Mittwoch, den 25. Juli.
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Zweites Blatt.
—* Ueber Freimaurerei, xxn.
Lehrlingsgrad.
Die nächstliegenden „Geheimnisse" sind die Zeichen, an welchen die Angehörigen der Sekte die Zugehörigkeit zum Bunde überhaupt oder zu einem bestimmten Grade im Besonderen erkennen. Die Erkennungszeichen find die „Ordnung", das „Zeichen", der „Griff", die „Schritte" (der „Gang"), das „Paßwort", das „heilige Wort", das „Semesterwort", das „Alter", die „Batterie", die „Kleidung" und die „Arbeitszeit".
Will Jemand als Besuchender an den Arbeiten der Loge in einem Grade theilnehmen, so legt er zunächst im Vorraum der Loge die Gradinfignien an, die er selbst mitbringt, klopft dann in der Batterie des Grade» an die Logenthür und setzt fich in Ordnung. Der Ziegeldecker kommt heraus und macht oder beginnt da» Zeichen, der Besuchende wiederholt e» und sagt da» Paßwort. Hierauf leitet der Ziegeldecker durch den Griff da» Buchstabiren de» Heiligen Worte» ein und frägt event. nach dem Alter. Dann geschieht Meldung beim Logenpräfidenten rc. (Die Lehrlings-Erkennungszeichen find auch zugleich die Freimaurererkennungszeichen einfachhin.)
Zweck des Grades nach Schottischem Ritus: Insinuation, daß Zeugung nicht Schöpfung.
Kleidung. Die Lehrlings-Kleidung besteht in allen Riten in einem weißen Schurzfeil (Im englischen System überreicht der Meister vom Stuhl die Schürze dem Lehrlingskandidaten mit folgenden Worten: „Bruder, ich überreiche ihnen hiermit ein Lamm- oder Schurzfell ... Es ist hochwürdiger, als die Diademe der Könige oder die Perlen der Prinzessinnen, wenn er würdig getragen wird. Dieses Schurzfell ist als Sinnbild älter, als das goldene Vließ oder der Adler auf der Standarte der alten Römer; es ist ehrwürdiger, als der Stern oder da» Hosenband, ehrwürdiger, al« das Emblem irgend eine» anderen Ordens, der jemals existirte und mit dem Maurerthum verglichen werden könnte." (Riaum tencatia amici I) Vgl. „dar Freimaurerthum", S. 20. — Br.'. Schauburg sagt in seiner von Freimaurern sehr gerühmten „Symbolik der Freimaurerei" I. Band, S. 71 ff: Die Schürze, welche an das Feigenblatt Adam's anknüpft, habe das Urkleid des Menschen ausgemacht; aus ihr hab« sich sowohl der Weiberrock al« die Hose entwickelt. „Richt al« Maurermeister tragen die Maurer die Schürze, sondern al« Symbol de« Urmenschen und al» die Geweihten des lichten und reinen Himmelgottes. „ —Das Tragen des Hute» in der Loge bezeichnet Freiheit und Gleichheit. Dr. Schauberg meint auch, daß die Freimaurerei uralt fei und zum mindesten mit den alten ägyptischen Mysterien in historischem Zusammenhänge stehe. (Phantast!) Beim Aufstülpen de» Schurzes, resp. de» Läppchens, scheint einige Verschiedenheit zu walten. In den französischen Logen scheint das Läppchen oben an der Schürze, das einem Geiferläppchen ähnlich sieht, aufgestülpt zu werden, in den englischen ein Zipfel der Schurzfelles selbst.) aus Leder (Lammfell), welches durch zwei blaue Bänder am Gürtel befestigt wird. Diese Schurzfellbekleidung sieht sich im höchsten Grade lächerlich an. Der Lehrling trägt noch überdies das Schurzläppchen aufgestülpt. Handschuhe weiß. Kein Band und Kleinod.
Batterie ist eine bestimmte Art zu klopfen. Die Lehrlings-Batterie führt man im französischen Ritus so au», daß man zweimal rasch nach einan
der und ein drittes Mal nach einer Pause von einer Sekunde klopft. Im schottischen Ritus klopft man dreimal gleichmäßig. In den deutschen und englischen Logen beschreibt man die Lehrlingsbatterie als „Klopfen mit zwei geschwinden und einem langsamen Schlag."
Französischer Ritus: OO—O.
Schottischer Ritus: 000.
Deutsche und engl. Logen: w — (Anapäst).
Ordnung. Die „Lehrlings-Ordnung" besteht darin, daß man stehend seine flache rechte Hand, die vier Finger fest aneinander geschloffen, den Daumen senkrecht von der Hand abstehend (in Form eines Winkelmaßes), unter die Kehle bringt, während man den linken Arm hängen läßt.
Zeichen. Man setzt sich aus möglichst unauffällige Weise in die Lehrlings-Ordnung und zieht dann rasch die Hand vom Halse horizontal zur rechten Schulter und läßt sie auf der rechten Seite senkrecht herabsinken. Das Wesentliche in diesem Zeichen, „Halszeichen" genannt, ist, daß man durch die Handbewegung ein Winkelmaß beschreibt. Die Kunst besteht darin, das Zeichen so zu machen, daß etwa anwesende Profane nichts Auffälliges bemerken können. — In den englischen Logen erhebt man zuerst seine linke Hand vom übrigen Körper, so daß sie etwa einen Winkel von 45 Grad mit diesem bildet, und hält die rechte Hand kreuzweise über dieser, aber so, daß sie etwa einen Zoll von der linken absteht. Dieser heißt das erste Zeichen eines Maurers; es ist auch das Rothzeichen und gibt die Lage an, in welcher der Lehrling die Verpflichtung leistet. — „Alsdann führt man seine rechte Hand vor dem Halse vorbei. Die Hand ist flach und offen, die vier Finger fest aneinander und soweit als möglich vom Daumen getrennt. Der Daumen ist dem Halse zunächst und streift diesen leicht zuerst, alsdann streifen ihn ebenso die Spitzen der übrigen Finger. Die Hand gleitet nach dem Vorbeifahren zur rechten Seite hinab. Dieses ist das Halszeichen (Sign of throat) und zugleich der Reverenz-Gruß des Maurer-Lehrlings und deutet auf die Strafe hin, die in der Verpflichtung angedroht wird." — (Das Freimaurerthum, u. f. w., S. 7 und 18.)
Griff. Wenn ein Bruder den Griff verlangt, faßt man mit der rechten Hand die vier Finger seiner rechten Hand, und drückt (klopft) dreimal (in der Lehrlingsbatterie) mit seinem Daumen auf den Knöchel an der Wurzel de« Zeigefingers.
Im Schottischen Ritus drückt man mit dem Nagel des Daumens auf das erste Glied des Zeigefingers.
„H e i l i g e s W o r t." Das heilige Wort, welches man weder aussprechen noch schreiben darf, heißt in den deutschen Logen und im französischen Ritus: Jakin oder Jachin, im schottischen Ritus und im englischen System: Booz, auch Bohaz (französ.), Boas (englisch und deutsch). Das heilige Wort verlangt man außer der Loge, wenn man einem angeblichen Bruder, nachdem er das Zeichen gemacht und den Griff gegeben, noch nicht recht traut. Man bedient sich dann etwa folgenden Dialog»: F. Wollen Sie mir, mein Bruder, das hl. Wort geben I — A. Bruder, Sie wissen, daß man da» hl. Wort nicht ausspricht. Wir dürfen e» nur buchstabiren. Sagen Sie mir den ersten Buchstaben, und ich sage Ihnen den zweiten. F. I. — A. A. - F. K. - A. I. - F. R. - Im schottischen Ritus F. B. - A. O. - F. H. — A. A. - F. Z. - A. Bo. — F. haz. - A. Bohaz. — F. Bohaz. — Im englischen System buchstabirt man: B. Bo. — A. as. — F. Boas. — In manchen deutschen Logen: F. I. — A. a.
- F. k. - A. i. - F. n. - F. Ja - A. kin. Beide: Jakin. So bei Sarsena und Schuba.
Hat Jemand in dieser Weise das hl. Wort gegeben, so gilt es als aus gemacht, daß er wahrer Freimaurer ist. In der Regel begnügt man sich aber mit Zeichen und Griff. Manchmal befrägt man sich auch über Alter und Arbeitszeit des Grades.
Schritte (Gang). Beim Eintritt in die Loge muß der Geselle in bestimmter Art und Weise drei Schritte thun. Hierbei versetzt man sich zuerst in Ordnung, indem man den Kopf etwas rückwärts beugt; man setzt dann den rechten Fuß vor und darauf den linken, Ferse gegen Ferse im Winkelmaß senkrecht an den rechten. Denselben (Lehrlings-) Schritt macht man noch zweimal. Bei jedem Schritt macht man gleichzeitig in Form eines Gruße» das Erkennungszeichen (Halszeichen), da» erste Mal gegen den Ehrwürdigen im Osten, da» zweite Mal gegen die rechts (vom Eingang) sitzenden Brüder, das dritte Mal gegen die Brüder, welche links sitzen.
So werden die Schritte im französischen Ritus und in den meisten deutschen Logen gemacht. Im schottischen Ritus tritt man mit dem linken Fuß an, desgleichen im englischen (R.-N.-) System. — Das Wesentliche des Lehrlings-Ganges, die drei Schritte im Winkelmaß, findet fich in allen Logen der Welt.
Alter. Dar fingirte Alter eine» Lehrling» ist in allen Riten drei Jahre.
Arbeitszeit. Die fingirte Arbeitszeit der Lehrlinge ist von Mittag bis Mitternacht. Auch außer der Loge kann in einer Konversation zwischen zw:i Drei-Punkte-Brüdern die Rede auf die mau« rerische Arbeitszeit kommen. Er kommt z. B. Jemand in ein Cafs und macht sein „Halszeichen". Ein anwesender Bruder, welcher es mit der Freimaurerei ernst nimmt, wird nicht ermangeln, sobald der Eintretende zu ihm hinschaut, auch seinerseits etwa mit seinem Gla» ein Winkelmaß zu beschreiben. Beide kennen fich nun als Freimaurer und setzen fich zusammen. Da es aber vorkommt, daß manche Maurer das Zeichen ungeschickt machen und dadurch dasselbe den Profanen vsrrathen, so will einer der Drei-Punkte-Brüder größere Gewißheit erlangen, ob sein Gesellschafter ihn nicht zum Besten halte. Er fragt dann: Um welche Stunde beginnt man bei Ihnen zu arbeiten? — Ein falscher Bruder wird in die Falle gehen. Ec wird nur die Stunde angeben, zu welcher die Arbeit auf seinem Bureau beginnt, oder, wenn er Rentier ist, wird er sagen, er arbeite auf keinem Bureau, sondern sei Rentier. — Ein wirklicher Maurer muß auf obige Frage immer antworten: Um Mittag.
Semesterwort. Dieses Wort wird in den französischen Logen von der Central-Behörde der Großloge zweimal im Jahre zu bestimmten Zeiten an alle Meister vom Stuhl versandt und von diesen in der festgesetzten Logenjitzung allen anwesenden Brüdern in der Kette leise mitgetheilt. Man wählt zum Semesterwort zwei Worte, welche mit gleichen Buchstaben anfangen. So find zum Beispiel die Semesterworte, welche Ende Dezember 1885 aurgegeben wurden, folgende: im Französischen Ritus: Isis, Immenaite; im Schottischen Ritus: Hugo, Humanite; im MiSraim'fchsn Ritus: Emancipation, Egalite. Diese Worte hatten, obgleich sie Semesterworte heißen, bod praktisch genommen Geltung bis zum 24. Dezember 1886.
Die Art und Weise, wie man da» Semester- roort verlangt, ist folgende: Z. Wollen Sie ge- fälligst das Semesterwort geben I — B. flüster: