monumentaler Beweis für die Solidari­tät der Katholiken. Redner führt dies näher aus. um mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den gegenwärtigen Papstkönig und Jubelpriester auf dem Stuhl Petri und dem Gelöbniß zu schließen, daß die deutschen Katholiken immerdar für die Rechte des heiligen Stuhles eintreten würden.

Hierauf werden Begrüßung- - Telegramme vor­gelesen vom Bischof von Fulda, Grafen Ballestrem, Abg. Metzner-Breslau und Anderen.

Pater Weiß, mit lebhaftem Beifall begrüßt, besteigt in Dominikaner-Ordenstracht die Tribüne, um die Pflichten des katholischen Mannes in der Gegenwart zu erörtern. Ohne Unglücksprophet zu sein, kann man die heutige Weltlage mit der vor hundert Jahren vergleichen. Wie vor dem Aus­bruche der französischen Revolution wird heute einem französischen Blatte zufolge von den Bänkel­sängern in den Schenken ein Gedicht gesungen, in welchem dem Adel und der Geistlichkeit das Beil angedroht wird, und Niemand wird leugnen kön­nen, daß auch bei uns die Dinge schlimmer lie­gen, wenn wir auch zum Glück keine französischen Zustände haben. Dem gegenüber brauchen wir ernste, feste, tüchtige Männer, welche jedem Eretg- niß gegenüber Stand halten. Drei Tugenden sind es, die Sie besitzen müssen: Aushalten, Zu­sammenhalten und Haushalten. (BravoI) Wenn die Friedensschalmeien gar so stark tönen, traut man ihnen nicht, und wenn die Füchse vom Frieden reden, dann muß man die Gänse hüten. Gebrannte Kater scheuen auch kaltes Wasser, und nachdem wir das Heiße gekostet, werden wir erst recht das Laue fürchten. (Heiterkeit.) Darum heute erst recht aushalten I Am allerwenigsten wollen wir uns durch die sanfte Friedens flöte auseinanderblasen lassen. Wer Uneinigkeit predigt, ist des Teufels Feldprediger. Um aber zusammenzuhalten, müssen wir gegenseitig Geduld und Bescheidenheit üben. Recht Jeder kann Maler sein, wohl aber Farben reiben. Zum echten ka­tholischen Mann gehört aber auch das Haushal­ten, das heißt: Jeder muß feine Pflicht thun nach allen Seiten. Wenn die katholischen Männer die besten Familienväter, die besten Erzieher, die besten Geschäftsleute sind, dann werden sie auch die besten

Krypten hinab, welche dort im Schooße der Erde ausgehauen sind. Mit welcher Sehnsucht regte sich hier im Dunkel der Katakomben der heiße Wunsch in meiner Seele, auch ich möge dazu berufen sein, als Märtyrer mein Leben hinzugeben I Doch wie anders mögen die Gefühle fein, mit welchen diese Barbaren dem Tode entgegensehen I Der Hetden- glaube vermag ihnen wohl kaum schwachen Trost zu bieten, und darum müssen sie gerettet werden I" tief er feurig. „Valentinian, der christliche Cäsar, darf seinen Namen nicht mit ungerechter Grau­samkeit brandmarken. Gebt mir ein flinkes Roß, in dieser Stunde noch will ich die Stadt verlassen. Ich werde da» ganze Land durchstreifen und mit der Hilfe Gotter den ehrwürdigen Vater Bonosus finden, ehe es zu spät ist. Kurz vor seiner Reise sprach ich ihn, und zum Giück gab er mir An­deutungen, wohin er sich wenden wolle."

„So leuchtet uns noch einmal ein schwacher Hoffnungrstern I" rief AusoniuS freudig. „Gehe mit Gott mein Sohn, möge der Herr Dich führen I"

Kaum eine halbe Stunde später ritt der that- kräftige junge Philosoph in scharfem Trab zur Porta nigra hinaus.

Bürger fein, denn nicht der Mann steht auf dem Bürger, sondern der Bürger steht auf dem Mann. Schwielen an der Hand kleiden besser, als goldene Fingerringe. Sparen ist so gut wie Haushalten, und wie in zeitlichen Dingen, so auch in geistlichen. Der echte Mann soll nicht nur im öffentlichen Leben seine Pflicht thun, sondern auch int Hause als Vorbild der Familie, nicht der Frau da» Beten überlassen, sondern selbst den Rosenkranz zur Hand nehmen und zu den heil. Sakramenten gehen. Wenn dann das bedenkliche Gedächtnißjahr 1889 kommt, braucht nicht, wie Eichendoiff singt, der Herrgott uns durch Noth und Jammer zu Eisen zusammen zu hauen. Wir werden echte katholische und eiserne Männer sein, denen Gott den Sieg verleihen wird. (Bravo.)

Professor Mosler spricht unter wiederholten Beifallsbezeugungen über wahre und falsche Tole­ranz. Das Wort Toleranz habe viel Unheil an­gerichtet, sogar die Maigesetze habe man dadurch zu rechtfertigen gesucht. Auf katholischer Seite sei man stet» tolerant gewesen und habe seit der Re­formation mit der Thatsache gerechnet, daß beide Konfessionen auf einander angewiesen seien im bürgerlichen wie im staatsbürgerlichen Leben. Wie die Katholiken für sich volle Gleichberechtigung verlangen, wollen sie auch Andersgläubigen volles Maß der Gleichberechtigung gewähren. Die wahre Toleranz fei nur da zu finden, wo wahrer Glaube vorhanden fei. Das habe die sogenannte Aufklä­rung am Ende des vorigen Jahrhundert», die mit den Schrecken der Revolution endete, gezeigt. In Mischehen und Sinnlltanschuleu fei Toleranz nicht zu finden; die Toleranz, welche die liberale Pr>. sse verlange, führe nur zum Unglücke.

Al» letzter Redner erhält Herr Prof.ssor Dr. Hardy das Wort, um über den Bonifatius-Ver­ein zu sprechen. Er empfiehlt den Elsaß-Lothrin« gern und Schweizern dringend den Anschluß an die deutsche Organisation de» Bonifatius-Vereins. Leider sei Baden noch immer in der Hinterfront, was sich doch für ein „Musterländle" gar nicht zieme. (Große Heiterkeit.) Zwar befinde sich Baden auf dem Wege der Besserung; indessen sei die Betheiligung am Bonifariur-Verein noch immer zu gering angesichts der katholischen Bevölkerung Badens und angesichts der Thatsache, daß gerade in Baden der Protestantismus so energisch vor­dringe, wie die Statistik der Mischehen und das

Die Festspiele im Amphitheater.

Kopf starrt an Kopf, den Aehren gleich im Feld, Es winkt der Kaiser unter'm Purpurzelt: Schwertkampfer zieh'n in die Arena ein.

Jst's Hohn, ist's Wuih? Zum Cäsar hin sie schrei'»: Morituri te salutant!

Sterbend, Cäsar, grüßen wir!

Frz. St. Muth.

Der heißersehnte Tag jener Festspiele, „die so glücklich die Qualen der Ueberwundenen mit dem Vergnügen der triumphirenden Zuschauer verbin­den" i) sollten, war für die treverische Augusta angebrochen. Kaum hatte der dämmernde Morgen die glänzenden Sterne vom Firmamente verscheucht, so bevölkerten sich alle Wege und Stege im Süd­osten der Stadt. Einheimische und Fremde, Männer und Frauen, Herren und Sklaven geglichen Alter», Alle, welche keine gesicherten Ehrenplätze in dem zwanzigtausend Menschen fassenden Zusyauerraum des Amphitheaters erhoffen Durften, eilten so früh wie möglich dem Festzuge voraus.

Dem prächtigen Kaiserpalaste gegenüber, durch ein grünes, duftiger Labyrinth öff.ntlicher Gärten von ihm getrennt, lag am Fuße de» Marsberge«

’) Incerti Pan. IX. 23,