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189. Samstag, den 18. August.

Ful-ler W Jtilxig.

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Erstes Blatt.

♦ Die General-Versammlung des „Evangelischen Bundes",

welche in den letzten Tagen in Duisburg statt» fand, hat allein schon durch den Beschluß, die Oeffentlichkeit der Verhandlungen aurzuschließen, sich selbst den gebührenden Stempel aufgedrückt. Nur den Bunderbrüderu warm die Versammlun­gen zugänglich, kein profanes Ohr durfte sehen und hören, was da vorging und was geredet und gesprochen wurde. Und dieselben evangelischen Bundesbrüder, die so dasMcht und die Kritik der Oeffentlichkeit scheuen, beklagen sich dann noch bit­ter darüber, daß ihren Bestrebungen, „falsche Un­terstellungen" unterschoben würden! Die Gene­ral-Versammlungen der Katholiken Deutschlands haben die vollste Oeffentlichkeit und bedürfen nicht des dichten Schleiers, mit dem die Duisburger Bundesversammlung ihre Haupt- thätigkett zu umhüllen für gut oder vielmehr für nöthig erachtete, so lange noch der § 166 im Strafgesetzbuch existirt, den die Thümmelgenoffen ja so gern beseitigt sähen.

Was mag da Alles gesprochen sein, was man nicht gern an die Oeffentlichkeit kommen lasten möchte! Aber bei solcher Geheimnißthuerei und einer solchen Sichtung des für die Oeffentlichkeit bestimmten Theilcs der Verhandlungen sollte man füglicher Weise doch erwarten dürfen, daß die mit Approbation des „Evangelischen Bundes" ver­öffentlichten Berichte Jein unangreifbares Material ergäben, welches zugleich für die große Bedeutung der Duisburger Bundesversammlung Zeugnis hätte ablegen können. Und was ist nun das Endergeb- niß dieser Duisburger Bundestage? Die Annahme von drei Resolutionen, deren erste die Ber­liner Polizeibehörden und die Minister v. Goßler und v. Puttkamer wegen der an dem Trümpel- mann'schen Lutherfestspiel vor der studentischen Auf­führung in Berlin vorgenommenen Censur tadelt, während die zweite einen Tadel gegen die „Spitzen der Behörden" evangelischer Konfession in Aachen wegen der Heiligthumsfahrt und ebenso nach So­lingen wegen der Aufhebung der Thümmelver- sammlung richtet. Und damit auch neben diesem zornwüthigen Tadel ein anderes und besteres menschliches Gefühl zum Ausdruck gelange, entbie­tet die dritte Resolution den evangelischen Arbei­tervereinen, in denen Thümmel bekanntlich seine

* Starra.

Eines schönen Frühlingsmorgens de» Jahres 186* machte ich mich nach dem Sitze der S—er Kompagnie auf den Weg, um mit meinem guten alten Freunde Paul S., den damals bereits pen- sionirten Grenzhauptmann, einen vergnügten Tag zu verleben. Paul erwartete meine Ankunft mit Ungeduld, denn wir hatten uns schon seit geraumer Zeit nicht gesehen. Er, sowie seine Gemahlin konnten mir für den Besuch nicht genug danken. „Ich versichere Dich, Bruder, daß mir Deine An­kunft so lieb und wrrth ist, wie jene meines ein­zigen Sohnes", versicherte mich Paul wiederholt und erkundigte sich nach den Neuigkeiten des Stabsortes. Um unserm Zusammensein eine größere Weihe zu verleihen, lud mein Freund Paul die gesammte Intelligenz der Ortschaft zum Nachtmahl ein. Diese bestand aus dem Pfarrer Terlitsch, dem Lehrer Suwitsch und dem pensionirten Förster Zuntsch. Wir saßen gemüthlich beisammen und unterhielten uns auf landesüblich-gemüthliche Art und Weise. Leider, daß die einstigen schönen Ge­bräuche immer mehr in den Hintergrund gedrängt

Hetzreden gehalten hat, „einen Gruß der Bruder­liebe und des herzlichen Einverständnistes mit ihren Bestrebungen". Das sind die sichtbaren, der Oef­fentlichkeit unterbreiteten Ergebniffe der Duisbur­ger Generalversammlung des „Evangelischen Bun­des", die nach Annahme der drei Resolutionen mit Absingung de» Liedes „Und wenn die Welt voll Teufel wär'" ihren feierlichen Schluß erhielt. Und darum dieser große Lärm?

Von den drei Resolutionen hat die erste wegen des Trümpelmann'scheu Lutherfestspiels noch ein besonderes Jntereffe. Nachdem die Minister v. Goßler und o. Puttkamer die an demselben vorgenommenen Streichungen damit gerechtfertigt hatten, daß es „an vielen Stellen eine so anstößige und schonungslose Erörterung von Gebräuchen und Grundsätzen der katholischen Kirche enthalte", und daß in der öffentlichen Aufführung de» Stückes selbst mit dem vom Berliner Polizeipräsidenten für nothwendig erachteten Streichungen „eine schwere Gefährdung des konfessionellen Friedens liegen würde", stellt die «Nordd. Allgem. Ztg.' die Frage auf: „Sollte es wirklich unter den unbefangen und maßvoll denkenden Evangelischen Jemand geben, der es für eine berechtigte Aeußerung evan­gelisch - lutherischen Bewußtseins hält, von der Schaubühne herab den katholischen Glaubens­standpunkt mit den schärfsten Beleidigungen zu überhäufen?" Die Duisburger Generalversamm­lung des „Evangelischen Bundes" gibt darauf die Antwort, wenn überhaupt diese Bundesbrüder auf das Prädikat von „unbefangen und maßvoll den­kenden Evangelischen" Anspruch machen, was aller­dings nach ihrem Auftreten mehr als zweifelhaft erscheint.

Die Resolution spricht ihr „tiefes Bedauern über die Hindernisse aus, welche der Aufführung des Trümpelmann'schen Lutherfestspieles in Berlin be­reitet worden sind." Wir müssen es den Per­sonen, an welche dieser Tadel gerichtet ist, über­lassen, ob sie sich dadurch tief gekränkt fühlen wol­len, nachdem sie dem studentischen Komitö gegen­über, wie dasselbe in seiner „Denkschrift" mitge- theilt hat, in den verbindlichsten Formen bereits ihrem Bedauern Ausdruck gegeben haben, die „Hin­dernisse" wegen des Inhalts de» Stückes der Aufführung bereiten zu müssen. In der Reso­lution wird aber gar nicht erwähnt, auf welche einfache Weise viese „Hindernisse" schließlich besei­tigt wurden. Das studentische Könnt« war unvorsichtig genug, in seiner Denkschrift auszu- wtotau Der.Pfarrer und der Hauptmann witzelten gern mit und gegen einander. Ich weidete mich an dem Vergnügen« welches der Pfarrer empfand und auch offen an den Tag legte, wenn es ihm den Hauptmann zu übertrumpfen gelang. Wer weiß, wie lange dieser Witzkampf noch gedauert hätte, wenn sich die Gattin unseres Gastgebers nicht ins Mittel gelegt hätte. „Ich bitte Euch, hört einmal mit Euern Witzeleien auf, es sind andere Herren da, die sich auch unterhalten möch­ten," sagte die Hausfrau mit leisem Vorwurfe. Ich trat sogleich auf ihre Sette und sagte: „Paul, laß etwas von Deiner Vergangenheit los." Der alte Hauptmann drehte an seinem langen Schnurr­bart, wie er es immer that, wenn etwas nach seinem Wunsche war. Wohlan, hört mich an, ich werde Euch eine Episode aus meinem Leben er­zählen, die ich in der B—er Kompagnie erlebt habe."

♦ ♦

„Als ich in der genannten Kompagnie als Lieutenant diente, tauchte in der Umgebung plötz­lich eine Banditenbande auf. Man wollte wissen, daß die Bande einschließlich des Haram-Bascha

plaudern, daß man sich bei der Aufführung um die von der Polizeibehörde und in letzter Instanz von den Ministern verfügten Streichungen gar nicht gekümmert, sondern dasTrümpelmann'- sche Lutherfestspiel unverändert und unverkürzt in der Darstellung wiedergegeben habe, — „und Nie­mand wagte die Feier zu stören", wie stolz und kühn hinzugefügt wird. Wir begreifen es wohl, daß ein Professor Oncken (Gießen) dem „Evan­gelischen Bunde" die Beförderung der Lutherspiele empfahl, weil diese Lutherspiele der vom „Evan­gelischen Bunde" begünstigten konfessionellen Ver­hetzung dienen, aber für so kurzsichtig und unvor­sichtig hätten wir doch die in Duisburg versam­melten Bundesbrüder nicht gehalten, daß sie die Geschichte des Trümpelmann'schen Lutherfestspiels in Berlin wieder auffrischen und ihre Hauptkrast daran wenden würden, deswegen ein Tadelsvotum nach Berlin zu schicken. Allzu scharf macht schartig!

Deutsches Reich.

Berlin, 17. August.

• Der h. Vater hat, wie schon kurz erwähnt wurde, durch eine vom 17. Juli d. IS. datirte Bulle die Herstellung einer Denkmünze in K r e u z e S f o r m angeordnet, womit alle die­jenigen Personen dekorirt werden sollen, durch deren Bemühungen die Jubiläumsfeierlichkeiten sich so glanzvoll gestaltet haben. Leo XIII. sagt in der Bulle, daß der glückliche Verlauf der Feier des fünfzigsten Jahrestags seiner Priesterweihe den vollgiltigen Beweis erbracht habe, mit welch' wunderbar starker Liebe und mit wie großer Ein- müthigkeit der Absichten die Katholiken den Stell­vertreter Jesu Christi zu ehren verstehen, und wie die schwierige Lage der Zeitoerhältnisse nicht im Stande ist, die Bande der Pflichten und der Liebe zu zerreißen oder zu lockern, welche die christlichen Völker mit dem römischen Papste verbinden. Der h. Vater zählt dann zum Beweise hierfür die Kundgebungen der Liebe und Ergebenheit auf, wie sie in der glänzenden Feier seines Jublläums, in Dankandachten, Glückwunschschreiben, Gründungen christlicher Wohlthätigkeiteanstalten, Asylen,Schulen, in der Aufhebung der Sklaverei, Pilgerzügen nach Rom und in den reichen Gaben und Geschenken zum Ausdruck gekommen sind. Von den reichen und kostbaren Gaben wurde eine Ausstellung ver­anstaltet, welche überaus günstig verlaufen ist und den von dem Papste gehofften Erfolg gehabt dreißig Köpfe stark fei." Unfete Kompagnie erhielt vom Regimentsstabe den Befehl, die Räuberkolonne zu formiren. Wir rüsteten uns über Hals und Kopf. Die Kolonne war in zwei Tagen marschbereit. Es war im Hochsommer. Dis Nacht war sternen­hell aber mondlos. Die Kolonne bewegte sich vor- sichtig vorwärts durch den Wald gegen die Hoch­ebene. Aus derselben stand das Haus de» Issa Komadie, dessen Sohn Rade vor mehreren Monaten unter die Banditen gegangen sein sollte.

Rade war verheirathet. Sein Weib stammte aus einem guten Hause. Warum der sonst gut fituirte Rade unter die Banditen ging, ist niemals genau bekannt geworden. Die Meinung darüber war getheilt. Einige wollten wissen, daß er zum blutigen Handwerke griff, um einer Prügelstrafe zu entgehen, da ihm der Lieutenant feiner Kom­pagnie das Verschwinden eines Paares Kommis- schuhe aus dem Magazin zur Last legte. Andere wieder behaupteten, daß der Lieutenant sein ehe­liches Glück zu stören versucht hatte, weßhalb ihm Rade Rache schwur und dieselbe durch Banditen an ihm üben wollte. Doch wie bereit» gesagt, einen bestimmten Beweggrund wußte Niemand.