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Sonnabend, den 7. Juli.
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—* Ueber Freimaurerei.
XIV.
Proben und Ceremoni, ll bei der Aufnahme.
(Fortsetzung.)
Der Ehrwürdige. — Was ist die Moral? Antwort des Suchenden.
Replik de» Ehrwürdigen. — Die Moral ist die Wissenschaft der Sitten, der Tugei d und der Kenntmß der sozialen Pflichten des M nfchen. Da» allgemeine und unveränderliche Naturgesetz regiert alle intelligenten, freien Wesen. Die Moral ist die Kunst, Andere und sich selbst glückl.ch zu machen. Die beste Moral ist die Moral des Herzens.
Der Ehrwürdige. — Was ist die Moralität?
Antwort de» Suchenden.
Replik dis Ehrwürdigen. — Die Moralität ist da» Verhältniß zwischen Handlungen, Prinzipien und Sitten eine» Menschen. D e Moralität ist das unterscheidende Merkmal eine» civtltstrten Menschen. Die Handlungen eine» Irrsinnigen find der Mo-a- lität beraubt, weil sie ohne moralische Unterscheidung, ohne Bewußtsein stattfinden.
Der Ehrwürdige. — Was versteht man unter Gesetz? Wa» unter Naturgesetz?
Antwort de» Suchenden.
R plik de» Ehrwüidigen. — Da» Gesetz (lateinisch lex, legis von legere, lesen: dem Volke vorlesen) ist die von der gesetzgeberischen Gewalt eine» Volke» vorgeschriebene Regulirung de» phy- stschen und stttlichen Leben» einer Gesellschaft tnt Interesse de« allgemeinen Wohle». Es kann als die Ueveremstimmung aller Willen in einem einzigen (Resultante aller Willen) angesehen werden; e» setzt Rechte und Pflichten des Einzelnen und sein Verhalten zu Seinesgleichen fest. Die Gesetze find die mächtigsten Zügel für die Menschen und fast der einzige Zügel für die Könige. Wie viele Gesetze würden unnölhig werden, w.nn man gute Gesetze über die Erziehung erließe! . . . Das Naturgesetz ist da» Gefitz der physischen, intellektuellen und moralischen Welt. Dasselbe ist unveränderlich; e» regelt Alles im Himmel und auf Erden mit mathematischer Nothwendigkeit; es regelt ebenso die Geister und Intelligenzen. Es ist die Grundlage der menschlichen Gesetze, welche dasselbe mehr oder weniger zum Ausdruck bringen und immer der fortschreitenden Entwicklung des menschlichen Geistes Rechnung tragen müssen.
Der Ehrwürdige. — Was ist die Tugend?
Antwort de» Suchenden.
Replik des Ehrwürdigen. — Die Tugend (lateinisch virtus von vis, Gewalt) ist eine Kraft der Seele, welche auf die habituelle Uebung de» Guten, des Rechten und des Pflichtgemäßen gerichtet ist. Es ist ein natürlicher Antrieb zum stttlich Guten, die Kraft, die Leidenschaften in Botmäßigkeit zu bringen, die Kunst, dieselben im Gleichgewichte zu erhalten und fich in den Genüssen zu beherrschen; fie ist die Gewohnheit, gut zu handeln und nach der geordneten Vernunft zu leben, welche immerdar zum Guten antreibt; fie ist der Triumph des Willens über die Begierden, das Opfer feiner selbst und seines Wohlergehens zum Besten Anderer, die Ueberordnung des allgemeinen Besten über das persönliche Interesse, die Herrschaft der Seele über
den Leib, die Liebe zur Ordnung, zur Harmonie und zum Schönen; fie ist die in's Leden Über- gefitzte Philosoph^ und Freimaurerei (I), die vorzüglichste Verehrung, welche man dem Höchsten Wesen erweisen kann. Keine Freundschaft kann bestehen ohne Tugend, keine öff ntliche Tunenden ohne Tugenden der Einzelnen. Das einzige Mitiel, das Volk tugendhaft zu machen, ist, es frei und glückt ch zu machen.
Der Ehrwürdige. — Was ist Barbarei? Antwort des Suchenden.
Replik des Ehrwürdigen. — Barbarei ist der Natu-zustand (!), der Zustand der Wilden, der Zustand eines uncivilistrten Volkes. Wenn man auf den Ursprung der Gesellschaft zurückgeht, steht man zuerst Völkerschaften im Zustand der Wildheit. Die Jagd, der Fischfang, eine mit Zweigen bedeckte Hütte; keine Kunst, keine Wissenschaft; anstatt des Gesetzes das Recht des Stärkeren; der Mensch im Kampfe mit den Thieren und selbst mit dem Menschen: das ist der Zustand der Wildheit und Barbarei, welcher heute noch nicht gänzlich aus der Welt verschwunden ist. Es gibt noch heutzutage Mmlchenfresser, welche die ® fangenen und Schiff -rUchigen aufzehren. — Dem Zustande oer Wildheit oder Tgierheir des Menichen folgte die Barbarei, d. i. ein Zuiammenleben von Individuen unter einem knechtisch - despotischen Regi- mente. — Au« dem Zustande der Knechtschaft gingen diese immer zahlreicher werdenden Vö.ker- ichaften zu einem Zustande von C vilrsation über, welcher noch viele Stufen zu durchlaufen hat, um zu der menschenwürdigen Vollkommenheit zu gelangen. Noch besitzt kein Volk der Erde diesen Zustand in seiner ganzen Vollkommenheit, weil noch immer die Stärksten int Bunde mit den V.rschla- genbsten zusammen die Schwachen und Unwissenden ausbeuten, indem die einen die Leiber tyranni- firen, die anderen die Seele knechten. Jedes Attentat auf die soziale Ordnung ist ein Akt der Barbarei. Jedes Land, in welchem es nicht gestattet, was man denkt, durch Wort ober Schrift auszudrücken, muß in Dummheit, Aberglaube nnb Barbarei verfallen (sic). Im Alterthum bemächtigten sich die in die Mysterien Eingeweihten des bart arischen Menschen, um ihn zu cioilistren; heute bemächtigt sich oie Freimaurerei des civilistrten Menschen, um ihn zu ver vollkommnen(!!).
Der Ehrwürdige. — Wa« ist das Laster?
Antwort des Suchenden.
Replik des Ehrwürdigen. — Das Laster ist eine Veranlagung, ein habitueller Hang zum Bösen, zu schlechten Handlungen, der baäu treibt, die Natur- und Sozialgesetze zu übertreten. Es ist eine Leidenschaft (!), welche sich und Andern schädlich ist. Alle Fehler, welche Nachtheil verursachen können, find Laster: Verschlagenheit bedeutet einen Vorzug im Verstände und ein Laster im Charakter. Das Laster haßt die Tugend. Wer viele Laster hat, hat viele Herren. Jeder Mensch hat mehr oder weniger die Laster seiner Professton. Ein großer Fehler ist es, die Dinge mit ihren Auswüchsen zu verwechseln: Die Religion mit dem Aberglauben, die Philosophie mit Scheinphilosophie, die Freiheit mit der Zügellosigkeit, den Zweifel mit dem Unglauben. Man hat mit Recht gesagt: „Die Heuchelei ist eine Huldigung, welche das Laster der Tugend darbringt, rc. :c."
Ist das Moralexamen zu Ende, so beginnen die Prüfungen; wie es scheint, zählt die „Em- führung in die Höhle" nicht.
Der Ehrwürdige. — Mein Herr! Sie haben gut geantwortet. Sagen Sie mir aber auch andererseits in aller Aufrichtigkeit, ob auch Sie durch das, was ich sagte, vollkommen befriedigt sind!
Antwort de« Suchenden.
Der Ehrwürdige (nach einer Pause). — Mein Herr! Wir versammeln un« in unser» Tempeln, um uniern niedern Trieben, dem Drange der Begierlichkeit, einen Zügel anzule^en, um uns über die unedlen Sorgen zu erbeben, welche den profanen H-ufin p'agen, um die Gluth unserer antrsozialen Leidenschaften dämpfen zu lernen. Wir arbeit n unermüdlich an unserer B-fl.rung, wir gewöhnen unser Herz, sich nur großen Gefühlen hinzugeden, unfern Geist, nur Gedanken des Ruhmes und der Tugend zu unterhalten. Nur durch solche Regelung seiner Neigungen und Sitten kommt man dazu, seiner Seele jenes richtige Gleichgewicht zu verschaffen, welches die Weisheit, d. i. die Wissenschaft des Leben» ausmacht. Diese Arbeit ist aber beschwerlich und erfordert viele Opfer, zu welchen Sie sich entschließen müssen, wenn Sie bei uns aufgenommen werden wollen. Beharren Sie bei Ihrem Verlangen, sich al« Frei- maurer aufnehmen zu lassen, so müssen Sie den festen Entschluß fassen, raülo« an Ihrer Vecvoll- kommnung zu arbeiten. S nd Sie noch immer so gesinnt, mein Herr?
Der Suchende b.jaht es.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
(Ein Politiker auf dem Kutscherbock) Unlängst erlebte Frau Professor 0. B e r g m a n n gelegentlich einer Fahrt nach dem Augasta-Hospiial folgendes Intermezzo : Als die Dame der Droschke entstiegen wa. und b zahlen wollte, bemerkte sie, daß sie das Portemonnaie vergessen hatte. Sie nannte dem Kutscher ihren Namen und fragte ihn, ob er nicht das Fahrgeld aus der Woh. nung abholen wollte. Der alte Roßlenker sagte köpf- nickend: „Schon jut! Wenn et die Mackenzie gewesen wäre, hätte ick et nich jedhan."
* (Schlimme Bermuthung) Wirth: „Hier mein Herr, haben Sie Ihre Portion Hasenbraten, die beiden Läuf', was ganz Delikates." (Der Gast kostet, riecht dm Braten mit deutlichen Zeichen des Mißfallens an und legt still Messer und Gabel bei Seite Wirth (grob): „Run, was soll denn das? Ist der Braten etwa zu schlecht für den feinen Herrn?" — Gast: „Nein, das gerade nicht, aber ich glaube, der Hase muß in — Etwas hineingetreten fein."
S An einem Eisenbahnschalter in Oesterreich entwickelte sich neulich folgendes Gespräch. Reisender: . Hier san 85 Kreuzer davor will i a Billet." — Beamter: „Wohin?" - R. (mit verstärkter Stimme): „Hier san 85 Kreuzer und i will «fach a Billet." — B.: „Wohin denn? frage ich noch einmal!" — R. (schreiend): „A Billet will i!" — B.: „Bin ich schon 15 Jahre Expeditor, aber eine solche Dummheit ist mir noch nicht begegnet!" R.: „Ja, dumm san's, wenn's net amal wiss'n, was mer für 85 Kreuzer for a Billet kriegt." — Der Beamte schlug ärgerlich den Schalter zu; der Reisende aber strich seine 85 Kreuzer ein und brummte: „Nehm' i ntei B-llet wo annerscht."
* (Vorschlag zur Güte) Die kleine Elly kommt zu ihrer Großmama gelaufen: „Großmamachen, wir spielen gerade Menagerie, willst Du nicht das Krokodil sein?"
* (GlänzendeVergangenheit) Bayerischer Unteroffizier : Sie hochnäsiger Mensch Sie, — Sie glauben wohl, Sie sind noch immer Trambahukutscher? Aber jetzt i's aus mit der Herrlichkeit!^
Gottesdienft-Ordnung in Fulda.
Sonntag, 8. Juli.
Dom. Um 5, 6, 6»/., 7i/a Uhr hl. Messen, um 9 Uhr Amt mit Predigt. Christenlehre um IO3/. Uhr für die Jünglinge und um 1 Uhr für die Jungfrauen. Um 4 Uhr Predigt und Abendandacht, um 7 Uhr in der Marienkapell- Andacht. — Stadtpfarrkirche. 5 Uhr hl. Messe mit Predigt, 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr hl. Messe mit Predigt, um 91/2 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe, 11 und IV2 Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft vom hochw. Gute. — Michaelsberg. 10 Uhr Gottesdienst. — Severikirche. 9i/e Uhr Gottesdienst. - Hospitalskirche. 8 Uhr Gottesdienst, 5 Uhr Abendandacht. - Frauenberg: 5 Uhr hl. Messen, 61/, Uhr Hochamt, 8 U. Bruderschastsmeffe. 2 U. Ordens- Versammlung. — Montag, 9. Juli. (Fest der Märtyrer von Gorkum). Vollkommener Ablaß. — Samstag, 14. Juli. (Fest des hl. Bonaveniura). Vollkommener Ablaß.