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Erstes Blatt.
-n. Die kirchenfeiudliche Strömung ist Italic«. *)
(Nach der Turiner Zeitschrift: „L’Ateneo*.)
Die Kirche hat gegenwärtig in Italien ranhe Taae durchzumachen. Der kitchmfeindliche Strom ist mehr al! je mtfeffelt, und der „Antikletikalis- mur" schreit „Triumph I" Worin besteht sein gegenwärtiger Triumph?
Er triumphirt in den Gemeinderaths» wählen von Rom, wo die liberale Liste vollständig über die konservative gesiegt hat.
Er verkündet Sieg! in den Hallen de» Par» Umente«, wo der Ruf de» italienischen Episkopate» «ach Gerechtigkeit, Billigkeit und Freiheit dM Klerus gegenüber mit großer Majorität niedergeschrieev, und der neue Strafkodex mit seinen gehässigen Vexirartikel» gegen den Kleru» angenommen wurde.
Einen Triumph feierte er auf dem Kirchhof zu Turin; wo am Sonntag, den 17.Juni mit pomphafter Feierlichkeit, in Gegenwart der Repräsentanten der Freimaurerei und der Regierung der neue Leichenverbrennung»»Ofen neben den Gräbern unserer christlichen Voreltern „eingeweiht" wurde.
E» sind da» Ereignisse von nicht geringer Bedeutung. Da» Resultat der Gemeinderathwahlen in Rom bedeutet Protest gegen die römische Kurie wegen der Verurtheilung de« Giordano Bruno und seiner gottlosen Lehren; e» bedeutet Huldigung dem Freidenkerthum, in dessen NamenGiordano Bruno seine Jrrthümer und philosophischen Verkehrtheiten gelehrt hat. Die Errichtung seiner Denkmal» auf dem Campo bet fiori ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit. Vereitelt ist die kräftige, einheitliche Opposition der katholischen Ge- meinderäthe; der Feind hat schließlich gesiegt, Dank seine» numerischen Uebergewtchte».
Und was bedeutet die Annahme der neuen Strafgesetze gegen den Klerus? Sie bedeutet, daß von der weltlichen Macht des Papstes kaum noch der Name übrig bleiben soll, und daß alle Proteste Leo'» XIIL keiner Beachtung gewürdiget werden. Wehe dem Geistlichen, der nur den
*) Nachdruck nicht gestattet.
Mund öffnen wollte, um bett liberalen Abgeordneten zu sagen, baß bet Papst nicht frei sein könne ohne bett Besitz seiner Stabt Rom, unb baß er einer wahren und wirklichen Souveränetät bedürfe zur Au»übung seine» geistlichen Amte»; dem kämen augenbliLich die Gendarmen auf die Fersen und jahrelange« Gefängniß wäre sein Thetl. Eine Rückgabe Rom'« an seinen bisherigen rechtmäßigen Herrn wäre ja ein Riß in da» einheitliche Italien, und wer einen solchen versucht, gehört strengsten» bestraft.
Schließlich beweist die Errichtung eine» Leichenofen» in Turin, daß auch da, in der Stadt außerordentlicher Heiligthümer, die Freimaurer ei immer mehr Boden gewinnt. Sie zeigt sich öffentlich und offiziell, mit Fahnen und Abzeichen, gerade wie die alten christlichen Bruderschaften. Wer aber heute da» Wort „Freimaurerei" ausspricht, sagt nicht mehr und nicht weniger al»: tödtlicher Haß gegen alle«, wa» Priester, Kirche, Evangelium, Chrtstenthum heißt. Da» Santo Uffizio hatte die Leichenverbrennung al» unerlaubt bezeichnet; diese« Dekret darf keiner Beachtung gewürdigt werden!
Die kirchenfeindliche Strömung macht also gegenwärttg wahre und gewalttge Fortschritte.
Die erste Parole hatte der Minister Grimaldi in Terni ausgegeben, al» er im September 1886 dm Kleru« al« FeindJtalim« hinstellte. Bonghi verschärfte die Gistdosi« und nannte da» Papst- thum einen Krebsschaden Italiens. Alsbald mtstanden antiklerikale Vereine durch ganz Jtalim; e» bildete fich ein Kamst« für Giordano Bruno, und in gleicher Zeit erhob fich ein gewaltiges Geschrei gegen das päpstliche Anerkennungsschreiben für die Jesuitm und bett Brief an ben Kardinal Rampolla; alsdann ertönte von allen Seiten da» Schlagwort vom „unantastbarm Rom", da« noch in die jüngsten Festlichkeitm in Bologna hinein tönte. Eine wahre Fluch von Schmähschriften ergoß fich gegen da» Santo Uffizio, gegen die Jesuiten, gegen Leo XIII.; auch die Bonghi, Ferri, Hardi, Billia und andere Träger der Wissenschaft leisteten Beistand.
Da» genügte aber noch nicht; noch schneidigere Mittel sollten in sichtbarer Weise und auf staatlichem Wege den zukünftigen Geschlechtern den antiklerikalen Geist beibringen; in diesen letzten Ereignissen sind sie gefunden.
In dem Dmkmal für Giordano Bruno, im Turiner Letchmofm, in bett Artikeln bet neuen Strafgesetze hat man also jetzt bie Schlüssel zu einer ganz neuen Aera, deren dar königliche Italien, wohl oder übel, sich heute rühmt.
In dresem neuen Stadttuu ist die Revolution ihrer Sache sicherer al» je; ungehemmt kann sie jetzt einherschrettm, ohne umzusehen; und immer wetter wird sie voranschreitm, bi» sie auch da» letzte Blatt am Baume verzehrt hat. „Die Revolution hat Logik, Macht und Trieb in sich" ; da« sagte schon Lammenat«, der sie gründlich studirt hat und sie Schrftt für Schritt in Frankreich verfolgte von 1815 bi» 1830: „Wehe euch, Italiener, roetm ihr sie machen lasset, wie wir sie bei un» habm gewähren lassen; sie geht dirett auf ihr Ziel Io«; und ihr Ziel ist: auch den Schatten de» Chrtstenthum« au« dm Hetzen, au» der Schule, au» der Familie, au» der Gesetzgebung, au» dem öffentlichen und Privat-Lebm herauszureißen.
Die Bachanalim, die in Rom am Tage nach den Wahlen gefeiert wurden; da« von Crispi gegebene Losungswort, stet« bett Vatikan int Auge zu behalten; die Vereinigung aller Parteien, bet liberalen, monarchistischen, sozialistischen unb radikalen, zu dem einen Zwecke, bei den Wahlm zu siegen, koste e«, wa« er wolle; mdltch die Thal- fache, daß die Regierung dm Gemeinderathswahlen in Rom einen politischen und religionsfeindlichen Anstrich gab; alle» das beweist un», wieviel Rohheit, wieviel Gewaltthätigkeiten, welche Verfolgungen die Katholiken in Jtalim in dieser neu eröffneten kirchenfeindlichen Aera zu erwarten habm.
Der Moniteur' von Rom, da« angesehenste Organ der katholischen Presse, sagt, daß die römischen Wahlen nicht eigentlich die Niederlage einer einzelnen Partei seien, sondern vielmehr „ein Schritt vorwärts auf dem Wege der Lösung der römischen Frage". Gewiß, von dem Gesichtspunkte der göttlichen Vorsehung au« kann man sagen, daß der Moniteur' Recht hat. Wa« in Rom geschieht, ist derart, daß denen die Augm bald aufgehen können, die sie bi» jetzt zugedrückt haben. Aber, ohne Pessimist zu sein, erlauben wir un», auch unseren besten Mitbruder daran zu erinnern, daß. solange weder König, noch Parlament, noch bte Diplo-
Drr KMchmkd und der Kaier.*)
Blitzende Sonnenlichter spiegelten sich in dem großen Schaufenster, welche» etterartig an dem alten Eckhause de» Marktplatze» vorsprang. Wa« dort hinter den Scheibm so verlock, nd schimmerte und blinkte war doch eitel Gold und Silber — prächtige Geschmeide und Gefäße, welche die Blicke der Vorübergehmden auf sich zogen. Manche Hausfrau blieb davor stehen und beneibete heim- sich bie Glückliche, bie diese« schwere Tafelsilber erstehen und in bet Schatzlabe bergen dürste, und manch' Jungftäulein verweilte und schaute mit sehnsüchtigem Blick auf bie so art g ausgestellten Hangen, Goldkettlein unb — Brautringe.
Unb da» fand Jeder natürlich; daß aber ein Bäuerlein int leinenen Blaukittel unb hohen Stiefeln, an. bettett noch schwerer Lehmboden hrng, so gar lange in da» Schaufenster gaffte, war ver- wunderlicher. Der konnte voch lein Gelüste nach diesen Prachtstücken ttagen!
So dachte auch der Goldschmied, bet int Laden seine Kunden bediente, und al» er i tzt den letzten mit vielen Bücklingen vor die Hau«thüre begleitet
♦) Nachdruck nicht gestattet.
hatte, da fuhr er barsch den Bauer an: „Nun wa» schaut Ihr denn da mit Eurem einfältigen Gesicht so in einem fort in meinen Laden hinein? Macht doch endlich einmal Platz — Ihr kaust doch nicht«.
Der Bauer wandte sein wirklich recht einfältig au«sehmde« Gesicht herum, warf dm umgehängten schmutzigen Zwergsack etwa« weitet übet die Schultet zurück und faßte dann bedächtig an feinen großen Dreimaster, bet auf bem recht struppigen Kopse faß.
„Ja, kaufen wollt' ich nicht«," — stammelte er, al« ob er nicht recht wüßte, wie er mit bet Sprache heraus sollte — „aber wenn Ihr bet Meister feib, der all' bie goldenen und silbernen Dinget da macht, fo möcht' ich einmal eine Frage an Euch richten."
„Run und die wäre?"
Der Bauer that ein« Schritt näher und dämpfte seine Stimme herab. „Wa« gäb't Ihr wohl für einen großen Klumpen Silber?"
„Ein Klump.-n Silber? — ja, wie groß denn?" forschte der Goldschmied mtt gespannter Mime.
„Nun, so groß wie — wie — ein Pfervskopf I"
„Alle Wettet, der Kerl hat einen Schatz cm«- gegraben, der von Ärieg«&eiten her verscharrt ge
wesen !" durchblitzte e« de« Meisters Kopf. „Da wäre ein gute» Geschäft zu machen, denn wa» versteht solch' ein dummer Bauet vom Werth de» Silber»."
In demselben Augenblick stapfte bet Mauschel Rosenthal au» einem Seitengäßlein übet bm Platz herüber — dem durste der einfältige Bauer mit feinem Silberklnmpm aber nicht in die Hände fallen. —
„Lieber Mann, kommt doch mit herein und ruht Euch ein bischen au», Ihr feib doch gewiß müde von Eurem Marsch," klang e« jetzt in ganz anderen Tone au» de» Goldschmied»' Muno.
Der Bauer folgte ihm ohne wettete Umstände in da» kühle Stübchen hinter dem Laden, unb al« e« dort freundlich hieß: „Nun nehmt aber auch einen kleinen Imbiß zu Euch. Ihr habt gewiß Hunger und Durst" — da ließ er sich gar nicht nöthigen, sondern schob riesige Stücke Schinkm und geräucherte Wurst hinter seine festen, weißen Kauwerkzeuge.
Da« war auch ein Frühstück, wie e« sonst nicht an unser Bäuerlein kam! Zum Trinken ließ e« sich aber erst recht nicht nöthrgen, und der Mistet schenkte fleißig ein — in der Zuversicht, daß sich dann da« Händelchen desto glatter mache.