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J\£ 204. Mittwoch, den 5. September. 1888

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35. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

* Freiburg, 3. September.

II.

Bevor wir über den weiteren Verlauf der Katho» likenversammlung Bericht erstatten, wollen wir zu­nächst noch etwas ausführlicher auf die mit großer Begeisterung aufgenommene Rede Windthorst'S zurückkommen, womit Se. Excellenz die bei der Begrüßungsfeier im Namen des Freiburger Lokal-Komitv's von Herrn Domkapitular Dr. Knecht gehaltene Ansprache als „Aeltester der Gäste" er­widerte. Er habe 1832 Freiburg zum ersten Male gesehen, al» er mit dem Ränzel auf dem Rücken und dem Ziegenhainer in der Hand das Land durchzog. Seitdem sei ihm die Stadt in ihrer Schönheit unvergessen geblieben. Außer der schönen Natur gebe aber auch die Geschichte, so­wie die Stellung in der Gegenwart Freiburg eine besondere Bedeutung. Sie hat durch ihre Lage den ganz besonderen Beruf, mit einzutreten für die katholischen Interessen des Landes und Reicher. Man möge sich in dieser Stadt in diesen Tagen ein wenig fragen, ob diese Pflicht immer erfüllt worden ist. (Zustimmung.) Ich verneine es nicht, aber es wird mir angenehm sein, wenn ein An­derer es motivirt mit Ja beantwortet. Im Mit­telalter wurde hier von Bernhard v. Clairvaux der Kreuzzug gepredigt, nicht ohne Erfolg. Wir haben nun in der Preße unserer Gegner allerlei Andeutungen gefunden, als ob auch wir hierher gekommen seien, um den Kreuzzug zu predigen. Emen Kreuzzug im Sinne Bernhard'» wollen wir ganz bestimmt nicht (Heiterkeit und Zustimmung.) Wir kommen her als Männer de« Friedens für Jedermann, auch für unsere Gegner, aber wir kommen, um stolz erhobenen Hauptes auch in die­sen Gauen und an dieser Stelle unseren Glauben vor Jedermann laut und bestimmt zu bekunden. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Wir wollen be­kennen, daß wir römisch-katholische Christen sind, fest und unverrückt zum heil. Stuhle stehen, ihn vertheidigen gegen Jedermann. Wir wollen das nicht thun mit Zittern und Zagen und einem ge- wissen ängstlichen Umschauen, das auch übel genom­men wird, sondern wir thun es offenen Vistrs, stolzen Hauptes, und wollen sehen, wer es wagt,

Du Sechter des AlmMAnköiigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(11. Fortsetzung.)

Eine schwüle Pause entstand nach diesem Aus­spruch. Da trat leuchtenden Auges AusoniuS vor und rief:

„Gestatte mir, o mein Gebieter, daß ich für die Heldenkönigin, die ich einst sah im Schlachtgewühle kämpfend und befehlend wie eine zweite Pallas ein Wort der Vertheidigung spreche."

Sichtlich erfreute ertheilte Valentinian ihm Ge­währung seiner Bitte.

In ergreifendster Weise schilderte nun der Red­ner da« tragische Geschick und die daran« hervor­gegangene verzweiflungsvolle Seelenstimmung der gefangenen Königin und sprach die feste Ueberzeu- gung au«, daß sie ohne Ueberlegung nur in der 'Aufregung des Augenblicke« jene Worte gesprochen und sich zu jener raschen That habe hinreißen lasten, um derenwillen ste al« Verbrecherin hier vor den Schranken stehe. Alle«, was Ausoniu» Glänzendes in der Beredsamkeit geleistet, kam an Tiefe des Gefühl», an Kraft der Sprache seiner heutigen VertheidigungSrede nicht gleich. Der Vor­trag war nicht kunstvoll ausgearbeitet, doch er er­schütterte die Hörer. AusoniuS bot einfach da«,

un« wegen diese« Bekenntniffe« anzugreifen. (Leb­hafter anhaltender Beifall.) Wir wollen die« aber auch dadurch bethätigen, daß wir auch unsere Geg­ner al« Brüder anerkennen, die wir mit Nächsten­liebe zu behandeln haben. (Beifall) Wir fordern Niemand heraus, es gibt keine kräftigeren Vertre­ter des Grundsatzes der Religionrfreiheit al» die Katholiken und die Männer de« Centrums in Ber­lin. (Lebhafter Beifall.) Das werden wir auch ferner thun, selbst wenn wir dafür keinen Dank ernten. Aber die Zeit wird schon kommen, wo uns der Dank zufällt. Das mögen Hohe und Niedere alle bedenken. Aber was wir für uns verlangen, verlangen wir auch für alle Anderen. Gerade zur jetzigen Zeit tagen und tagten andere Versammlungen mit anderen Anschauungen. Wir haben nicht den Beruf, was dort vorkommt, in irgend einer Weise zu bemängeln. Wir werden freilich uns auch nicht bemühen, Paragraphen des Gesetzes aufzuheben, welche das Schimpfen auf Andere verbieten. (Heiterkeit und Beifall.) Wir werden alle derartigen Bemühungen dadurch beant­worten, daß wir überhaupt nicht schimpfen. (Leb­hafter Beifall.) Ich könnte auch sagen, dar Gesetz soll weg, weil wir kein« brauchen, weil wir nicht nur nicht schimpfen, sondern auch, weil e« un« gleichgiltig sein kann, ob Leute dieser Sorte schimpfen. (Lebhafter Beifall.) Wir werden weder heute noch zu anderer Stunde ein böse« Wort über unsere Mitbürger sprechen. Wir werden auch Alle« der O<ffmtlichkeft übergeben und stets mit offenem Visir kämpfen. Der Kreuzzug, den wir predigen, ist nicht», al« daß wir vor Jedermann klarstellen wollen, war wir wollen und wollen müsten und war wir zu wollen da« Recht haben. Wir wollen unter keinen Umständen blo« geduldet sein, wir wollen von der Gnade Niemande« leben, aber wir wollen unser Recht voll und ganz. E« sollen an­dere Leute nicht behaupten, sie seien liberal, die un« diese« Recht verkümmern. (Beifall.) Man hat gesagt, wir wären nicht liberal; wir wollten Alle« da«, was der deutschen Nation heilig und lieb sei, verneinen. Lauter Verleumdungen! Ich bin bereit, mit Jedem sich liberal nennenden öffent­lich eine Diskussion darüber zu führen, daß nur wir eigentlich liberal sind (Lebhafter Beifall), und daß die sich als liberal Hinstellenden uns nur al» Heloten behandeln wollen. Man hat gesagt, wir

wa« aus der Tiefe feiner Seele quoll, und die Sprache des Herzens drang wieder zu den Herzen. In der sonst so gefühllosen Menge sah man Thrä- nen des Mitleids und manch' Einer, der seine weichen Regungen nicht zur Schau trug, wünschte tief im Innern, daß die Königin gerettet werde. Auch der Kaiser schien ergriffen. Als der Redner geendet, verhandelte der Imperator leise lange und eindringlich mit Moximinus, dann wandte er sich mit gütigem Ausdruck an Swanahild:

„Zwar darf ich, hohe Frau, wie gern ich'» thäte, von Schuld und Strafe Dick nicht frei­sprechen, hingegen soll für Strenge Milde walten. Das rasche Wort, das Du im Zorne wider mich gesagt, will ich nicht achten. Für Deine hochoer- rätherische That an Moximin hast Du den Tod zehnfach verdient, doch dankst Du es der feurigen Vertheidigung unseres AusoniuS, daß selbst der Prätor Versöhnung bietend Dir die Hand entgegen­streckt. Das Leben sei au« Gnade Dir geschenkt, wenn Du die meuchlerische That bereuest." Er beugte sich zu ihr nieder und sprach leise, so daß nur sie und Mox'minus seine Worte hören konn­ten: „Und wenn Du Deine R ue darin zeigst, daß Du einroHiufl, heute noch die Gattin de« er­lauchten Maximin zu werden."

„Du verlangst Unmögliche«. Da« kann ich nicht;

seien hierher gekommen, um in die badischen Ver- hältniffe einzugreifen. Da« ist un« gar nicht ein- gefallen. Wir überlassen jedem Volksstamme die Arbeit für sich selbst und ich kann die Herren nur auffordern, recht gründlich und nachhaltig an die Arbeit zu gehen. E« ist mir manchmal vorgekom­men, als ob cs sich hier in dem schönen Lande recht gut leben läßt, so daß man lieber den Kampf meidet, und das nicht erobert, worauf man ein Recht hat. Wir bestärken uns in unserem Ge­fühle der Gemeinsamkeit und ziehen aus unserem Zusammenschluffe die Kraft, welche den Herren, die un« isolirt abschlachten möchten, unangenehm ist. Wir gehören einer großen Armee an; eine solche aber muß richtig eimxerzirt und mit den besten Waffen versehen sein. Insofern werden wir also un« mit badischen Angelegenheiten beschäftigen, aber da« ganz speziell zu thun, dazu haben wir keine Veranlassung. Man wird uns wohl noch erlauben, zu sagen, daß nach unserer ganzen un­maßgeblichen Ansicht das Ländchen Baden nicht untergehen würde, wenn auch die Mönche zurück- kehrten. (Stürmischer Beifall.) Wir wollen unsere Sache unter uns verhandeln, ohne offensive Ge­sinnung. Ich habe nun genug gesagt, was wir hier wollen. Jntbesondere wollen wir uns auch beschäftigen mit der Lage unseres heil. Vaters. Wenn die Kinder zusammenkommen und des Vater» Bedrängniß sehen, dann ist es ihre erste Pflicht, zu Überlegen, wie dieser Bedrängniß entgegenzu­treten ist. Diese Pflicht haben wir um so mehr, als wir sehen, wie unsere Oberhirten in Fulda die Bedrängniß de« heil. Vaters erkannt und be­zeichnet haben, und ihrem Ausspruch treten wir alle bei. (Lebhafter Beifall.) Wir werden uns die folgenden Tage noch etwas näher mit der Ma­terie beschäftigen. Es ist mir vorgekommen, als ob man un« ganz besondere Absichten zugemuthet hat, die haben wir gar nicht, wir sind mit unseren Mitbürgern die besten Freunde, aber unser Recht wollen wir haben. (Lebhafter, anhaltender Beifall.)

Die erste öffentliche Generalversammlung, welche heute Abend 5^ Uhr eröffnet wurde, war von mehreren Tausend Theilnehmern besucht. Der untere Theil des Festsaale«, der für da« männ­liche Publikum reservirt war, war überfüllt, die für die Damen bestimmten Tribünen dicht besetzt. Der hochwürdigste Erzbischof von Freiburg, Dr.

e« widerstreitet meiner Ehre und der Treue gegen den gefallenen Gemahl!" rief Swanahild in edeler Entrüstung.

„Dann darf ich nicht« mehr zu Deiner Rettung thun," sagte der Cäsar unmuthig. Maximinu« aber schrie heiser vor Zorn: „So mögen Dich die Bären Deiner heimischen Wälder in der Arena vor dem Volke zerreißen!"

Der Beamte, welcher da« Urtheil niederzuschrei­ben hatte, blickte zögernd zum Kaiser aus. und dieser bestätigte mit düsterem Kopfneigen den Toderspruch.

So war dar gräßliche Geschick der Alamannen­königin entschieden, e« blieb ihr weder Wahl noch Zweifel übrig, al« sie jetzt gefesselt und in bewaff­neter Begleitung nach dem Kerker zurückgebracht wurde. Nicht der Gedanke an den Tod war es, der diese starke Frau erbeben machte, sie sehnte ja die Stunde der Befreiung herbei, und sie beschloß zu sterben, wie sie gelebt, al» Heldin tapfer und muthig; e« war ein anderer schwerer Kummer, der sie zilternd bangen ließ, die Sorge um da» Loo« de« theuern Kinde«. Man hatte Bissula von ihr getrennt, und sie hatte die Kleine seit jenem Ungluckrtage im Plätorium nicht wieoer gesehen. Wa» mockte der Unhold mit dem Kinde beschlossen haben, sollte e« da» grausame Geschick der Mut­ter theilen, oder war das alamannische Königskind