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1888

Dienstag, den 14. August.

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Fuliiler

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Wegen des Festes »Mariä Himmelfahrt" wird die nächste Nummer ds. Bl. erst am Donnerstag ansgegeben.

Deutsche- Reich.

Berlin, 13. August.

• Herr v. Bennigsen ist einige Tage zum Besuch beim Reichskanzler in Friedrichsruh gewesen. Besuche zum Privatvergnügen empfängt Fürst Bismarck auf seinem Landsitze nur sehr selten und nur von Personen, die ihm oder seiner Familie besonder» nahe stehen. Wenn er politische Persönlichkeiten zu sich einladet, so muß der Zweck schon ein wichtiger sein. Und so ist die Anwesen­heit de» Herrn v. Bennigsen immerhin al» ein be­deutsame» Ereigniß in dieser Zeit der politischen Stille anzusehen. E» wird wahrscheinlich vielfach die Vermuthung ausgesprochen werden, daß die Begegnung durch die bevorstehenden Landtags­wahlen veranlaßt worden sei. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, daß der Reichskanzler und der Führer der Nationalliberalen sich über dieses Thema unterhalten haben. Man überschätzt aber wohl die Bedeutung dieser Wahlen und des Streites, der sich in den letzten Wochen darüber entspannen hatte, wenn man annimmt, daß dies allein die Veranlasiung und der Zweck der An­wesenheit Herrn v. Bennigsen's in Friedrichsruh gewesen sei. E» ist nicht genau gesagt, an welchen Tagen Herr v. Bennigsen dorr war. Es muß am 9., 10. oder 11. d. M. gewesen sein. Damals war der Streit ül er das Verhalten der Kartell­parteien zu einander schon so gut wie beendet. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' hat am 7. d. Abends den bekannten offiziösen Artikel gebracht, der wie das Signal: „Hahn in Ruhe" wirkte. Sie hat darin erklärt, daß die Regierung keine der drei Kartellparteien bekämpfen könne, daß diese sich daher vertragen und gemeinsam auf die Bildung einer Majorität hinarbeiten sollen. Die streitenden Brüder haben sich dem gefügt und werden, was im Ganzen und Großen eigentlich nie zweifelhaft war, bei den Landtagswahlen gemeinschaftlich gegen Centrum und Freisinnige operiren. Weder Fürst Bismarck noch Herr v. Bennigsen werden dem Streit soviel Bedeutung beigelegt haben, daß sie deßhalb eine Zusammenkunft für nothwendig ge­halten hätten. Dagegen ist die Vermuthung, daß Fürst Bismarck der Regierung der neuen Kaiser» durch ein scheinbar liberales Regiment die Wege zu ebnen versuchen könnte, in parla­mentarischen Kreisen schon im Frühjahr mehrfach erörtert worden, auf der einen Seite mit Behagen, auf der anderen mit entgegengesetzten Gefühlen. Diese Vermuthung wird jetzt verstärkt werden. Aufklärung darüber wird man wohl erhalten, wenn der Reichstag seine Thätigkeit beginnt.

* Im Jnseratentheil des .Zabrzer Anzeiger' liest man: „Es wird hierdurch und zwar im eigensten Jntereffe der betheiligten Gewerbe- treibenden darauf hingewiesen, daß kein selbst­ständiger Handwerker, welcher nicht einer Innung al» Mitglied angehört oder innerhalb einer solchen sich durch Erfüllung der in ihren Satzungen hier- für aufgestellten Erfordernisse den Meistergrad erworben hat, al» berechtigt angesehen werden kann, sich in Aushängeschildern oder in sonstiger Weise bei dem Verkehr nach außen hin als Meister de» betreffenden Berufsfache» zu be­zeichnen. Zuwiderhandlungen werden bestraft werden. Die Gemeindevorsteher weise ich an, von dieser Bekanntmachung den interesfirten Hand- werktreibenden in geeigneter Weise Kentniß zu geben. Der königl. Landrath v. Falkenhayn."

E» wäre ja recht schön, wenn nicht jeder beliebige Pfuscher sich Meister nennen könnte; die rechtliche Begründung der Verfügung aber ist uns sehr fraglich.

* Posen, 13. Aug. Wie der ,Kur. Pozn? mittheilt, ist die Eröffnung des geistlichen Semi­nars in Posen auf längere Zeit vertagt.

♦ Duisburg, 12. Aug. Die General-Ver­sammlung des Evangelischen Bundes machte sich heute durch eine Anzahl Gäste nebst Begleitung in der städtischen Tonhalle bemerkbar. Auch fand ein Abend-Gottesdienst in der (ehemals katho­lischen) Salvatorkirche statt. Sonst war trotz aller Vorbereitungen des Lokal-Komits's nicht wahrzu­nehmen, daß die Stadt von der Versammlung Kenntniß genommen hat. Ans dem Wege vom Bahnhofe zum Versammlungslokale, der städtischen Tonhalle in der Königsstraße, wehte eine ganze Flagge. Bis jetzt, Abends 8 Uhr, waren im Bureau der Tonhalle 180 Theilnehmer von aus­wärts angemeldet. Bei der zu vier Fünfteln von Damen besuchten Abendandacht hielt Superinten­dent Trümpelmann (Torgau) die F-stpredigt. Sie kann als vielversprechende Einleitung der Ver­handlungen angesehen werden; denn e» regnete nur so Invektiven gegen die „blinden Mafien der mittel­alterlichen Kirche". Er betonte in dem ersten nach der Textverlesung ausgesprochenen Satz, daß die versammelte Gemeinde „der Benediktion weder des Bischofs, noch eines Oberbischofs, noch des Un­fehlbaren zu ihrem Werke bedürfe", — eine Platt­heit, die al» bezeichnend für den Mann verzeichnet sei. Eine bemerkenswerthe Stelle der durchweg und Satz für Satz polemischen Predigt lautete unter Verbürgung der Exaktheit der hervorgeho­benen Worte: „Selbst wenn eine verblendete Staatsmacht jene Kirche stützt, welche nicht die Trägerin der Wahrheit ist, so wird diese Kirche fallen und in ihrem Sturze vielleicht einen Thron mit sich reißen." Der weitere Inhalt der Rede über die „funkelnde dreifache Krone de» Papste»", den „neben dem Fürsten prangenden Purpur" u. s. w. war den angeführten Proben entsprechend. Der Refrain: „Erhebe dich, du evangelisches Volk", wie die Bezugnahme auf die „weltgeschichtliche Mission unseres Vaterlandes" ergänzen da» Bild. Die Hauptredner des Bundes find fast vollzählich an­wesend, u. A. THümmel und sein Bruder, eben­falls Prediger. Das Laien-Element ist unter den auswärtigen Besuchern verschwindend vertreten.

(Köln. Vztg.)

* Limburg, 12. Aug. Herr Reichstagsab- g-ordneter Dr. Lieber hat fich, wie der ,Rass. B.' meldet, auf dem gestern von Bremer­hafen abgegangenen Schnelldampfer „Fulda" nach New Aork etngeschifft, um an der Anfang September in Cincinnati stattfindenden zweiten amerikanisch­deutschen Katholtkenversammlung Theil zu nehmen. Herr Dr. Lieber wird, einer an ihn ergangenen Einladung de» vorbereitenden Komite'» der Ver­sammlung entsprechend, auf derselben das Wort ergreifen. Die Rückkehr nach Deutschland soll, so Gott will, gegen den 20. September erfolgen.

* Neuß, 10. Aug. Durch die Blätter ging vor einigen Tagen eine Notiz, der verstorbene Fürst von Salm-Reifferfcheidt-Dyck habe durch Selbstmord geendet. Die ,Köln. Volksztg.' ist in der Lage, die Nachricht zu bestätigen. Der Fürst kam am 2. d., 7 Uhr Abends, von einer Spazierfahrt in« Schloß zurück, eine Stunde später fand man ihn in seinem Zimmer tobt, unter Umständen, welch« keinen Zweifel an einem Selbstmord übrig laffen. Der Fürst hat dem Vernehmen nach die unselige That in einem Anfall von Geistesstörung begangen.

-München, 12. Aug. Die Beschlüsse der

Freisinger Bischofs-Konferenz find dem ,Fränk. Kour.' zufolge an die Staatsregierung abgesendet worden.

— Kardinal Hergenröther, der jüngst von einem Schlagflufie getroffen wurde hat sich wieder voll­ständig erholt und ist von hier nach Innsbruck abgereist.

— Der XII. Kongreß der kaufmännischen Kongregationen und katholischen kauf­männischen Vereine Deutschlands hat gestern Abend in dem auf's Prächtigste dekorirten großen Saale des katholischen Casinos mit der Begrüß­ung der sehr zahlreich aus allen deutschen Gauen erschienenen Vertreter seinen Anfang genommen. Aus preußischen Städten hatten fich bis gestern u. A. Delegirte eingefunden aus Bochum, Bres­lau, Köln, Coblenz, Crefeld, Duisburg, Düfieldorf, Dortmund, Erfurt, Effen, Frankfurt, Fulda, Hannover, Halle, Magdeburg, München-Gladbach, Neuß, Paderborn und Uerdingen. Vom Vororte Dortmund war der Ehrenpräsident Herr Kaplan Walter erschienen, ebenso war der Gründer de» Verbandes, Herr Dr. Elz aus Mainz, herbeigc- eilt. Der geistliche Beirath des hiesigen Vereins „Hansa", Herr Universitätsprofefior Dr. Atzberger, hielt die Begrüßungsrede, in welcher er den groß­artigen Eindruck der Versammlung schilderte. Herr Kaplan Walter-Dortmund sprach sodann über die Prinzipien der katholischen kaufmännischen Vereine. Von Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. traf durch die hiesige päpstliche Nuntiatur folgender Tele­gramm ein: „An den apostolischen Nuntius in München. Der hl. Vater beauftragt Euer Excellenz, dem Verbände der kathol. Kaufleute Deutschlands, die zum Kongreß versammelt find, seinen lebhaften Dank kund zu thun für seinen kindlichen Gehor­sam, wie er ausgedrückt ist in dem Telegramme des Vorsitzenden Ernest Bernhard; er verleiht ihnen von ganzem Herzen den erbetenen aposto­lischen Segen. Gez. Kardinal Rapolla." Heute (Sonntag) Vormittags fand in der St. Boni- faciuskirche feierliches Pontistkalamt und Predigt statt, worauf die Delegirten-Berathungen ihren Anfang nahmen, denen um halb 2 Uhr da» Fest­essen folgte. Der übrige Theil de» Nachmittags wurde dem Besuche der deutschnationalen Kunst- Gewerbeaurstellung gewidmet. (Germ.)

-Freiburg, 11. Aug. Da» Breve de« h. Vater» an da» Präsidium de» Lokal-Komitö's zur Vorbereitung der 35. General-Ver­sammlung der Katholiken Deutschlands lautet vollständig:

Geliebte Söhne, Gruß und apostolischen ©egen! Mit großer Freude Unseres Herzens haben Wir das ergebenste Schreiben gelesen, durch welches Ihr Uns benachrichtigt habt, daß die General-Versammlung der Katholiken Deutsch, lands im Monat September d. I. zu Freiburg im Breis­gau stattfinden werde. Es ist Uns nämlich wohl bekannt, in wie hohem Grade die früheren General-Versammlungen, welche im Lause der letzten 40 Jahre in Deutschland ab­gehalten worden sind, zur Förderung der katholischen Sache beigetragen haben, und Wir hegen das feste Ver­trauen, daß die in Vorbereitung begriffen- V-rfammlung zu Freiburg in gleicher Weise der Kirche und der Gesell­schaft zum Vortheile gereichen werde. Darum ermahnen Wir im Herrn alle Gläubigen Deutschlands, benen. tote Verhältnisse di- Reise erlauben, daß dieselben sich m die genannte Stadt» welche sie mit gewohnter Artigkeit auf­nehmen wird, begeben und eifrig berathschlagen, wie den großen Uebelständen unserer Zeit abzuhelfen ist. Wir werden unterdessen nicht aufhören zü beten, daß die Gnade des h. Geistes Her, und Geist der Gläubigen, welche der Versammlung anwohnen werden, stärke, ihre Verhandlungen leite und ihre zweckdienlichen Beschlüsse tn Austührung zu bringen helfe. Und da Wir von dem Wunsche beseelt sind. Unser ganz besonderes Wohlwollen gegen diese Gläubigen zu bezeugen, so ertheilen Wir einem jeden derselben aus innerstem und liebevollstem Herzen den apostolischen Segen. Gegeben zu Rom ber St. Peter am 25. Juli 1888, im elften Jahre Unseres Pontifikats, (gez.) Leo P. P. XIII.