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J\g 203.

Dienstag, den 4. September.

Fulimr W >ifnng.

1888

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35. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

* Freiburg, 3. September.

I.

In Freiburg, dieser Perle unsere» lieben deut­schen Vaterlandes, mag man die von ihrem wunder« baren Dome überragte freundliche Stadt oder die üppige von nahen und fernen Bergen umsäumte Landschaft in» Auge soffen, in Freiburg, dieser an Freud und Leid von Jahrhunderten so er­innerung-reichen herrlich schönen Hauptstadt de» Breisgau», die einen Max von Schenkendoiff zu hohem Lobe in feurigen tVersen begeisterte, in Freiburg, «da» mit seiner Universität Jahrhunderte hindurch eine Pflegstätte deutscher und katholischer Wiffenschast war und auch sitzt noch zum Theil dieser Aufgabe dient, wenn die alma mater auch zu einem großen Theil ihre» stiftungsmäßig m katholischen Charakters entkleidet ist, in Freiburg, wohin in unserem Jahrhundert der Metropolitan­sitz der oberrheinischen Kirchenprovinz transferirt .worden ist und damit an den Namen des Erz­bischof» Hermann v. Vicari und de» Weihbischofs Kapitelvikar Lothar von Kübel die Erinnerung an schwere und doch für ganz Deutschland so segens­reiche kirchliche Kämpfe sich knüvft, in welchen Geistliche und Laien de» badischen Lande», wie Alban Stolz, Andlaw, Buß, Z-ll, Roßhirt und viele andere sich einen in ganz Deutschland ver­ehrten Namen schafften — in Freiburg findet gegenwärtig zum dritten Male während der vierzig Jahre ihres Bestehens die Generalver­sammlung der Katholiken Deutschland« statt. Es tagten nämlich die elfte Generalversammlung im Jahre 1859 und die dreiundzwanzigste Generalversammlung im Jahre 1875 ebenfalls in der Hauptstadt der Breisgaucs, erstere unter dem Präsidium des Reichsgrafen Clemens von Brandi», letztere von dem Frhrn. Fran; v. Ramboldt ge­leitet. Nicht bloß au» allen Gauen des deutschen Reiches, sondern so weit die deutsche Zunge klingt, sind die Pilger nach der alten Hauptstadt de» edlen Fürstengeschlechts der Zähringer gekommen, und wer unter den Katholiken der Sehnsucht seines Herzens nach der persönlichen Theilnahme entsagen mußte, weilt in diesen Tagen mit Geist und Gc- müth in Freiburg, begleitet den Gang der General­versammlung mit seinen herzlichsten Wünschen und

Nie Sichter »es Akmmllkimigs.

Historisch« Roman von Antonie Haupt.

(10. Fortsetzung.)

So wurden Hunderte von unglücklichen Men­schen von der Willkür de» Tyrannen gerichtet, ohne daß sich ein Anwalt zu ihrem Schutze ge­funden hätte, denn im Gesitzbuche Maximin's fand sich eine Stelle, welche lautete: „Alle Diejenigen, welche sich einfallen lassen, für die Verbrecher Ver­zeihung zu erbitten, sollen selbst mit öffentlicher und beständiger Schande gebrandmarkt werden." Mit getheilten Empfindungen wohnte die Menge den Gerichtsverhandlungen bei. Obgleich der Schrecken vor der Grausamkeit des Prälors ein allgemeiner stets wachsender war, so freuten sich dennoch Viele, ja die Meisten heute über seine Strenge; in froh erregtem Ton besprach man die Großartigkeit der in Aufsicht stehenden blutigen Festspiele. Nur die Christen empfanden warme, innige Theilnahme für die Verurtheilten; diese armen Opfer waren keine Jünger de» Gekreuzigten und mußten alle ohne den beseligenden Glauben, ohne die Hoffnung auf ewigen Lohn ihrem gräß­lichen Geschick anheimfallen.

Gebeten, begeistert sich mit an den Reden und Entschließungen und begleitet sie mit dem ernst­lichen Willen, genau im Sinne der Anwesenden fest und opferfreudig mit eintreten zu wollen für unsere heilige katholische Sache und Alle», wa» sie von un» fordern könnte!

Freiburg hat zum Empfange seiner vielen Gäste ein Festgewand angelegt; auf allen Straßen be­merkt man einen reichen Fahnenschmuck, besonders auf der Kaiserstraße, der Hauptstraße Freiburgs. Aber dieses Schmucks bedarf es nicht, um Frei« bürg zu zieren; die „Königin des Breisgaues" ist mit Schönheit so reich gesegnet, daß sie auch ohne die künstlichen Zulhaten von Fahnen, Guir- landen u. s. w. auf jeden Fremden einen be­rückenden Eindruck macht. Die Kunst- und Festhalle am Karlsplatz, in welcher die Ver­sammlungen stattfinden, wirkt im Innern geradezu großartig. Die dunkelrothe Farbe der Wände vereinigt sich mit den braunen Holzpfeilern und dem braunen Getäfel der Decke zu einem stimmungs­vollen Ganzen; von der Decke aus fällt da» Licht durch gemalte Scheiben in den Saal. Der ge­waltige Saal ist ring» von breiten, durch Säulen getragene Gallerten umlaufen. Die eine der schmäleren Setten schließt eine um etwa 6 Fuß erhöhte, sehr geräumige Empore ab, welche vom Saale noch durch eine Ballustrade geschieden ist. In der Mitte dieser Gallerte steht die Redner­tribüne mit rother Umkleidung. Zwei Treppen mit weißgelben Festons umwunden, führen zu ihr hinauf. Den Hinteren Abschluß des Chors bildet ein dreitheiliger Aufbau, in dem sich Malerei und grünes Laubgewinde zu harmonischer Wirkung vereinen. Pflanzengruppen stehen zu beiden Seiten. Dann folgen die überlebensgroßen Bildniffe der Apostel Petrus und Paulus, über welche sich ein mächtiges Wappen der Erzdiözese Freiburg breitet. Die Mitte oieser Dekorationen trägt die Ziffer XXXV, umschlungen von einem Jnschrfftenbande mit der Aufschrift: „Ut omnes Unum eint.“ (Joh. 17, 21.)

Bis gestern Abend waren zur Theilnahme an der Katholikenversammlung schon über 1000 Mit­glieder anwesend. Die geräumigen Säle de» k at h o- lischen Vereinshauses waren schon zwei Stunden vor Beginn der Begrüßungsfeier über­füllt. Dieselbe nahm einen glänzenden Verlauf. Graf Raban von Heimstatt und Domkoptular

Die lebhaften Reden, der allgemeine Lärm ver­stummte plötzlich, denn die wohlbekannten Trompeten­stöße erklangen, welche da» Nahen de» Kaisers ankündigten. Umgeben von seinem Hofstaate mit großem Pomp und Gepränge betrat der Imperator die Basilika. Der langfalttge, goldgestickte Purpur- mantel umwallte seine hochragende majestätische Gestalt, und der Lorbeerkranz krönte sein gewaltige» Haupt; jedoch die Stirne des Herrscher» war sorgen- schwer gesenkt, und sein sonst so stegesfroh strahlendes Auge suchte ernst den Boden. Wie im trübem Sinnen stieg er die Marmorstufen zu dem Tribunal empor und nahm den Thron des Richters ein, während der Prätor in ehrfurchtsvollem Schweigen fich eine Stufe tiefer' zu seiner Rechten stellte und die Würdenträger des Hofes einen Halbkreis um ihn blldeten.

Ein Wink des Herrscher» — aus der angren­zenden Nebenhalle geleiteten die Viktoren jetzt eine hohe Frau von solchem Adel und solcher Erhaben­heit im Wesen und Auftreten vor den kaiserlichen Thron, daß ein bewunderndes Flüstern von Lippe zu Lippe durch da» ganze weite Gebäude ging.

„Ihr Götter, ist dies sonnenhaarige Weib, in Gang und Haltung eine zweite Juno, nicht Swana- hlld, die Königin der Alamannen?"

Knecht begrüßten Namen» des Lokal-Komitö's die Versammlung, insbesondere Excellenz Dr.Windt- horst, welcher mit stürmischem Jubel empfangen wurde. Excellenz Dr. Windthorst dankte, indem er sagte, die Freiburger Versammlung solle keinen neuen Kreuzzug predigen, wie die Gegner sagten, sondern ste wolle den katholischen Glauben beken­nen und bethätigen. Wir fordern, so sagt die kleine Excellenz, unser Recht stolzen Hauptes, nicht ängstlich umherschauend. Wir wollen in spezifisch badische Verhältniffe nicht eingreifen, aber wir dürfen deshalb wohl sagen, daß Baden nicht un­tergehe, wenn die Orden zurückkehren. Insbe­sondere wollen wir dem Protest der Fuldaer Bischofs-Konferenz beitreten. Stürmischer Beifall begleitete Windthorst'» Rede auf die wir noch zurückkommen. Herr Dr. Lingenr-Aachen brachte ein jubelnd aufgenommcnes Hoch auf den hl. Vater aus. Andere Redner überbrachten Grüße au» allen deutschen Gauen, darunter Landwirth Blum von Crefeld Grüße rheinischer Bauern.

Heute (Montag) Morgen 8 Uhr fand im Dom zur Anrufung des heil. Geistes ein Pontifikalamt statt, zu welchem die katholischen Studenten-Ver- bindungen eine glänzende Anfahrt mit Fahnen veranstalteten. Um */zl0Uhr begann in der Fest­halle am Karlsplatz die erste geschloffene Generalversammlung; dieselbe wurde eröffnet von Herrn Domkapitular Knecht, welcher in seiner ein­leitenden Rede die große Bedeutung der Freibur­ger Versammlung darlegte. Zum Präsiden­ten wurde Rechtsanwalt Eduard Mül­ler aus Koblenz, zu Ehrenpräfidenten Dr. Windthorst, Freihr. v. Franckenstein (mit einem Scherzwort als die kleine und die großr Excellenz bezeichnet), sowie Freihr. Fedx v. Loo gewählt. Zu Vicepräsidenten: Bankoirektor Probst aus Stuttgart und Landgerichts - Rath Senestrey aus München. Zu Schriftführern: Karcher und Kopf (Freiburg), Bachem-Köln und Fösser- Frankfurt. Heute Abend werden spreche!.: Erz­bischof Roos, Pfarrer Adel Hof über die Sekundizfeier de» h. Vaters, Proftssor Dr. M os- ler über Toleranz, Pater Weiß über den „katho­lischen Mann", Professor Hardy über Bonisatius- vereine.

Der Generalversammlung liegen bereits 3 9 An- tr äge vor, deren wesentlicher Inhalt folgender ist:

Die Generalversammlung empfiehlt: Unterstütz-

„Beim Zeus, sie ist'»; kein Weib in Treveris kommt ihr an Schönheit gleich!"

„Steht sie des Hochverrathes angeklagt hier vor den Schranken?"

„Wer mag der Kläger sein?" So ähnlich lau­teten die Rufe de« erstaunten Volkes. Nicht lange sollte man in Ungewißheit bleiben. Mit traurig düsterem Blick wandte sich der Monarch an die in ruhiger Hoheit vor ihm stehende Königin:

„Schwerer Missethaten hat man Dich beschul­digt, hohe Frau; es thut mir leid um Dich; doch kannst Du Deine Unschuld nicht beweisen, so ist Dein Leben in Gefahr."

Mit erhobener Stimme richtete er alsdann die Rede an den Prätor:

„Tritt vor, mein edler Maximin, und wieder­hole hier im Angesichte der Alamannenkönigin und vor dem gesammten Volke ®dne Klage."

„Wohlan denn!" rief der Prätor triumphirend und streckte seine Hand gegen Swanahild au«. „Zunächst beschuldige ich die Barbarenfürstin der grössten Widersetzlichkeit gegen mich, der als Stell­vertreter unseres kaiserlichen Herrn hohe Macht und Würde trägt. Ferner klage ich sie an schwerer Maftstätsbeleidigung: Ihr frecher Mund schmähte unsern hohen Imperator — verzeihe, mein Ge-