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1888

Freitag, den 10. August.

* München, 9. Aug. Die Verlobung de» Fürsten Albert von Thurn und Taxis mit der Erzherzogin Margaretha von Oesterreich, Toch­ter des Erzherzogs Joseph, wird hiefigen Blättern zufolge demnächst stattfinden. — Der hier wei­lende Kardinal Hergenröther wurde gestern Morgen von einem leichten Schlaganfall getroffen, befindet fich aber auf dem Wege der Befferung.

Ausland.

* Die Königin von Serbien macht ihrem scheidungslusttgen Gemahl das Spiel nicht leicht. König Milan will unter allen Umständen verhindern, daß Natalie wieder nach Serbien kommt, weil er fürchtet, die Königin würde unter ihren Anhängern eine Bewegung gegen ihn Hervorrufen, während Königin Natalie ebenso viel Werth auf die Rück­kehr nach Serbien legt. Das Conststorium kann den Prozeß aber nur entscheiden, wenn entweder beide Parteien persönlich anwesend sind, oder die eine Partei sich vertreten läßt. Der Metropolitan Theodosius hat die in Holland weilende Königin nun aufgefordert, einen Stellvertreter im Prozeß zu ernennen. Natalie schrieb ihm zurück, sie werde persönlich erscheinen, und bat um Angabe des Termins. Der König ist natürlich jetzt in der Klemme, entweder muß er den Prozeß auf un­gesetzlichem Wege übers Knie brechen, oder Natalie kommt nach Serbien. Auf die weitere Entwickelung der Angelegenheit darf man ge­spannt sein.

* Das Lösegeld für die bei Bellova von den ÖfhWÄ'”1'« .unk die Räuber nicht zu finden weiß. Die bulgarische Regierung hat in dieser Angelegenheit sich ganz kopflos benommen. Erst wollte sie die Auslieferung des Lösegeldes nicht gestatten; dann, als die aus­wärtigen Behörden sich einmengten, zog sie ihre zur Bewachung der Räuber aufgestellten Truppen zurück, so daß jetzt kein Mensch weiß, wo man das verlangte Lösegeld abgeben soll.

• Für den Empfang des Deutschen Kaisers werden in Rom bereits großartige Vorbereitungen getroffen. Man erwartet, wie italienische Blätter melden, daß der Kaiser fünf bis sechs Tage in Rom verweilen und den „La Palazzina" genannten Pavillon im Quirinal bewohnen wird. Dort und auf der deutschen Botschaft soll je ein großes Hof« bitter gegeben werden. Die Municipalität wird Kutschenschlag vollends hinaus. Kaum war ich aber draußen, als ich meinen Freunden zuraunte:

„Alle Wetter, Kommilitonen, das ist ja meine Alte, die in dem verwünschten Kasten mit fitzt — das ist ein netter Hereinfall I Schnell, rathet mir, helft mir, denn das wird eine greuliche Eptstel abgeben!" „ c r t ,

Damit hatte ich nur zu Recht, denn so gut auch meine Frau Mama sonst war, für solche Streiche besaß ste absolut kein Verständniß und wenn sie dahinter kam, daß ich zu jener Rotte Korah ge­hört hatte, die den beiden Damen eine so merk­würdige Kour abgestattet, so konnte ich mich hei- lig darauf verlaßen, daß sie den Va'er so lange bearbeitete, bi» er mich von X. abrief — dann ade, Du schöne» Burschenleben! Uebrrgen» ging e» mit sehr natürlichen Dingen zu. daß, Mama so früh schon in X. erschienen war. W'e tch nachher von ihr selber erfuhr, war sie, nachdem sie wirk- lich zu dem energischen Entschluß gelangt, mrch in X. zu überraschen, mit der Post bi» M., ernem etwa anderthalb Stunden von X. entfernten Acker­städtchen, gefahren, wo eine intime Jugendfreun­din von ihr an einen Gutsbesitzer verheirathet war und wo Mama übernachtete. Am andern Morgen

Di« .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich^ Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. ° H mit der belletristischen Wochenbeilage Sterne und Blumen- in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts IM. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 9. August.

* Die Beschimpfung der katholischen Kirche soll in Deutschland fortan straffrei sein. So wünscht e» Herr Thümmel und fein Anhang. Der Buchhändler Wiemann in Barmen, bekannt­lich Verleger der Thümmel'schen Schandschrift: „Rheinische Richter und römische Priester", wegen deren sich Verfaffer und Verleger bekanntlich zu ihrem Schaden vor den Gerichten zu verantworten hatten, hat eine Petition an den Reichstag aufgelegt, in der nicht» weniger verlangt wird, als in dem § 166 des Reichrstrafgeßtzbuches die Worte „wer öffentlich eine der christlichen Kirchen oder eine andere mit Korporationsrechten inner­halb des Bundesgebietes bestehende Religionige- fellfchaft oder ihre Einrichtungen oder Gebräuche beschimpft, ingleichen" zu streichen. § 166 de« R.-St.-G.-B. lautet in seiner jetzigen Faffung:

„Wer dadurch, daß er öffentlich in beschimpfenden Aeußerungen Gott lästert, ein Aergerniß gibt, oder wer öffentlich eine der christlichen Kirchen oder eine andere mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebiets be­stehende Religionsgesellschaft oder ihre Einrichtungen oder Gebräuche beschimpft, ingleichen, wer in einer Kirche oder in einem anderem zu religiösen Versammlungen be­stimmten Orte beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft."

Wie die .Freis. Ztg.' schreibt, ist die Petition bereit» von 800 Namen unterzeichnet, die zum großen Theile dem Stande der evangelischen Geistlichen und Lehrer angehören. Daß die Petition noch mehr Unterzeichner finden wird, ist vorauszusehen; den« welch«» <s«tst »« «-»-s »*f die katholische Kirche in gewißen Kreisen herrscht, ist ja hinlänglich bekannt. Daß dagegen die Petition irgend welchen Erfolg haben sollte, kann schon jetzt als völlig ausgeschloßen betrachtet werden. Gesteht doch selbst die .Kreuzztg.: „In der Forderung nach Aufhebung de» bestehenden ausdrücklichen Verbotes liegt geradezu der An­spruch auf ein Privilegium für Be­schimpfung anderer Religionsgesell­schaften; da» kann die evangelische Kirche nicht für sich reklamiren." Und auch der .Reichsbote erhebt gegen das Vorgehen der Petenten Protest, allerdings mit der nicht recht glücklichen Begrün- düng, daß nach Abänderung des § 166 die Pro­testanten den kürzeren ziehen würden, msmern dann auch Katholiken, Atheisten, Naturalisten, Sozialdemokraten, Juden rc. das Beschimpfen der

Nie rettene Schmtzw.

Humoristische Erinnerung eines „alten Hauses".

(Fortsetzung.)

„O, da haben sie gleich was zu erzählen, wenn sie wieder nach Hause kommen, wie sie hier m t der würdigen Studentenschaft von X. Bekanntschaft geschloffen haben. Vorwärts, meine Herren, die Kour beginnt!" entschied jetzt Schrulle, öffnete den Kutschenschlag von Neuem und stieg, in fernen Kanonenstiefeln, in der Rechten den Schläger, in der Linken die lange Pfeife, von der sich Schrulle überhaupt nur selten trennte, in die Kutsche hin­ein, während Johann oben auf dem Bocke ein erz- dumme» Gesicht machte und offenbar nicht wußte, wie er sich bei dem seltsamen Vorgänge verhalten jOÜtC« , r (XTX «

„Gu'n Morjen, meine Damen, sehr schönes Wet­ter heute," erklang drinnen die tiefe Bierbaßstimme unseres Seniors und gleich darauf stiefelte er auf bet anderen Seite ebenso pomadig aus der Arche heraus, wie er hineingestiegen war. Natürlich folgte ihm die ganze Korona fchleunigst nach, Jeder machte vor den beiden Damen, welche vor Schreck und Entsetzen ganz wortlos und starr dasaßen,

protestantischen Kirche erlaubt wäre. Bezüglich der Katholiken kann der ,Reichsbote' beruhigt sein; wir haben beflere Waffen, uns zu verthei- digen, al« unflätige Schimpfereien und sind nichts weniger als aggressiv gesinnt. Die Katholiken werden fich nach wie vor auf die Defenstve und die ihnen aufgezwungene Polemik beschrän­ken und fich hüten, in den Ton der Herren Thümmel und Konsorten zu verfallen. Davon aber dürfen die Petenten und ihre Gefinnungsge- noffen überzeugt sein, daß e» nicht die katho­lische Kirche sein wird, die fie mit ihren An­griffen schädigen.

* Graf Herbert Bismarck wird dem Ver­nehmen nach S. M. den Kaiser nach Wien Und Rom begleiten. — Dem Eintreffen des Reichs­kanzlers Fürsten Bismarck in Berlin wird nächster Tage entgegengesehen. Derselbe begibt sich bald darauf zum Kurgebrauch nach Kisstngen.

* Der geschäftsführende Ausschuß des Central- Komils's für die Ueb er schwemmt en bewilligte 50,000 Mk., der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins 10,000 Mk. für die Ueberfchwemmten Schlesiens.

* Im Monat Juli wurden in den deutschen Münzstätten ausgeprägt an Geldmünzen: 8,035,200 Mk. in Doppelkronen und 2,976,140 Mark in Kronen (insgesammt auf Privatrechnung). An Silbermünzen: 409,100 Mk. in Fünfmark­stücken und 1 Million Mk. in Zweimarkstücken. An Nickelmünzen: 339,580 Mk. 80 Pf. in Zwanzigpfennige und 105,281 Mk. 35 Pf. in Mark 62 Pf. in Einpfennigstücken. Silbermunzen wurden im Juli nur in Berlin ausgeprägt. An neuen Nickel-Zwanzigpfennigstücken sind nunmehr bereits über 2 Millionen Mark in Umlauf ge­fetzt worden. ,

• Die Herbst - Exercitien im Missionshause zu Stevl finden in diesem Jahre für Priester nach Maria Geburt vom 10. bi» 14. September und vor dem St. Michaelfeste vom 24. bi» 28. Scp- tember statt. Für Lehrer und für Studirende find die Tage vom 6. bi» 10. und vom 29. Sep­tember bi» 3. Oktober, und für katholische Männer und Jünglinge überhaupt vom 30. August br» 3. September zu diesem Zwecke bestimmt. An­meldungen zur Theilnahme an den Exercitien sind an da» Missionshaus zu Steyl, postlag->rnd Kalben- kirchen, Rheinpr., zu richten.

seine Reverenz, begleitet von dem „Morjen"-Gruß und fügte irgend eine Bemerkung hinzu, wie „Der Kasten stammt wohl direkt von Noah her," oder „Ja, meine Damen, da» Dasein ist manchmal nicht ganz ohne" und was dergleichen höchst geist­reiche Redensarten mehr waren. Selbst Pluto und Styx hielten e» für ihre Pflicht, den Weg durch die Kutsche mitzumachen, und als die beiden Köter drinnen auftauchten, schienen die beiden Insassinnen erst wieder Leben zu bekommen, denn die eine Dame kreischte laut auf, wobei mir die Stimme merkwürdig bekannt vorkam. Doch ich hatte Zeit, hierüber groß nachzudenken, ich war zufälliger Weise der Atzte in der Reihe, stieg ein und begrüßte natürlich die beiden Damen auch mit einem mög­lichst tief gebrummten „Gu'n Morjen!" und wollte mich eben zur anderen Seite hinausschwingen, als mein Blick auf die beiden Damen fiel und — wer beschreibt meinen Schreck! — die eine derselben war meine liebwerthe Mama selber, eine Ver­wechslung konnte es gar nicht geben! Auch Mama starrte mich an, als ob sie einen Geist gesehen, indessen hier galt es für mich, um keinen Preis die Faffung zu verlieren und eine ungemein gletch- gültige Miene heuchelnd, stieg ich zum anderen