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Donnerstag, den 26. Juli.
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1888
Di- Zeitung. 1 * “ *
wtt b4ns-°^Di? -MsvaltiusAl-^ Raum 15 Pf, bei Wiederholungen -ntsprech-nd-r Rabatt.
Euer Wahlspruch" - er stockt, die Stimme ver- ^Pe?e?'aber ist wie auf einen Messerstich zu- sammengezuckt; er will fliehen, sich verbergen, da bannt ein Geräusch im Vorzimmer seinen Fuß.
„Wohnt hier der Photograph Schönhe,m? tönte eine sonore Stimme, deren Klang Peter alles Blut zum Herzen treibt. Da» Schluchzen de» kranken Kindes antwortet. Auf das Antlitz des Sterbenden legt es sich wie Friede und Verklärung. „Gott fei Dank", haucht er, noch ein letzter langer Athem« zuq und die Seele ist entflohen.
Mit entschlossener Haltung verläßt Peter da» Sterbezimmer. Er weiß, wer draußen seiner wartet, sein Geschick erfüllt sich, aber Angesichts des Todes wächst ihm der Muth zur Buße, zum reuigen Bekenntniß. „ _
„Ah, Petrus, ich war schon vor Eurer Thur! schallt e» ihm entgegen. „Ich fand sie verschlos- en, aber da» Messing,schild an dieser Wohnung sagte mir, daß ich an der rechten Quelle bin. Aber, wa» ist das?" fragt Pfarrer Stephan, sich erstaunt nach dem schluchzenden Kinde im Lehnstuhle umschauend. „Ich komme hier wohl zur ungelegenen Zest?" —
der Bestallung der betreffenden Provinzial-Schulbehords I ruaeben, welche die Bestätigung -rtheilt und die Berufung ausfertigt. Also der Bischof ernennt den Lehrer und bescheinigt, daß er kein Bedenken zu erheben hat. Sie finden da einen Paragraphen, der ganz tm Sinne des Antrags Windthorst die Grundlage legt. Set der Aufsicht der Kirche heißt es ausdrücklich, daß die Aufsicht durch die alte, wohlthätige Verbindung der Schule mit der Kirche geführt werden soll. „Die katholischen Kreisschul- Aufseher werden von den Bischöfen ernannt , heißt es im 8 88 des Entwurfs, „und zur Bestätigung dannvor- aeleqt." Diese Bestimmungen, die wir bet der heutigen Lage der Dinge schon als weites Entgegenkommen auf- faffen, haben durchaus nicht die Zustimmung der damaltg-n Bischöfe gefunden. Die Bischöfe, denen dieser Gesetz<Ent. wurf voraeleat wurde, haben wichtige Bedenken dagegen «hoben S°ha"en betont, daß di-Kirche ihr Anrecht au die Schule im Allgemeinen mcht aufgeben könne. Es wurde nun diese Arbeit zu den Akten gelegt. Im Jahre 1845 wurde ein neuer Entwurf eines Schulgesetzes auf Befehl Sr Majestät ausgearbeitet, und dieser neue Entwurf schließt sich im Wesentlichen dem Standpunkte an.welchen der frühere Entwurf eingenommen hatte. Es heißt wiede. rum dort im § 28- „Di- Aufsicht führt d-r b-tr-ff-nde Pfarrer mit dem Schulvorstande.«
Nun kam das Jahr 1848. Da hat man, um das Schulgesetz zu erreichen, einen eigenen Weg ""geschlagen; man hat Lehrer-Konferenzen -mb-rufen und hat dort tn freier Rücksprache die Anschauungen der Volksschull-hr-r aebört Ich will auf die Einzelheiten mcht eingehen, aber die Herren die sich dafür interefsiren, finden hier eine recht interessante Zusammenstellung der Gutachten welche die Lehrer ertheilt haben. Man merkt ihnen die Lust von 1848 an, und wunderbarer Weise: manche vonben ®e- danken sind in den ?0-r Jahren m die R-^pt® S“« s ausgenommen worden. (Hort! Hort!) Im Jahre 18^8 wurde die Verfassung, erlassen, und ich meme, wurde der Kirche in der Verfassung eine ganz bestimmte Stellung zur Scbule angewiesen. Diese Verfassung wurde runach t durch die Kammern berathen und m einzelnen Punkten verändert, namentlich auch in dem einen Wntte, bet ine Schule betrifft, inbem es tn bem frühem 8 21 hieß. „ven rettaiösen Unterricht in bei Volksschule besorgen unb überwachen bie betreffenden Religions-Gesellschaften - "schiend bei ber neuen SSerfaffung
Unterricht leiten bie betreffenden Religions-Gesellschaften. Aus dieser Aenderung hat man tn den 70er Jahren Kapital schlagen wollen und auch wirklich geschlagen gegen die Aufsicht durch die geistlichen Behörden.
° Unmittelbar nachdem die Verfassung beschloss-» und angenommen worden war, hat man auch wieder EnGsstz Entwurf für die Schule ausgearbeitet. Es war damals Minister der geistlichen Angelegenheiten Herr v. Lad-n- berg, und da enthielt der Entwurf einen § ^2, der lautet mie io lat • , Es dürfen dem Schulvorstande durch bie Regierung^ nur solche Kandidaten zur Wahl bezeichnet werden gegen welche bie kirchliche Behorbe tn kirchllch-relr- giöfer Hinsicht keine Einwenbungen gemacht hat. Dieselbe Voraussetzung gilt in Betreff b-r nach 8 7 ^"stellenben Lilfslebrer." Das ist wörtlich ber Antrag Winbthorst m Punkt 1 betreffenb ben Einspruch ber Bischöfe unb bet Kirche. Ferner hieß es: „Di- Regierung bestimmt ober
„Ganz und gar nicht", will Peter sagen aber die Kehle ist ihm wie zugeschnürt, dieKniee schlot- tern ihm: er stemmt sich mit dem Rucken gegen den Thürpfosten - und reibt stch die Augen
Wie da« verkörperte Bild der Schuld lehnt er da die Nase scheint immer länger, spitzer und fahler zu werden. Noch bevor er ^in Sunden« bekenntniß hervorstammeln kann, ereignet sich etwas Ungewöhnliche» vor seinen Augen.
Auf den Sohn gestützt, ist Frau Lina au» der Kammer hervorgeschwankt. Kaum erblickt Re ben Pfarrer, als sie laut aufschluchzend zu seinen Fußen hinstürzt und unzusammenhangeude Worte stammelt. Betroffen schaut der Pfarrer auf sie nieder. — die Sache erscheint ihm theatralisch — 'hm wird ganz sonderbar dabei zu Muthe.
Ei ei Frau, Sie fassen die Dmge zu tragisch aus", sprudelte er halb ärgerlich, halb bewegt hervor Ich bin doch kein Tyrann und Peter ist I der'eigentliche Sünder; mit ihm werde ich unter vier Augen Abrechnung halten.
„Ach, mein Papa ist gestorben, mischt sich letzt eine Kinderstimme ein. Bestürzt schaut sich der
| „o“ bitte, stehen Sie auf, Frau Schönheim",
genehmigt bie in bissen Anstalten zu gebrauchenben Lehr- unb Unterrichts-Bücher mit Ausnahme ber für ben Religions-Unterricht uub bie religiösen Hebungen btenenben, welche von ben kirchlichen Behörben bestimmt werben.« Sie haben wieberum ben Antrag Winbthorst hinsichtlich ber Lehrbücher. Auch bieses Gesetz kam nicht zur wettern Berathung. Ich führe es bloß an, um ben Geist zu kennzeichnen, ber bamals noch bie preußische Schulverwaltung bestimmt hatte. Es war bann in ben 60er Jahren wieberum ein neuer Vorschlag gemacht worben, unb zwar einer, ber, wenn man ihn genau liest, in manchen Punkten sich schon mehr ber neuem Richtung zuneigt. Aber noch hielt man fest barmt, baß bie Schulaufsicht über ben Religionsunterricht im Auftrage bet Kirche geübt werbe, so zwar, baß, wenn ber Bischof sich veranlaßt sah, bem von ber weltlichen Behörbe vorgeschlagenen Schul-Inspektor bie Aufsicht nicht zu übertragen, er berechtigt war, einen be- sonbrren Schul-Inspektor für ben Religions-Unterricht zu ernennen. D:e Motive, mit benen ber Gesetz-Entwurf begleitet war, enthalten sehr schöne Sätze.. Sie w-isen ausdrücklich darauf hin, baß man bie Mitwirkung b-r Kirche nicht entbehren könne, unb baß man ihr bas rechte Maß zuweisen solle bei bet Beaufsichtigung unb Ertheilung bes Religions-Unteitichts.
Die Kirche hat allen biesen Bestimmungen gegenüber immer ihren prinzipiellen Stanbpunkt festgehal en, baß sie nicht auf bie Schule verzichten könne. Die berühmte Denk- schrift ber beutfchen Bischöfe vom Juli 1849, unterschrieben von Karbinal Geiffel, Fürstbischof Dtepenbrock, pr°testirt feierlich bagegen, baß man ber Kirche bie Schule Preußens entziehen wolle. Im Jahre 1864 hat Karbinal Geissel in seinem Abschieds-Hirtenbriefe — wenige Monate darauf hat ihn Gott von dieser Welt abberufen — ausgesprochen. „Darum noch ein Mal: laßt eure Schule mcht von ber Kirche trennen unb tretet jebem Versuche, solche zu trennen, gemeinsam mit euern Bischöfen mit entschlossenem Nachdrucke, wie es katholischen Eltern geziemt, entgegen! Haltet euere Schule fest an ber Mutterhanb der Religion, so li-b euch bie Seelen euerer Kinder sind. (Bravo.) Das war «ne Zeit, wo alles das uns nocy mqi rieten ' war, was seit ben siebenziger Iahten m ber Aetai Falk bet Kirche geboten wurde, unb trotzbem haben d'eB'schofsdu- mals biesen Stanbpunkt einzunehmen für richtig S-Hatten. Unb bet Antrag Winbthorst be chränk.sichber That auf bie Frage bes Religionsunterrichts ganz allem ,.er nimmt bloß die Gewißheit 'n Anspruch, baß unsere Kmber katholisch unterrichtet werden, und wettet nichts, und das sollte man uns doch wahrlich mcht entziehen. Wie man bis ,ur Aera Falk über bie Einwirkung bet Schule h»m sichtttch bes Religionsunterrichts buchte, dafür mochte ,ch E; „och zwei Zeugen aufrufen. Em Zeuge ist bas Ministerial-Reskript vom Jahre 1851, in roetd&erm, “cf®®' snrnchen ist es trete bie Ueberzeuzung immer lebenbtger bervor „baß das Gedeihen der Elementarschule, auch was buna mit ber Kirche abhängig ist." Als unfer giorr-ic? auÄem Kampfe mit ber Revolution heimkehtender Kaiser Wilbelm — damals Prinz von Preußen — aus Baden zurückkehrte, ba hat er es, wie ber Abgeorbnete Rstchens- veraer in einer Rebe Zeugniß ablegte, ausgesprochen, baß et als letzten unb tiefsten Grunb ber staatlichen unb sozialen Auflösung in Baben nichts Anbetes erkannt hat, als
* Rede des Abg. Frhrn. v. Huene
auf ber General-Versammlung der Katholiken Schlesiens.
(Schluß.)
Der Schulantrag d-s C-ntrnms hat bei den andern Parteien eine eigentümliche Aufnahme gefunben. Man bat gethan, als ob etwas ganz Ungeheuerliches bann stänbe etwas, was man gar nicht ernst nehmen könnte, unb doch ist ber Antrag Windthorst weiter nichts, als eine thatsächliche Feststellung bes Zustanb-s, der vor der Aera Falk in Preußen bestauben hat. (Seht richtig)) Ich bm kein Freunb von vielen Citaten bet einer Rede, die ich halte. Aber ich muß heute das Opfer bringen nnb Ihnen einige vorlesen, um zu beweisen, daß m der That bn unä in Preußen der frühere Zustand m dieser Beziehung besser war als heute. Wir haben in Schlesien em Schulregle- mentBom Jahre 1765, da steht ein § 43, welcher tautet: Es ist die Pflicht eines Pfarrers, Sorge zu trugen, daß die Jugend seines Kirchspiels in der Schule wohl unterrichtet werde. Wir befehlen, sagt Friedrich der Große sümmtlichen Stadt- und Land-Pfartern, auf ihre ärgste und schwere Verantwortung danach zu trachten, daß diesem Realement überhaupt völlig Genüge geschehe. Das wat ein8 Aktenstück an die Pfarrer; der große König hat gmau gewußt, an wen er sich zu wenden hat, wenn er Otb- nuna in der Kirche Herstellen wollte. Es heißt f«mer tm SlrtiPI 50 ’ „Wir schreiben nichts in Absicht dessen vor, was unb wie btt Pfarrer sowohl, °ls di-, welche deren Stellen vertreten, in der christlichen Lehre die Jugend tbeils selbst theils durch den Schulmeister unterrichten sollen, ffiir verweisen in diesen Stücken auf di- Anord- nunuen, welche ber General-Vikar der Diözese bekannt macken wird." Das war einfach den Religions-Unterricht in die Hände der Kirche gelegt. In ähnlichem Smne svrickt stck ein Reskript von 1801 aus, welches auch ebenso wie das von 1765 heute noch in wesentlichen B-sttm- mU,S^e Schulgesetzgebung Preußens weist eine vollständige Geschichte nach, und was ich Ihnen jetzt citire, entnehme ich mis einer Zusammenstellung, welche vom M.msterium der geistlichen Angelegenheiten herausgegeben worden ist unter der U-berschrift.- „Die Gesetzgebung auf dem Gebiete des Unterrichts wesens tn Preußen , also nicht aus einem ultramontanen Buche. Als solches könnte uh den Herren bekannt geben und empfehle eine ganz kürzlich erschienene Schrift, di- mir hier in Beuthen zugegangen ist, Rinlelen Über bie Verhälimsse ber Volks« schul- zu Staat und Kirche. Im Iahte 1817 Hut Friedrich Wilhelm III. eine besondere Kommission etngefefct, um bie Geletzuebung für bus Unterrichtswesen auszuurbeiten. sss&v «wa s m
bat aber doch auch eine volle Mitwirkung ber kirchlichen MLs-sW-W benten gegen die Wahl haben unb lassen bas Dekret mtt
Des Pfarrers Bild.
Novelle von I. v. Dirking.
(Schluß.)
Eine Weile bleibt es feierlich still- — dann erhebt sich Frau Lina und ergreift die Hand ihres ^°Fasse Dich, Frau — wir sehen un» wieder", rinat es sich von seinen Lippen. „Mag uns Gott droben ein gnädiger Richter sein. Unser »rasches Streben war eitel und nichtig, weil der Segen edler Menschen unserem Bunde fehlte. U, o
„Beruhige Dich, Geliebter!" tröstet d'e Frau unter strömenden Thränen. „Unser Wohltha r ist versöhnt, sein Segen kommt auf unsere ^'^So?I aber warum entzieht et sich uns noch immer? fragt ungläubig der Kranke. #
Er weiß, daß Du leidend bist---
"O, Frau, Frau!" ächzt mühsam m abge« brochenen Lauten der Sterbende, wahrend sein aroßes glänzende» Auge einen strafevoen Blick zeigt. „Täusche mich nicht! Der gerade Weg ist immer der beste. Heuchelei und Lug und Trug rächen sich selbst. Wahr und klar sei fortan