JN1 166
Sonnabend, den 21. Juli.
1888
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Zweites Blatt.
—* Ueber Freimaurerei, xxi.
Taxil's Charakteristik der Loge.
Wie urtheilt Leo Taxi! über die Loge? Im Vorwort zu den „Dreipunktebrüdern" sagt er: „Die vorliegende Veröffentlichung wird Jeden in den Stand setzen, siegreich und unwiderleglich darzuthun, daß die Freimaurer nur —Heuchler sind, wenn sie sich al« stille Philantropen aus* geben —, daß sie einer großen Lüge sich schuldig machen, wenn sie ihre nächtliche Sekte al« eine harmlose Genoflenschaft ausgeben, die sich weder mit Religion noch mit Politik beschäftigt; — daß e« eitel Flunkerei ist, wenn sie behaupten, unter ihnen herrsche Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Der Forscher, welcher mit Sorgfalt die zahlreichen abgedruckten Dokumente prüfen und sich die Mühe nicht verdrießen laffen will, den wahren Sinn derselben zu ergründen, wird leicht sich überzeugen können, daß der Geist de« Bösen selbst der Schöpfer dieser in ihrer Art wirklich außerordentlichen Organisation ist. In den Augen eine« jeden Menschen, der auf den Grund gehen und in da« Dunkel der höheren Logen hineinblicken will, wird die Freimaurerei al« da« erscheinen, was sie ist, als was sie vom Papste und den Bischöfen jederzeit gebrand- markt wurde, nämlich als eine durch und durch diabolische Einrichtung; der Verfafler selbst, der am Anfang seiner Untersuchung noch daran zweifelte, gewann bald völlige Gewißheit hierüber.
Hören wir ferner die Charakteristik des Fcei- maurerbundes, die er in der Einleitung gibt und für welche der Beweis in feinem Werke erbracht werden soll. Bemerken wollen wir nur, daß er speziell die französische Freimaurerei vor Augen hatte, die man wohl al» die sortgeschrsttenste betrachten kann:
SeinerZusammensetzung nach ist der Freimaurerbund eine Verbindung von politischen Ränkeschmieden, welche das Volk Dank dem Geheim- nifle, durch das sie die Kniffe ihrer trügerischen Organisation verhüllt, schamlos ausbeutet. Für die Mitglieder selbst ist das maurerische Joch die »erträglichste Tyrannei, eine Tyrannei, der man sich fast gar nicht mehr zu entziehen vermag, nachdem man einmal aus Unkenntniß der Loge beige- treten ist. Die vorgebliche Wohlthättgkeit, mit der sich die Sekte brüstet, um Unbehutsame anzulocken und die Achtung der unwissenden Menge zu erschleichen, existirt nur in der Theorie und wird nur stellenweise zum Schein in's Leben übersetzt; steift mit einem Worte der schamloseste Humbug. Was ihr Verhältniß zum Staate angeht, arbeitet die Sekte unter der Monarchie, wenn da» Staatsoberhaupt ihr die Regierung nicht über- laffen will, als permanente Verschwörung; unter der Republik aber monopolisirt sie die Staatsgewalt, konfiszirt die Regierung, reißt Aemter und Stellen an sich, fälscht das allgemeine Stimmrecht, macht die Demokratie zur Fratze, hintergeht schmachvoll die Maffe der Produzenten, Bürger, Handwerker und Arbeiter, indem sie sich selbst thatsäch- lich in der Leitung der politischen Dinge an die Stelle aller derer setzt, welche auf diese Leitung ein Anrecht haben, und dies mit einer solchen Ge- schicktichkcit, daß die Opfer dieser Spitzbüberei und Schurkerei den Betrug nicht einmal gewahr werden. In Bezug auf die sittliche Ordnung macht es sich die Freimaurerei zur Aufgabe, alle Grundsätze der Moral, allen Sinn für Gerechtigkeit, kurz alle sittlichen Begriffe zu zerstören; in der Loge selbst gibt e» nur Wenige, welche der verpestende Einfluß einer solchen Atmosphäre nicht 1
schon von Grund auf verdorben hätte. Die P h i l o - sophie der Loge ist in Wirklichkeit nur ein grober Pantheismus. Zu diesem Pantheismus werden die Adepten der Maurerei durch eine Reihe von Mummereien stufenweise angeleitet.
Als hauptsächlichstes und erstes Ziel verfolgt die Sekte, obgleich sie allgemeine Glaubensfreiheit beständig im Munde führt, dieZerstörung des Katholizismus; gilt es dieses Ziel zu erreichen, so schreckt sie vor keiner Gewaltthätigkeit und keiner Heuchelei zurück. Die eigentliche Leitung der Sekte liegt in den Händen von kaum einigen Hunderten unbekannter Individuen. Diese schalten und walten nach Belieben Über die verkommene und irregeleitete Maffe der Freimaurer, ohne daß dieselben es auch nur merken; sie bedienen sich derselben wie eines Spielzeuges, das sie zerstören können, wenn immer sie es für gut finden. So entwerfen sie mit der größten Niederträchtigkeit die verbrecherischsten, gehässigsten und fluchwürdigsten Attentate und bringen dieselben mit der abgefeimtesten Tücke zur Ausführung." Scheint diese Charakteristik nicht mit unseren Erfahrungen in Widerspruch zu stehen, besonders wenn wir einen Blick auf unsere z. Th. recht zahmen deutschen Br. .’. Maurer werfen? Ich möchte behaupten, daß sie für die deutsche und die englische Freimaurerei allerdings in manchen Punkten zu modifiziren schien, obschon die Freimaurerei im Allgemeinen ein großes Ganzes bildet; dagegen für dieVer- hältniffe Frankreichs, Italiens und Spaniens ist sie durchaus zutreffend und wenn man das Werk Leo Taxil's durchstudtrt hat, muß man dem Ver- faffer Recht geben, wenn er sagt: Das sind die Punkte, welche nicht durch Erörterung mehr oder weniger unbestimmter Indizien, sondern durch vollständige Wiedergabe von unbestreitbaren Dokumenten nachgewiesen find.
Vermischtes.
* Nachdem in Dessau während des Sommers vorigen Jahres viele Fälle von Bleivergiftung vorgekommen sind, welches durch Bleirohren floß, haben sich Pharmazeuten und Chemiker mit der Frage beschäftigt, wie man zu Hause durch einfache Hülfsmittel feststellt, ob Blei in Trink- waffer enthalten ist oder nicht. Die einfachste Methode der Nachweisung besteht darin, daß man ein Halbltttergla» zu zwei Drittheilen mit dem bleiverdächtigen Trinkwaffer anfüllt, einen Thee- löffel voll Essig zusetzt und alsdann zwei ganz blank geriebene Strickdrähte etwa sechs Stunden hineinstellt. Ist Blei in dem Wasser enthalten, so schlägt es sich als ein grauschwarzer Usberzug auf den blanken Strickdrähten nieder. Um ganz sicher zu gehen, kann man eine Loupe zur Untersuchung des einen Drahtes benutzen. Dm zweiten Draht lasse man drei Stunden länger in der Flüssigkeit stehen und bringe ihn alsdann an einen staubfreien Oct, wo der Bleiniederschlag innerhalb 24—48 Stunden eine gelbliche Farbe annimmt.
* Eine neue Beleuchtungsart ist, wie die Zeitschrift für Transportwesen und Straßenbau berichtet, im Krystallpalast zu London unlängst eingerichtet worden, welche sowohl das Gas als auch das elektrische Licht in ihrer Wirkung übertreffen soll. Das neue „gütigen" genannte Licht soll so hell fein, daß gewöhnliche Schrift auf eine Entfernung von 150 Schritten (!!) gelesen werden kann. Dasselbe wird ferner als sehr billig gerühmt, da es zum Theil aus den in Gaswerken vorkommenden Abfall-Oelen erzeugt wird; die Kosten betragen angeblich etwa ein Zehntel gegen Gas und ein Zwanzigstel gegen elektrisches Licht bei gleicher Kerzenstärke. Ein wesentlicher Vortheil des neuen Lichtes soll darin bestehen, daß es weniger blendet als das elektrische Licht und daher ungedeckt in Fabriken verwendet werden kann. Die Lichtwirkung wird durch eine Mischung von verdichteter Lust und fein vertheilten Oeltheilchen erzeugt. Dieses dampf
artige Gemenge brennt mit ruhiger, dauernder Flamme. Ob die Tage des elektrischen Lichtes schon gezählt sind, noch ehe es allgemein zur Anwendung gekommen?
* Ueber den Zucker und die Kinder wird im ,Häusl. Rathgeber' geschrieben: Mütter klagen häufig darüber, daß ihre Kinder an einem sauren Magen leiden. Dies darf einen aber nicht Wunder nehmen. Wiffen die Mütter wohl, wie man Essig macht? Man braucht nur Zucker mit Wasser zu mischen und die Mischung warm zu erhalten. Einen sauren Geschmack im Munde nach dem Genuffe von Süßigkeiten kann man sehr häufig an sich selbst bemerken. Es ist die Säure, welche durch die Gährung des Zuckers gebildet ist, und die, int Munde gelassen, sich mit dem Speichel vereint, um die Zähnchen der Kleinen zu verderben. Stückchen Zucker oder Candis, welche man zwischen den Zähnen gähren läßt, zehren das Email den Zähnchen gerade so gut weg, wie sauer eingemachte Pikles.
* Ein Besucher der Milseburg fand dieser Tage im dortigen Fremdenbuch unter den Einträgen der letzten Wochen die nachstehenden Verse:
Lov der Milseburg.
Ich träumte hinein in das liebliche Thal, Hinein in den herrlichen Morgen;
Wie bist du, schöne Welt, so weit Und du, Herz, so frei von Sorgen.
O hört nur der hellen Glocken Geläut, Das friedlich erklingt aus dem Thal! Du Sonntagsfriede, du herrliche Welt, Dich grüß' ich viel tausendmal.
Wenn je ein Stückchen Erdenland Beglückt und bevorzugt ist, Bist du es, o Rhön, du Zauberland, Bei dir all' Leid man vergißt.
So weit das trunkene Auge schaut, Ihr Berge, so hoch und schön, Hier saftige Wiesen, dort liebliches Thal, Da fühlet nur Frieden man zieh'n.
Gottesdienst-Ordnung in Fulda.
Sonntag, 22. Juli.
Dom. Um 5, 6, 63/4, 71/2 Uhr hl. Messen, um 9 U. Hochamt mit Predigt. Christenlehre um 10»/« Uhr für die Jünglinge und um 1 Uhr für die Jungfrauen. Um 4 Uhr Predigt und Abendandacht, um 7 IX. in der Marien- kapelle Andacht. — Stadtpfarrkirche. 5 U. hl. Messe mit Predigt, 7 Uhr hl. Meffe, 8 Uhr hl. Messe mit Predigt, um 9*/e Uhr Hochamt mit Predigt, 11 U. hl. Meffe, 11 und l1/» U. Christenlehre, 3 U. Andacht. — Michaels- berg. 10 Uhr Gottesdienst, 2 U. Bruderschaft. — Sell erikirche. 91/2 U.Gottesdienst. — Hospitalskirche. 8 Uhr Gottesdienst, 5 Uhr Abendandacht. — Frauenberg: 5 Uhr hl. Meffe, 8 Uhr Bruderschaftsmesse, 1 Uhr Stationen und Predigt.
Zur gefälligen Beachtung!
Unser Redaetions-Bureau befindet sich von heute ab nicht mehr in dem an der Schulstraste gelegenen Rückgebäude des Instituts der ,Englischen Fräuleins sondern unmittelbar neben unserem Expeditions-Lokale (Buttermarkt 112) im Hause des Hrn. Leinensäbrikanten Valentin Plappert und zwar im Vordergebäude, eine Treppe hoch, links. Der Redaetenr ist daselbst (mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage) täglich von 7 bezw. 8 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags zu sprechen.
Fulda, den 2V. Juli 1888.
Die Rcdartio« der,Fuldaer Zeitung.'
L Deibel.