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1888

Dienstag, den 17. Juli.

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gnferate:®U -wspaltig- Z-il- ober deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Juli.

• Im Verlage von Schöningh zu Paderborn ist die bereits angekündigte Schrift des Geheimen Ober-Justizrathes Rintelen, Mitglied des deutschen Reichstages und de» preußischen Abgeordneten­hauses, über „Das Verhältniß der Volks­schule Preußens zu Staat und Kirche" erschienen. Das Buch umfaßt 210 Seiten. In dem Vorwort nimmt der Verfasser einleitend Bezug auf den bekannten Ausspruch des Königs Wilhelm I. in seiner Anrede an das preußische Staatsministerium: „Sorgen Sie dafür, daß Meinem Volke die Religion erhalten bleibe," so- wie auf die bekannten, die Kirchen- und Schul- Frage betr. Stellen in dem Erlasse König Friedrich'« III. an den Fürsten Bismarck und der jüngsten Thronrede König Wilhelms II. Das vorliegende Buch will dazu beitragen, daß da» früher bestandene Verhältniß der Volksschule Preußens zu Staat und Kirche wieder hergestellt werde. „Während früher Staat und Kirche ge­meinschaftlich die Volksschule leiteten, ist in neuerer Zeit das bisherige Band zwischen Schule und Kirche vollständig gelöst und die Schule thatsäch- lich reine Staatsanstalt, ein Tummelplatz für die wechselnden Majoritäten, und ist die Heranwachsende Jugend da» Objekt reiner Parteibestrebungen ge­worden." Von seiner Stellung zur Sache sagt Herr Rintelen: „So weit die katholische Kirche von der Schulgesetzgebung betroffen ist, vertrittt der Verfasser seinen katholischen Standpunkt. Da aber die christliche Kirche überhaupt bei der Frage interesfirt ist, tritt er überall auch für die Rechte der evangelischen Kirche ein, und bleibt ihm die Hervorhebung der confessionellen Gegensätze überall fern." Was die Anordnung des Stoffes betrifft, so gibt das Buch im ersten Theile die gesetzlichen Bestimmungen und prinzipiell wich­tige Anordnungen der Verwaltungsbehörden betr. das Volksschulwesen, sowohl für das landrechtliche Gebiet der Monarchie, als auch für die einzelnen älteren und neu erworbenen Provinzen, gesondert nach Perioden. Im zweiten Theile wird der gegenwärtig bestehende Rechtszustand nach folgenden Richtungen hin erörtert: 1. Anstellung der Volks­schullehrer; 2. Schulaufsicht; 3. Religionsunter­richt; 4. Simultanschulen; 5. Privatschulen. Vor­hergeschickt wird als Einleitung eine kurze Be-

Des Pfarrers Bild.

Novelle von I. v. Dirking.

(3. Fortsetzung.)

Und wie sie nun nett gekleidet war und in die Schule ging, machte sie bald einen ganz guten Eindruck; und weil sie in ihrem Wesen so gar nichts Komödiantenhaftes hatte, fanden selbst die Leute, welche Kläre vorher eine Thörin gescholten, daß „unser Linchen" gar herzig und manierlich sei, und wir sogar recht stolz sein könnten, ein so hübsches, liebes Kind zu haben.

Ein apartes Ding aber war und blieb sie, trotz­dem sie sich alle Mühe gab, gerade so sein zu wollen, wie ihre Schulkameradinnen. Alles an dem Kinde lebte; sie sang und zwitscherte den ganzen Tag und wußte so zu schmeicheln, so unwidersteh- lich mit den schönen dunklen Augen zu betteln, daß man ihr keinen Wunsch versagen konnte. Und dann erst diese Kunstfertigkeit des Mädchens, wenn e» eine Handarbeit für einen Geburtstag, oder einen Blumenstrauß für'» Zimmer, einen Kranz für die Kirche herzustellen galt. Rein, so ein hold­seliges geschicktes Kind gab es im ganzen Kirchspiel nidjt, das war gewiß. Noch steht mir ihr Bild

trachtung der historischen Entwickelung; den Schluß bildet eine allgemeine Betrachtung des gegen­wärtigen rechtlichen und thatsächlichen Zustandes der Volksschule. Die fleißige Arbeit des Ver­fassers ist eine ungemein dankenswerthe. Es fehlte bisher namentlich an einer rasch orientirenden Uebersicht über die auf dem Gebiete der Volks­schule geltenden Gesetze, Verordnungen und Re­skripte. Den Anstoß zu der Veröffentlichung Rintelen's hat der Windthorst'sche Schul­antrag gegeben, zu dessen Begründung und Unterstützung die Schrift ei« sehr reichhaltiges Material zusammenträgt — ein Beweis, rote ernst es die Centrumsfraktion mit ihrem Vorgehen in der Schulfrage nimmt. m

• Offiziös wird gemeldet: An die Meldung, daß der päpstliche Nuntius in Wien, G a l i m b e r t i, dem dortigen deutschen Botschafter einen längeren Besuch gemacht hat, ist die Vermuthung geknüpft worden, daß es sich dabei um Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung und der Curie über verschiedene noch unerledigte Sonderftagen handele. Hier in Berlin ist von solchen Verhandlungen nicht» bekannt. Man erklärt jenen Besuch einfach damit, daß zwischen dem deutschen Botschafter Prinzen Reuß und Msgr. Galimberti seit langer Zeit die herzlichsten persön­lichen Beziehungen bestehen. m , ne

• Offiziös wird mitgetheilt, daß Ihre Maisstät die regierende Kaiserin den Namen Augusta Viktoria (nicht umgekehrt) führt. Haupt- und Rufname ist Viktoria. — Mit Genehmigung des Kaisers wird die verwittwete Kaiserin-Königin Viktoria fortan den Namen Kaiserin-Königin Friedrich führen.

♦ Die diesjährige Berliner akademische Kunst- Ausstellung ist am Sonntag Mittag in Ver­tretung des Kultusministers durch Ministerial­direktor Greiff eröffnet worden.

♦ Heute Vormittag ist die Fach-Ausstel­lung der deutschen Barbier-, Friseur- und Per­rückenmacher - Innungen im Wintergarten des Zentralhotel» eröffnet worden. Dieselbe ist reich beschickt.

* Dr. Mackenzie veröffentlicht in einer Zu­schrift an Londoner Blätter Folgende»: Er sei von der Kaiserin-Mutter Victoria aufgefordert worden, für sie eine wahre Geschichte der Krankheit de» Kaisers Friedrich auszuarbeiten, zum Zweck der deutlich vor Augen, wie sie in ihrem weißen Kleidchen mit den blauseidenen Schleifen und dem Krä.izlein in den dunklen Flechten zur ersten hl. Kommunion ging und zuvor mit feuchtschimmern- den Augen an Jeden von un», der Reihe nach, herantrat und mit zitternder Stimme um unfern Segen bat. _ ,

Selbst dem Vikar schwankte die Stimme, als er seine Hand auf ihren Scheitel legte mit dem doppelten Kran, von Zöpfen und Blumen. „Der Herr beschütze Dich, Kind, er fei Dir Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Dein Schirm und Hort wie bisher." Die Thränen traten ihm ins Auge und dann kam Kläre, nahm ihren Kopf zwischen die Hände und küßte sie auf die Stirn.

„Geh' mit Gott, mein Kind; es ist der wichtigste Tag Deines Lebens I wandle so, daß Du n emals mit Scham und Reue auf diesen Deinen Festtag zurückschauen mögest."

„Ach Gott, Fräulein," unterbricht sich Mamsell seufzend, „wer damals einen Blick in die Zukunft hätte werfen können. c _

„Unser Linchen," sährt sie fort, „war das schönste Mädchen im Dorfe und weil sie eine so hübsche Stimme hatte, erbot sich der Magister Hrldorf,

Berichtigung zahlreicher Angaben, die in einem jüngst von einigen der deutschen Aerzte, die zu verschiedenen Zeiten den Kaiser behandelten, ver­öffentlichten Schriftstück enthalten seien. Ob aber die Kaiserin Victoria die Veröffentlichung de« Berichts gestatten werde, sei zur Zeit unbekannt.

* Trier, 15. Juli. Die .Trierer LandeSztg.' schreibt: In dem ,Wests. Merkur' finden wir ein Artikelchen über eine Ausstellung des heiligen Rockes im nächsten Jahre. Als Quelle dieser Nachricht wird die .Trierer Landesztg.' angegeben. Wir bemerken, daß wir eine solche Nachricht gar nicht gebracht haben. Von der Ausstellung des hl. Rockes im nächsten Jahre ist in hiesiger Stadt gar nichts bekannt. Ebenso wenig weiß man hier etwas von der anderen Behauptung des ,Wests. Merkurs,' daß die Regierung für die Wallfahrt nur 14 Tage bewilligen wollte, während der hochw. Herr Bischof erklärte, daß 6 Wochen un­bedingt nothwendig seien.

Ausland.

* Der König Milan von Serbien ist am Freitag Abend mit seinem Sohne in Belgrad ein­getroffen und von der Bevölkerung festlich em­pfangen worden. Die Königin Natalie hat an den s rbischen Ministerpräsidenten Christitsch ein Telegramm gerichtet, worin sie sich über die ihr auf Requisition der serbischen Regierung wider­fahrene Behandlung beschwert und zu wissen ver­langt, welches Verbrechens sie sich schuldig gemacht habe. Die russische Presse verhehlt trotz ihrer Sympathie für die Königin Natalie nicht, daß deren Handlungsweise eine unbedachte war. Die Köni­gin beabsichtigt, von Wien nach Paris zu reisen und dann ein französisches Bad aufzusuchen.

* Die Feier des französischen Nationalfestes in Paris ist ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Insbesondere gilt dies von der großen Speisung der Maires auf Staatskosten. Die Rede des Prä­sidenten Carnot war kurz. Au» der großen Äou- langisten-Manifestation gegen Carnot ist so gut wie nichts geworden. Deroulsde, der vor dem Denkmal der Stadt Straßburg auf dem Con­cordienplatz Radau machte, wurde arretirt und im Quartier latin wurde ein Student bei einem Zusammenstoß mit der Polizei verwundet. — Boulangers Zustand ist unbedenklich. Er hat Congestion der rechten Lunge und etwas Luft- gefchwulst um die Halswunde.

ihr Gesangünterricht zu geben. Kläre war auch

ganz damit einverstanden. Er wäre nichts schöner

und vernünftiger, meinte sie, wenn ein Mädchen

recht vielseitig gebildet sei. Neben der Haushaltung

könne ein bischen Musik wohl bestehen, und Lina

sei eine gottbegnadete Natur, die durch Studium

so leicht nicht verbildet würde und durch ihren richtigen Instinkt die Wirklichkeit nicht unter den Füßen verlieren werde. Ich dachte nun, Heldorf käme deßhalb so häufig zu uns, um den Vikar für die Gesangübungen Lina'» zu gewinnen. Aber da theilte mir Kläre eines Abends im Vertrauen mit, daß Heldorf als Freiwerber um Lina's Hand aufgetreten fei und man froh wäre, eine so gute Partie für sie in Aussicht zu haben. Mir aber sank bei dieser Mittheilung das Herz in die Schuhe. Denn bis jetzt hatte sich Linchen stets im Geheimen über Heldorf lustig gemacht und ihr Nachahmungs­talent benutzt, feine Manieren zu verspotten.

Und weil der Magister ein wenig steif und häß­lich und ziemlich langweilig war und viel älter war als sie, so fand ich die Partie durchaus nicht so vortrefflich, wie unser guter Herr und Kläre sie rühmten, aber mein Urtheil kam nicht in Be­tracht. Vielleicht hatte ich ja auch ein Vorurtheil