j\l 197. Dienstag, den 28. August.
fuliiitr Ä Zeitung.
1888
Di- Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn-"und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld - 1 M. 50 Pf. "le ,9Ul° ° mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen- in Fvllda I M. 70 Pi-, auswärts I M. 75 Pf.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf-, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
für dm Womit Septmdtt
werden Abonnements auf die
„Fuldaer Zeitung" von allen Postanstalten, Landbriefboten, Zeitungstragern und von der Expedition (Buttermarkt) zum Preise von MF 50 Pfennig TM
(nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. August.
• Ueber die katholische Presse bringt die .Trier. Landesztg.' folgende Ausführungen: „Es jährt sich bald (1. September v. I.), daß unser greiser Centrumrführer Dr. Windthorst in Trier seine große Rede hielt, in welcher er die Verhandlungen der 34. Generalversammlung der deutschen Katholiken einer rückblickenden Kritik unterwarf. Er sagte u. A., „daß die katholische Prefle Deutschlands sich um die Beendigung des Kampfes, oder bester gesagt, um die Anbahnung des Friedens in hohem Maße verdient gemacht habe, und daß dieselbe den Dank des kathol. Volkes verdiene." Er rief warnend: „Vernachlässigen wir unsere Preste nicht, wir haben sie dringend nothwendig — dringend nothwendig ..... .1 Auch Papst Pius IX, und der derzeitig regierende Papst haben immer ermahnt, nur die katholische Preste zu unterstützen. Leo XIII. bemerkte z. B. in Bezug auf den Kampf gegen die verderbliche Preste und Literatur: „Wenn die Seelsorger erwägen, welchen Einfluß die Preste nun einmal thatsächlrch hat, wie dieser Einfluß in manchen Kreisen sogar den der Predigt aufwiegt oder überwiegt und auf die Gesinnungen und Anschauungen und schließlich auf das Leben des Volkes bestimmend einwirkt, so werden sie sich gedrungen fühlen, dieser geistigen Macht alle Aufmerksamkeit zu schenken und nichts versäumen, was sich thun läßt, um dieselbe zu einer ungetrübt und reichlich fließenden Quelle christlicher Volksbildung zu machen und ihr auch überall hin, wo sie Gutes stiften kann, Zugang zu verschaffen."
Die Tochter des AlMMneMchs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
(4. Fortsetzung.)
Valentinian fühlte sich geschmeichelt; aber mehr durch das vom treverischen Volke ihm und seinem Sohne Gratian errichtete Ehrendenkmal, als durch die Lobrede des Maximinus. Mit begeisterten Worten dankte er für den so herrlichen, doch unverdienten Empfang. Er habe, so sagte er, nur seine Pflicht gethan, wenn er das Land vom Feinde befreit habe; doch wolle er sich bestreben, der Anhänglichkeit der edlen Treuerer würdig zu werden, indem er zum Danks für ihre Liebe die Stadt mit herrlichen Gebäuden krönen und noch vor dem Beginn de» September glänzende Festspiele auf« sühren lasten wolle. Voll Jubel nahm das Volk diese Verheißung hin, und unter brausendem Zu- rufen fetzte der Kaiser seinen Weg nun ungehemmt fort. Doch das mit den Kaisersitzen Roms wetteifernde Palalium bildete nicht da» Ziel des Siegeszuges ; vor demselben angekommen, nahm er seine Richtung quer über das mit Säulenhallen umgebene Forum, an der majestätischen Basilika vorüber, durch die schöne, breite Straße, welche nach der Kurie und dem kürzlich vollendeten prachtvollen St. Peters-Dom *) hinführte. Valentinian, ein
i) Der Bau steht heute noch als Hauptbestandtheil des Domes von Trier.
* Der vor kurzem der Oeffentlichkeit übergebene „Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches ür da» Deutsche Reich" stellt sich im Eh er echt mf den Standpunkt der Konfessionslosigkeit, welcher n einer Zeit, wo wir so viele Heiden unter uns jaben, diesen nachgelasten werden mag, aber nun und nimmermehr gläubigen Christen aufgedrungen werden darf. Was soll aus der Heiligkeit der Ehe >ei einer Kautschuk-Bestimmung, wie der des § 1259 werden, wonach ein Gatte die Ehe anechten kann: „wenn ihm solche persönliche Eigenschaften oder Verhältnisse des andern Theils von diesem verhehlt sind, welche ihn bei verständiger Würdigung des Zweckes der Ehe von der Eheschließung abhalten mußten, und von welchen zugleich vorauszusehen war, daß sie ihn, wenn er sie gekannt hätte, von der Eheschließung abgehalten haben würden." Auch in demObli- gationen-Recht 'hält der Entwurf sich fast ausschließlich an die hergebrachten Schablonen und läßt jedes Eindringen in das innere Wesen der wirthschaftlichen Neubildungen, sowie die Erkenntniß der dadurch der Gesetzgebung gestellten Aufgaben vermissen. Das gilt vor allem vom Arbeitsvertrag, welcher in den letzten Jahren in einer großen Anzahl europäischer Staaten den Gegenstand von mehr oder weniger gelungenen Spezial- Gesetzen abgegeben hat, im Entwurf aber mit wenigen Paragraphen abgedroschenen Inhalts ab- gethan wird.
* Die Krankheit unseres Parteilebens-nennt die ,Franks. Ztg.' ein langes und schmerzliches Kapitel. „In allen Parteien, sagt das genannte Blatt, seufzt man darüber, in allen Parteien gesteht man sich ein, daß man, vom eigenen Standpunkte aus betrachtet, selbst von Schuld nicht ftei zu sprechen ist. Die wenigsten Vorwürfe braucht sich noch da» Cent rum zu machen, denn es hat den größten Erfolg für sich; auch die Konservativen haben viel erreicht, nur find ihre Ansprüche Ungleich größer als ihre Errungenschaften und diese letzteren stehen in Gefahr, von der nächsten liberalen Woge verschlungen zu werden, während das Centrum stcher weiß, daß Niemand wieder einen Kulturkampf anfangen wird, nachdem ein Bismarck betritt besiegt wurde."
eifriger Anhänger des Christenthums, wollte feine goldene Ehrenkrone an den Stufen des Altars niederlegen, so wie ehedem der Triumphator sein Diadem in den Schooß des Jupiters auf dem Kapitol legte.
An dem gewaltigen Mittelportale des auf viereckigem Unterbau sich erhebenden Kuppelbaues harrte, umgeben von einem Kreise von Priestern, ein ehrfurchtgebietender Greis, mit den Abzeichen der bischöflichen Würde geschmückt, um den Kaiser zu empfangen. Der hohe Greis mit den schneeweiß leuchtenden Locken und dem langwallenden Silberbart war Bonosus, der hl. Bischof der treverischen Kirche, der direkte Nachfolger des im Jahre 358 in der Verbannung gestorbenen hl. Paulinus. Der Triumphator stieg sogleich von dem Wagen und beugte demüthig das Knie vor dem ehrwürdigen Manne, um seinen Segen zu erbitten. Bonosus segnete den Kaiser und das Heer mit dem Zeichen de» hl. Kreuze»; dann hielt er eine kurze, aber herzliche Begrüßungsrede an den siegreichen Kaiser. Auf einen Wink Valentinians wurden die Alamannen nun hinweg nach den öffentlichen Gefängniffen, ihre Königin aber in den Palast geführt. Der Kaiser, sowie ein großer Thtil des Heeres folgte dem Bischof in das prachtvoll ausgestattete Innere des Dome«, welchem hohe Bogenfenster von allen Seiten reiche» Licht spendeten. Vier riesenhafte Säulen von dunkel-
• Der König von Griechenland ist heute früh in Berlin eingetroffen und vom Kronprinzen von Griechenland auf dem Bahnhofe empfangen und nach dem Schlöffe begleitet worden, wo der König für die Dauer seine» hiesigen Aufenthalt» al» Gast de» Kaiser» Wohnung nimmt. Am Mittwoch früh gedenkt König Georg über Warnemünde nach Kopenhagen weiter zu reisen, während Kronprinz Constantin noch längere Zeit in Berlin verweilen wird.
* Die kaiserlichen Prinzen taffen morgen Nachmittag aus Oberhof in Thüringen wieder in Potsdam ein.
• Der König von Portugal hat sich gestern von Nürnberg nach Reinhardsbrunn bei Gotha begeben.
* Der preußische Staatsrath soll int Spätherbst berufen werden, um sich über die dem Reichstage zu unterbreitenden Vorlagen gutachtlich zu äußern.
* Der Oberpräsident von Westpreußen von Ern st Hausen hat den erbetenen Abschied erhalten. Gleichzeitig wurde ihm der Kronenorden erster Klaffe verliehen.
* Wie von verschiedenen Seiten mitgetheilt wird, ist der Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft für Ostasrika auch das Recht der Ausgabe von Banknoten verliehen worden.
* Hildesheim, 27. Aug. Der Herr Fürst- bifchof von Breslau ist vorgestern hier eingetroffen und hat im Mutterhaufe der barmherzigen Schwestern Wohnung genommen. Heute begab sich derselbe, vom hochwürdigsten Herrn Bischof von Hildesheim begleitet, zur Bischofs-Conferenz nach Fulda.
x Freiburg, 26. Aug. Unter den deutschen Staatrbahn-Verwaltungen scheinen, trotz combinir- barer Rundreisebillet« und anderer „weitest" gehender Vergünstigungen, die einen oder anderen doch noch etwa» weiter gehende Vergünstigungen gewähren zu können. So sind wir in der erfreulichen Lage mitzutheilen, daß eine löbl. General-Direktion der k. bayerischen Staatsbahnen auf das Gesuch der vorbereitenden Comit«'s der 35. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands durch Schreiben vom 24. August „den sich
grauem Granit strebten, ein Quadrat bildend, in der Mitte des Raumes mit ihren korinthischen, kunstreich gearbeiteten Kapitälen von blendend weißem Marmor empor und stützten die mächtigen Gewölbe; kuppelartig erhob sich die Mitteldecke über die acht umliegenden Felder. Eine kunstvolle Mosaik von schwarzen und weißen Marmotfliesen bedeckte den Fußboden. Ring» an den Wänden entlang lief als Sockel eine graue, schwarzgeäderte Marmorbekleidung, die oben und unten mit einer Einfaffung von weißem Marmor verbrämt war; es folgten dann verschiedenfarbige Marmorbc- kleidungen der Wände und höher hinauf Mosaiken, die in vergoldeten Glasstiften ausgeführt, den Anschein eines goldigen und hyazinthenfarbigen, überaus leuchtenden Gewebes boten. 9
Bischof Bonosus trat vor den herrlichen Hochaltar, und ein festlicher Dankgottesdienst beschloß die öffentliche Siegesfeier.
1) Beschreibung nach Hettner, Schneemann und Wil- mowski. P. Beissel tritt in den .Stimmen aus Maria- Laach' (Jahrgang 1886, Heft 1-3) ffb-rzeugungsvoll für die alte U-berlieferung ein, welche erzählt, daß die Mutter Konstantins, di- hl. Helena, dem hl Bischof Agrrt,^ e,ne Prachthalle geschenkt habe, banvt er sie zur christlichen Kirche umbauen lasse, und daß diese von Agntrus dem hl. Petrus geweihte Kathedrale sich noch im Kerne des heutigen Domes vorfinde.