1888
Montag, den 23. Juli.
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tionale bibliographique * in Paris und de» „Congres international des Sciences catho-
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Deutsches Reich.
Berlin, 21. Juli.
• Der Wortlaut der Antwort des Staatsministeriums auf die Pol en ad reffe an Kaiser Friedrich wird jetzt von der .Norddeutschen^ veröffentlicht. Von Bedeutung ist darin die Erklärung, der Kaiser habe an der Treue der polnischen Unter« thanen „niemals gezweifelt". Damit hat der verstorbene Kaiser, der als Soldat und Kronprinz jahrelang die Polen au» eigener Anschauung kannte, alle die theils offenen, theil» versteckten Verdächtigungen zurückgewiesen, welche gegen die polnischen Katholiken im Abgeordnetenhause wie in der offiziösen Presse ausgesprochen worden find. Wenn aber Kaiser Friedrich bezeugt, daß die große Mehrheit der Polen „jederzeit von dem Gefühle der Treue gegen Thron und Staat beseelt gewesen", daß fie also ebenso treue Untertanen wie die Deutschen seien, so fragt man demgegenüber, wie fich dann die Ausnahmemaßregeln gegen die Polen noch rechtfertigen laffen, die freilich vor dem Regierungsantritt des gerechten und milden Herrschers getroffen worden sind. Am Schluß der Antwort heißt es, daß der Kaiser erwarte, die Polen würden „das Gefühl der treuen Anhänglichkeit und Dankbarkeit" auch durch ihre „Bethel- ligung an den parlamentarischen Arbeiten des Reichs- und Landtages bethätigen." Und in der That konnte Kaiser Friedrich fich dieser Zuversicht hingeben, denn die Vertreter des polnischen Volkes haben ja die wichtigsten Resormen: die ©teuer« und Wirtschaftspolitik rc. stets Hand in Hand mit dem Cent rum unterstützen und zu Stande bringen helfe«. Freilich hat fie selbst diese thätige Mit- wirkung gegen die lächerlichsten Verleumdungen der Offiziösen nicht geschützt, denn der Polen haß ist gewissen Leuten noch mehr zur fixe« Idee geworden, als der Haß gegen die Katholiken.
• Ueber das Kartell hat fich nun auch der konservative Führer, Herr von Rauchhaupt, ausgesprochen. Er bestätigt, daß die Konservativen da» Kartell auch für die Landtagswahlen angeboten, aber von den Nationalliberalen einen Korb bei ihren Werbungen erhalten haben. Die Konservativen find also die Blamirten. Wenn nun aber Herr v. Rauchhaupt viele nationalliberale Sünden während der letzten Session aufzählt, so muß man doch fragen: und mit solchen Sündern
wolltest du ein Bündniß schließen? Die Abweisung ist also den grundsatzlosen Konservativen zu gönnen.
• Da» vom Vororte „Saxonia" in München herau»gegebene ,KorrespoÄvizblattt Nr. 49 de» Verbandes der katholischen Studenten- Vereine Deutschlands liefert ein erfreu« liches Bild von der regen Betätigung der drei Prinzipien, der Religion, W.ffenfchast und Freundschaft, in allen 23 Vereinen des Verbandes. Besonders hat da» 50jährige Priesterjubiläum Sr. Heiligkeit de» Papstes den meisten Vereinen Gelegenheit geboten, als katholische nach außen her- vvMtreten, sei es durch Theilnahme an den allgemeinen, von Anderen veranstalteten Feierlichkeiten, sei es durch die Veranstaltung eigener, zahlreich besuchter Festkommerse. Erwähnt sei noch ein anderes Jubiläum, an dessen Feier fich die „Askania" in Berlin beteiligte, da» 25jäh- rige Jubiläum der Niederlassung der grauen Schwestern in Berlin. In dem Berichte hierüber schreibt die „Askania": „Damals (im Jahre 1863) hatte der Verein die grauen Schwestern veranlaßt, hier eine Niederlassung zu errichten und war ihnen bet Einrichtung dieser behülflich gewesen. Besondere Verdienste hatten fich dabei die Vereinsmitglieder Herr Frhr. v. Hertling (jetzt Professor an der Univerfität München) und K. A. Soffen (jetzt Professor an der Universität Berlin) erworben." — Merkwürdig berührt in dem Berichte der „Saxonia" in München die Mitteilung, daß die angestrebte Gründung eine» akademischen Bonifatius-Verein» vom Rektorate der Univerfität untersagt wurde, „weil ein solcher Verein ausschließlich religiöse Zwecke verfolge." „Saxonia" hat fich jedoch dadurch nicht entmutigen laffen, sondern wird, wie fie schreibt, ihre Bemühungen fortsetzen und hofft auf einen günstigen Erfolg. — In Bezug auf das zweite Prinzip, die Wiffenfchast, verdient namentlich hervorgehoben zu werden, daß an mehreren Hochschulen Verbandsmitglieder mit Erfolg die von den verschiedenen Fakultäten gestellten Preis- eufgaben bearbeitet haben, sowie daß auch die „Görrer-Gesellschaft" die Arbeit: „Zur Theorie der Telephone" von einem aktiven Arlanen mit einem Preise auszeichnete. Ein aus Belgien stammendes Mitglied der Straßburger „Frankonia" wurde von der Brüsseler „©oclete de Me- decine" zum Referenten des „Congrea interna-
liques“ ebendaselbst ernannt. — Die Zahl der aktiven Mitglieder des Verbandes betrug im verflossenen Vierteljahre 984 in 23 Vereinen, von denen 336 Theologie, 266 Heilkunde, 149 Rechtsund Staatswiffenschaften, 134 Philosopie, Philologie und Geschichte, 49 Baufach, 37 Mathematik und Naturwissenschaften, 7 Forstfach und 5 Bergfach studirten. Der stärkste Verein war die „Germania" in Münster mit 93 aktiven Mitgliedern. Die bei weitem größte Anzahl der Mitglieder warm Preußm, und unter ihnen waren wieder am zahlreichsten vertreten die Westfalen. Alte Herren zählt der Verein zur Zeit 2278, von denen 773 Geistliche und Ordensleute, 478 Justiz« und Verwaltungsbeamte, 344 Aerzte, 46 Univer» fitäts-Docmten, 378 Gymnasial- und Realgymnasiallehrer, 206 Baumeister, Bauführer und sonstige Techniker, 30 Apotheker und Chemiker, 28 Gutsbesitzer und Rentner, 20 Schriftsteller» 14 Fabrikbesitzer und Kaufleute und 6 Buchhändler find. Von 60 ist der Beruf nicht näher angegeben. — Wir schließen unsere Uebersicht mit dem Wunsche, daß der ganze Verband, sowie alle einzelnen Vereine blühen, wachsen und gedeihen mögen.
* Der Äbg. Dr. Windthorst erhielt von der Versammlung der schlesischen Katholiken folgende Begrüßungsdepesche: Beuthen (Ober- Schlesien): Die zur elften General-Versammlung zu Beuthen O.-Schl. versammelten Katholiken Schlefims sprechen Euer Excellenz ihre vollste Uebereinstimmung mit dem Antrag der CentrumS- ftaktion in der Schulfrage au«. Der Präsident: Gras Praschma. — Die General-Versammlung der Katholikm Schlesiens nahm u. A. folgenden Antrag einstimmig an: „Die General-Versammlung empfiehlt dringmd die Gründung und Förderung katholischer Arbeiter- und Arbeiterinnen« Vereine, sowie von Vereinen jugendlicher katholischer Arbeiter und von Hospizen für Arbeiterinnen." — Schlußbericht folgt.
• Die Abreise des Kaisers von Peter Hof erfolgt erst am Dienstag früh. Von Stockholm aus werden dem Kaiser sechs schwedische Kriegsschiffe entgegenfahren, um der Dacht „Hohenzollern" das Geleit zu geben. Die Ankunft in Stockholm wird Mittwoch Vormittag erwartet.
Des Pfarrers Bild.
Novelle von I. v. Dirking.
(8. Fortsetzung.)
Noch ist es dunkel; fie muß sich sputen, soll Niemand fie auf diesem geheimen Schmerzens- gange ertappen. Da wendet fie sich nach dem Kleiderstock um; ihr Mantel, ihr Sonntagskleid — sie find zu entbehren. Schnell rafft sie Beide» vom Hicken; — sie wirft den Mantel über, rollt da» Gewand zu einem Knäuel an und verläßt eilend» das Haus. Sie ahnt n!cht, daß ein paar scharfe Augen fie verfolgen, sonst wäre fie am Ende noch wieder umgekehrt, denn in ihrer verschämten Armuth entwickelt fie eine mimosenhafte Empfindlichkeit. In Frau Lina bäumt fich noch immer der Stolz gegen fremde Theilnahme auf und fie weiß ja: Schönheim würde lieber Hungers sterben, als Almofen empfangen. Diese» reizbare Ehrgefühl zu schonen, suchen Frau und Kinder ihn über da» häusliche Elend hinweg zu täuschen, und wie es scheint, ist es ihnen bis heute gelungen.
Nur Einer ließ nicht täuschen. Einem Scharfsinn, wie er sich in Peter Vilius an eigenen bitteren Erfahrungen zu einer Art Forschungstrieb
entwickelt hat, war nichts unerfindlich. Et wußte auf den ersten Blick in dieses Heimwesen, was die Glocke geschlagen hatte. Settdem diente das Eckfenster in feiner Kammer zum Guckkasten, zum „Lugaus", an dem er jeden Ausgang der Hausfrau beobachten konnte. An diesem Morgen, als er ohnehin mit dem Schlachtplan des nächsten Feldzuges — wie er den Ausflug nach Herbeck nannte — beschäftigt war, ließ et, in der Kammer auf- und abschreitend, sein „Lugaus" nicht au« den Augen.
Und als er nun die Frau gleich einer Diebin um die Hausecke schleichen sieht, ahnt er das tiefste Elend und das Herz krampst sich ihm zusammen vor innigem Mttleid. Peter kennt seine Landeleute. Des Pfarrer« Bild ist die erste und vorläufig die einzige Hilfs quelle für diese armen Fremdlinge. Hier muß geholfen werden. Er sinnt und überlegt. Auf irgend eine Weise muß die Sache anzufassen sein — „und folgst Du nicht willig, so brauch ich Gewalt", summt er endlich im tiefsten Baß vor sich hin. Und je länger er grübelt, je mehr macht er sich mit dem Gedanken vertraut, daß er in den Fall kommen wird, diplomatische Winkelzüge anzuwenden. Seine Unternehmungslust steigert fich unter der Idee,
daß er gleichsam zur Vorsehung einer armen Familie auserkoren ist.
Er weiß, daß sich seine belaitnte Findigkeit, welche allerdings häufig auf etwas Schwindelei hinaurlies, auch diese« Mal glänzend bewähren wird. Blitzschnell schießt ihm ein Einfall durch den Kopf, den er ernstlich in Erwägung zieht. Er schmunzelt vergnügt und reibt sich die Hände. Eine helle Flamme lodert in seinem Gesicht und züngelt bi« unter da« Stirnhaar hinauf. Fast scheint e«, al« brenne die Gluth der Scham auf seinem Antlitz — oder ist der Anschlag seine« Herzen« nicht sauber genug, daß' er ihm die Schamröthe ins Gesicht treibt? Als Wilhelm zum Ausgang gerüstet ins Zimmer tritt, ist der innere Streit in Peter beendet. Wieder ist er der alte lustige Bruder und Spaßmacher. Schon zeitig am Tage erreichen sie Herbeck.
„So, jetzt wartest Du in der Laube, mein Sohn, unterbefi ich in politischer Mission da« Pfarrhaus betrete. Du hast nichts Andere» zu thun, als meines Winkes gewärtig zu sein. Sobald mein Signal ertönt, rückst Du mit Deiner Battterie auf den Plan."
Im Hausflur tritt dem Peter ein junge» Mädchen entgegen. — „O, Sie Schalk!" droht