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JV 163

Mittwoch, den 18. Juli.

1888

Fillimr W Jtilxig.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn» und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin. 17. Juli.

• Hebet die öfters besprochene Stellung der Nationalliberalen zum Sozialistenge­setz spricht fich heute die „Nat.-Ztg." aus. Sie erwartet von dem neuen Minister des Innern haltbarere Maßnahmen zur Bekämpfung der So­zialdemokratie und behauptet, ihr sei bekannt, daß sogar noch, während Herr v. Puttkamer Minister war, in den Kreisen der verbündeten Regierungen jene Nothwendigkeit anerkannt wurde. Die letzte Verhandlung des Reichstags über das Sozialisten­gesetz, die Verwerfung der beantragten Verschärf­ungen, die Verlängerung nur auf zwei anstatt auf die geforderten fünf Jahre unter der ausdrücklichen Erklärung eines großen Theils der Mehrheit, daß diese zwei Jahrs zur Herstellung eines für längere Dauer brauchbaren Rechtszustandes benutzt werden sollten, habe dargethan, daß der Reichstag auf dem Puttkamer'schen Wege der Bekämpfung der Sozialdemokratie nicht weiter gehen will. Sollten die Regierungen sich außer Stande erklären, etwas Besieres als da» jetzige Sozialistengesetz vorzu­schlagen, so würde nach der Meinung des natio­nalliberalen Blattes die Mehrheit des Reichstags, besonders die nationalliberale Fraktion, verpflichtet sein, eigene Vorschläge zu machen. Zunächst aber bleibe die Initiative zum Ersatz einer Gesetz­gebung, welche unhaltbar geworden, jedoch nicht einfach fortsallen könne. „Sache der Regierung." Das klingt ziemlich muthig, man wird aber abwarten müssen, ob dieser Muth der Nationalliberalen vorhält, wenn die Regierung ihren Erwartungen nicht .ent­spricht.

* Kürzlich wurde in einer Paritätsbetrrchtung der ,Köln. Vztg.' gesagt, kein Regierunge- Präsident in Preußen sei katholisch. Nachträglich wird darauf aufmerksam gemacht, daß doch eine Ausnahme von der Regel besteht, gebildet durch den Herrn Regierungs-Präsidenten von Sigmaringen. Allerdings hat dieser Regie­rungsbezirk weniger Einwohner als mancher preußische Kreis.

* Die Begegnung des Kaisers mit dem Kaiser Alexander von Rußland erfolgt am Donnerstag Mittag nahe vor Kronstadt. Die Flotten bilden eine Gasse, auf deren einer Seite die russischen, auf deren anderen Seite die deutschen Kriegs-

Des Pfarrers Bild.

Novelle von I. v. Dirking.

(4. Fortsetzung.)

Sie hatte ihren Arm durch den meinen geschlun­gen und plaudernd schlenderten wir in der Dämme­rung hin und der.

Es war ein so schöner Abend. Die Luft ging kaum so stark, um uns den Resedadust zuzuwehen; wie silberne Fäden umwob es die Gesträuche, wie ein schimmernde» Netzwerk lag e» vor uns auf den Wegen, denn der Mond schwebte wie eine güldene Sichel am Himmel, der bald klar und hell in schönster Bläue auf uns herabstrahlte. Linchen machte mich noch auf das Funkeln der Leuchtkäfer und das Zirpen der Grillen, auf dar Rascheln und geheimnißvolle Flüstern in der Natur aufmerksam, und mir wurde ganz wehmuthsvoll zu Muthe, in­dem ich mir da» hübsche aparte Linchen al» die Braut de» hölzernen Magister» vorstellte. Gerade heute war sie liebreizender al» je, aber später erst fiel e» mir ein, was wohl die Ursache gewesen war.

„Die beste Gelegenheit, sich malen zu lassen, hat Onkel jetzt," Hub sie nach einer Pause wieder an.

„Ach so, Du denkst an den Maler, der noch

schiffe stehen. Durch diese Gasse fährt da» Schiff, an dessen Bord die beiden Kaiser sich befinden, nach der Landungsstelle zu Peterhof. Für die Dauer des Besuchs unseres Kaisers in Rußland wird dis Trauer am russischen Hofe abgelegt. Für Freitag ist der Besuch in Petersburg in Aussicht genommen, für Sonnabend große Parade irn Lager von Krasnoje Selo. — Der Kaiser trifft am 25. d. Mts. in Stockholm ein und wird einen Tag dortselbst verweilen, um sich dann nach Kopenhagen zu begeben. — Römische Blätter wollen wissen, der Kaiser werde in der ersten Hälfte des Oktobers zum Besuche des Königs von Italien nach Rom kommen und im Quirinal d. i. im Königsschlosse Wohnung nehmen.

* Nachdem die Verhandlungen mit dem Unter­staatssekretär Studt wegen Uebernahme des Un­terstaatssekretariats im Kultusministerium erfolglos geblieben sind, sollen neue Verhandlungen mit dem Regierungspräsidenten Nasse in Trier eingeleitet fein.

* In militärischen Kreisen erzählt man sich, daß die Epauletten nicht völlig abgeschafft, vielmehr beim Gala«, Parade- und Gesellschafts- Anzug weiter getragen werden sollen. Dagegen sollen am Ueberrock nur Achselstücke getragen wer­den und daher bei diesem Kleidungsstück die Pas­santen (Epaulettenhalter) in Zukunft fortfal- l e n. Die Achselstücke der Subaltern-Offiziere und Hauptleute sollen ähnlich denen der betreffenden Chargen bei den Husaren werden.

*®ine Liste socialistischer Geldbeiträge, welche von Anfang März bis Ende Mai einge­laufen sind, veröffentlicht die socialistische Reichs- tagsfraction. Danach hat der Hasencleverfonds 13,242 M. 90 Pfg. erreicht. Für den Reichs­tagswahlfonds sind während des genannten Zeit­raums 8400 M. 25 Pfg. eingegangen.

• München, 17. Juli. Das Programm zum XII. Kongreß der kaufmännischen Kon­gregationen und der katholischen kauf­männischen Vereine Deutschland», welcher am 11., 12. und 13. August in München abge­halten wird, setzt sich folgendermaßen zusammen: Samstag, 11. August, 8 Uhr Abends: Begrüß­ung der erschienenen Festtheilnehmer im festlich dekorirten großen Saale des katholischen „Casino". (Die auswärtigen Verbands-Mitglieder werden am Bahnhof in Empfang genommen. Das Quartier- bureau befindet sich im katholischen Casino, Barer-

immer hier herumlungert und sich offenbar lang­wellt," entgegnete ich arglos; „ja, ersieht so ab- gerissen und schäbig aus, daß Kläre nicht» Bessere» thun könnte, al« ihm ein wenig unter die Arme zu greifen."

Ganz gereizt fuhr Linchen empor.

„Anna, wie kannst Du so geringschätzig von einem Künstler sprechen?'- grollte sie, meinen Arm fahren lassend. Blitzschnell bog sie sich zu dem Resedabeet nieder, raffte ein paar Blumenköpfchen ab und begann sie zu zerreißen. Ihre Heftigkeit, ihr Zerstörungssinn fiel mir auf. Früher duldete sie nie, wenn man achtlos ein Blümchen zertrat, und jetzt?

„Geringschätzigk" rief ich. „Wieso? Daß er mit seiner Börse bei Matthäus am Letzten ist, steht man seinem Monstrum von Hut schon an; feine» abgeschabten Manchester-Kamisols gar nicht zu gedenken; Kleider machen Leute, Kindchen I"

„Künstler legen keinen Werth auf Aeußerliches," gab sie heftig zurück. „Gottlob gibt es noch edle Naturen, die sich nicht kleinlich um Erbärmlichkeiten kümmern."

„Das ist schlimm für sie selber, denn der Mensch lebt vom Brode," lachte ich.

straße 7.) Sonntag, 12.Aug., 7V2 Uhr Morgens* Versammlung im katholischen Casino; von dort gemeinschaftlicher Kirchgang (mit den särnrntlichen Fahnen der katholischen Vereine München«) zur Basilika (Bonifaciurkirche). Dort 8 Uhr Morgen«: Pontisikal-Arnt, 9*/< Uhr Morgens: Festpredigt. 10 Uhr Morgens. Rückkehr zum katholischen Casino. Beginn der Berathungen der kaufm. Kongregationen und katholischen kaufm. Vereine. Für Nichtdelegirte: Frühschoppen im Prachtsaale de« „Hackerbräu" und, soweit wünschenswerth, Besichtigung des Rathhauses rc. rc. 1 Uhr Mittags: Festdiner im altdeutschen Prachtsaale des Arz­berger Kellers. Nach dem Diner: Fortsetzung der Berathungen der Delegirten. Für Nichtdelegirte: Besuch der deutschnationalen Kunst-Gewerbe-Aus- stellung (bei ermäßigtem Eintrittspreise). 8 Uhr Abends: Große Festversammlung im großen Cafinosaale. Montag: 13. Aug., 8 Uhr Morgens: Seelengottesdienst in der Stadt-Pfarrkirche St. Peter. 9 Uhr Morgens: Fortsetzung der Berath­ungen. Für Nichtdelegirte: Besuch der internatio­nalen Kunstausstellung bei halbem Eintrittspreise, ferner Besichtigung der sonstigen Sehenswürdig­keiten. Der Frühschoppen ist im festlich geschmückten Garten de« „Kollergartens" (Vereinslokal). 12 Uhr: Mittagessen im Kunstbau zum Wein­restaurant „Danner" am Karlsthor. Demnächst: Fortsetzung der Berathungen. Nachmittags: Aus­flug durch'» Mühlthal an den Starnberger See per Extrazug. Bei schlechtem Wetter: Besichtigung der Stadt, der beiden Pinakotheken, Glypthotek, Bavaria rc. 8 Uhr Abends: Kellerfest im Garten des Arzberger Keller».

* Darmstadt, 14. Juli. Der Großherzog, Schirmherr der hessischen F reim au re rlo gen, hat nachfolgendes Schreiben an den Großmeister der Großen Loge zum Eintrachtsbund in Darm­stadt (Reichstags-Abgeordneter Brand) erlassen: „Mein lieber Direktor Brand I Um Ihrem zu Meiner Kenntniß gelangten Wunsche zu willfahren, sowie auch Meinem fortdauerndenJnteresse für die Bestrebungen de» Freimaurerbundes einen erneuten Ausdruck zu geben, nehme Ich gern Ge­legenheit, Ihnen anbei Mein Bildntß für die Logen zu Alzey, Bingen, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Offenbach, Worms und Mainz zu über­senden. Indem Ich Sie bitte, die Uebermittlung desselben an die einzelnen Logen zu übernehmen, verbleibe Ich Ihr wohlgeneigter Ludwig."

„Nein, nein, nein!" neckte sie mich, nun eben­falls lachend. „Von Nektar und Ambrosia le6en gewisse Leute — aber horch, was war das?" un­terbrach sie sich, meine Hand erfassend; ich hörte ihr Herzchen schlagen.

Wir lauschten; aber Alles blieb still, und doch hatte auch ich gemeint, ein Flüstern und Rauschen im Gehölz, das den Garten begrenzte, zu ver­nehmen. Offenbar hatten wir uns getäuscht. Die jungen Kätzchen stellten hier zu nachtschlafender Zeit gern den Vögeln nach; vielleicht waren e» die Fledermäuse, die Eulen, welche da» Geräusch verursacht hatten. Aber Lina war mit einem Male verändert. Stumm schritt sie neben mir einher. Da, in der Nähe des Hause», bewegte sich ein Schatten vor uns hin. Ich fühlte einen krampfhaften Druck von Lina'» Hand; ihr Fuß stockte. J<tzt erkannte ich die Gestalt bereit»; Kläre, in ein shawlartiges Tuch vermummt, schritt uu» entgegen. Lina athmete tief auf. Doch anstatt, wie es ihre Gewohnheit war, die Tante herzlich zu begrüßen, schlich sie heute still an ihr vorüber und war, ehe wir uns dessen versahen, in der Hauslhüre verschwunden. Kopfschüttelnd schaute Kläre ihr nach.