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1888

Freitag, den 31. August.

J\£ 200.

Fuldaer

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Die deutschen Katholiken- Bersammlnngen.*)

i.

Die General-Versammlungen der Katholiken Deutschlands bilden in unserem öffentlichen Leben in mannigfacher Beziehung eine ganz einzige, über- aus merkwürdige Erscheinung. Ohne einheitliche Leitung durch tut stetiges Comnö, ohne eigentliche Organisation, bei beständigkm Wechsel der leiten­den Perstrnen, dcs Ortes und der P-ovinz reihen sich dieft Versammlungen doch in solcher lieber» einstimmung an einander an, daß man sie als Sitzungen einer in Permanenz befindlichen Körper­schaft denken könnt». Absolut dieselben Grundsätze des christlichen Glaubens und des christlichen Lebens; dieselbe Ergebenheit gegen die Autorität der Kirche, wie des Staates; dieselben Forderun­gen für Wissenschaft, Schule und Posse; daffelle Jntereffe für Association des kirchlichen Lebens; dieselbe Hingebung an die Werke der Barmherzig­keit, der Frömmigkeit und der kirchlichen Kunst; Ein Geist, Eine Seele, Ein Herz belebte sie alle in der langen Reihe der ve-stoffenen 40 Jahre.

Dies ist ein Beweis dafür, daß diesen Ver­sammlungen in Wahrheit da» katholische Sebent* prinz'p innewohnt. Wären dieselben ein Erzeugniß der letdonschaftlrchen Aufregung des Jahre» 1848 gewesen, so wären sie auch mit dieser Aufregung schon längst vorübergegangen, sie wären veraltet und hätten stch überlebt. Allein daß dem so ist, drängt stch Jedem auf, der diesen Versammlungen unwohnt. Eine frohe Begeisterung, die ihre Quelle weder in der Leidenschaft noch in der Phantasie, fondern im katholischen Glauben und in der katho­lischen Liebe hat, charakteristrt stets diese Versamm­lungen und ergießt jedesmal Erfrischung und Stärkung au» in die Herzen Aller.

Wenn wir die Mitgltederverzeichnifle dieser 34 Generalversammlungen miteinander vergleichen, so nehmen wir nicht nur ein stetiges Wachsen der Zahl ihrer Theilnehmer wahr, wir sehen nicht nur die geogrcphtschen Bezirke, aus denen sie erscheinen, stch stet» erweitern, wir erfahren auch, wie von Jahr zu Jahr die gesellschaftlichen Kreise, denen die Mitglieder angehören, sich immer mehr aus­dehnen. Während eine geraume Zeit verhältniß- mäßig nur wenige Theilnehmer Vieser General-

*) Nachdruck nicht gestattet.

Die Sichter des AlamMitlmigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

<7. Fortsetzung.)

In diesem mit märchenhaftem Reiz ausgcstatte- ten Rundsaal fand Ausoniu» Valentinian und Gratian, sowie die zum F-stmahl geladenen Gäste versammelt. Die Aurerwählten, welche heute das Mahl de» Kaiser» theilen durften, waren außer Ausoniu» der Prätor Maximinu», der ehrwürdige greise Bischof Bonosu», die tapferen Feldherren Jovian, Severu» und Sebastian, sowie der durch feine KriegSlüchtigkeit wie durch seine vornehme Abkunft hervorragende Tribun der Leibwache: Marcus Piaoniu» Viktorinus. Der Tribun eni- sproßt« nämlich einer edeln alttreverischen Familie und rühmte sich, eine Nachkomme der treverischen Fürsten Jndutiomar und Cingetor'x zu sein, welche zur Zeit Julius Cäsar» gegen die römische Ober­herrschaft gekämpft hatten. D.m eintretenden Dichter erstarb die ehrfurchtsvolle Bitte um Entschuldigung auf der Lippe, denn in der heitersten Stimmung eilte Valentmian ihm entgegen.

„Ah, stehe da, unser Ausoniu»! Sprich die Bitte um Verzeihung nicht, Du Saumseliger I Ich weiß, Dein Kummer ist nicht echt, und hinter den

Versammlungen den höheren und höchsten Kreisen der Gesellschaft angehörten, sehen wir seit vielen Jahren die edelsten and höchsten Geschlechter unsere» Vat.rlande» dort zahlreich vertreten. Außer­dem sind e» die verschiedensten Stände, au» welchen sich diese Versammlungen zusammensetzen: Adel und Kleru», Gelehrte und Handwerker, die studirende Jugend und die jungen Kaufleute, Städter und Bewohner des Lande» — sie alle finden wir dort in ihren ehrenwerthesten Repräsentanten. Aber nirgends ist bei ihnen etwa» von jener trennenden Entfremdung zu bemerken, welche anderswo so auflösend und restruirend zwischen die Stände sich legt

War noch ferner den katholischen Geist dieser Generalversammlungen bekundet, da» ist die ruhige Fassung, die Milde, die Offenheit und die Einheit, die sie charakteristrt. Hier steht man keine Partei­ung, keine Gereiztheit der Gemüther, und Jedem fällt es leicht, auf seine Privatanstcht zu verzichten und stch von einer befferen Meinung belehren zu (offen. Hier ist Jedem allezeit volle Freiheit der Rede gestattet, und Niemand wird der Ausdruck seiner Meinung verwehrt. Denroch ist die Dir- kuifion niemals heftig geworden, noch weniger hat sich irgendwann eine Spaltung gezeigt.

Mit der größten Offenheit werden die Schäden besprochen, die zu heilen sind; mit liebevollstem Takte begegnen sich die Träger etwaiger gegen« theiiiger Anschauungen, und rechtzeitig eingebrachte BermittelungSvorschläge beugen der Gefahr vor, wenn etwa Gegensätze sich verschärfen wollen. Und daher kommt es, daß diese Generalversammlungen so frei von jeglicher Streitsucht und Bitterkeit sind, und daß ihre Theilnehmer, obwohl in unter­geordneten Punkten zuweilen getheilter Meinung, doch stet» in allen Pcinz^pienfragen die volle und ganze Einheit bewahrt haben. Man hat schon zum wiederholten Male von Seiten unserer Gegner versucht, Zwist in diese katholischen Versammlun­gen hinein zutragen; ihr neidisches Auge vermag eben nicht zu schauen das glänzend strahlende Bild der katholischen Einmüthigkeit und Fretmüthigkeit im Glauben und im Leben, die Begeisterung katholischer Herzen für die Kirche Jesu Christi und für feinen sichtbaren Stellvertreter auf St. Petri Stuhl; ihr Auge wird durch solch' großartigen Blick geblendet, da e» daran gewöhnt ist, befländ:g das öde und trübe Bild der

trügerischen Wolken Deiner Stirne birgt sich ge­heime Freude, daß Du die uns entzogene Zeit in trauter Unterhaltung mit der edlen Deyavia verbrachtest. Ich zürne Dir darüber nicht, mein Freund, zumal da die gerechte Strafe Deines Ausbleibens Dich schon ereilt". Die Kriegsbeute wurde bereits vertheilt, und so entging Dir viel­leicht ein Schatz, der Deinen Augen degehrens- werih erschien."

„Dar Lächeln Deiner Huld, erhabener Cäsar, gilt mir mehr, al» alle Beutestücke de» Feldzug»," entgegnete Ausonius heiter.

„Wenn Dein Herz es glaubt, wa» Deine L'ppen reden, so bin ich machtlos, Dich zu strafen; oenn meine Huld vermag ich nicht Dir zu entziehen," lautete des Kaisers freundliche Gegenrede. „Doch dünkt e« mir, als ob ein auserlesenes Beutestück Dir nebenbei auch eine kleine Freude hätte machen können. Meine Feldherren wählten sich die Waffen- rüstungen der Barbarevfürsten, Viktorinus eifthnte den Besitz von König Randos Wagen mit dem herrlichen Viergespann der Edelhirsche; sogar mein ehrwürdiger Vater Bonosu» erbat sich nicht ge­ringen Aniheil an der Beute: Ich mußte ihm eine Zahl der vornehmsten und tapfersten gefan­genen Alamannen schenken, die mir vortreffliche

Zersplitterungen und Zerwürfnisse, de» Hader» und Kampfe» verfolgen zu müssen, wie sie sich von Tag zu Tag immer heftiger auf dem kirchlichen Gebiete de» Protestantismus abtyulen. Wie die gegnerische Presse im Sommer vorigen Jahres die tiesstnnig- sten Betrachtungen darüber anstellte, ob die „fried­liche" oder „kriegerische" Stimmung, ob die „kon- ser vative" oder „demokratische" Richtung des Ger.» trum» in Trier die Oberhand haben werde, und daß sie bei dieser Gelegenheit mit ihren H tzartikeln voll Lüge und Haß e» wieder einmal vergeblich versuchte, den Kerl in da» harte Centrum einzu­treiben, so machte sie bekanntlich schon bei früheren Generalversammlungen ähnliche Sprengungsver­suche, namentlich im Jahre 1883 und 1884; da­mals gab sie sich keine geringe Mühe, aus dem Vorhandensein unwichtiger Meinungsverschiedenhei- ten, welche auf dem Gebiete der sozialen Frage bei Gelegenheit der Besprechung derselben in Haid in Böhmen bei einigen katho'ifchen Gelehrten sich kundgaben, für ihre Tendenzen Kapital zu schlagen. Unsere Gegner erhofften damals tie von ihnen so sehnlrchst gewünschte Spaltung unter den katholi­schen Sozialpolitckern und suchten sie durch H'tz- artikel herbeiz^fuhren. Allein es war ihnen nicht gelungen. W nn die Diskussion der sozialen Frage, wie e» ih e Natur mit sich bringt, in verschiedenen Kreisen unter verschiedenen Gesichtspunkten sich be­wegte, so hat doch auf den Generalversammlungen wie in allen Fragen, so auch hier niemals der diasensus, sondern stets nut der consensus seinen Ausdruck gefunden.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. August.

• Ueber die Ernennung Rudolf v. Bennig- sen's zum Obei Präsidenten von Hannover schreibt die .Freis. Ztg.':

„Nur zum Oberpräsid entn, und zwar der Pro­vinz Hannover, ist Herr v. Bennigsen ernannt worden. — Herzlich, aber wenig im Verhältniß zu den großen Er­wartungen, welche aus nationalliberaler Seite an die Zu­kunft dcs Herrn v. Bennigsen, den Thronwechsel und die letzte Begegnung in Friedrichsruh geknüpft worden waren. Fehlte es doch sogar nicht an geheimwßvollen Andeutun - gen darüber, daß H rr v. Bennigsen zum Nachfolger des Reichskanzlers selber in Aussicht genommen sei. Nun wird Herr v. Bennigsen, der schon vor 10 Jahren in den Augen des Fürsten Bismarck bei den Verhandlun­gen in Varzin als Minister in Frage kam, im Alter von 64 Jahren nur der Untergebene des Herrn Herrfurth. Die

Dienste bei den Befestigungsbauten am Bergs Ptircastellum l) hätten leisten können. Ihr Loos wird nun ein angenehmeres fein; Bonosus will die langirähnigen Barbaren zum Christenglauben führen und ihnen dann die Freiheit geben. Der köstlichste Schatz jedoch ist Maximin zu Theil ge- woid.n. Er bat so dringlich um die Alamannen­königin, daß ich den heißen Wunsch ihm nicht ver­sagen konnte und ihm die hehre Swanahild zu eigen gab. „Nicht als Sklavin", fügte er rasch hinzu, als er ein leichte» Zusammenzucken und Erbleichen des Dichters bemerkte, „nein, nicht als Sklavin schenkte ich ihm die Königin, Maximinu» wird die Hohe zu feiner heißgeliebten Gattin machen. Du weißt, ich hatte andere» mit ihr beschlossen, doch will ich ihrem Heile nicht im Wege stehen. Sie wird sich glücklich preisen, die Gemahlin dc» hochverdienten Maünes zu werden, der nach dem Cäsar der Erste und Gebietende im Abendlande ist." Ein gütige» Lächeln verschönte die ernsten Züge Valentinianr's, als er j tzt fort» fuhr: „Da Vettherlmig von Geschenken nun ein mal heute meine» Amtes ist, so bitte ich Dich, mein Ausoniu», die Villa, welche Du am obern Laufe der Moßlla so oft bewundertest,

0 Otzenhausen« Steinring.