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M 189

Samstag, den 18. August.

1888

filhtt W Itilng.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' m Fulda 1 M. <0 Pf-, auswärts l M 75 Pf.

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Zweites Blatt.

—* Ueber Freimaurerei.

XXIII.

Wir werden im nächsten Quartal die Enthüllungen der Geheimnisse und Ceremonien der übrigen Grade fortsetzen, wenn auch nicht so ausführlich wie die» beim „Lehrlingsgrad" der Fall war. Diejenigen welche mit Spannung diesen aktenmäßigen Ent­hüllungen folgen und eine rasche Fortsetzung wünschen, mögen berücksichtigen, daß die Größe der Zeitung dem sich immer noch mehrenden Material nicht entspricht und daß deßhalb der Stoff auf längere Zwischenräume vertheilt werden muß; anderntheil» ist zu berücksichtigen, daß manche Leser der Freimaurerei bei weitem nicht jene Bedeutung beilegen, die sie leider immer noch im sozialen und politischen Leben hat und deßhalb gründliche Enthüllungen etwa» langweilich finden. Daß die Ceremonien und der Ritus der Loge thatsächlich läppisch und langweilig find, hab« wir ja bewiesen. Doch sollen diese Artikel auch weniger der Unterhaltung dienen, al» vielmehr dem Wunsche unseres hl. Vaters nachkommen: „Vor Allem reißt der Freimaurerei die Maske herunter!" —

Bevor wir weitergehen, müssen wir unsere Leser über einige Grundzüge der Verfassung de« Frei­maurer-Ordens aufklären.

Die Freimaurerei, eine abenteuerliche Nachäffung des Katholizismus hat ihre besonderen Riten. Die zahlreichen Riten, obwohl einig in ihrem Ziel, gehen in den geheimnißvollen Gebräuchen und Hebungen auseinander. Seit dem Bestehen der Sekte find von ihren vornehmsten Häuptern 75 Freimaurereien, 52 Riten, 34 sog. Freimaurer- Orden, 26 androgyne Orden, 6 maurerische Akademien und im Ganzen mehr als 1400 Grade gegründet worden. Viele davon sind wieder ver- schwunden. Die übrig gebliebenen find folgende zehn:

1. der Ritus von Herodom; 2. der Alte ange­nommene schottische Ritus; 3. der Alte reformirte schottische Ritus; 4 der Philosophische Ritus; 5. der Französische Ritus; 6. der Ritus von York; 7. der Johannitische oder Zinnendorf'sche Ritus; 8. der Eklektische Ritus; 9. der Schwedische Ritus von Schwedenborg; 10. der Ritus von Misraim.

Mit Rücksicht auf die Zahl der Grade, welche sie enthalten, können diese Riten in vier Haupt- klaffen eingetheilt werden; diese Klassen sind:

1. der Ritus von Herodom. Derselbe be­ansprucht die alte Maurerei darzustellen und zählt 25 Grade; — 2. der Alte angenommene schottische Ritus, welcher den 25 Graden des Ritus von Herodom 8 weitere beifügte. Ihm schließen sich an: a) der Alte reformirte schottische Ritus. Derselbe zählt ebenfalls 33 Grade, nur werden mehrere derselben zu­sammen, d. h. ohne Proben ertheilt; — b) der Philosophische schottische Ritus, welcher dem Alten angenommenen schottischen Ritus ganz ähnlich ist, nur mit dem Unterschiede, daß er beim Grade des Ritter Kadosch stehen bleibt; — c) der Französische Ritus, welcher zwar vorgibt, blos 7 Grade zu besitzen, in Wirklichkeit aber 11 Grade mit Proben und 22 fakultative besitzt, welche zugleich mit andern verliehen werden; — 3. der Ritus von York. Die Uebung dieses Ritus ist sehr verschieden. Nach den ur­sprünglichen Konstitutionen sollte derselbe in der That nur 4 Grade umfassen, deren höchster der Grad Royal-Arch wäre; aber die meisten Groß­logen lassen denselben mit Einschiebung von 1 und sogar von 3 Graden zwischen dem gewöhnlichen dritten und vierten Grade anwenden; überdies

üben die obersten Maurer des Ritus von York, obgleich ste offiziell weder Titel noch Abzeichen von höher« Graden tragen, einen Rosenkreuzer- Grad und 19 sogenannte Rittergrade aus. — Dem Ritus von York schließen fich an: a) der Johannitische oder Zinnendorf'sche Ritus mit 7 Graden; b) der Eklektische Ritus, welcher ursprünglich nur 3 Grade umfaßte, aber neuerding» zwei höhere Grade hinzufügte; c) der Schwedische Ritus von Swedenborg mit 12 Graden; — 4. der Ritus von Misraim mit 90 Graden. Dieser Ritus kann als der Gipfelpunkt blühenden Unsinns und sakrilegischer Possenreißerei gelten.

Wir wollen einige summarische Angaben nur über den Ritus von Herodom folgen lasse«.

Dieser schottische Ritus, auch Alter und Voll- kommener Ritus genannt, besteht aus 25 Graden, welche in sieben Klaffen zerfallen:

1. Klaffe. - 1. Lehrling. - 2. Geselle. - 3. Meister.

2. Klasse. — 4. Geheimer Meister. — 5. Vollkommener Meister. — 6. Vertrauter Sekre­tär. — 7. Probst und Richter. — 8. Gebäude- Aufseher.

3. Klasse. — 9. Erwählter Meister der Neun. — 10. Leuchtender Erwählter der Fünf­zehn. — 11. Erhabener Ritter, Haupt der zwölf Stämme.

4. Klasse. — 12. Großmeister-Architekt. — 13. Königliches Gewölbe (Royal-Arch). — 14. Sehr Erwählter Alter.

5. Klasse. — 15. Ritter vom Degen. — 16. Fürst von Jerusalem. — 17. Ritter vom Osten und Westen. — 18. Erhabener Fürst des Rosen­kreuzes. — 19. Großer Oberpriefler des himm­lischen Jerusalem.

6. Klasse. — 20. Groß-Patriarch, Ehrwür­diger Meister auf Lebenszeit. — 21. Großmeister des Schlüssel». — 22. Fürst von Libanon, König­liche Axt.

7. Klaffe. — 23. Ritter von der Sonne, Eingeweihter Fürst. - 24. Befehlshaber des Weißen und Schwarzen Adlers (dieser Grad ent­spricht genau dem Grade „Kadosch"). — 25. Souveräner Fürst des Königlichen Geheimnisses. (Wir können nicht dafür, wenn Manchem die Namen etwas lächerlich vorkommen.)

Den Ritus von Herodom befolgen: die Groß­loge St. John in Schottland (Edimburg) - 118 von der Mutterloge zu den Drei Welt­kugeln (Berlin) abhängige Logen, 19 von der Großen Landesloge von Deutschland (Berlin) abhängige Logen, die Vereinigung der unabhän­gigen deutschen Logen (Leipzig), die Großloge von Ungarn (Budapest); im Ganzen etwa 92,700 Freimaurer.____________________(Forts, folgt.)

Mittelalterliche Anweisungen zu einem anständigen Essen.

Der Anstand ist im Leben eine so wichtige Sache und zugleich dem Menschen so wenig angeboren, daß frühzeitig das Bedürfniß etmfiunden wurde, kurze Anweisungen zu besitzen, wie man sich in den wichtigsten Tagen des geselligen Lebens zu verhalten habe. Und so haben wir denn schon au» dem dreizehnten Jahrhundert in verschiedenen Sprachen eine Reihe kleiner Bücher, die unseren Anstandslehren und Komplemmtirbüchern entspre­chen. Sie lassen fich ohne Roth unter die beiden Kategorien „Hunger" und „Liebe" bringen; die einen geben Anleitung mit Anstand zu essen, die anderen mit Erfolg zu mimten. Zunächst ist ein Wiener Büchlein und die sog. Tischzucht Tann­häuser» zu erwähnen. Da» Wiener Büchlein räth,

ich vor dem Essen die Nägel zu beschneiden, „da- nit man sich mit denselben nicht schände", und >en Gürtel zu weiten, um nicht wie ein Gauch dazusitzen. Beim Brodschneiden soll man das Brod nicht an die Brust drücken, wie kranke Weiber thäten. Aus Schüsseln darf man nicht „saufen", über die Schüsseln nicht den Kopf halten und „wie die Schweine schmatzen". Von den Brodschnitten solle man nicht abbeißen und sie dann in die Schüssel zurücksioßen. „Einige find gar so ge­fräßig, daß sie auf ihren Mund nicht aufpassen und sich gar in die Hand beißen." In das Tisch­tuch zu schneuzen (Vergebung! Aber man bedenke die Zeit, in der da» geschrieben wurde) ist so un­anständig, wie fich über den Tisch zu legen oder sich zurückzulehnen. Den Mund soll man wischen, bevor man trinkt, ihn aber nicht zu lange im Becher lassen, auch nicht in den Trank blasen. Auch ist es nicht fein, ein Bein anzunagen und e« dann wieder in die gemeinsame Schüssel zu legen. Wer gern Salz und Senft ißt, soll die Finger nicht in die betreffenden Fässer hineinstecken; Niemand soll Salz mit bloßer Hand reichen und mit dem Finger in die Eier langen. Diese Vor­schriften werfen grelle« Licht auf die damaligen Gewohnheiten.

De» „Tannhäusers Hofzucht" beginnt etwa» idealer. Bor dem Essen soll man beten und bei demselben der Armen nicht vergessen. Vom Ueber- effen kommt viel Roth um Fastnacht und um die Ostertage; manch' Tausend sind vom Essen lobt, die sich den Magen verdarben. Thöricht ist, wer sein Brod versalzt, um sein Gewand zu ver­trinken. Aber wer wenig in den Mund schiebt und großen Hunger hat, lebt auch nicht lange.

Französische Anleitungen, sich beim Essen an­ständig zu benehmen, sind ebenfalls aus früher Zeit vorhanden. Sie beschäftigen fich weniger mit den Anfangsgründen. Eine Stelle des be­rühmten „Roman de la Rose“ handelt von den Pflichten der Hausfrau. „Zu Tische schickt es sich, ein anständiges Gesicht zu machen. Auf alle Bedürfnisse soll ste acht geben; bevor ste sich setzt, lasse sie sich im Saale sehen; jedem gebe sie zu verstehen, daß sie mit Leib und Seele bei der Arbeit sei. Hat sie sich gesetzt, so sei ste allen behülflich; ste schneide vor und reiche Brod um­her; sie bediene den Herrn, mit dem sie aus der gleichen Schüssel ißt. In der Sauce beschmutze sie ihre Finger nicht bis zum Gelenke; allzu große Stücke häufe ste nicht im Munde an; sie esse blos mit der Spitze der Zähne; bett Bissen bringe sie vorsichtig an die Lippen, daß kein Tropfen ihr auf das Kleid falle. Auch soll sie fein trinken, daß sie nichts verschütte; leicht könnte man sie für eine Schlemmerin halten. Den Becher be­rühre sie nicht, so lange sie ein Stück int Munde hat; sie soll den Mund wischen, damit kein Fett in’» Gla» komme; Flecken int Glase sind weder artig noch schön. Sie soll in kleinen Zügen schlürfen und nicht gierig auf einmal einen Becher aurtrinken. Den Becher stecke sie nicht allzu tief in den Schlund, wie die Ammen thun. Sie hüte fich wohl, sich zu berauschen: (sic!) für ein berauschte» Weib gibt e» kein Gehetmniß. Am Tische soll sie auch nicht schlafen; viel Unziem­liche» macht man int Schlafe, u«t> wenn man fällt, kann man fich den Kopf zerschlagen oder Arm und Bein brechen."

In einem anderen für Damen bestimmten „An­standsbuche werden für'» Essen folgende Regeln gegeben: „Beim Essen sollt ihr euch hüten, viel zu lachen, viel zu reden. Wenn ihr mit einem Anderen zusammen eßt, so wendet die schönsten Stücke gegen ihn und wählt ste nicht für euch selbst. In Schlemmerei gibt es kein gute« Stück;