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1888

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabats

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Erstes Blatt.

Die deutschen Katholiken- Versammlnngen.*)

ii.

Woher die wunderbare Uebereinstimmung uud Harmonie, die sich in dem ganzen Wesen und der Thätigkeit der deutschen Kathottkenversammlungen zeigt? Diese Einheit und Kontinuität der an sich ganz lose konstituirten Versammlungen hätten etwas Unbegreifliches, wenn e» nicht katholische Versamm­lungen wären. Dies fühlen auch Diejenigen, die denselben ganz ferne stehen' „er ist in der Thal," so schrieb im September vorigen Jahres da» kn- chenfeindliche .Franks. Journal' von der Trierer Katholikenversammlung, „eine seltene Fülle von Kraft und Einstcht in diejem Schauspiel zu beob­achten. Die Geschichte der menschlichen Kultur hat nicht viele Beispiele dafür." Der Grund dieser bewunderungswürdigen Einheit und Großartigkeit der katholischen Generalversammlungen liegt in ihrem katholischen Lebenrprinzip, in ihrer innigen Verbindung mit der Kirche. Sie strahlen die Em- heit der Kirche wieder, aus deren innerstem Lebens­quell fie sich nähren. Darin liegt das Geheimniß der Uebereinstimmung, welche alle Mitglieder ver­einigt. Wahl mögen äußere Umstände zu gewiflen Seiten die Einmüthigkeit steigern. Der seit 17 Jahren in Deutschland herrschende Kulturkampf war ebenfalls ein fester Ring, der fich um die geeinigten Katholiken gelegt, auch hat die politische Organisation, welche die deutschen Katholiken in der Centrumrfraklion gefunden haben, und ganz besonders die thätige Mitwirkung ihrer Führer den Generalversammlungen ein erhöhtes Inter» sie und geschärftes Gepräge gegeben. Allein weder dieser noch jener äußere Umstand würde eine so unver­gleichliche Einmüthigkeit begründen, wenn sie nicht in dem Geiste des katholischen Volkes, seiner Glau- benrkraft und seiner Opferwilligkeit ihre Wurzeln hätte, wenn nicht diese Versammlungen sich un- mittelbar und innig an die Kirche und an die lebendigen Träger der kirchlichen Autorität, den Papst und die Bischöfe, anschließen würden, denen sie, wie fie von diesen höchsten Autoritäten die vertrauensvollste Billigung empfangen, so auch ihr

♦) Nachdruck nicht gestattet.

ganzes Gedeihen und ihre Wirksamkeit verdanken. Deshalb sind auch diese Generalversammlungen etwas specifisch Andere«, als alle jene zahlreichen Versammlungen verschiedenster Art, denen wir jahrein, jahraus heutzutage begegnen; sie unter­scheiden sich von ihnen gerade so wesentlich, wie sich die katholische Kirche von allen rein mensch­lichen Verbindungen unterscheidet. Vom Geiste der Kirche geleitet, haben sie alle Fragen aufge­griffen, die ihnen die Zeitverhältniffe aufgeworfen: Fragen des Glauben», welche die ganze Christen- heit bewegen, Fragen, welche in der Wissenschaft große Diskussionen Hervorrufen, Fragen der kirch­lichen Leben» und Fragen auf dem sozialen Ge- biete. Niemals sind sie vor einer Zeiifrage scheu zurückgetreten, sondern haben sie in offenem und fteiem Worte dirkutirt und haben niemals zu einer Ueberschreitung der rechten Grenzen und zu Miß­griffen sich hinreißen lasien; sie haben in Allem da» Rechte getroffen und jede Klippe vermieden. Und weil die Generalversammlungen nur im Geiste der ChristenthumS und im treuesten Anschlusi- an die Kirche ihre große Aufgabe zu lösen versuchen, deshalb sind sie fich auch stets gleich geblieben, während so Viele» ring» um fie den durchgreifend­sten Veränderungen bereits längst unterlegen ist. In den Tagen der Revolution, wie in den Tagen der Reaktion waren fie stets dieselben. Die Ereig. niffe des Jahres 1866 haben fie nicht verändert, und die Spaltungen, die im politischen Leben nach der Errichtung des deutschen Reiches eingetreten, ließen im Leben der katholischen Generalversamm­lungen die alte brüderliche und katholische Einheit unversehrt fortbestehen; und sollten neue Umwäl­zungen kommen, gewaltiger, als die der Jahre 1848, 1866 und 1871, die Generalversammlun­gen der Katholiken Deutschlands werden ohne Zwei- fel ihren alten katholischen Charakter fich bewahren.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. August.

* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht folgenden Königlichen Erlaß:

Die letzwilligen Aufzeichnungen Sr. Maj. des Kaisers und Königs Wilhelm I., Meines in Gott ruhenden Herrn Großvaters, enthalten ein herrliches Zeugniß erhabener Seelengröße und edlen, frommen Sinnes, deffen Kenntniß Ich Meinem Volke nicht vorenthalten will. Ich habe

I« rochier des AlammrMmgs.

ö Historischer Roman von Antonie Haupt.

(8. Fortsetzung.)

IV.

Die gefangene Alamannenkönigin.

Bezaubernde Gebieterin, o sage. Wonach sehnt sich Dein Herz, was kann Drr fehlen? Dein Wuchs ist schlank und reizend schön Dein Antlitz. Umhüllt bist Du von Sammt und feiner Seide, Dein Wink, Dein Blick genügt und schon erfüllen Eraeb'ne Dienerinnen Deine Wünsche.

Bei Tag und Nacht ergötzt Musik Dein Ohr, Auf weichen Teppichen ruh'n Deine Füße, In Deinen Zimmern prangen duft'ge Blumen, Auf Deinen Tischen liegen süße Früchte, Und vor Dir steht das kostbarste Nargila.

Raphael Patkanran.

Dar Prätorium, jener ausgedehnten stolze Prachtbau in mitten der Stadt, barg neben seinen Riesenhallen und seinen großartig angelegten Prunk- sälen auch kleine, lauschige, feenhaft au-gestattete Gemächer. Es ist ein wunderfamer, halb däm­mernder Raum, den wir heute betreten. W-iche Tropenluft umfängt un» wild, und Arabien» be­rauschende Arome umwehen un» schmeichlerisch. Purpurschein sällt magisch von der Kuppel auf den schimmernden Seidenstoff der Wände, deffen

malerisch drapirte Falten und Bausche von seltenen Blumen umrankt werden. Krystallene Becken senden feinen duftigen Silbertropfenstaub empor und fangen ihn in ihrem glitzernden Schooße wieder auf. Indische» Gewebe breitet sich weich wie frischgepflückte Rosenblätter über den Boden au», währenv blüthenbeki änzte Schwanenflaumkissen köst­liche Lagerstätten darbieten. Kein lärmender Ton dringt au« der volkreichen Stadt in dieser dämmernde Elysium; nur süße, träumerische Musik erklingt gedämpft wie au» weiter Ferne herüber und erhöht den Reiz de» entzückenden Aufenthalt».

Was aber ist all seine verschwenderische Pracht gegen die unwiderstehliche hehre Schönheit der königlichen Frau, die in schneeweisem Gewände regungslos auf den Polstern liegt. Kaum hebt fich die blüthengleiche Bläffe ihrer Wangen von dem weißen Schein ihres Gewandes ab, jedoch da» rostge Dämmerlicht der Kuppel übergießt das schöne bleiche Angestcht und da« wallende Goldhaar der Königin mit warmem Hauch und macht sie doppelt hinreißend. Arme Swanahilo I Der fürst­liche Glanz, mit dem Maximinus fie umgab, ge- gewährte ihr nicht größere Freuoe, al« dem ge­fangenen Waldvogel der goldene Käfig, in den man ihn versetzt. Ruhelos war fie Tag und Nacht

deshalb an dem heutigen, für Mein Haus bedeutungsvollen Tage beschlossen, den beikommenden Auszug aus diesen Aufzeichnungen bekannt zu geben, als ein Denkmal zur Ehre des Entschlafenen, als ein Vorbild für Mein Haus und für Mein Volk. Sie haben hiernach das Weitere zu veranlassen. Potsdam, den 31. August 1888. Wilhelm B. An den Minister des Königlichen Hauses.

Die erste der Aufzeichnungen datirt, „Koblenz, den 10. April 1857. Dieselbe gedenkt der schweren Verhängwffe, die Wilhelm I. in seiner Kindheit über das Vaterland einbrechen sah und des so frühen Verlustes seiner unvergeßlichen Mutter. Sie enthält warme Dankesworte gegen Vater und Bruder. Seiner (des Bruders) Gnade und Seinem Vertrauen danke ich es, daß ich in Deutschland auf seinen Befehl Ordnung und Zucht Herstellen konnte, nachdem er im eigenen Lande dies Bei­spiel gegeben hatte." Die zweite Aufzeichnung datirt, Berlin, den 31. Dezember 1866. Der Kaiser geben# darin der Erlösung des Bruder» vom schweren Leiden und der langjährigen Kämpfe mit den neuen Institutionen. „Diese Kämpfe haben mich tief erschüttert, weil ich Stand halten wußte gegen ein wirres Andrängen gegen jene irdische Macht, die ich nicht aus den Händen geben durfte, wenn Preußen» Geschichte nicht aufgegeben werden sollte. Ich vergebe Allen, die wissentlich und unwiffentlich fich meinen, auf Gewiffensüber- zeugung begründeten Absichten zum Wohle de» Vaterlandes, entgegensetzten, um die Macht der Krone zu schmälern, und die Herzen derselben zu entsremden. Vergessen mögen meine Nachkommen es aber nicht, daß Zeiten möglich waren, wie die von 1861-661" Dann erwähnt der Kaiser die Ereignisse des Jahre» 1866. „Das Werkzeug, so Großes zu erreichen, die Armee, steht unüber­troffen in diesem Augenblicke vor der Welt. Der Geist, der fie beseelt, ist der Ausdruck der Gefittung, die eine sorgliche Hand meiner erhabenen Vorfahren der Nation anerzogen hat. Warme Dankesworte für die Armee und ganz Preußen schließen fich hier an. Wo solche Vaterlandrliebe sich geigt, da ist der ge­sunde Sinn vorhanden, der Nationen groß macht und darum segnet sie Gott sichtlich! . . . Möge mein Sohn und seine Nachkommen solches Volk und solche Armee um sich sehen, und durch be- sonnenes, zeitgemäßes Fortschreiten das Wohl und Gedeihen Beider sorglich fördern und Preußen auf und nieder gegangen in ihrem P achlkerker mit finstern Gedanken; und nun war dir dumpfe Ruhe der Erschöpfung über sie gekommen; das Bewußtsein grenzenloser Ohnmacht, rettungsloser Gefangenschaft, das bittere Weh, zu unnützem Dasein verdammt zu sein, hatte sich ihrer voll und ganz bemächtigt. Mit starren, weit geöffneten Augen lag fie da, doch sah fie nicht die goldenen und purpurnen Lichtrefl xe, welche fie umspielten, hörte fie nicht die süßen Melodien der Mufik, welche Maximinu» ihr zu Ehren erklingen ließ. Da» juwelenfunkelnde Geschmeide, womit der Prätor sie verschwenderisch beschenkt, lag auf dem Teppich hingestreut, fie achtete nicht darauf. Selbst da» kind­liche Geplauder, die harmlose Fröhlichkeit der holden tietnen Biflula, welche voller Entzücken mit den vom Prätor ihr geschenkten elfenbeinernen Puppen spielte, vermochte kaum ein flüchtiges Ingresse bet ihr wach­zurufen. Andere Gebilde stiegen vor ihrer Seele auf: Ihr heiße« Sehnen war bei dem gefallenen H^ldenkönig, bei dem stolzen deutschen Manne, den fie verleitet und begeistert hatte zu jenen Krieg»- thaten, welche nun mißglücke und fie selbst wie ihr Kind in elende hilfloie Gefangene verwandelt hatten. Ihr Wollen, Ihre Thatkraft war gefess.lt, und im armen Vaterlande mußte alles, alles zer-