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Montag, den 3. September.
1888
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Schreiben der preußischen Bischöfe an Papst Leo XIII.
Heiliger Vater 1
Unter freudigster Theilnahme der Gläubigen hast Du in diesem Jahre die Feier Deines fünfzigjährigen Priester- Jubiläums begangen. Von allen Gegenden eilten Deine Kinder herbei, um laut und feierlich Zeugniß abzulegen von ihrer aufrichtigen Liebe zu ihrem gütigen Vater, von ihrem treuen Gehorsam gegen den obersten Lenker der Kirche, von ihrer Verehrung für den Apostolischen Stuhl, den Du als Oberhaupt des katholischen Erdkreises gegenwärtig inne hast. Aber bald sollte in den wunderbaren Freudenjubel und in die frommen Segenswünsche der Gläubigen tiefste Trauer und Besorgniß sich mischen. Die Kunde von den durch die italienische Regierung vorbereiteten Gesetzen mußte alle Gemüther mit bitterm Schmerz er- stllen. Das gegen Dich und Deine Autorität geplante Unrecht wurde für sie Gegenstand größten Kummers, Deine Bedrängniß Ursache schmerzlicher Befürchtungen. Wie wir also beim Beginn dieses Jahres mit unfern Glückwünschen vor D-inem Throne erschienen, so können Sär auch, heiliger Vater, jetzt nicht die große Besorgniß nterdrücken, die uns ob der neuen Gefahren erfüllt, welche unerwartet Dich bedrohen.
Richt zufrieden damit, dem h. Stuhl das Patrimomum Petri entrissen zu haben, haben seine Bedränger nach und nach die wenigen ihm noch belasienen, feierlich gewährleisteten Rechte geschmälert. Ein Jeder glaubte schließlich, gegen den Stellvertreter Christi sich alles erlauben zu dürfen. Und jetzt haben die Feinde der Kirche unerhörte Maßregeln ersonnen, welche auf die vollständige Vernichtung der kirchlichen Freiheit abzielen. Denn der der rta- lienischen Kammer unlängst zur Berathung unterbreitete Entwurf des neuen Strafgesetzbuches enthält Bestimmungen, die der Freiheit der Kirche und den Rechten des Apostolischen Stuhles- durchaus widersprechen. Deßhalb fühlen wir. die wir durch das Band der Liebe und durch unser heiliges Amt mit Dir auf's innigste vereinigt sind, uns verpsiichtet, über das Dir und uns zugefügte Unrecht laut Klage zu erheben.
Wir sagen: über das Dir zugefügte Unrecht; denn „durch jene Gesetz-Entwürfe werden," wie Du, heiliger Vater, klar auseinandergesetzt hast, „unmittelbar der italienische Klerus, mittelbar aber die Rechte des Apostolischen Stuhles getroffen. Unter dem Vorwand, Verbrechen zu verhindern, die hauptsächlich von der Macht des Klerus drohen sollen, werden die Priester mit den schwersten Strafen belegt, wenn sie einer Handlung oder eines Rathes gegen die Gesetze oder die bürgerlichen Einrichtungen oder die Akte der Staatsgewalt, ja sogar gegen den häuslichen Frieden oder gegen irgend ein Familien-Jnteresse überführt werden."*) Dazu werden, was sonst dem Geiste der Gesetzgebung vor allem fremd ist, die empfindlichsten Geld- und Gefängnißstrafen festgesetzt, ohne daß die strafbaren Vergehen klar bestimmt und genau umschrieben werden; „vielmehr wendet man die unbestimmtesten und dehnbarsten
i) Vergl. die Allokation im Konsistorium vom 1. Juni 1888.
Die Tochter des Almommköiiizs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
(9. Fortsetzung.)
Die Züge der unglücklichen Königin erhellten sich etwas bei diesem Lobe ihrer Standhaftigkeit, und der Prätor, der sie unverwandt mit Entzücken betrachtete und den Eindruck seiner Worte bemerkte, rief stürmisch aus:
„Götter, welch' ein Mann, welch' ein Held würdest Du geworden sein! Du würdest wie Cäsar eine Welt bezwungen haben! Aber Du kannst, Du sollst dies auch als Weib. Du bist geboren, um zu herrschen, und ich biete Dir die Herrschaft über das ganze Römerreich. Ich werde Dir nicht nur die heiß ersehnte Freiheit, ich werde Dir auch Macht und Glanz zurückoerleihen.
Sie sah erstaunt zu ihm auf. „Dieß alles läge in Deiner Hand?" fragte sie ungläubig.
Er richtete sich stolz empor. „Meine Macht ist schrankenlos, und mein Wille lenkt da« ganze Reich," versetzte er selbstbewußt. „Ein Wink meines Auges — und Tausende sind gerichtet. Tausende und aber Tausende beugen ihr Haupt vor mir in den Staub; selbst der Kaiser wagt es nicht, mir zu gebieten. Befehlen sollst nur Du, nur Du
Ausdrücke an, so daß der willkürlichen Auslegung Thür und Thor offen steht "2)
Der Zweck jener Gesetzesvorlage aber kann selbst dem oberflächlichen Beobachter italienischer Verhältnisse nicht zweifelhaft sein. „Zuerst soll die Vertheidigung der Rechte des Apostolischen Stuhles und der Päpste durch die Furcht vor Strafen unmöglich gemacht"2) und die Forderung auf Wiederherstellung derselben durch erzwungenes Schweigen unterdrückt werden. Es ist eine in christlichen Staaten tn der That unerhörte Verkehrung des Rechtes, daß man unter der Maske falsch°r Wissenschaft da« Gift des Unglaubens ungestraft verbreiten, die Kirche, ihre Diener und ihre heiligsten Einrichtungen anklagen und verur- theilen darf, daß man unter dem Vorwande der Freiheit und Vaterlandsliebe offenes Unrecht und die Verletzung geheiligter Rechte vertheidigen, den Stellvertreter Christi auf Erden lästern und verspotten darf. Dagegen soll es nicht gestattet fein, gegenüber der angeblich zum Schutze des Staates begangenen Ungerechtigkeit und der der Kirche drohenden Knechtschaft die Glaubenssätze der Kirche zu verkünden, die unversehrte Heiligkeit und Unauflöslichkeit der christlichen Ehe zu schützen, die Lügen der Verleumder zurückzuweisen und die unverletzbaren Rechte des Papstes zurückzufordern. Das Unrecht erfreut sich unbeschrankter Freiheit, die gerechte Vertheidigung wird mit grausamen Strafen geahndet. , ,, ,,
Heiliger Vater! Auch über das uns zugefugte Unrecht müssen wir klagen. Dir wurde ja von Gott das Am. anvertraut, die Heerde Christi zu weiden und zu fuhren; Deiner Obhut hat der Herr die Lämmer wie dre Schafe übergeben. Wie werden wir aber Deiner Stimme mit Sicherheit gehorchen, wie Deinen Vorschriften ohne FeP nachkommen, wenn Dein Wort, kaum gesprochen, durch ungerechtfertigte Gesetze sofort erstickt wird, wenn Du von allen Seiten verhindert bist, die Lehren Christi tn voller Freiheit zu erklären und Deiner Heerde in den Tagen dringender Gefahr sogleich mit heilsamen Rathschlagen zu Hülse zu kommen2 Denn nicht etwa nur zum Vortheile des Ob er Hirten der Kirche, fontenr zum Hefle der ganzen Christenheit hat die göttliche Vorsehung m ihrer Weisheit es gefügt, daß die Päpste eme zeitliche Herrschaft erlangten, um durch keine weltliche Macht gehindert zu sein, zur Befestigung und Ausbreitung des Reiches Gottes Gesetze und Vorschriften zu geben.
Heiliger Vater! Mit freudigem Herzen stimmen wir den Worten bei, welche Du über die Rechte und Pflichten des italienischen Klerus in dieser gefahrvollen Lage gesprochen haft. Durch die Ereignisse in unserm Vaterlande gerade in letzter Zeit belehrt, bekennen Alle laut, daß derartige Versuche fehlschlagen, und der seinem Amte treu ergebene Klerus weder durch planmäßige Anwendung von Gewaltmaßregeln, noch durch unbestimmte Drohungen von dem rechten Wege christlicher Pflichterfüllung abzubringen sei. Auch schmeichle sich Niemand mit der Hoffnung, daß die Kirche durch Anwendung von Gewalt ober Strafen je dazu sich bestimmen lasse, dem Zeitgeiste zu huldigen und sich der sogen, modernen Staatsklugheit zu fügen und anzubequemen. „Gewiß ist die Anwendung jener Grundsätze nicht unstatthaft," wie Du in
2) Ebenda wie y. 2) Ebenda.
allein Dem Manne, der das Schicksal ganzer Völkerschaaren zu unterscheiden hat. Sprich, Swanahild," rief er mit steigender Wärme, „sollen die Priester die Fackel Hymens in Bereitschaft setzen, willst Du meine heißgeliebte Gattin werden ?" , ,,
Jetzt erst verstand sie ihn. lieber ihre marmorbleichen Züge flog glühende Röthe der Scham und Entrüstung.
„Du wagst es, mir Deine Hand anzutragen, und noch sind die Ueberreste meiner Helden-Gatten wohl kaum bestattet! Du, der römische Mischling, wagst es, Deine Augen zu der Königin eines deutschen Volkes zu erheben?" rief sie zürnend. „Nimmermehr werde ich die Freiheit mit meiner Schmach erkaufen." Hoch aufgerichtet stand sie vor ihm in ihrer ganzen Majestät; ihr blaues Auge sprühte.
Der Tyrann blickte sie an tieferbleicht, athem- los, mit rasendem Zorn und immer größerer Bewunderung.
„Unseliges Weib", zischte er, „verschmähest Du meine Liebe, so lerne meinen Haß und meine Rache kennen." _
Sie lächelte verächtlich. „Das Schlimmste, was Du thun kannst, ist, mir da» Leben zu nehmen.
Deiner Encyklika über die menschliche Freiheit so schön bemerkt hast, „wenn es [um Rücksichten der Billigkeit sich handelt, welche mit der Wahrheit und Gerechtigkeit im Einklang stehen.....Allein anders verhält es sich mit
den Thatsachen und Lehren, welche durch Entarttmg der Sitten und falsche Grundsätze wider alles Recht eingeführt ind. Es gibt keine Zeit, welche Religion, Recht und Gerechtigkeit nicht mehr nöthig hatte, und da Gott diese höchsten und heiligsten Güter der Obhut der Kirche anvertraut hat, so gibt es keine unbilligere Forderung als die, die Kirche solle, was der Wahrheit und Gerechtigkeit zuwider ist, mit bewußter Selbsttäuschung sich gefallen lassen oder da ein Auge zudrücken, wo die Interessen der Religion geschädigt werden." i)
Von keiner Drohung eingeschüchtert, von keiner Ver- olgung gebeugt, blieb die Kirche, die ja „bestimmt ist, Unrecht zu leiden, nicht zuzufügen", 2) in den bedrängte- ten Zeiten ihrer Pflicht immer treu, die echte Freiheit zu schützen und die Wahrheit des Evangeliums zu verbreiten. Darum hat sie durch Gottes besondern Schutz alle An- chläge ihrer Feinde zu nichte gemacht. Ist es ihr ja nach >em Worte des hl. Hilarius eigen, daß „sie gerade dann iegt, wenn man sie verwundet, dann verstanden wird, wenn man sie des Unrechtes zeiht, dann Fortschritte macht, wenn sie int Stiche gelassen wird." 8)
Wenn wir auch, Heiliger Vater, Über den Ausgang dieser Gefahr vollkommen beruhigt sind, so werden wir doch nicht unterlassen, zu den unbesiegbaren Waffen der Kirche unsere Zuflucht zu nehmen, nämlich zum Gebete der Gläubigen, welches unbeugsame Standhaftigkeit im Kampfe und unfehlbare Gewißheit des Sieges erlangt. Wir vertrauen, Heiliger Vater, daß Gott, durch unser Flehen bewogen. Seinen Engel vom Himmel senden wird, der Dich beschütze und allen Gefahren entreiße, wie Er einst den Fürsten der Apostel aus Ketten und Banden befreit hat.
Zu Deinen Füßen, Heiliger Vater, erflehen wir für uns und die uns anvertrauten Heerden den Apostolischen Segen und verharren Deiner Heiligkeit ergebenste und gehorsamste
f Philippus, Erzbischof von Köln.
| Johann Christian, Erzbischof von Freiburg, f Julius, Erzbischof von Gnesen-Posen. t Georg, Fürstbischof von Breslau.
t Johann Bernard, Bischof von Münster, zugleich für
ff Franz Caspar, Bischof von Paderborn.
ff Wilhelm, Bischof von Hildesheim.
ff Michael Felix, Bischof von Trier.
ff Bernhard, Bischof von Osnabrück.
ff Andreas, Bischof von Ermland.
ff Karl, Bischof von Limburg.
ff Leo, Bischof von Kulm.
ff Joseph, Bischof von Fulda.
Fulda» den 29. August 1888.
i) Vergl. die Encykl. „Ueber die menschliche Freiheit". 2) Ebenda. 3) s. Hilarius, de Trint. 7 c. 4.
War aber ist das Leben noch für mich, die man des höchsten Gutes, der Freiheit beraubt hat?"
Ein grausames Zucken glitt über die häßlichen Züge Maximin's. „Es gibt verschiedene Todesarten, Fürstin," sagte er bedeutungsvoll.
„Elender," rief sie, „Du täuschest Dich, wenn Du wähnst, durch Deine Drohungen mich zum Verrath an meiner Ehre zu bewegen. Und wenn Du tausendmal mich sterben ließest, die Qual wird enden, und ich werde würdig meiner hohen Vorfahren in den Heldensaal der Väter ausgenommen; an der Seite meines königlichen Gatten werden mir alsdann die Freuden Walhalla'» ungetrübt zu Thell."
In grenzenloser ohnmächtiger Wuth stand Maximinus vor ihr. Gab es denn keine Schrecknisse für dieses trotzige Heldenweib? Da fiel sein Blick auf die goldlockige kleine Bissula,' welche in glücklicher Harmlosigkeit unbekümmert weiter spielte, und »in unbeschreiblich dämonischer Zug glitt über sein Gesicht.
„Wohlan denn," sagte er, und seine grausamen Augen richteten sich scharf wie Schwerterspitzen aus das Antlitz der Königin, während er sprach, „Du selbst hast nun Dein Loos bestimmt. Es wird für unser Volk ein göttliches Schauspiel