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Donnerstag, den 30. August.

1888

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deutsches Reich.

Berlin, 29. August.

* Gegenüber anderen Mitth ilungen hält die .Nationalztg.' ihre flühere Meldung aufrecht, wo­nach sich der Kaiser nach vorhergehendem Be­suche der Höfe von Karlsruhe, Stuttgart, Mün­chen und Wien sich nach Nom begeben werde. Dis .Post' hatte berichtet, daß der Kaiser erst auf der Rückreise von Rom den österreichischen Hof besuchen werde.

* Aus Anlaß des Sonnenburger Festcs, die Ertheilung des Ritterschlages im Johanniter­orden durch Kaiser Wilhelm II., dürfte folgen­der über die Entstehung des Ordens von Jn- terrfle sein. Der bereits im Jahre 1048 durch amalfifche katholische Kaufleute zu Jerusalem gestiftete Orden der Johanniterbrüder zur Pflege armer und kranker Pilger wurde im 12. Jahr­hundert durch den Papst Paschalis II. in einen Ritterorden mit selbstständigerVerfaffung um­gewandelt. Derselbe theilte sich in 3 Klassen: in Ritter zur Kriegführung, in Kapläne zum geist­lichen Dienst und in dienende Brüder zur Ver­pflegung der Kranken und Geleitung der Pil­grime. Der Orden breitete sich sehr rasch in fast allen christlichen Ländern aus, er leistete Außer­ordentliches und erschwang sich zum ersten geist­lichen militärischen Orden der Christenheit. Er hatte lange seinen Hauptfitz in St. Jean dÄrc, dann nach dessen Eroberung durch die mohame- danischen Mameluken in Cyp-rn und hierauf in RhoduS. In langen heldenmüthigen Kämpfen vertheidigten sie als „Rhodiser" diese Insel gegen die Türken; gemäß Vertrag zogen sie 1522 ab, um zunächst nach Kandia, dann nach Malta ihren Sitz zu verlegen, 1530. Als Malteserritter be­deckten sie sich wieder mit unvergänglichem Ruhme im Kampfe gegen türkische Seeräuber. Als die türkische Macht niederging, ließ auch die Bedeutung der Johanniter- oder Malteserritter nach. Durch die „Reformation" verloren dieselben in den pro­testantisch gewordenen Ländern ihre großen Be­sitzungen. In Frankreich und Italien verloren sie dieselben durch die Revolution. 1798 siel Malta in die Hände Napoleons, die politische Selbstständigkeit des katholischen Malteserordens

Die Tochter des Alamanncoköoigs.

Historischer Roman von Antonie Haupt.

(6. Fortsetzung.)

„Der Dichtung Anfang ist gemacht," entgegnete Ausoniu»; „wenn Ihr in hören mögt, so will ich dem trauten Kreise der Familie ihn nicht vorent­halten."

„Wir bitten sehr darum, mein Freund!" schloß sich Dryadia dem Wunsche ihres R.ffen an.

„Nun wohl, so hört!" Der Dichter zog eine PapyruSrolle aus den Falten der Tunika und be­gann mit anmuthsndem Vortrag:

„Hinter mir rauscht« in dämmerndem Licht raschfluthend die Nava,

Wo an der alternden Stadt ich geschaut das erneute Gemäuer,

Da wo Gallien einst gleichkam dem latinischen Cannä, Und im Gefild unb?w«int der Gefall'nen Gebeine vermodern, Einsam wand sich von da durch schattige Forsten der Heerweg, Nirgends von menschlichem Fleiß gab's auch nur Spuren zu schauen.

Längs Dummissus, dem dürren, wo ringsum lechzen die Fluren,

Zog ich Tabernae vorbei, wo der nimmer versiegende Quell strömt.

Hin zu den Oertern, die jüngst dem sarmatischen Pflanzer verthrilt sind.

Endlich erblick' ich am äußersten Rande des belgischen Landes

Noviomagus Burg des vergötterten Constantinus.

erreichte damit ihr Eade. Heute widmet sich der Orden, der in Schlesien und Westfalen-Rheinland noch „Genossenschaften" besitzt, nur mehr dem Sanitätsdienste, insbesondere während des Krieges. Die Jahre 1870/71 waren dessen in glänzender Weise Zeuge. Der 1812 begründete preußische „Johanniterorden" hat mit dem alten Orden dieses Namens Nichts gemein, er ist vollständig von diesem getrennt, es gehören demselben nur protestantische Adeliae an. 1852 wurde er von Friedrich Wilhelm IV. umgestaltet, die Kranken- und Verwundeten pflege bildet danach auch seinen Wirkungskreis. Dieser neue „Johan­niterorden" gliedert sich zur Zeit in 13 „Ge­nossenschaften" sowohl in den preußischen Pro­vinzen wie auch in Sachsen, Mecklenburg, H-ssen und Württemberg. 1884 besaß und unterhielt dieser „O.den" 34 Krankenanstalten, davon 33 in Deutschland, 1 tn Beirut (Syrien). Während der letzten Kriege entwickelte der „Johanniter­orden" auch seinerseits eine erhebliche und ar- erkennenswerthe Thätigkeit durch die Pflege von kranken und verwundeten Soldaten. „Groß- ordensmeister" ist zur Zeit Prinz Albrecht von Preußen.

• Der Landesdirektor der Provinz Hannover, Dr. v. Bennigsen, ist zum Oberpräfidenten der Provinz Hannover ernannt worden.

* Der König von Griechenland hat sich heute früh von hier nach Kopenhagen begeben.

• Freiburg, 29. Aug. Das Lokalcomite der 35. (Senerttlo#tfammluttg hör RnfljnHft>n .Ä^irtfch- lands hat den Kardinal Lavigerie und den zur Zeit in der Schweiz weilenden Generalminister dc» Kapuzinerordens zum Besuch der General­versammlung cingeladen und ist überzeugt, daß beide Herren, wenn immer möglich, dieser Ein­ladung Folge leisten werden.

Ausland.

• In Folge der von Kardinal Lavigerie in seiner Brüsseler Rede gegen den MuhamedaniSmuS erhobenen Anklagen sah sich der türkische Gesandte Karatheodori Effendi — ein schtsmatischer Grieche — veranlaßt, in der .Jndependance belge' eine Lanze für den Muhamedanismus und für den Koran zu brechen, die am Sklavenwefcn unschul- Reinere Luft weht hier, und mit heiterem Lichte erschließet Phöbus in hellerem Glanze die Thore des purpurnen

Himmels.

Nicht mehr suchst Du hier durch dichte Verschlingung der Zweige

Droben das Himmelsgewölb', überdeckt von grünlichem Dunkel.

Denn nicht meidet Dir hier des Tag's weitschimmernde Helle, Frei zu erheben den Blick hoch auf zum ätherischen Lichtglanz. Traun, ich glaubte zu seh'n Burdigala, liebliche Heimath, Dich im Strahlengewande — so schmeichelte hold mir der Anblick:

Hoch auf ragendem Ufer der Villen erhabene Thürme, Grünend das Rebengeländ' und die lieblichen Fluthen Mosellas,

Welche im Thal mit sanftem Getön' leisrauschend vorbeiströmt. Sei mir gegrüßt, o Strom, Du Preis der Fluren und

Pflanzer,

Welchem die Beigen die Stadt, wo der Cäsar thronet, verdanken;

Strom, deß' Hügel bepflanzt mit duftender Gabe des Bachus, Wo an dem grasigen Rand sich weithin strecken die Wiesen. Schiffbar bist Du wie's Meer, doch die thalwärts gleiten­den Wogen

Zeigen den Strom, die krystallene Fluth ahmt täuschend den See nach.

Auch mit dem zitternden Lauf gleichst oft Du dem rauschen­den Bächlein,

Bietest auch helleren Trank, als vermag manch' kühlerer Waldquell.

Alles besitzest Du selbst, was die Quelle, der Bach und der Sttom hat.

Auch was der See und das Meer, mit dem zwiefach strömenden Wogen.

big seien. Darauf hin veröffentlichte Kardinal Lavigerie in der.Jndspsndarce beige4 und der gesummten Brüsseler Presse eine Antwort, in der er nicht nur seine Behauptungen von früher auf­recht erhält, sondern an der Hand von Thatsachen bewüst, daß der Muhamedanismus und alle muha- medanischen Autoritäten, geistliche wie weltliche, den Sklavenhandel, dis Sklavenjagden und alle» damit zusammenhängende Unw-sen billigen, pflegen und fördern. Die .Jatspendance beige', die schon zu dem Schreiben des Gesandten ihre Vorbehalte gemacht hatte, stellt sich ersichtlich auf Seiten de» Kardinals und weist auf das hohe Interesse hin, das dieser Diskussion innewohnt. Die erste Sub- scriptionsliste für die Freiwilligen- Legion Lavigerie» ist veröffentlicht. Es haben sich etwa 170 Freiwillige gemeld-t, dagegen be­tragen die Geldspenden einschließlich der Gabe de» Königs, die 75,000 Frank« ausmacht, im Ganzen erst 106,000 Franks. Vor seiner Abreise nach Paris hat der Kardinal die Geschäfts der Leitung und der Organisation des belgischen „schwarzen Kreuzzuges' dem Brüsseler Direklionr-Komiie über­tragen und zugleich die Filial-Komite's in Ant­werpen und Gent eingerichtet.

* Boulanger empfing vor seiner Abreise nach Schweden eine Deputation der Arbeiter, welche eine Adresse überreichte.

* Frankreich erklärte im Prinzip der Konven­tion betreff» der Abfchoffung der Zuckersteuer zuzustimmen, die definitive Zustimmung jedoch sich fn frtttflO T>nriu6e6alten. V3a h''» W.o V.»

Zuckerproducenten aller Länder erfolgt sei.

• Die Rückkehr de» italienischen Geschwa­ders nach den heimischen Gewässern erfolgt Ende September. Die Schiffs besuchen mehrere See­städte der Levante.

* Der jüngsts Aufstand im Zulu land ist in der Hauptfachs beendet, die englischen Truppen räumen die von ihnen besetzten Stationen und cs bleibt nur eine Jnsanterie-Abtheilung zurück.

* Der Sultan von Marokko hat ein fürch­terliches Gemetzel unter den Rebellen, die seinen Oheim Mulay getödtet haben, angertchtet. Der Sultan ist aber jetzt von einem feindlichen Stamm umgeben und befindet sich selbst in Lebensgefahr.

Friedlich geleitet Dein Lauf, und weder des Windes Ge- brause.

Noch der verborgenen Felsen Gefahr hast Du zu bekämpfen. Strudelnde Furth auch zwinget Dich nicht, die enteilen­den Wellen

Wieder zu wenden, noch mitten im Strom hemmt ragen­des Erdreich

Irgend den Lauf, damit, wenn Inseln Dir mitten die Strömung

Spalten, sie ihnen das Recht des richtigen Namens nicht schmäl're.

„Bis hierin ist mein Merkchen gediehen," schloß Ausonius seine Vorlesung.

„Heil Dir, mein Vatrr!" rief Hespsru» mit freudiger Bewunderung. „Diese Idylle wird die Perle Deiner dichterischen Werke sein. Sie wird den Ruhm des Ausonius und der Mosella un­sterblich machen."

„Dein Lob meiner Verse erfreuet mich, mein Sohn," sprach Ausonius; „es gibt mir größere Zuversicht auf ihren Werth, zumal da jrder von uns doch feinen eigenen Kultus hat und wir nicht selten sehr verschiedener Ansicht find."

„Dein Lied, mein theurer Vater, wird da« schönste werden, was ein Liebling der Musen je gesungen hat," versicherte HespcruS eifrig. „Es muß ja Jedermann gefallen, der nicht zu den Profanen gehöit, welche Horaz vom Eintritt ab­wehrt. Wie wird der Kaiser sich freuen, wenn er