1888
Freitag, den 13. Juli.
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* Die Bischöfe Irlands
waren am 27. und 28. Juni in Maynooth versammelt. um über die Stellung zur irischen Landfrage zu berathen. Der Erlaß des heil. Vaters gegen den sogen. Feldzugsplan hat nämlich unter den Hitzköpfen in Irland eine gewaltige Aufregung hervorgerufen; cs wurden Protest-Versammlungen gegen den Erlaß abgehalten, an denen sich freilich weder der Klerus noch die befleren katholischen Bürger betheiligten; nichtsdestoweniger war die Lage der Bischöfe gegenüber der Agitation keine angenehme, und es war ein energisches, gemeinsames Vorgehen erwünscht, zumal auch die auswärtige Presse vielfach falschen Ansichten Raum gab. Die Bischöfe setzten eine aus sieben Punkten bestehende Erklärung aus, in welcher die irischen Verhältnisie nach jeder nur wünschenswerthen Richtung klargestellt werden. Es ist wichtig, daß die Bischöfe von vielen „Unzuträglichkeiten" sprechen, über welche sich die Pächter mit Recht beklagen, und daß es nach der Meinung der Bischöfe gewisse sehr dringende Uebelstände gibt, welche im Interesse der öffentlichen Ordnung und der Gerechtigkeit eine sofortige gesetzliche Abhilfe fordern. Die Bischöfe gehen dann im Einzelnen auf die berechtigten Beschwerden der Pächter ein.
„Die Hauptforderung der Landpächter Irlands in Sachen des Pachtzinses", so sagen die Bischöfe wörtlich, „ist und war im Wesentlichen immer die nach einem öffentlichen und unpartettschen Gerichtshof, welcher zwischen dem Gutsherrn und dem Pächter entscheiden soll. Die Pächter verlangen durchaus nicht das Recht, selbst die Höhe ihres Pachtzinses festzusetzen. Wogegen sie prote- stiren, das ist, daß der Preis durch den Gutsherrn willkürlich festgesetzt werde." Diese Forderung ist sogar begründet durch ein schon bestehendes Gesetz, nämlich die Landakte von 1881. Allerdings hat das Gesetz allerhand Klauseln und Hindernisse, welche in einer sehr großen Anzahl von Fällen praktisch jene Akte unnütz machen. Dazu erklärten die Bischöfe:
Das weitaus ernsteste dieser Hindernisse ist das« jenige, welches aus der Anhäufung der Rückstände übertriebener Pachtzinse entstanden ist. Bet dem heutigen Zustande der Gesetze sehen die
Des Pfarrers Bild.
Novelle von I. v. Dirking.
(Nachdruck verboten.)
Es ist Herbst. Feierliche Stille waltet in der Natur, die segensmüde ihre Hände in den Schooß legt. Sangeslos schwirrt die Lerche über der braunen gefurchten Ackerbreite, an der sich hier und da eine stacheligte Wallhccke entlang zieht, wo die Schlehe, vom milchblauen Flaum bestäubt, am Dornstrauch schimmert und die Brombeeren, Korallenschnüren gleich, aus dem Dickicht hervordämmern.
Auf dem grün belasten Feldweg, der ins Dorf führt, wandert einsam ein junger Mann von geschmeidiger Gestalt, mit hübschen bleichen Zügen und dunklen, von blauen Ringen beschatteten Augen. Tiefschwarzes Haar quillt ihm in dichter Fülle unter dem runden abgerissenen Hut hervor und wallt lang auf den Halskragen der schäbigen rostbraunen Sammeljacke herab, die seine Glieder umschlottert. Träumerisch läßt er den Blick in der Gegend umherschweifen. Links und recht» wechseln Wtesengründe mit Feldern, von Geholzen umrahmt, ab; dann und wann blitzt die Kirchthurmspitze, in der Sonne wie Gold funkelnd, über dem Waldgehege empor, während hoch im Aether ein langer
von dieser Last bedrückten Pächter — und man zählt sie in unserem Lande zu Tausenden — sich hoffnungslos von jeder Möglichkeit, vor diesen Gerichtshöfen Gerechtigkeit zu erlangen, ausgeschlossen. Ihre drückenden Schulden erlauben einem anspruchsvollen Gutsherrn die Drohung der Ausweisung anzuwenden, um sie zu verhindern, sich an die Gerichte zu wenden; und selbst in dem Falle, wo da» Einschreiten des Gerichts erlangt wird, besitzt das Tribunal wegen seiner gesetzlichen Unfähigkeit, die Last der Rückstände zu erleichtern, nicht die Macht, den Pächter gegen die Gefahr der Ausweisung zu bewahren. Er hat in Wahrheit die richterliche Gewalt, den Pachtzins herab- zusctzen, wenn er übertrieben ist; aber es besitzt nicht die Macht, die Schuldenlast, welche den Pächter wegen feiner Unfähigkeit seit Jahren jenen übertriebenen Pachtzins zu bezahlen, niederdrückt, zu erleichtern. So lange jene Schuldenlast vorhanden ist, so lange bleibt der Pächter dem Gutsherrn auf Gnade und Ungnade preisgegeben.
Sodann gibt es im Lande Tausende von Pächtern, denen das Recht abgesprochen worden ist, zu den Gerichten ihre Zuflucht zu nehmen, weil sie gerichtliche Ausweisungsbefehle erhalten haben, welche ihnen ihr gesetzliches Recht als Pächter entziehen."
Die Bischöfe erklären, daß um so weniger ein Grund für solche Behandlung vorliege, als in Schottland eine ähnliche Parlamentsakte mit Erfolg in Kraft stehe.
„Wir glauben, hinzufügen zu sollen," so schließt die Erklärung, „daß, wenn das Parlament nicht ohne Verzug eine wirksame Schutzmaßregel zu Gunsten der irländischen Pächter gegen die Bedrückungsmaß cegeln und willkürlichen Ausweisungen erläßt, die verderblichsten Folgen für die öffentliche Ordnung und das Wohl des Volkes fast unausbleiblich daraus entstehen müssen."
Diese Erklärung ist unterzeichnet von den 4 Metropolitan-Erzbischöfen der vier Kirchenprovinzen Irlands und von 27 irischen Bischöfen.
Er liegt auf der Hand, daß dieser Schritt des irischen Episkopats sowohl zur Klärung der Angelegenheiten in Irland als auch zur Beruhigung der Bevölkerung ungemein viel beitragen wird.
Zug Wandervögel in Zickzackwmdungen dahinzieht und Traumgebilden gleich silberne Herbstsäden in der Luft schweben.
Ein tiefer Seufzer entringt sich der Brust des jungen Mannes. „O, wenn es mir doch gelingen würde", denkt er, „wenn doch dieser Ausflug nicht vergebens wäre. Rur ein kleiner Verdienst genügt ja; aller Anfang ist so schwer, so ichwer. „Und doch", fügt er nach einer Weile mit dem Lebene- muth der Jugend hinzu, „und doch, unsere Kunst hat eine Zukunft. Wenn Vater sie nur nicht so geringschätzig über die Achsel ansehen würde. Aber er ist ein Maler, ein echter Künstler, und als ein verkannte» Genie durch und durch verbittert."
Seit vier Wochen verweilte der Maler Schönheim in Bergfeld, einem westfälischen Landstädtchen, wohin ihm vor 14 Tagen seine Familie, aus seiner Frau und zwei Söhnen bestehend, nachgefolgt war. Vor langen Jahren waren de» Maler Schönheim'» Bilder eine Zeit laug berühmt ge- wesen; allein er hatte e» nicht verstanden, diesen kurzen Frühling de» Ruhme» auszubeuten und sich irdische Schätze zu sammeln. Sein Arbeitseigenfinn verhinderte ihn ferner daran, sich vollend» zum Löwen de» Taue« empor zu schwingen. Denn anstatt mit den Zunstgenossen in da» Feldgeschrei: Technik, Realistik, einzustimmen, blieb er der alten
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli.
* Die.Germania' meldet soeben die Dekorirung de» Fürsten Löwenstein mit dem ChristuS- Orden. Das ganze katholische deutsche Volk wird mit aufrichtiger G-uugthuung diese päpstliche Auszeichnung begrüßen, mit hoher Freude den Fürsten im Besitze eines Ordens sehen, der den Namen Christi trägt und deshalb den Gedanken an einen Träger echt christlicher Gesinnung nahelegt. Und da» ist der Fürst, und er beweist es fort und fort durch Wort und That und sein ganzes Leben! Jüngst noch wieder in besonders hervorstechender Weise durch die mühsame Arbeit vieler Monate zur Organistrung und Leitung der katholischen deutschen Pilgerfahrten nach Rom, feit vielen Jahren als ständiger Kommissar der katholischen deutschen Generalversammlungen, stets durch hervorragende Förderung der wichtigsten Aufgaben unseres Volkes, vor Allem der religiösen und sozialen. Gott erhalte den Fürsten, den auch der h. Vater so hoch geehrt hat, uns noch lange Jahre!
* Da gestern die Maueranschläge mit den kaiserlichen Thronreden vielfach durch rothePlakate mit der Aufschrift „Hoch lebe die Sozialdemokratie!" überklebt wurden, nahm die Polizei zahlreiche Verhaftungm vor.
* Die kürzlich aufgetauchten Gerüchte von einer ehelichen Verbindung des rufsischen Thronfolger» mit einer Schwester unseres Kaiser» werden in einem Petersburger Telegramm der .Köln. Ztg.' sehr entschieden dementirt; es sei überhaupt von HeirathSplänen betreff« des Czarewitsch keine Rede, derselbe unterliege noch ein Jahr wissenschaftlicher Ausbildung und solle dann große Reisen, u. A. eine Fahrt um die Erde machen.
* Dr. Mackenzie läßt mitthetlen, daß er sein Tagebuch ausarbeite, welches die Geschichte der Krankheit Kaiser Friedrichs darstelle. Dasselbe werde in drei Theile zerfallen: in einen medizinischen, einen gesellschaftlichen und einen politischen, werde aber erst „nach dem Tode gewisser Personen" veröffentlicht werden.
* In Aachen hat am 10. d. M. die große HeiligthumSfahrt ihren Anfang genommen, nachdem am Tage vorher in Gegenwart de« Erz-
Fahne treu und--nagte jetzt am Hungertuche.
Nur unmerklich war er von Stufe zu Stufe gesunken. Zuerst war es die Scheelsucht seiner Mitgenossen, dann die Ungunst der Z it, widerstrebende Verhältnisse; zuletzt war es der Zweifel an seinem Können, diese Krankheit des wahren Talentes, die den Flug seines Genius lähmte und den lebensfrohen Künstler in einen Melancholiker verwandelte.
In der letzten Zeit war er fast zum Handlanger seiner Kunst herabgesunken; denn er fertigte nur noch auf Bestellung Kopien nach berühmten Mustern, oder hier und da ein Original für eine Fabrik von Oeldruckbildern an. Am Herzen des Künstlers nagte seitdem der Gram, bis er das Mark seine» Leben» verehrt hatte — und nun drang der Arzt auf Luftveränderung.
Bergfeld vereinigte mit seiner gesunden Lage noch den Vorzug eine» billigen Aufenthaltorte» und bot zugleich ein gute» Versuchsfeld für die Operationen eines Photographen dar, weil diese Gattung Kunst hier in der Gegend noch wenig kultivirt wurde. Bei Schönheim ging d e Kunst stark nach Brod. Der älteste Sohn Wilhelm wurde trotz seines bedeutenden Maltalentes Photograph, weil der kränkelnde Vater nicht mehr im Srande war, für den Unterhalt der Seinen sorgen zu können.