gen vollzogen, der preußische Thron hat zweimal den Inhaber gewechselt, aber die allgemeine politische Lage hat keine öffentlich wahrnehmbare Aen- derung erfahren; selbst der Besuch Kaiser Wilhelm» beim Zaren sollte an der bestehenden Thalsache des Dreibundes zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien nichts ändern. So wird denn auch von dem gegenwärtigen Besuche CriSpi'S kaum ein greifbares Resultat in die O-ffentlichkeit gelangen. Die .Nordd. Allg. Ztg.' bringt allerdings den Besuch mit dem italienisch-französischen Konflikt in Verbindung, indem fie schreibt: „Daß CriSpi'S Reise nach Deutschland politische Beweggründe nicht fremd find, geht indirekt aus der Aeußerung der ministeriellen .Riforma' hervor, welche bemerkt, daß dem Ausfluge des Minister» Präsidenten nichts innewohne, was aus dem normalen Rahmen der gegenwärtigen Politik heraus- treten würde. Worin aber die gegenwärtige italienische Politik besteht, ist -durch die neuerlichen Kundgebungen des römischen KabinetS, ganz zuletzt durch Crispis energische, nach Paris gerichtete Rote mit unzweideutiger Bestimmtheit dargelegt worden." Die ,Berl. Pol. Nachr.' spitzen diese Ausführung sogar noch zu; ste halten den Moment für gekommen, wo an Italien die Aufgabe herantritt, seine auswärtige Aktion schärfer als bisher zu präzisiren, wäre es auch nur, um einem Zustande ein Ende zu machen, der eine Quelle immerwährender Mißhelligkeiten zwischen Rom und Paris bildet. — Wir können nicht entscheiden, wie roeit diese Aeußerungen der thatsächlichen politischen Lage entsprechen. Im Allgemeinen aber wird man nicht fehlgehen, wenn man der Zusammenkunft die Bedeutung einer Festigung des deutschitalienischen Bündnisses beimißt. Auf diesem Standpunkte steht auch schon ein Theil der ausländischen Preffe.
* Wie verlautet, hat der Kaiser von Rußland sein Bild an Kaiser Wilhelm übersandt mit eigenhändiger Widmung, in welcher er an die schönen Tage von Peterhof erinnert und den Kaiser bittet, das Bild zum Andenken an diese Tage freundlichst entgegenzunehmen.
* Mitglieder der LandesvertheidigungS- Kommission stnd nach der Militär-Zeitung augenblicklich! General-Feldmarschall Graf von Moltke (Präses), General der Kavallerie Graf v. Waldersee, Chef des Generalstabes der Armee, General der Infanterie v. Pape, kommandirender
Er war im Spätsommer des Jahres 368. Balentinian beherrschte das Abendland. Das Heer hatte ihn zum Kaiser gewählt in einer Zeit, als die Alamannen Gallien und Rhätien verwüsteten, die Sarmaten und Quaden in Pannonien wütheten, die Pikten, Sachsen und Skoten in Britannien eingefallen waren und die Gothen Thrakien bekämpften. Fest hatte der willenrkrästige, unerschrockene Mann die Zügel der Herrschaft ergriffen, mit Stärke und Geschicklichkeit sich der Verwaltung des Reiches hingegeben und mit kriegskundiger Tapferkeit Sieg auf Sieg über die feindlichen Völker errungen. Im Verlaufe dieses Sommer» hatte er einen ungewöhnlich großen Feldzug gegen den kühnen Alamannenkönig Rando siegreich beendet. Der König war mit vielen Töpfern gefallen, und eine große Zahl gefangener Alamannen, darunter die Königin Swanahild, folgte dem Siegeszuge.
Seit Wochen schon herrschte lauter Jubel und unermüdliche Thätigkeit in den Mauern von Tre- veris; galt cS doch, dem Triumphator, der kurz nach einander Vie trotzigen Alamannen an den Ufern der Mosella, am Strande des Ricer *) und
i) Neckar.
JM 193. Donnerstag, den 23. August. 1888
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Der Anfang des Romans
W „Die Tochter drs AlamLUnenkimigs"7W deffen Abdruck heute beginnt, wird gegen Einsendung der Postquittung gratis und franko nachgeliefert.________
* Eine Mahnung zum Frieden ist der Leitartrkel, den der ehemalige französische Minister Jules Simon kürzlich im ,Mqtin' veröffentlicht hat. Er sagt u. A.:
Die größte Friedensgarantie, die wir nach dem Tode des friedliebenden Kaisers besitzen, ist die Ungeheuerlichkeit des nächsten Krieges. Die Welt hat noch keinen Krieg zwischen solchen Menschenmasien gesehen, die durch eine so umsichtige Mobilisirung mit Hilfe so rascher Transportmittel gesammelt sind und über so mörderische Waffen verfügen. Sie hat genug Epopöen über die Greuel der Kriege gemacht, aber solche Greuel waren ihr bisher nicht bekannt. Sie kannte nur ein schwaches-Abbild derselben. Sie nannte eine Armee von 100,000 Mann „die große Armee, und eine Ration, die 400,000 Mann in'» Feld stellen konnte, die große Nation." Was fie jetzt vor sich sieht, ist Altila, bewaffnet mit Melinit und mit Krupp'jchen Kanonen. Run schildert er mit beredten Worten die schrecklichen Kons, quenzen, welche eine Mobilmachung für alle Kreise der Bevölkerung haben wird. „Das Leben der Nation wird still stehen." Ec beschreibt den ersten Zusammenstoß, die Verwüstung des Bodens, die Maffenmorde der Schlachten. Er erzählt, wie sich die Hospitäler mit Hunderttausenden füllen werden; wie Massen von Gefangenen in ferne Provinzen befördert und zum großen Theile dort sterben werden. Wie dann die Kinder unter 20, die Männer über 45 Jahren in’» Feld rücken; wie das Brod zu fehlen beginnt, wie die Fabriken ein Raub der Flammen werden. Dann ruft er aus: Lebt wohl, ihr Bücher und Bilder, ihr Kunst-
Die Tochter dis ^lamanacnliönigs.
Historischer Roman von Antonie Haupt.
I, (Nachdruck verboten.)
Der Triumpheinzug in die Augusta Treverorum.
Stolz im Triumph glorreicher Siege, Wie keiner sie erkämpft zuvor. Zieht auf der leuchtenden Quadrige Valentinianus durch das Thor.
Es wirbelt Duft aus gold'nen Becken, Rom's Tempel sind mit Purpurdecken, So schön sie Tyrus beut, behängt;
Und rauschend lönt's wie Meeresbranden, Wo sich das Volk in Festgewanden, Des Feierzuges harrend, drängt. Schack. Seit vier Jahrhunderten ward die alte Hauptstadt der Treuerer von römischer Kultur beherrscht. Lange schon hatten die treverischen Männer ihr fruchtloses Kämpfen gegen die kühnen Eindring, linge, ihr verzweifeltes Ringen um Erhaltung der Unabhängigkeit aufgegeben, fie hatten sich Rom'» Herrschaft und Civilisation unterworfen, fie waren „ in ihrem Denken und Empfinden selber Römer geworden. Ihre Stadt, von Deokletian und Maxi- minian zur Metropole des w.stlichen Kaiserreichs erhoben, genoß schon fast hundert Jahre die
werke, ihr Denkmäler des Gedankens. Drei Jahrhunderte hat man gebraucht, um diese Wunder zu schaffen; drei Minuten genügen zu ihrer Zerstörung! Sind wir Sieger oder Besiegte'? Wir werden es morgen wissen, wenn unsere Generäle w.ssen werden, ob ihnen eine Armee bleibt, ob ihre Befehle verstanden worden sind, ob das deutsche oder französische Gewehr weiter trägt. Aber Sieger oder Besiegte, wir werden verloren seindurch unsere Niederlage oder unseren Sieg. Der Tod wohnt in allen Familien, Untergang droht allen Völkern. Und nach den Greueln des Krieges werden die Greuel des Bürgerkrieges kommen. Nicht in Frankreich, in Rußland und Deutschland, in ganz Europa wird die internationale Anarchie ihr blutig» rothes Haupt erheben und vernichten, was der Krieg Übriggelaffen hat, und endlich wird Europa ein Raub barbarischer Völker werden, die seine tausendjährige Civilisation vernichten, ein Cham- pollion werde nach Jahrhunderten ihre Spuren finden. „Ich weiß nicht," so schließt er, „was ich denken würde, wenn ich König wäre. Mein Herz würde sich vielleicht mit meiner Macht verwandeln; es ist möglich, daß Gott dem Besitz der unumschränkten Macht eine Geißel aufgebunden hat. Aber es scheint mir, daß, wenn ich einer von den zwei oder drei Menschen wäre, deren Wille in der Waage des Weltgeschicke» so viel wiegt wie der Wille eine» großen Volkes, daß ich dann zu allen Völkern, die seit 20 Jahren durch schreckliche Katastrophen bedroht sind, sagen würde: „Ich gebe euch den Frieden und damit das Glück." Sie können sich diesen Ruhm sichern, sich diese Glückseligkeit erwerben. Es ist ihnen so leicht, die Ersten unter den Sterblichen zu sein; die Napo- leons und die Cäsaren in Schatten zu stellen; sie können es; — und wir werden vielleicht in nächster Zukunft Millionen von Menschen sich ermorden sehen!"
Deutsches Reich.
Berlin, 22. August.
♦ Der italienische Ministerpräsident CriSpi ist gestern Abend in Fciedrichsruh eingetroffen, woselbst er vom Reichskanzler Fürsten Bismarck empfangen wurde. Der letzte Besuch CriSpi'S beim Reichskanzler fand im vorigen Herbst statt. Seitdem haben sich in Deutschland große Veränderun-
Ehre, die Residenz der abendländischen Kaffer zu sein, von der die Geschicke der ganzen westlichen Welt geleitet wurden.
Unsere Erzählung beginnt in einer Zeit, in welcher das wahre Leben Rom's an die barbarischen Grenzen geströmt war, in welcher die gallische Hauptstadt an dem Ufer der Mosella, geschmückt mit allem, was damalige Kunst zu leisten vermochte, in glanzvoller Größe und unbeschreiblicher Pracht sich erhob. Augusta Treverorum war, wie die Lobredner *) sagten, eine Tochter Rom's, deren Glanz und Schönheit mit Recht die Eifersucht der Mutter erweckte. Rom schien kein geeigneter Wohnsitz mehr für den bedrohten Herrscher, der Gallien gegen Franken und Alamannen schützen mußte. Neue Eroberungen hatte da« römische Reich nicht mehr zu machen, seine Cäsaren mußten sich darauf beschränken, den Besitzstand zu vertheidigen. Die Gegenwart der Kaiser an den Grenzen wurde daher unausgesetzt erfordert.
i) Die sogenannten Panegyriker, jene Rhetoren, die namentlich im Hoflager zu Trier ihre Beredtsamknt in Vorträgen zu Ehren der großen Machthaber d.s Westens entfalteten. Unter ihnen war Eumenius von Augusto- d unum (Autun), geb. 250 n. Ehr., der bedeutendste.