j\l 191. Dienstag, den 21. August. 1888
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Des Papstes Ruf!
/Festaruß zur 35. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Freiburg i. B. vom 2.—6. Sept. 1888.)
«t-fron höchster warte ließ erschallen yA/l Sein wort der Hort der Christenheit: 80^ „Ihr Söhne kommt! Laßt frohbereit Die sieggewohnten Banner wallen. Zieht hin gen Freiburg, zu der Stadt, Die festlich sich gerüstet hat.
Zieht hin! Sie wird Luch wohl empfangen; Gar gastlich ist der Bürger Haus, Die Arme streckt der Bruder aus Zum theuren Bruder mit verlangen: wir wollen halten guten Rath, In steuern jeder bösen That.
„So zieht heran von allen wegen, Zu fördern, was Ihr stets gethan. Luch leit' und schütz' auf Eurer Bahn, Der Herr mit der Apostel Segen, Den liebend spendet meine Hand Zum Heil für Kirche, Volk und Land." c-o ist des Vaters Ruf erklungen .... (0 Freiburg! Denkst du jener Zeit, Als zu dem heil'gen Kreuzesstreit Sankt Bernhard hier mit Feuerzungen Geworben hat die Ritterschaar, Die Christi starke Phalanx war?
Die Zeit ist wiederum gekommen; Begeistert von der gleichen Gluth, Beseelt mit ritterlichem Muth Habt Ihr des Feldherrn Ruf vernommen, Des Greisen, der mit Löwenkraft In Christi Kirche wunder schafft. Pavst Leo rief, der goldgekrönte, Der reichgeschmückte pr<e|tergrets, Dem auf dem ganzen Lrdenkreis Der Völker Jubelruf ertönte. Dem alle Fürsten fich geneigt, Dem selbst der Halbmond Ehr' erzeigt. Papst Leo rief; sein Ruf bedeutet. Daß Großes stch ereignen wird weit schaut hinaus der Volker tyrt; Gleichwie des Domes Glocke läutet Sein mächtig wort: <D kommt herbei, Kämpft für die Kirche, bis fie frer l was Gottes ist, von ird'fchen Banden Darf nimmer es gefeffelt fein.
Auf Christi selbsterwähltem Stem koch rag' und frei in allen Landen Der röm'schen Kirche fester Bau, Der fernsten Zeit zur hehren Schau I
Wie man in früheren Zeiten sein Glück machte.
Historische Humoreske von Dr. Grown.
(Schluß.)
„Eiv. Eminenz hören also die Leute gern lachen?" entgegnete der Gascogner kühn.
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'.Weil, wenn die Leute lachen . . ." „Genug ... ich weiß das llebrige. Und der Minister grüßte ihn mit einem Lächeln, um welches ihn viele der im Vorzimmer Versammelten beneideten. Versac kam nach Hause, noch qlücklicher über die ersten Worte, die der Minister mit ihm gesprochen hatte, als über dessen erstes
„Chevalier," sagte er zu sich, „der Premier- Minister hat mit Dir gesprochen; wenn Du also kein Narr bist, so ist Dein Glück gemacht, und da Du kein Narr bist, so . .
Versac war aber nicht der Mann, der, wahrend er sein Glück bei Hof suchte, andere Gelegenheiten nicht auch tat Auge behielt. So besuchte er in Pari» sehr oft eine reiche Familie, in welcher eine einzige Tochter war, welche die Eltern, dte ihr Vermögen int Handel erworben hatten, gern an einen Adeligen verheirathen wollten. Versac bewarb fich eifrig um die reiche Erbin, allein die Eltern waren trotz ihrer Eitelkeit doch nicht ganz gleichgültig wegen de» Geldpunktes und hätten
Und in der Kirche Schatten lebe Das Kind in frommer Schule Jucht; Süß reife jeden wiffens Frucht! vom Himmelsthau durchdrungen strebe Die Kunst im höchsten Blüthenflor wie Freiburgs Münsterthurm empor! — von höchster warte ließ erschallen Sein Wort der Hort der Christenheit . . . Legionen kamen frohbereit, Im Sonnenglanz die Banner wallen. Freiburg, dein Nam' uns Bürgschaft sei: Bald ist die Burg der Kirche frei!
Leo van Heemstedr.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. August.
* Der .Staats-Anzeiger' brachte, wie schon erwähnt, die amtliche Nachricht, daß der Staatsminister von Bötticher zum Vice-Präsidenten des Staatsministeriums ernannt worden ist. Diese Stelle hatte bekanntlich vorher der entlassene Minister des Innern, Herr von Puttkamer, inne, während Herr v. Bötticher preußischer Staatsminister ohne ein besonderes Restart war, wenn er auch das Reffort des Handelsministeriums, welches Fürst Bismarck nominell inne hat, regelmäßig tat Parlament vertrat. Der Schwerpunkt der politischen Wirksamkeit des Hrn. v. Bötticher liegt offenbar in seiner Stellung im Reichsdienste. Als Staatssekretair des Reichs-Amtes des Innern ist er außerdem der Stellvertreter des Reichskanzlers, allerdina» nicht mit dem Tttel „Vicstanzler", den Graf iJtio Stolberg-Wernigerode eine Zeit lang als Stellvertreter des Reichskanzlers führte. Herr von Bötticher ist also jetzt int Reichsdienst wie im Staatsdienst der Stellvertreter des Fürsten Bismarck als Reichskanz- lersundalsMinister-Präfidenten. Die Bedeutung dieses Ereigniffes wird von der ,Berl. Vztg.' dahin gekennzeichnet, daß nunmehr der tatsächliche Vorsitzende de» preußischen Staatsministerium» der Untergebene be» Fürsten Bismarck al» Staatssekretär de» Reichs-- amt» des Innern fei. „Wenn man angesichts der jetzt vollzogenen Ernennung sich der Klage
gern einen Schwiegersohn gehabt, der neben dem Adel noch viele tausend Franken Revenüen hatte. Der Chevalier hatte ihnen freilich viel von dem prächtigen Schloß und den großen Besitzungen seines Vaters an den Ufern der Garonne erzählt, aber das wollte nicht ziehen; man traute den Gascognern damals ebenso wenig wie heute und ihre Schlösser galten ungefähr so viel, wie heute Schlösser in Spanien und Onkel» in Amerika. .
Die Bewerbung de» Chevalier» hatte bis jetzt noch wenig Erfolg gehabt. An d^ Tage, an welchem Versac einen so unzweifelhaften Beweis von der Gunst der Kardinals erhalten hatte, machte er sich auf den Weg nach Paris, um den Vater feiner Schönen und diese selbst zu besuchen. Nachdem die üblichen Begrüßungen vorüber waren, sagte er zu dem alten Herrn:
Ihr gebt also nicht viel, wie es scheint, auf da» fchöne Schloß und die weitläufigen Besitzungen meine» Vater», deren alleiniger Eigenthümer ich eine« Tage» fein werde, und Ihr mögt vielleicht Recht haben I In so unruhigen Zeiten wie die jetzigen wäre e» vielleicht möglich, daß da» Schloß einmal belagert würde, und trotz seiner dicken Mauern, trotz seiner fieben furchtbaren Tyürme, trotz der tiefen Gräben, die e» umgeben, könnte e» doch vielleicht genommen und zerstört werden. Eine Überschwemmung der Garonne kann vielleicht die Aecker und Wiefen versanden und auf Jahre hm- au» unfruchtbar machen. Wir wollen also von
erinnert, welche Fürst Bismarck gelegentlich über die Verfassung des preußischen Staatsministerium» erhoben hat, so wird man zugestehen müssen, daß der jetzt eingetretene Zustand den Idealen de» Fürsten Bismarck mehr entspricht, als der bisherige." Deshalb darf man auch annehmen, daß diese Ernennung kein Nothbehelf und Provisorium, sondern als Erfüllung eines der letzten Ideals de» Reichskanzlers etwas Dauerndes ist. —
* Der .Köln. Ztg.' zufolge soll der Reichskanzler Fürst von Bismarck beabfichtigen, das Portefeuille des Handels demnächst abzugeben.
* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' erklärt nach Kennt- nißnahme der „Antwort an die deutsche Prefle", welche Madame Adam in der ,Revue Nouvelle4 veröffentlicht hat, sie könne sich eines gewissen Bedauern» nicht erwehren, jener Dame und des von ihr verfaßten jüngsten Machwerks überhaupt Erwähnung gethan zu haben.
* Der italienische Ministerpräsident Crispi befindet sich auf der Reife nach Deutschland und wird zunächst den Reichskanzler in Friedrichsruh besuchen.
* Das „Reichsgesetzblatt" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers betreffend die Erweiterung der Festungsanlagen von Magdeburg. Auf Grund des § 25 des Gesetzes, betreffend die Beschränkungen de» Grund- eigenthums in der Umgebung von Festungen, wird darin bekannt gegeben, daß eine Verstärkung
der Rayons dieser Festung in Aussicht genommen ist.
* Hannover, 20. Aug. Der .Hannov.Cour.' meldet, Bennigsen werde kein Mandat zum preußischen Abgeordnetenhause annehmen.
* Saarburg, 18. Aug. In sämmtlichen Gemeinden der Landbürgermeisterei Saarburg wird vom 1. Oktober d. I. ab kein Schulgeld mehr erhoben.
F. Freiburg i. Br., 19. Aug. Schon jetzt häufen sich die Wohnungs-Anmeldungen für die General-Versammlung der Katholiken Deutschlands in einem Maße, daß die Beschaffung bequemer Quartiere zusehends gesteigerte Anforde-
Aeckern und Wiesen und Schlössern nicht weiter reden, aber nun antwortet mir mal auf diese Frage: glaubt Ihr, daß ein junger, wohlgebildeter Edelmann, geübt in allen männlichen Künsten, witzig, talentvoll und tapfer, der sich der Gunst der zweiten Perfon im Königreiche zu erfreuen hat, glaubt Ihr, daß ein solcher Mann seiner Zukunft getrost entgegensetzen kann?"
„Ganz gewiß," antwortete der alte Kaufmann.
„Gut; vergeßt nicht, was Ihr gesagt habt.
Ihr seht in mir den erklärten Liebling Seiner Eminenz des Premierministers, des Kardinals Mazarin . . . ."
„Des Premierministers?" unterbrach ihn der alte Mann. _
Ja, des Premierministers Mazarin.'
„So hört denn: beweist mir, daß das wahr ist, was Ihr soeben sagt, laßt mich sehen, daß der Minister Euch in meiner Gegenwart ein besondere» Zeichen seiner Huld gibt und--die Hand meiner
Tochter ist Euer."
„Mit den hunderttausend Kronenthalern Mit- trift "
9 „Ja, mit hunderttausend Kronenthalern Mit- trift “
Und mit der Gewißheit auf Euren Nachlaß nach Eurem Tode, den Gott noch lange hinaus- schieben mag?"
„Mit allen Rechten und Ansprüchen, die meine • Tochter jetzt hat."