J\® 195.
Samstag, den 25. August.
1888
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* Der Streit um Mafsarrah.
Die ganze politische Welt beschäftigt sich z. Z- mit Masiauah und folglich mit Italien, und feit einigen Wochen ist dieses afrikanifchen Nestes wegen, in dem die bedauernswerthen italienischen Soldaten fast verschmachten, ein heftiger diplomatischer Streit entbrannt, an welchem sich eine ganze Reche von Mächten beiheiligt.
Man erinnert sich, wie der Zank ausgebrochen. Der Befehlshaber des italienischen Korps in Afrika, General Baldisiera, schrieb den in Masiauah an- aesiedelten Fremden die Entrichtung gewisser Umlagen vor. Die Meisten zahlten ohne Wrderspruch; nur dreiundzwanzig Kaufleute, zwanzig davon Griechen, weigerten sich und riefen das Einschreiten de» französischen Vizekonsuls an, dem der Schutz der an jener Küste weilenden griechischen Unterthanen übertragen ist. Der französische Vizekonsul Herr Mercinier, richtete einen Protest an General Baldisiera, indem er sich auf die Kapitulationen berief. Der italienische Befehlshaber erwiderte, erstens gingen ihn die Kapitulationen nichts an, weil Masiauah italienisches Gebiet sei, und zweitens halte er Herrn Mercinier nicht für eine diplc- matifche Perfönlichkeit, sondern für einen Privat- mann, da er nur ein türkisches, aber kein tta« lienischcs Ex quatur besitze. Darob entstand große Entrüstung in Frankreich. Die Pariser Presse begann die heftigsten Angriffe auf Italien; bte römischen Blätter zahlten pünktlich zurück. Dre beiden Rundschreiben Crispis vom 25. Juli verschärften den Streit. Man hatte geglaubt, die französische Regierung werde sich mit der förmlichen Mittheilung der italienischen, daß sie Masiauah in Besitz genommen habe, begnügen und die an sich unbedeutende Sache nicht weiter verfolgen. Goblet halte in seiner ersten Note eigentlich nichts weiter verlangt, als diese offizielle Mittheilung. Aber der scharfe Ton in Crirpt» Rundschreiben mag in Pari» verletzt haben, oder man hat sich dort überhaupt eine» anderen besonnen, denn in dem Rundschreiben, welches Herr Goblet seinerseits am 3. August an die Mächte richtete, wird bestritten, daß Italien das Recht habe, die Kcp.- tulationen für hinfällig zu erklären. „Wir leugnen nicht", schrieb der französische Minister de» Auswärtigen, „daß die Kapitulationen in einem von einer europäischen Macht verwalteten Lande keine
Air Tochter des Almonmnkömgs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
1.2. Fortsetzung.)
„Du wunderst Dich darüber? Nun vor wenig Sonnenuntergängen besuchte ich ihn in Novio- magus.') Er war al» Gesellschafter des langen Augustus Gratian mit der kaiserlichen Staatspost von Moguntiacun?) über SBircun.i) 2 3), Dumnisiu^) und Tabernae dem Heere nach Noviomagus vorausgeeilt, und erwartete hier in der herrlichen Kaiserburg die Ankunft der Legionen, um sich ihnen zum Einzuge in die Augusta anzuschließen. Er sprach begeistert von der gefangenen Könrgin und beklagte tief ihr schmachvolles Geschick. Ich meinte sie vor mir zu sehen, als er mit jugendlichem Feuer sie schilderte: König Rando ist gefallen und mit ihm ein großer Theil der tapferen Alamannen; die Uebrigen find den Berg hinaufgetrieben und umzingelt. Auf dem Gipfel de» Berge« steht ein hohe», königliches Weib in maje- statischer Schönheit. Der Sturmhelm mit gestäubten Schwanenflügeln deckt ihr göttergleiches
i) Neumagen a. d Mosel. , „
2) Mainz. ») Bingen. «) Densien 5. Kirchberg a. d.
Hunsrücken.
Pforte kommt also thatsächlich zu spät, und e« wird seinen Werth nicht sonderlich erhöhen, daß nun auch der Chedive mit einem Protestchen nachhinkt, indem er Masiauah al» egyptische» Gebiet bezeichnet. ,
Die Großmächte haben für Italien Partei ergriffen: Rußland jedoch stellt sich auf die Seite Frankreichs. Das ,Journal de St. Petersbourg', sagt, Rußland würde gegen die Abschaffung der Kapitulationen nichts einwenden, wenn dieselbe das Ergebniß eines Einvernehmens zwischen den Mächten wäre, aber da» Prinzip, wonach die Kapitulationen ispo facto durch die Besetzung des betreffenden Lande» von Seite eine» zivilifirten Staate» aufgehoben würden, müßte man als eine Neuerung betrachten. Wie man sieht, stimmt diese Aeußerung fast wörtlich mit der oben zitirten Stelle au» Goblet'» Rundschreiben überein, und e» kann demnach kein Zweifel mehr an der Hal
tung Rußlands bestehen.
Diese Gruppirung der Mächte ist, streng genommen, das einzig Interessante an dem ganzen Streit wegen Masiauah. Sonst berührt er Europa herzlich wenig, und selbst die neueste blutige Kunde vom Rothen Meere regt außerhalb Italiens kaum ein menschlicher Gemülh auf. Aber die Stellung der Mächte f.ffelt den Blick des Politiker». Auf einer Seite Italien, Deutschland, Oesterreich, England-, auf der anderen Frankreich und Rußland. Immer wieder zeigt sich das nämliche Bild, und seine Unverändertheit stimmt schlecht mit der Versicherung, es seien in Peterhof doch gerotffe Verabredungen getroffen worden. Weder in der bul-
einberzuschreiten.
$u sprichst von Swanahild, der gefangenen Königin? Ihr Ruhm drang auch zu meinem Ohr. Man sagte mir, daß sie den Heldengeist der athenischen und den Wuchs der cyprischen Göttin m sich vereinige," mischte sich Doryphorian, der Gc- heimsekretär des Präfektur Prätorro, in die Unterhaltung, und aufleuchtenden Auges fügte ei hinzu: „Welch' ein Hochgenuß mußte es sein, da» herrliche Weib in der Arena mrt den wilden Thi.- ""„SaÄ ^dem°Merhöchsten, daß Valeniinian
Dir, daß vor dem kommenden Neumond die Arena des Amphitheater» geöffnet fein wird."
„Möge der Himmel verhüten, daß feine Worte sich erfüllen," flüsterte Hefperu». „M-ximiniuS, der Präfekt, ist grausamer als ein Tiger, und seine Macht ist schrankenlos, wie die der Tode». Zu Doryphorian gewendet, sagte er dann mit erhobener Stimme: „Ich gestehe zu, daß der Kaiser den Geist der ChristenthumS mcht recht erfaßt hat. Doch er ist gerechten Sinner; wenn er auch gestatten wird, daß die zum Tode verurtherlten Verbrecher zur Belustigung de- Volkes in der Arena ihr Leben enden, so wird er mmmer zu- geben, daß die Kriegsgefangenen den wilden Thie- ren vorgeworfen werden."
„Es sind Feinde Roms," entgegnete der Sekre- lät So wlll^ich Dir verrathen, daß Valentinian's Gesinnungen gütiger sind, als Du zu denke n
über den leuchtenden Schuppenpanzer auf das spiel nicht bieten, ries oer junge
’Ä elngtembüneunb wff«,
SÄKtSÄSi äs«» 9« rnÄite, S»=Ä SUi«. m b<m wb et M »M be'tten ; d-mm,,°g° ich Ringwall herunter. So kämpfend wir Pallas Athene wird die Hehre gefangen genommen von der Uebermacht der Unserigen, da sie e» ver- schmäht, die Flucht zu ergreifen. Valentrman ehrt die Königin und begegnet ihr mit großer Achtung ; dennoch wird er ihr es nicht erlösten können, bei dem Einzüge geftffeüt vor seinem Siegeswagen
Berechtigung mehr haben; aber alle Präzedenz- fälle erlauben uns, zu sagen, daß sie mcht ipso facto unterdrückt werden, sondern daß e» zu ihrer Beseitigung der Zustimmung der betheiligten Regierungen bedarf." So fei e» in Cypern, in Bosnien und in Egypten gehalten worden; in Bulgarien bestünden sogar heute noch die Kapitulationen zu Recht, in Tunis seien sie nur aus Grund von besonderen, mit jeder Macht einzeln obge- schlostenen Verträgen abgeändert worden. Am Schluste seiner Circularncte drohte Herr Goblet ziemlich unverblümt mit der Nichtbeachtung der sogen. Vertrages von Bordo, den Italien seinerzeit mit dem Bey von Tunis eingegangen war und Frankreich mit Ausnahme der Gerichtsbarkeit der italienischen Konsuln anerkannt hatte.
Die italienische Regierung erwiderte auf das Rundschreiben des französischen Minister» mit einer That: sie ließ in Zula ihre Flagge hissen und ihr Protektorat erklären. Neue Aufregung in Frankreich, verdoppeltes Federgefecht zwischen der Journalistik beider Staaten. Allem der Streit ist längst nicht mehr auf sie beschränkt, sondern es mischen sich allmählig Andere ein. Griechenland, das zuerst seinen Gesandten von Rom abberufen wollte, zeigte sich später geneigt, den italienischen Standpunkt gelten zu lasten, schlug sodann abermals um und erhob Beschwerde. Herr Crrspi hat sie mit einer derben Note erledigt, welche dis Widersprüche in der Haltung Griechenland» geißelt und mit beißendem Spott von der Unverantwortlichkeit der kleineren Staaten im Corcert der Mächte spricht. Inzwischen hatte man sich die i in dem Streite um Masiauah
Sache in Konstantinopel überlegt und herausgefun 9 ({ne g betreiben zeigen,
den, daß man sich zu etwas entschließen muffe, -----------------------------------
um die Würde der Türkei zu wahren. Natürlich Deutsches Reich.
zu keiner That, sondern zu einem .papierenen Berlin, 24. August.
Proteste, in welchem salbungsvoll auseinander gc- I # «aifer Wilhelms Rom-
fitzt wird, daß ° unterwor^n seiend fahrt" überschriebenen Leitartikel macht die ,Köl.
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ihre Zustimmung gegeben hatten. Der Protest der dann fort. —